Franz Nuscheler, Ausgabe vom 1996, Taschenbuch, Verkaufsrang 814837
Buch:
Politik ohne Macht
Autor:
Niall Ferguson, Ausgabe vom 2001, Gebunden, Verkaufsrang 584284
Aus der Amazon.de-Redaktion Als erste große historische Gesamtdeutung und bahnbrechende Untersuchung nach der Epochenzäsur von 1989 kündigt die DVA mit dem ihr eigenen Hang zu Superlativen das neueste Buch von Niall Ferguson The Cash Nexus: Money and Power in the Modern World. Economics and Politics from the Age of Warfare to the Age of Welfare 1700-2000 an, das sie unter dem fragwürdig übersetzten Titel Politik ohne Macht. Das fatale Vertrauen in die Wirtschaft herausgebracht hat. Um ein hochexplosives Gemisch aus Polemik, historischer Beschreibung, Scharfsinn und souveräner Urteilskraft soll es sich handeln, das alle Sozialstaats-, Globalisierungs- und Parteiendebatten der letzten Jahre kleinmütig und nebensächlich erscheinen lasse. Doch kann der junge Oxford-Professor für Politik- und Finanzgeschichte der über Gebühr geschürten Erwartungshaltung auch tatsächlich gerecht werden? Die Prämisse, mit der er "alle ökonomisch-deterministischen Geschichtsauffassungen von gestern und heute in Zweifel ziehen will", die einen Kausalzusammenhang zwischen freier Marktwirtschaft und Demokratie herstellen, klingt jedenfalls eher banal: "Die Grundannahme dieses Werkes lautet, dass "... miteinander im Konflikt liegende Impulse, nennen wir sie der Einfachheit halber Sex, Gewalt und Macht, einzeln und gemeinsam wichtiger sein können als Geld, als das ökonomische Motiv." Inspiriert von Thomas Carlyles in den 1840er Jahren geprägten Ausdruck "cash nexus" spürt Ferguson in Auseinandersetzung mit Francis Fukayama, dem zufolge Kapitalismus und Demokratie die "Doppelhelix" der modernen Welt darstellen, und in Konfrontation zur neoklassischen Schablone vom Homo oeconomicus in seinen Streifzügen durch die Geschichte den neuzeitlichen Verflechtungen zwischen Wirtschaft und Politik nach. Seine Schlussfolgerung lautet weniger "money makes the world go round", sondern dass vielmehr politische Ereignisse, allen voran Kriege, ideologische und religiöse Konflikte für die zentralen Institutionen des modernen (Wirtschafts-)Lebens konstituierend seien. Hängt man seine Bedeutung tiefer, hat es der Autor zugegebenermaßen dennoch verstanden, ein gut recherchiertes, vortrefflich geschriebenes Buch vorzulegen, das sicherlich seine originellen Seiten hat und auch mit mancherlei Vorurteilen aufräumt. -Roland Detsch 1