Aus der Amazon.de-Redaktion Gleich Theodor Mommsens Römischer Geschichte (1854 bis 1856, 1885) ist Verfall und Untergang des Römischen Reiches von Edward Gibbon ein Geschichtswerk, das auch mehr als 200 Jahre nach Erscheinen der ersten Ausgabe (1776 bis 1788) nicht überholt ist. So kann für Gibbons (und Mommsens) Werk das Urteil H. G. Becks über Die Geschichte der Stadt Athen im Mittelalter von Ferdinand Gregorovius (1889) angewandt werden, dass die moderne Geschichtswissenschaft über wesentlich mehr Quellenmaterial und somit über umfassendere Kenntnisse verfügt und Urteile und (Fehl-)Deutungen des Autors korrigieren konnte, doch in der Summe die Darstellung Gibbons in Konzeption, intellektueller Brillanz und literarischer Vollendung nach wie vor unerreicht ist. Geboren 1737, erhielt Edward Gibbon aufgrund häufiger Krankheit keine kontinuierliche und reguläre Schulausbildung, machte dies durch persönliches Interesse und enormes Lesepensum jedoch mehr als wett. Nach kurzer und erfolgloser Zeit in Oxford hielt er sich mehrere Jahre in Lausanne auf, in denen er fließend Französisch lernte und seine historischen und philologischen (Altgriechisch, Latein) Privatstudien intensivierte und perfektionierte. Gegen Ende des hierauf, auch zu Studienzwecken, folgenden Aufenthaltes in Italien, fasste er den - vielleicht literarisch stilisierten - Entschluss zur Darstellung der Geschichte des Verfalls und Untergangs des (zunächst einmal antiken) Römischen Reiches. Die Originalausgabe umfasste schließlich jedoch auch noch, sicher mitinitiiert durch den großen Erfolg der ersten Bände, die Zeit bis zum Fall Konstantinopels 1453; er griff hier das Selbstverständnis des Byzantinischen Reiches als direkter Nachfolger des Römischen Reiches auf und führte sein Projekt damit konsequent zu Ende; auch wenn das Quellenmaterial hier dürftiger und die Darstellung gröber wird. Die Kapitel I bis XXXVIII, von der Skizzierung der Regierungen Traians (98-117) und Hadrians (117-138) und dann ausführlich ab Antoninus Pius (138) und Marc Aurel (161-180) bis zum Ende des weströmischen Reiches (476), sowie die "General Observations" liegen nun in deutscher Übersetzung im dtv-Verlag als Kassettenwerk in sechs Bänden vor. Auch die fremdsprachigen Zitate in den Fußnoten wurden übersetzt. Die Fußnoten sind ein Lektüremuss bei Gibbon, denn er nutzte sie zu einem wahren Feuerwerk an Aperçus, Anekdoten sowie ironischen bis anzüglichen Kommentierungen, aber vor allem als Ort für zeitgenössische gesellschaftspolitisch heikle Bewertungen. Die Frage, warum Gibbon seine Geschichte nicht bereits mit dem Principat des Augustus bzw. Caesars begann, erklärt sich aus seiner Verehrung für das historische Werk des Tacitus, das die Zeit der Flavier im ersten Jahrhundert n. Chr. zum Gegenstand hat und mit dem er nicht konkurrieren zu können glaubte. Ob seiner Sprachgewalt avançierte The History of the Decline and Fall of the Roman Empire rasch zu einem Klassiker der englischen Literatur. Doch Gibbon erntete auch harsche inhaltliche Kritik, besonders aufgrund der berühmt gewordenen Kapitel XV und XVI des ersten Teils, in denen er die Geschichte des Christentums und der Christenverfolgung darlegte. Seine theologisch unangreifbare und persönlich strikt neutral gehaltene Schlussfolgerung, die Ausbreitung der christlichen Religion sei mitverantwortlich für den Verfall und Untergang des Reiches sowie seine Süffisanz hinsichtlich deren Inkonsequenzen, Habgier und Absolutheitsanspruch sorgten für Furor, sind von gewollten Überzeichnungen abgesehen jedoch auch heute noch zutreffend. Gibbon