Aus der Amazon.de-Redaktion Wäre Sitting Küchenbull etwas zu essen, dann wäre es ein deftiger Eintopf: Reelle Kost, ohne überflüssige Schnörkel, bodenständig zubereitet und äußerst schmackhaft. Dass Vincent Klink nicht nur mit Kochlöffel, Topflappen und Co. geschickt jonglieren kann, sondern ihm auch beim Buchstabenherumwirbeln augenschmausige Ergebnisse gelingen, ist den Fans des Sternekochs längst bekannt. Freunde gehobener Mundwinkel delektieren sich regelmäßig an Häuptling Eigener Herd, der Zeitschrift, die der Autor gemeinsam mit Wiglaf Droste herausgibt. In Sitting Küchenbull ist Klink, Jahrgang 1949, selbst der Mittelpunkt. Er erzählt von Kindheit und despotischen Opas. Vom Wehrdienst und von Raketenjagdpanzern, die statt nach Farbe und Hydrauliköl nach Sekt und Knoblauch riechen. Vom Kochberuf, cholerischen Chefs, zu viel Alkohol und zu wenig Freizeit. Und von seiner Karriere, bei der auch überkandideltes Publikum gekonnt bedient werden will. Wie wurden früher Schweine geschlachtet? Was macht den besonderen Geschmack von Schwalbennestern aus? Wie lange muss Pfauensuppe kochen und wer servierte seinen Gästen Krokodilfleisch? En passant erhält der Leser obendrein Einblicke in die Kochmoden der 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts bis hin in die heutige Zeit. Vincent Klinks Sätze, mal deftig, mal mit verschmitzten Wortneuschöpfungen gewürzt, zergehen genüsslich auf der Zunge. Klink nimmt sich selbst nie zu ernst und der Schuss Selbstironie, mit dem er seinen Sitting Küchenbull verfeinert, macht aus ihm ein abgerundetes Lesevergnügen. Einziger Wermutstropfen: Das Buch ist viel zu schnell ausgelesen. Davon hätte man glatt noch eine Kelle mehr haben können. - Anne Hauschild
Buch:
Mein Leben, meine Freiheit: Die Autobiographie
Autor:
Ayaan Hirsi Ali, Ausgabe vom Dez. 2007, Taschenbuch, Verkaufsrang 84516
Aus der Amazon.de-Redaktion Einschüchtern kann man Ayaan Hirsi Ali schon lange nicht mehr. In ständiger Lebensgefahr lebt sie ohnehin, seit sie sich entschlossen hat, lautstark und kämpferisch für muslimische Frauen das Recht einzufordern, als vollwertige Menschen behandelt zu werden, die frei über sich entscheiden dürfen. Wie bitter ernst es ihr mit ihrem Anliegen ist und wie kompromisslos sie entschlossen ist, es zu verfolgen, konnte man bereits in ihrem Buch Ich klage an nachlesen, in dem sie ihren persönlichen Leidensweg bereits in groben Zügen beschrieben hatte. Ein Leidensweg, der beispielhaft für die Leiden vieler junger Muslima steht, die jedoch, im Gegensatz zu ihr, in ihrer überwältigen Mehrheit ihr Leid in Unterwerfung schweigend ertragen. In ihrer äußerst lesenswerten Biografie Meine Leben, meine Freiheit erzählt die Autorin ihre ganze Geschichte. Sie erzählt von ihrer Familie, von ihrer Kindheit in Somalia, Saudi-Arabien, Äthiopien und Kenia und den Demütigungen, denen sie ausgesetzt war. Sie berichtet von heimlichen Rendezvous und Zwangverheiratungen, vom Bürgerkrieg, weinenden Waisen und verwitweten Frauen, von ihrer Flucht nach Holland, wo sie eingebürgert wurde und studierte, ins Parlament gewählt wurde und mit Theo van Gogh schließlich den Film "Submission" drehte, aufgrund dessen er auf bestialische Weise auf offener Straße abgeschlachtet wurde. Mein Leben, meine Freiheit ist bei alldem kein Buch, dessen Motiv eine therapeutische Selbstbespiegelung wäre. Es soll vielmehr vor Augen führen, dass auch wir nicht aus falsch verstandener Toleranz wegschauen dürfen, wenn im Namen welcher Religion auch immer Menschen ihrer angeborenen Rechte beraubt werden. Und dies nicht etwa "nur in fernen Ländern", sondern auch hier in Europa. Ein sehr bewegendes Buch über ein kämpferisches Leben für das man die Autorin ruhig bewundern darf. Hoffentlich währt es noch lange! - Andreas Vierecke 1
