Aus der Amazon.de-Redaktion Jean Ziegler will unsere Aufmerksamkeit einmal auf ein anderes Imperium lenken, als das, welches die USA derzeit aufzurichten versuchen, nämlich auf das, welches nach seinem Dafürhalten die Welt nach seiner Überzeugung schon längst nach seinen alleinigen Regeln beherrscht: das Imperium der großen, transnationalen Konzerne. Und eben die macht er deshalb auch verantwortlich für die Unterdrückung, die Armut und den Hunger in der Welt. Der Autor geißelt dieses Imperium der Schande in dem unvergleichlich harschen Ton, den wir von ihm schon aus seinen vorherigen Veröffentlichungen wie Wie kommt der Hunger in die Welt oder Die neuen Herrscher der Welt kennen. Auch diesmal wird man schwerlich einen Zwischenton finden: Gut oder böse ? allein in diese Kategorien sortiert Ziegler die global agierenden Wirtschaftslenker ein. Das heißt: Eigentlich sind sie alle böse, weil in dem Weltmarkt, der nach den Spielregeln funktioniert, wie sie heute nun mal zu gelten scheinen, wohl nur die Bösen zum Zuge kommen. Und die sind getrieben von nichts als ihrer Gier: "Der einzige Antrieb dieser neuen Feudalherren ist die Anhäufung größtmöglicher Profite in möglichst kurzer Zeit, die kontinuierliche Ausdehnung ihrer Macht und die Beseitigung jedes sozialen Hindernisses, das sich ihren Dekreten widersetzt." Ziegler, immerhin Sonderbeauftragte der UNO für das Recht auf Nahrung, ist ein honoriger Mann, auch wenn man ihn in der Schweiz wegen seiner in Die Schweiz wäschst weißer erhobenen Vorwürfe auch schon mal wegen Landesverrats ins Gefängnis stecken wollte. Was bereits für seine ätzende Generalkritik am Schweizer Finanzsystem galt, gilt auch für Das Imperium der Schande: Trotz aller Vorbehalte, die man gegenüber der Art und Weise haben mag, wie Ziegler seine Kritik vorträgt - in der Grundsubstanz ist sie leider nicht ganz unberechtigt. Auseinandersetzen sollte man sich mit ihr deshalb allemal! - Andreas Vierecke 1
Buch:
Bekenntnisse eines Economic Hit Man: Unterwegs im Dienst der Wirtschaftsmafia
Autor:
John Perkins, Hans Freundl, Heike Schlatterer, Ausgabe vom 12. März 2007, Taschenbuch, Verkaufsrang 23250
Product Description Die wirklichen Ursachen der neuen globalen Depression Erscheinungsjahr: 2010 Einsteiger/Laien Gewicht: 207 gr / Abmessung: 19 cm Von Baader, Roland Nur wer den Zusammenhang von Geld- und Gütermenge begreift, wer die Bedeutung des Sparens und des Aufnehmens von Schulden für Investitionen im gesamtwirtschaftlichen Zusammenhang versteht, kann die Ursachen der Weltwirtschaftskrise erkennen. Diesen Zusammenhang beschreibt der weltweit bekannte Nationalökonom Roland Baader in seinem neuesten Buch Geldsozialismus - Die wirklichen Ursachen der neuen globalen Depression. Baader hatte schon 2004 die 2007 beginnende Finanzkrise in dem Buch Geld, Gold und Gottspieler - Am Vorabend der nächsten Weltwirtschaftskrise prognostiziert. Doch im Moment sonnen sich die Beteiligten in Wirtschaft und Politik in einer - wie es heißt - konjunkturellen Erholung. Die kann deshalb stattfinden, weil mit Bürgschaftsversprechungen der Staatsbankrott einiger europäischer Staaten aufgeschoben worden ist. Die Quittung wird kommen und zwar umso kräftiger, wenn die Bürgschaften eingelöst werden müssen. Dann werden auch die Bürgschaftsgeber in den Strudel einer verkehrten Geldpolitik geraten. Die Ursache der Misere, so schreibt Roland Baader, ist das ungehemmte Schuldenmachen. Es wird als Erfolg gefeiert, dass die Neuverschuldung geringer ausfällt als früher. Es werden aber immer noch neue Schulden gemacht. Der entstandene Brand, so Baader, wird mit Benzin gelöscht. Das ist möglich, weil die Staaten als Hauptschuldenmacher über das Geldmonopol verfügen. Die seit Jahrhunderten erprobte Binsenweisheit, dass Monopole schaden, wird bei dem sensibelsten Gut einer Marktwirtschaft missachtet, bei dem Geld. Seine Menge und sein Preis werden zentral festgelegt. Damit wird die freie Marktwirtsch
