Norbert Frei, Ausgabe vom 22. Okt. 2001, Taschenbuch, Verkaufsrang 206733
Aus der Amazon.de-Redaktion Dieselbe Person macht Karriere im Terrorregime der Nazis und im rechtsstaatlichen System der Bundesrepublik? Wie das - gab es nach dem Zusammenbruch des NS-Systems nicht umfassende Entnazifizierungsbemühungen? Die historische Realität sah allzu oft anders aus: Viele erfolgreiche Karrieren wurden nahezu nahtlos vom Dritten Reich ins Nachkriegsdeutschland überführt. Dies ging meist einfacher als man es sich heute vorstellt. Der bekannte Historiker Norbert Frei (Der Führerstaat) beschreibt in Karrieren im Zwielicht "die Nachgeschichte des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik". Im Zentrum seiner ernüchternden Studie stehen fünf gesellschaftspolitisch relevante Gruppen und ihre berufliche Situation nach 1945: Mediziner, Offiziere, Juristen, Unternehmer und Publizisten. Sie hatten alle ihre ganz eigenen Wege der "Vergangenheitsbewältigung", selbstkritische Auseinandersetzung blieb dabei die Ausnahme. Die Regel war ein Geflecht aus Vertuschen, Totschweigen, Schönreden und angeblichem Befehlsnotstand. Dies sicherte angesichts einer halbgaren alliierten Entnazifizierungspolitik sowie langwährendem bundesrepublikanischen Justizstillstand Laufbahn inklusive Vermögen, etwa bei den Familien Krupp oder Neckermann. Der Leser kann sich nur angewidert schütteln angesichts von Karrieren wie der eines bis 1960 unbehelligt arbeitenden Universitätsprofessors für Kinderheilkunde, der behinderte Patienten als "Monstren" oder "seelenlose Wesen" ansah. Frei und seine Mitautoren (nur das Schlusswort stammt von Frei selbst) öffnen den Giftschrank der deutschen Geschichte - herausgekommen ist ein Buch, das den "Nachkriegskonsens der Schweigekartelle" endgültig brechen dürfte. Eine große Leistung für einen Band, der "nur" Begleitmaterial einer TV-Dokumentation ist. Die Autoren vermieden jedoch das genretypische Anheften ihrer Erkenntnisse an wenige plakative Einzelschicksale, sie erstellten einen aussagekräftigen Gesamtüberblick. Dessen schieres Erscheinen belegt eine zentrale - und ermutigende - Aussage des Buches: "Trotz kollektiven Beschweigens und Vertuschens erfüllte sich die Hoffnung auf das große Vergessen nicht". -Joachim Hohwieler 1
Buch:
Winifred Wagner: oder Hitlers Bayreuth
Autor:
Brigitte Hamann, Ausgabe vom Okt. 2003, Taschenbuch, Verkaufsrang 111479
Aus der Amazon.de-Redaktion Für ihr Buch über Hitlers Wien ist Brigitte Hamann in den höchsten Tönen gelobt worden. Die frühen Jahre des späteren Diktators als gescheiterter Kunststudent waren bis dahin von niemandem einer derart akribisch recherchierten Untersuchung unterzogen worden. Akribisch recherchiert hat Hamann auch diesmal, wenn auch unter erschwerten Bedingungen. Wenngleich manche Mitglieder der untereinander verfeindeten Zweige der Familie Wagner die Autorin bei ihrer Arbeit unterstützten - der Zugang zu dem von Amélie Hohmann verwalteten Nachlass Siegfried Wagners und dessen Frau und früher Witwe Winifred blieb ihr verwehrt. Dies mag die Autorin schmerzen, dem Buch ist daraus aber kein spürbarer Mangel erwachsen. Auch diese Arbeit hat höchstes Lob verdient. Herausgekommen ist nicht nur eine brillante Biografie der Hitler-Freundin und Schwiegertochter Richard Wagners. Hier handelt es sich zugleich um einen überaus scharfsichtigen Beitrag zur deutschen Kultur- und Zeitgeschichte, der manchen bislang dunklen Winkel in der Villa Wahnfried taghell ausleuchtet. Am Anfang steht die von Siegfrieds Mutter Cosima eingefädelte Hochzeit der jungen Wagner-Enthusiastin Winifred Marjorie Williams mit dem einzigen Sohn des von ihr über alle Maßen verehrten Komponisten Richard Wagner. Siegfried ist zwar immerhin 28 Jahre älter als die Braut - und neigt in seiner eigentlichen sexuellen Orientierung dem eigenen Geschlecht zu, kommt aber dank seiner jungen Frau doch noch zu drei Söhnen und einer Tochter: Wieland, Friedelin, Wolfgang und Verena. Trotz des Kindersegens freilich ist die Ehe alles andere als glücklich. Von ihrer Schwiegermutter bevormundet und