Buch:
Der Ruhm und ich
Autor:
Gustav-Adolf Schur, Ausgabe vom 20. Juli 2011, Broschiert, Verkaufsrang 301796
Michael Tsokos, Ausgabe vom 8. Sept. 2010, Kindle Edition, Verkaufsrang 1541
Ein verkohltes Skelett auf der Rückbank eines ausgebrannten Wagens. Ein halbnackter Mann, der bei eisiger Kälte tot aufgefunden wird. Eine Wasserleiche, gekleidet im Stil des 19.Jahrhunderts, und der bohrende Verdacht: Könnte es sich hierbei um Rosa Luxemburg handeln? Michael Tsokos, Deutschlands bekanntester Rechtsmediziner, erzählt von dreizehn mysteriösen Todesfällen, die er allesamt selbst untersucht hat. Hochinformativ und spannend wie ein Krimi. Dass zu einer standardmäßigen Sektion neben der Öffnung der drei Körperhöhlen stets auch die Entnahme von Blut, Urin, Magen- und Darminhalten gehört, sind nur einige der zahlreichen Details, die der Leser in dem ebenso spannenden wie lehrreichen Buch von Michael Tsokos erfährt. Dem Tod auf der Spur lautet der bezeichnende Titel dieser Sammlung spektakulärer Fälle aus dem Berufsalltag des Leiters von Deutschlands größter gerichtsmedizinischen Abteilung in der Berliner Charité. Bei alledem räumt Tsokos auf mit den in TV-Serien kolportierten Klischees von exzentrischen oder verschrobenen Knochensägern, die mit ihrer unappetitlichen Arbeit, beinahe im Alleingang Kriminalfälle lösen. Das beginnt bereits damit, dass bei den wenigsten Fällen, mit denen es Tsokos und sein Team zu tun haben, Mord im Spiel ist. Wesentlich häufiger stellen sich Suizide oder schlichtweg Unfälle als die wahren Todesursachen heraus. Entsprechend fällt auch die Gewichtung innerhalb der zwölf Fälle aus, die Tsokos in seinem Buch präsentiert. Allen gemeinsam ist die Kniffligkeit und die Spannung ihrer Begleitumstände. Pseudopsychologisierend und bis an die Grenzen des Sadismus in ekelerregenden Details schwelgend, spielt es kaum noch eine Rolle, dass sich der Autor obendrein über weite Strecken einer grauenhaften Mischung aus Medizinerjargon und Beamtendeutsch befleißigt. So ist etwa ? um nur einen Fall herauszugreifen ? von der "widernatürlichen Auffindeposition" des Toten die Rede, dessen Körper auf der Suche nach "Faserspuren" mit "Plastikklebeband abgetastet" wird. Von "intensiven körperlichen Kontakten wie zum Beispiel Rangeleien", von "Rektal- und Köperkerntemperaturen" oder "postmortalen Artefakten" in Form von Hauteinschlüssen, die mit "Fäulnisflüssigkeit gefüllt" sind, welche sich wiederum von "thermischen Verletzungen", sprich: Brandblasen, durch das Fehlen eines "stark eiweißreichen Exsudats (entzündliche Absonderung)" unterscheidet. Alles in allem ein Buch für Voyeure und Sensationsgierige, sofern es ihnen vor gar nichts graust und sie nicht allzu empfindliche Mägen haben. ? Franz Klotz
Buch:
Noch mal leben vor dem Tod: Wenn Menschen sterben
Autor:
Beate Lakotta, Walter Schels, Ausgabe vom 7. Sept. 2004, Gebunden, Verkaufsrang 14006