Aus der Amazon.de-Redaktion Hätten Sie gedacht, dass die US-Zollbehörden mehr Geld durch die Einfuhr von Unterwäsche aus Kambodscha einnehmen als durch australischen Wein oder japanischen Stahl? Und dass der Betrag, den die amerikanische Regierung Jahr für Jahr ausgibt, um die einheimische Textilindustrie vor Importen zu schützen, größer ist als das Bruttoinlandsprodukt einiger der ärmsten baumwollproduzierenden Länder? Jeder erhaltene Textil-Job kostete den amerikanischen Steuerzahler im Jahr 2002 stolze 175.000 Dollar. Dagegen nehmen sich die Summen, mit denen deutsche Stahl- und Kohle-Arbeitsplätze subventioniert werden, geradezu wie ein Witz aus. Wer dem freien Welthandel das Wort redet, erntet oft den Vorwurf, dadurch würde nur der "Wettlauf nach unten" beschleunigt: Wann immer ein Produkt anderswo billiger hergestellt werden kann, wandern die Arbeitsplätze dorthin ab - und die sozialen Standards sinken. Vor allem die berüchtigten "Sweatshops", wo in der Hauptsache Frauen für niedrigste Löhne härteste Arbeit verrichten, sind vielen Globalisierungskritikern ein Dorn im Auge. Pietra Rivoli, Wirtschaftsprofessorin an der Georgetown University in Washington, D.C., beschloss, all diese Argumente zu überprüfen, indem sie den Produktionszyklus eines einzelnen T-Shirts verfolgte: Von der Baumwoll-Plantage bis in die Läden der Einzelhandelsketten (und sogar darüber hinaus: auch dem Altkleider-Export nach Afrika widmet sie ein interessantes Kapitel!). Die Reise führte die Autorin von Texas über Schanghai nach Daressalam und erbrachte einige verblüffende Ergebnisse. Am wenigsten überrascht noch, dass die (im internationalen Vergleich "teuren") Arbeitsplätze in der US-Textilproduktion mehr durch Automatisierung und technischen Fortschritt gefährdet sind als durch Konkurrenz aus anderen Ländern. "Selbst wenn die amerikanischen [ergänze: deutschen, schweizerischen...] Firmen völlig von der Konkurrenz geschützt würden, stünden die Unternehmen immer noch untereinander im Wettbewerb, und jede Firma, die lieber Jobs erhält als mit der fortschreitenden Automatisierung Schritt zu halten, wäre durch die höhere Produktivität der Konkurrenz im eigenen Land bald vom Markt verdrängt." Erstaunlicher ist schon, dass zwischen 1995 und 2002 allein die chinesische Textilbranche - Hauptziel aller protektionistischen Abwehrbemühungen - zehnmal soviele Jobs abbaute wie ihr amerikanischer Widerpart. Rivoli: "Die Textiljobs verschwinden nicht nach China. Die Textiljobs verschwinden. Punkt." Und geradezu gewagt erscheint zunächst die These, dass die vielen Sweatshops letztlich zur ökonomischen und sozialen Befreiung der Frau führten. Doch gegen die Tatsache, dass junge Chinesinnen - wie soziologische Untersuchungen ergeben haben - trotz allem lieber in der Fabrik als auf dem Land arbeiten, wo die Arbeit nicht nur genauso hart ist, sondern die Frauen auch noch mit patriarchalen Strukturen zu kämpfen haben (Stichwort: Zwangsverheiratung) ? lässt sich kaum argumentieren. Der Versuch, den "Wettlauf nach unten" zu verbieten, sei daher schlicht "unsinnig", schreibt Rivoli: Denn was solle man einer Frau sagen, die vor allem deshalb in die Fabrik gehe, um dem von den Eltern festgelegten Lebensplan zu entfliehen? Lieber sollten die Globalisierungsgegner sich mit den sozialen und politischen Rahmenbedingungen beschäftigen (Bildung, freie Wahl des Arbeitsplatzes, sichere und gesunde Arbeitsplätze, etc.) und sich dafür einsetzen, dass der Standard des "Unten" so menschenfreundlich wie möglich definiert wird. Globaler Kapitalismus und Arbeiterrechtsbewegung, so Rivolis Fazit, seien keine Feinde, sondern Kollaborateure, "wenn auch unbeabsichtigt und ohne es zu wissen. Gemeinsam arbeiten sie daran, die conditio humana zu verbessern." Ein spannendes, lehrreiches und streitbares Buch, das jeder gelesen haben sollte, der nicht nur die Phrasen der Globalisierungs-Befürworter und ?Gegner nachplappern, sondern sich ein eigenes Bild von den komplizierten weltwirtschaftlichen Zusammenhängen machen möchte. -Axel Henrici