von ihrem Mann, der sich ohnehin die meiste Zeit auf Konzertreisen befindet, nicht wirklich geliebt, fühlt sich Winifred einsam und verlassen. Mit diesen Umständen bringt Brigitte Hamann die begeisterte Hinwendung der späteren Festspiel-Chefin zu Adolf Hitler in Zusammenhang. Glänzend zeigt Hamann die bizarren Brüche in der Person Winifreds, die auf der einen Seite für die nationalsozialistische Ideologie ihres Führers entflammt, sich auf der anderen Seite aber vehement persönlich für Juden und andere von den Nazis Verfolgte einsetzt. In völliger Verkennung der tatsächlichen Schuld ihres Freundes "Wolf", über den sie mutmaßt, dass er von seinem Leibarzt systematisch um den Verstand gebracht wurde, erklimmt sie in dem legendären Film-Interview mit Hans-Jürgen Syberberg 1975 dann den Gipfel einer irrwitzigen Verblendung und verbleibt dort bis zu ihrem Tod im März 1980. Winifreds beständigen Aufstieg zu diesem Gipfel schildert Brigitte Hamann in diesem Buch, vor dessen Hintergrund auch das Syberberg-Interview in neuem Licht erscheint. -Andreas Vierecke 1
Buch:
Berlin unterm Hakenkreuz
Autor:
Sven Felix Kellerhoff, Ausgabe vom 1. Febr. 2006, Broschiert, Verkaufsrang 31582
Aus der Amazon.de-Redaktion Als Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg aus den Albträumen erwachte, die ihm die nationalsozialistische Terrordiktatur bereitet hatte, war das Land ein einziger Trümmerhaufen. Doch auf dessen westlichem Teil blühte bald schon die Demokratie der Bundesrepublik Deutschland. Die Welt war des Lobes voll. Auf die Wiedergeburt der Demokratie folgte das Wirtschaftswachstum, Adenauer verankerte das Land fest in der westlich-demokratischen Werte- und Verteidigungsgemeinschaft und alle waren glücklich. Was aber war aus den ganzen Nazis geworden, die vor 1945 die deutsche Kulturnation in die tiefste Barbarei gestürzt hatten? Alle tot? Oder aus lauter Scham in der Versenkung "verschwunden"? Keineswegs. Viele setzten ihre unter und mit dem Nationalsozialismus begonnene Karriere nach dem Krieg im Dienste der Demokratie fast bruchlos (und nur zu oft ganz ohne Scham) fort. Widerwärtig! In fünf sehr aufschlussreichen Einzeluntersuchungen über Nachkriegskarrieren von Medizinern, Unternehmern, Offizieren, Juristen und Journalisten sowie einer Bilanz des Herausgebers geht der Band der Frage nach, was aus der Elite des "Führers" nach 1945 geworden ist. Eine alles in allem sehr ernüchternde Bilanz, die man heute nur deshalb mit nur mäßigem Grausen lesen kann, weil die verstrichene Zeit dafür gesorgt hat, dass wir diese teils erbärmlichen Gestalten, von denen hier berichtet wird, am Ende doch noch losgeworden sind. Soweit sich dies beurteilen lässt, beruhen die aufschlussreichen Beiträge allesamt auf sorgfältigen Recherchen, sind dabei aber wohltuend ungeschwätzig. Was allerdings leider ausgeblendet bleibt, ist die Frage, was eigentlich aus den Eliten in der anderen Hälfte Deutschlands (oder auch in Österreich) nach dem Krieg geworden ist. Eine sicherlich nicht minder interessante Frage! Further research is necessary. -Andreas Vierecke
Buch:
Fritz Gerlich - Ein Publizist gegen Hitler - Briefe und Akten 1930-1934
Autor:
Rudolf Morsey, Ausgabe vom 15. Sept. 2010, Gebunden, Verkaufsrang 709966
Product Description Bekannt geworden ist vor allem die titelgebende Analyse des berühmten expressionistischenStummfilms Das Cabinett des Dr. Caligari 1919. Diese Untersuchung stehtbeispielhaft für das gesamte Buch. Kracauer weist anhand der Figuren unddes filmischen Szenarios im Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg ein Überwiegenautoritärer Neigungen nach. Untersuchungen zur Ästhetik verbinden sichmit psychologischen Analysen. So nähert sich Kracauer über die Betrachtungvon Bergfilmen und Filmen mit nationaler Thematik zeitlich dem Endpunktseiner Filmgeschichte 1933, den er zugleich zum Ausgangspunkt für dasLebendigwerden der filmischen UnGestalten erklärt.
Buch:
Ich war Jud Süß - Die Geschichte des Filmstars Ferdinand Marian.
Autor:
Friedrich Knilli, Ausgabe vom 18. März 2010, Gebunden, Verkaufsrang 30072