Er war das Musterbild eines Nationalsozialisten. Zeitgenossen und Historiker trauten ihm am ehesten zu, den »Führer« zu ersetzen. Als Chef der Gestapo und des Sicherheitsdienstes der SS stand Reinhard Heydrich bis zu seinem blutigen Ende 1942 ganz oben in der nationalsozialistischen Machthierarchie. Überall da, wo Hitlers Haßvisionen in konkrete Bluttaten umschlugen, ging er als Antreiber, Planer und Organisator voran. Mario R. Dederichs legt mit dieser umfassenden Biographie erstmals das Leben jenes Mannes offen, der zu einer Schlüsselfigur des Dritten Reichs wurde.»Eine Pflichtlektüre für an der Geschichte des Dritten Reichs Interessierte.«ORF "Lebensunwertes Leben" war es nach Ansicht der Nazi-Rassisten, was sie da millionenfach in den Konzentrationslagern auslöschten. Doch wenn es wirklich je so etwas gegeben haben sollte, dann hätten wir dessen Prototyp in der Gestalt Reinhard Heydrichs vor uns. Ein Blick in sein Gesicht offenbart das zutiefst Böse der Nazi-Bestie, deren Frau, was heute noch schmerzt, es nach dem Kriege vermochte, für sich vor bundesdeutschen Gerichten eine Witwenpension zu erstreiten. In den Augen der NS-Ideologie entsprach der Mann, der auf Geheiß von Generalfeldmarschall Göring die Blaupause für den Holocaust fertigte, das Ideal des germanischen Mannes: groß, blond, blauäugig, gestählter Körper, wacher Geist. Dederich nimmt die Person Heydrich zum Ausgangs- und Angelpunkt für eine Darstellung des Nationalsozialismus überhaupt. Und es ist ihm - mit der Hilfe Teja Fiedlers, der das Manuskript des 2003 verstorbenen Autors ganz in seinem Sinne fertig stellte - in absolut überzeugender Weise gelungen. Das Gesicht, oder besser: die Fratze, in die er uns da blicken lässt, entlarvt das System des Bösen in seiner ganzen, niederträchtigen Erbärmlichkeit. Und dies gerade weil Heydrich "kein primitiver Nazi war, sondern ein ganz modern denkender und handelnder Schurke (?) durchdrungen und getrieben von Geltungssucht, Machtgier und Rücksichtslosigkeit". Menschen wie er "können zu jeder Zeit und in jeder Gesellschaft für alle jene, die ein Gewissen haben, gefährlich werden, wenn man ihnen die Instrumente der Macht in die Hand legt". Aus der Masse an Büchern über das Dritte Reich, die 2005 wegen des sechzigsten Jahrestages des Kriegsendes erscheinen, ragt Heydrich. Das Gesicht des Bösen als besonders gelungener Versuch heraus, einer neuen Generation von Lesern die Geschichte dieser grauenhaften Diktatur neu zu erzählen. Mit Nachdruck empfohlen! - Andreas Vierecke
Buch:
Im Schatten von Hitlers Heimat: Reiseführer in die braune Topographie von Oberösterreich
Autor:
Susanne Rolinek, Gerald Lehner, Christian Strasser, Ausgabe vom 15. Nov. 2010, Broschiert, Verkaufsrang 120924