Buch:
Die Schatten der Globalisierung
Autor:
Joseph Stiglitz, Ausgabe vom 1. Aug. 2004, Taschenbuch, Verkaufsrang 99513
Der Internationale Währungsfond versprach Wohlstand - und brachte Armut. Nobelpreisträger und Globalisierungskritiker Joseph Stiglitz gewährt tiefe Einblicke in Prozesse und Abgründe weltweiter ökonomischer Vernetzung. Die Zahl der Globalisierungsgegner hat deutlich zugenommen. Doch insgesamt scheint unter der Weltbevölkerung eine positive Grundstimmung gegenüber den globalen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Veränderungen zu überwiegen. Möglicherweise entsteht dieser Eindruck aber auch nur, weil sich die Positionen der Globalisierungskritiker kaum in der öffentlichen Debatte niederschlagen: In der Politik und in den Medien trafen sie bisher auf wenig Resonanz. In der Regel werden die Globalisierungsgegner als weltfremde Spinner und gewaltbereite Chaoten abgetan, die die Vorzüge des freien globalen Marktes nicht erkennen wollen. In Joseph Stiglitz gewinnen die Kritiker nun einen prominenten und kompetenten Fürsprecher. Der frühere Weltbank-Vizepräsident und Wirtschaftsnobelpreisträger 2001 zählt zu den weltweit renommiertesten Wirtschaftsfachleuten. Sachkundig und kritisch analysiert Stiglitz in seinem Buch die globalen (Fehl-)Entwicklungen der jüngsten Vergangenheit. Stiglitz saß selbst jahrelang an den Hebeln der Macht oder zumindest in deren Nähe. Von 1993 bis 1997 fungierte er als Wirtschaftsberater von US-Präsident Clinton, bevor er anschließend drei Jahre als Chefvolkswirt bei der Weltbank tätig war. Als deren Vizepräsident erlebte er hautnah, wie der wirtschaftliche Neoliberalismus seinen Siegeszug um den Erdball antrat und wie die Ideologie des freien Marktes dabei die Volkswirtschaften mehrerer Länder ruinierte. Der Autor beschreibt, wie der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank instrumentalisiert wurden, um die Interessen der Hochfinanz und der multinationalen Konzerne zu bedienen. Die restriktiven Auflagen, die IWF und Weltbank den von wirtschaftlicher Rezession bedrohten Staaten auferlegten, führten zur Verarmung eines großen Teils ihrer Bevölkerung. Am Beispiel Russlands und mehrerer ostasiatischer Staaten schildert Stiglitz die Folgen dieser fatalen Finanzpolitik. Die Schatten der Globalisierung gewährt dem Leser tiefe Einblicke in die Prozesse und Abgründe der Weltwirtschaft. Der Autor klärt darüber auf, wer die Gewinner und Verlierer beim freien Spiel des Marktes sind. Sein Buch ist ein Plädoyer für einen dritten Weg zwischen Sozialismus und entfesseltem Kapitalismus und zugleich ein Appell an die Politik, endlich zu handeln. -Christoph Reudenbach
Product Description Erscheinungsjahr: 2007 m. Abb. Gewicht: 487 gr / Abmessung: 21,5 cm Von Estulin, Daniel B Die geheime Weltregierung S Im Jahre 1954 trafen sich die weltweit mächtigsten Männer zum ersten Mal unter der Schirmherrschaft der holländischen Krone und der Rockefeller-Familie im Luxushotel Bilderberg in dem kleinen holländischen Städtchen Oosterbeck. Ein ganzes Wochenende lang debattierten sie über die Zukunft der Welt. Im Anschluß daran beschlossen sie, sich jedes Jahr einmal zu treffen, um Ideen auszutauschen und internationale Angelegenheiten zu erörtern. Sie nannten sich Bilderberg-Club. Seither treffen sie sich jedes Jahr im Geheimen in einem anderen Luxushotel und bestimmen über das Schicksal der Menschheit. Zu den handverlesenen Mitgliedern gehören Präsidenten, Regierungschefs, hochrangige Politiker, Wirtschaftsbosse, Bankiers und die einflußreichsten Journalisten aus der ganzen Welt. Seit über 15 Jahren recherchiert der spanische Journalist Daniel Estulin die