Elger Essers erstes Buch, Veduten und Landschaften, das 2000 in unserem Hause erschien, fand eine erstaunlich große Resonanz und löste so manche photoästhetische Debatte aus. Als jüngster der Becher-Studenten - geboren 1967 - hat er sich nämlich in seinem photographischen Konzept am grundlegendsten von dem seiner berühmten Lehrer entfernt.Essers Landschaften und Städteansichten atmen die Stille und den romantischen Geist des frühen 19. Jahrhunderts. Seine Aufnahmen von Meeresküsten, Marschlandschaften, Flußläufen und fernen Horizonten könnten auch aus dem vergangenen Jahrhundert stammen - wäre da nicht das Phänomen der Farbphotographie. Wie Ton in Ton gehaltene Aquarelle oder ausgeblichene historische Postkarten - die er seit seiner Kindheit sammelt - wirken Essers Bilder; sie ziehen den Betrachter unwillkürlich in eine unbestimmbar weit zurückliegende Vergangenheit, obwohl sie hier und heute aufgenommen und ohne jeden Zweifel gegenwärtig sind. Diese lyrische Qualität geht neben den gewählten Motiven, die jeden zivilisatorischen oder gar touristischen Aspekt aussparen, auf lange Belichtungszeiten und eine spezielle Entwicklungstechnik zurück und ist - natürlich - bewußt eingesetzt. Denn für Esser ist Photographie die traditionelle Form der Huldigung an die Schönheit, ein Mittel zur emotionalen Verortung von Erinnerungen. Im ersten Moment erscheinen Elger Essers Fotoaufnahmen von Veduten und Landschaften wie Bilder aus einer vergangenen Zeit. Die Farben wirken verblichen in den panoramahaften Stadtansichten zu Lyon, Mâcon oder Albi in Frankreich oder den Küstenlandschaften von Benbecula und South-Uist in Schottland. Doch auf den zweiten Blick sind Zeichen der Gegenwart zu erkennen. Zwei parkende Autos im süditalienischen Matera oder der Tour Montparnasse in Paris. Der Bildband zeigt 60 Farbaufnahmen von Naturräumen, Städten, Flussläufen und Brücken, die Esser zwischen 1994 und 2000 in Frankreich, Italien, den Niederlanden und Schottland abgelichtet hat. Formal orientieren sich seine Bilder an den Landschaftsaufnahmen aus der Frühzeit der Fotogeschichte. Es ist allerdings nicht Essers Absicht, diese zu zitieren. Vielmehr arbeitet er mit dem Raum und der Zeit, auch in technischer Hinsicht. Mit langen Belichtungszeiten inszeniert er diffuse Wasseroberflächen, kommentiert das vorhandene Licht und modelliert menschenleere Weiten, die unserer schnelllebigen Zeit mit Stille und Klarheit begegnen. "Ich versuche, die Landschaften in der Färbung so festzuhalten, daß sie in der Stimmung, dem Duft und den Geräuschen meinem Gefühl an diesem Ort entsprechen", beschreibt Esser seine Arbeitsweise. Der 1967 in Stuttgart geborene Esser wuchs in Rom auf und studierte bei Bernd Becher an der Düsseldorfer Kunstakademie. Dort setzte er sich intensiv mit der historischen Landschaftsfotografie auseinander und erarbeitete neben seiner eigenen Fototätigkeit eine Sammlung von historischen Landschaftsaufnahmen anonymer Fotografen. Die Publikation wird durch einen kenntnisreichen Text des Kunsthistorikers Rupert Pfab begleitet und mit einem aufschlußreichen Gespräch zwischen Elger Esser und Georg Elben abgerundet. Veduten und Landschaften ist eine wunderbare Bildreise in die Vergegenwärtigung des Augenblicks. -Stefan Meyer
Buch:
Natur-Fotografie - Bildband und Fotoschule
Autor:
Richard Du Toit, Gerald Hinde, Richard du Toit, Ausgabe vom Okt. 2002, Gebunden, Verkaufsrang 156827
Aus der Amazon.de-Redaktion Das Okavango-Delta gilt als größtes Binnendelta der Welt, die Wüste Kalahari als größte zusammenhängende Sandformation. Was diese beiden Rekordnaturräume im südafrikanischen Botswana verbindet, ist der Fluss Khwai. Und der spielt im Buch Natur-Fotografie die Hauptrolle - oder besser: seine tierischen Bewohner. Abgesehen von einigen Aufnahmen in Gestalt grauer Pilzteppiche, die auf Elefantenkot sprießen, dienen Pflanzen und Landschaften lediglich als Kulisse für Tiere. Wer also erwartet, dass ein Streifzug durch die Naturfotografie im Stile eines Streifzuges durch verschiedene Landschaftszonen der Erde stattfindet, wird enttäuscht. Deshalb wäre es gut gewesen, im Titel oder an anderer exponierter Stelle auf diese Einschränkung hinzuweisen. Auch der Begriff "Fotoschule" könnte zu falschen Vorstellungen verleiten. Denn dieser Teil nimmt gerade einmal 13 von 175 Seiten ein. Nach einer flüchtigen Einleitung gestaltet sich der Lehrbereich derart, dass zu jedem im Hauptteil abgelichteten Bild in einer Kurzdokumentation festgehalten wird, mit welchem Objektiv und welcher Blende jeweils gearbeitet wurde. Auch wenn allgemeine Fototipps gegeben werden, bleibt der Rahmen insgesamt bescheiden. Im viel größeren Fototeil kann von Bescheidenheit keine Rede sein. Geradezu spektakulär und in bester National-Geographic-Qualität sind manche Nahaufnahmen von zähnefletschenden Löwen, badenden Nilpferden oder aufgebrachten Elefanten anzusehen. Erstaunlich, dass keine Aufnahme in diesem Buch mithilfe des Computers "nachgebessert" wurde. Denn jede dieser Fotografien stellt die exakte und wahrhaftige Aufzeichnung eines Augenblicks dar, wie er von der Kamera festgehalten wurde, was wiederum für Geduld, Mut und das nötige Hintergrundwissen der beiden Fotografen Richard du Toit und Gerald Hinde spricht. Letzteres beweisen sie auch durch ausführliche naturwissenschaftliche Begleittexte zu Flora und Fauna. Fazit: Lautete der Untertitel des Buches "Tierisches Leben in der Khwai-Region", gäbe es nichts zu beanstanden. -Jan König