war nicht nur der erste Historiker, der eine Gesamtdarstellung der römischen Geschichte über 14 Jahrhunderte wagte, sondern der dieses Unterfangen auch durch seine Synthese der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte mit geschichtsphilosophischen Betrachtungen und historischer Faktizität meisterte. Der Lektüre abträglich ist leider der Antisemitismus Gibbons. Seine Quellenauswertung ist bei aller Durchdringung des Materials nicht immer überzeugend, da er sich teils zu sehr auf seine Gewährsmänner verlässt, monumentale Zeugnisse nicht aufnimmt und, um die Darstellung voranzutreiben, auch offen zugibt, nur Vermutungen anzustellen und nicht genau zu zitieren. Lobenswert und zu Beginn allen Lesern zu empfehlen ist der sechste Band mit der konzisen und erhellenden Einführung in Leben und Werk von Wilfried Nippel. Der Band enthält darüber hinaus u.a. Auszüge aus Gibbons Memoirs sowie Bibliografien zu seinen Werken und Quellen, Angaben und Daten zu den Regierungen römischer Kaiser und ein sorgfältiges Register. Wünschenswert bei dieser verdienstvollen und professionellen Ausgabe bleibt nur noch die Weiterführung einer Übersetzung bis zum Ende des Byzantinischen Reiches. -Osseline Kind 1
Buch:
Das Ende der Antike: Geschichte des spätrömischen Reiches
Autor:
Hartwin Brandt, Ausgabe vom 4. Nov. 2010, Taschenbuch, Verkaufsrang 137801
Product Description In dieser kleinen Stadt an der Ägäis, mit kaum 40 000 Bürgern - Bauern, Handwerker, Händler und Fischer -, begann das Abenteuer Europas. Ein ganz neuer Anfang wurde gemacht, in Kunst, Philosophie, Dichtung und Architektur, in Mentalität und Politik; vor allem entstand, was Europa ausmacht die Demokratie.
Buch:
Olympia: Kult, Sport und Fest in der Antike
Autor:
Ulrich Sinn, Ausgabe vom 20. Aug. 2004, Taschenbuch, Verkaufsrang 402074
Hans-Christian Huf, Ausgabe vom 1. April 2004, Gebunden, Verkaufsrang 625562
Aus der Amazon.de-Redaktion In Lehrbüchern pflegt über die Aufgaben der Medien zu stehen, dass sie einen Beitrag zur politischen Bildung zu leisten hätten. Auch und gerade die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten sind diesem Auftrag per Gesetz und Satzung verpflichtet. Jeder Fernsehsender hält sich zu diesem Zweck unter anderem einen kleinen Stab an Historikern. Beim ZDF gehört seit 1987 Hans-Christian Huf zu den Leuten, die sich um den Bildungsauftrag kümmern. Er tut dies seit Jahren mit wachsendem Erfolg. Auch die Bücher zu seinen Serien verkaufen sich blendend. Und das völlig zu Recht, wie der opulent ausgestattete Band Imperium. Vom Aufstieg und Fall großer Reiche ein weiteres Mal beweist. "Auf Glanz und Gloria folgten in der Geschichte oft Elend und Untergang", heißt es gleich zu Beginn. Angefangen bei den ägyptischen Pharaonen, über das persische Weltreich, den "Triumph und die Tragödie Karthagos" bis zum langsamen Untergang des Römischen Reiches, führen uns Huf und sein Autorenteam dies und die Gründe dafür sehr eindrucksvoll vor Augen. Auch wenn sich der Untergang eines Weltreiches meist recht lange hinzieht: Am Anfang des Untergangs stehen zumeist die Selbstüberschätzung der Herrschenden und der Glaube, die eigene Macht sei durch nichts und niemanden mehr zu gefährden. Tatsächlich werden in diesen Momenten die Mächtigen regelmäßig sich selbst zur Gefahr. Das war, so lernen wir in diesem schönen Buch, schon immer so. Und das wird, so ahnen wir, auch in Zukunft so bleiben. -Hasso Greb
Buch:
Troia und Homer: Der Weg zur Lösung eines alten Rätsels
Autor:
Joachim Latacz, Ausgabe vom 13. Sept. 2010, Broschiert, Verkaufsrang 221607