geheimen Versammlungen der Bilderberger und ihre Ziele. Er begann eine Untersuchung, die alles von ihm forderte; tatsächlich wurde sie sein Lebenswerk. Langsam, nach und nach durchdrang er die Sicherheitsbereiche, von denen die Bilderberger umgeben sind. Indem er Techniken benutzte, die an die Spionagetaktiken der Geheimdienste erinnern, und indem er mehrmals sein Leben riskierte, erfuhr er, was hinter den verschlossenen Türen der Luxushotels gesprochen wurde. In diesem Buch macht er erstmals sein Wissen der Öffentlichkeit zugänglich. Was er bei seinen Recherchen entdeckte, ist bestürzend. Die Bilderberger sind nicht einfach ein Zentrum mit einem starken Einfluß, sie sind eine geheime Weltregierung. Bei ihren jährlichen Treffen entscheiden sie unter strengster Geheimhaltung, welche ihrer Pl
Buch:
Der flexible Mensch: Die Kultur des neuen Kapitalismus
Autor:
Richard Sennett, Ausgabe vom 1. Januar 2006, Broschiert, Verkaufsrang 151253
Aus der Amazon.de-Redaktion Wie sehr sich die Arbeitswelt zu Beginn des 21. Jahrhunders verändert hat, zeigt sich schon am Sprachgebrauch. Erst wurden aus Berufen Jobs, und nun sind Jobs bereits zu "Arbeitsfeldern" oder "Projekten" mutiert. Langfristige berufliche Bindungen vermitteln diese Begriffe nicht mehr. In der schönen neuen Welt des globalisierten Kapitalismus und seiner verschlankten Unternehmensstrukturen steht jeder Arbeitsplatz, auch der des Managers, zur Disposition. In dieser Situation ist das neue Leitbild, so der amerikanische Soziologe Richard Sennett, die reaktionsschnelle, anpassungsfähige Persönlichkeit: Der flexible Mensch, wie sein neuestes Buch mit deutschem Titel heißt. So viel Gewinn an beruflicher Eigenverantwortung und professioneller Selbstbestimmung Angestellten und Arbeitern über Entbürokratisierung und Enthierarchisierung versprochen wird, so hoch ist ihre Verlustrechnung am Ende. Denn statt Eigenverantwortung gibt es tatsächlich vor allem einen massiven Kontrollverlust hinsichtlich Karriere und Lebensplanung. Er drückt sich darin aus, dass es für die Betroffenen unmöglich geworden ist, ihr Leben in einer Geschichte zusammenzufassen, in der die Mühen und Plagen des Alltags ebenso wie seine Erfolge, einen nachvollziehbaren Sinn ergeben. Sennett, der Anfang der achtziger Jahre mit Verfall und Ende des öffentlichen Lebens. Die Tyrannei der Intimität international Furore machte, hat sich für seinen Essay durchaus in der Arbeitswelt umgeschaut. Das Beispiel eines eingewanderten Hausmeisters und seines erfolgreichen Sohnes, der Fall einer Großbäckerei in Boston und seine Gespräche mit einigen von IBM in den 90er Jahren entlassenen Programmierern lassen ihn seine These zur problematischen Natur der Entwicklung anschaulich exemplifizieren. Der flexible Mensch ist, so lautet Sennetts These, nicht mehr in der Lage, individuellen Charakter auszubilden. Denn dafür bedürfte es langfristiger Verbindlichkeiten und Loyalitäten, erzählbarer Lebensgeschichte. Paradox genug: Auch wenn die anderen aus dem Patchwork ihrer Stellenwechsel und Kurzkarrieren keine Geschichte zustande bringen, Sennett selbst hat darüber in seinem knappen, anekdotenhaft und ausgesprochen lesbar geschriebenen Essay viel zu erzählen. -Brigitte Werneburg Amazon.de Richard Sennett, der in seiner berühmten Abhandlung über die Tyrannei der Intimität den Verfall der Öffentlichkeit untersuchte, hat eine kleine Studie über einige Phänomene kapitalistischer Charaktere vorgelegt. Im Zentrum seiner Untersuchung steht der Begriff der Flexibilität. Flexibilität gilt als Rezeptur der neuen Unternehmen, zugleich als Charakterqualität des karrierebewusst Handelnden. Täglich werden die Mythen erfolgreicher Unternehmer, Jungmanager, Entrepreneurs der frühen Stunde erzählt. Silicon Valley, Microsoft oder Intel gelten als die Ikonen des schnellen Erfolgs. Aus Ludwig Erhards Wirtschaftswunderphilosophie "Wohlstand für alle" wird ab jetzt "Reichtum für jedermann". Traditionsunternehmen, die in Generationen denken, sind out. Der Zahltag soll sich spätestens nach einigen Jahren einstellen. Loslassen können von gestern neuen, heute antiquierten Produkten, radikale Führungsqualitäten, globales Netzwerkdenken, virtuelle Unternehmensphilosophien werden zum Gebot des rasenden Zeitgenossen. Lebenslanges Lernen, der permanente Erwerb von Erfahrungen wird in den inzwischen klassisch gewordenen Unternehmenskonzeptionen beschworen. Übersehen wird dabei, dass eben nicht neues Wissen auf altes gesetzt wird, sondern die Software des Bewusstseins oft komplett ausgetauscht werden muss. Sennett zeigt die gefährlichen Fallstricke, in denen sich die Erfolgszwangsgeplagten verfangen, weil sie immer weniger auf ihr Wissen vertrauen dürfen, aber zugleich die Furcht vor neuen Ansätzen wächst. So werden Erfolgsgeschichten projiziert, ohne dass die Handelnden auch die persönlichen Voraussetzungen mitbringen, die unabdingbar für den schnellen Erfolg sind. Bereits der Aufbruch in das Wunderland der schnellen Dollars gilt als Erfolg, auch wenn der Absturz kurz darauf folgt. Die Gläubigen des rasanten Kapitalismus stoßen auf diffuse Produktions- und Distributionsstrukuren, in denen altes Erfahrungswissen wenig zählt und deren Vorhersehbarkeit ausgeschlossen ist. Es entsteht eine Unternehmenskultur der Oberflächlichkeit, die vom Gewohnheitstier Mensch, der auf die Kontinuität sozialer Beziehungen angewiesen ist, nicht verkraftet wird. Loyalität zum Unternehmen wird zu einem raren Gut, das sich keiner mehr leisten kann, der zu seinem Karrierezenit surft. Sennett zeigt aber, dass Enthierarchisierung alles andere als Orientierungssicherheiten schafft. Unternehmen entstehen und vergehen, hinterlassen werden Orientierungslose - Strandgut des hyperflexiblen Kapitalismus. Corrosion of character lautet denn auch der amerikanische Originaltitel, der die Folgen übereilten Wirtschaftens, der Demontage klassischen Unternehmertums besser fasst als der deutsche Übersetzungstitel. Im Verweis auf die Statistiken zeigt Sennett, dass die Fetische des neoliberalen Kapitalismus Ungleichheiten verstärken, eine kleine Gruppe von Siegern und ein Heer von ausgebrannten Verlierern produzieren. "The way out" wäre - für die Ideologen des schnellen Wirtschaftens unerträglich - das Beharrungsvermögen, die Nichtbereitschaft sich auf eine wildgewordene Wirtschaft einzulassen. Sennetts Analyse trifft ins Herz der euphorischen Managementbeschwörungsliteratur und macht deutlich, dass "positive thinking" oft nur der Auftakt des Abgesangs ist. Fraglich bleibt aber, ob die neuen Strukuren auf der Ebene des Individuums überhaupt lösbar sind, oder es nicht unabdingbar wird, Wege aus dem ruinösen Kasinokapitalismus zu finden. Weder der Neoliberalismus noch eine autoritäre Wirtschaftsdiktatur erscheinen geeignet, eine global vernetzte Wirtschaft wieder auf Menschenmaß einzurichten. -Goedart Palm 1
Buch:
Kritik des Neoliberalismus
Autor:
Christoph Butterwegge, Bettina Lösch, Ralf Ptak, Tim Engartner, Ausgabe vom 14. Febr. 2008, Taschenbuch, Verkaufsrang 202828
Product Description Die ökosoziale Perspektive Erscheinungsjahr: 2011 2., überarb. Aufl. Gewicht: 600 gr / Abmessungen: 214 mm x 140 mm x 36 mm Von Radermacher, Franz-Josef; Beyers, Bert Der Mensch ist ein Erfolgsmodell. Seit dem Abwandern der ersten Hominiden aus Afrika hat er sich als "Superorganismus " über den gesamten Globus ausgebreitet. Damit stößt er heute beinahe überall an seine Grenzen. Die Weltfinanzmarktkrise gibt einen Vorgeschmack davon, was kommen kann. Die Autoren sehen einen fundamentalen Wandel voraus und plädieren daher für ein zukunftsfähiges Programm: eine weltweite Ökosoziale Marktwirtschaft und einen Global Marshall Plan - ökosozial statt marktradikal. Die Nachauflage bringt die neuesten Entwicklungen auf den Punkt.