Der braune Faden - Die verdrängte Geschichte der Bundesrepublik
Autor:
Conrad Taler, Ausgabe vom Mai 2005, Taschenbuch, Verkaufsrang 1565989
Buch:
Der neue Antisemitismus - Hinter den Kulissen der Normalität.
Autor:
Philipp Gessler, Ausgabe vom 2004, Taschenbuch, Verkaufsrang 858825
Aus der Amazon.de-Redaktion Literatur über Lust und Leid des Schülerdaseins hat eine lange Tradition, von Hermann Hesses Unterm Rad bis Crazy von Benjamin Lebert. Markus Orths wirft nach seinem viel beachteten Romandebüt Corpus zur Abwechslung mal einen Blick hinter die Lehrerzimmer-Türen. Studienassessor Kranich tritt seine erste Stelle in der schwäbischen Provinz an und gerät in eine Bildungsanstalt, die Kafka und Orwell ersonnen haben könnten. Weil der Junglehrer beim Chef, Direktor Höllinger, sogleich einige Minuspunkte verbucht ("Alkoholexzesse, falscher Wohnort, Vornotenignoranz"), versucht er als dessen GSB ("Geheimer Sicherheitsbeamter") Boden gutzumachen und unbotmäßige oder bloß schlampige Kollegen, die ihren Schlüsselbund liegen lassen, ans Messer zu liefern. Gleichzeitig sympathisiert er mit der KG, den rebellischen Elementen unter den Kollegen, trifft sich mit ihnen im Hinterzimmer einer Stuttgarter Gaststätte und bekommt auf der Lehrer-Toilette gut gemeinte Warnungen zugeflüstert. Das Ganze ist - natürlich! - als Parodie gedacht: James Bond meets Schulbürokratie. Auf diesem Grat balanciert der ehemalige Lehrer Orths in einigen Szenen recht gekonnt ("nieder mit dem Maulwurf!"), insgesamt jedoch stürzt er böse ab. Statt auf die realsatirische Wirkung der Schulszenerie zu setzen, dreht er fieberhaft an der Absurditätsschraube: Da geilen sich dauerfrustrierte Studienrätinnen an ihrem prallen Wissensschatz auf ("Weiter, Kranich, machen Sie weiter, hören Sie nicht auf."), wird besagter Maulwurf nach erfolglosen Verhören bei zugezogenen Vorhängen kurzerhand per Los ermittelt oder stürmen als Frösche verkleidete Schergen der "Klett-Diktatur" eine Fachkonferenz. Richtig getimte Slapstick- und Screwball-Einlagen bleiben die Ausnahme, es dominiert die umständliche indirekte Rede, die das Bürokratendeutsch mehr imitiert als persifliert. Nicht einmal die Schüler tragen zur Belebung bei, denn sie schaffen es auch hier wieder einmal nicht bis ins Lehrerzimmer. Der Roman trägt Züge einer Abrechnung aus persönlicher Betroffenheit - und insofern wird er sein Publikum unter Ex- und Noch-Lehrern wohl finden. Wer nicht zu den Insidern gehört, wird bei der Lektüre weder wirklich schlauer noch besonders gut unterhalten. Schade! -Patrick Fischer 1
Buch:
Judentum, Zionismus, Antisemitismus und Antizionismus: Versuch einer Begriffsbestimmung
Autor:
Hajo G. Meyer, Ausgabe vom 16. März 2009, Broschiert, Verkaufsrang 687813
Aus der Amazon.de-Redaktion Bittet, so wird euch gegeben! Eben noch hat man in Gerald Messadiés kürzlich erschienener Geschichte des Antisemitismus ein gewisses Theoriedefizit bemängelt, und - voilà - schon seziert Klaus Holz in seiner Habilitationsschrift nun mit systemtheoretischem Besteck und wahrhaft wissenschaftlicher Akribie den ideologischen Bauplan eben dieser Weltanschauung. Der Titel nimmt das Ergebnis vorweg: Der moderne Antisemitismus ist ohne den Nationalismus nicht denkbar. Doch der Weg zu dieser Erkenntnis ist das Ziel. Holz interpretiert sechs ausgewählte Texte Zeile für Zeile, wenn nötig Wort für Wort, und macht dabei den Prozess der Hypothesenbildung für den Leser auf faszinierende Weise zugleich transparent und mühevoll. Die Leitidee könnte man so auf den Punkt bringen: Judenhass hat weniger mit Juden als vielmehr mit nicht-jüdischen Deutschen, Franzosen, Österreichern zu tun, für die er eine ganz bestimmte Funktion erfüllt. In jungen oder krisengeschüttelten Nationalstaaten - Deutschland beziehungsweise Frankreich Ende des 19. Jahrhunderts - soll die "Judenfrage" alle sozialen Konflikte übertünchen und das Volk, die Wir-Gruppe, zusammenschweißen gegen die vermeintlichen "Antagonisten der nationalen Weltanschauung schlechthin". Dabei wird nach regelmäßig wiederkehrenden Mustern argumentiert, die sich beim Historiker Treitschke ebenso finden wie beim Stammtischredner Hitler oder im Zeitungskommentar zur Waldheim-Affäre. Beispielsweise erscheinen die Juden als Täter, ihre Opfer greifen lediglich zur legitimen Notwehr. Die physische Vernichtung der "jüdischen Mitbürger" - auch das eine perfide Vokabel der Ausgrenzung - wird nicht explizit gefordert, doch was bleibt eigentlich noch, wenn man "dem Juden" sämtliche gemeinschaftsgefährdenden Eigenschaften zuschreibt und diese gleichzeitig zu unveränderlichen rassischen oder ethnischen Merkmalen erklärt? Nach Auschwitz wird in kodierter Form, aber nach ähnlichem Schema argumentiert, zum Beispiel bei der Vergangenheitsbewältigung auf Wiener Art. Nicht Waldheim ist das Problem, sondern "jüdische Kreise" (man ist vorsichtig geworden bei der Wortwahl!) in Amerika, die die Geschichte nicht ruhen lassen wollen. Was Holz zur Finkelstein-Debatte gesagt hätte, lässt sich nur vermuten. Nach der Lektüre seiner monumentalen Studie ist der analytische Blick der Leser jedoch so geschärft, dass sie von allein zu neuen Interpretationen gelangen - und das wohl nicht nur beim Thema Antisemitismus. -Patrick Fischer 1
Buch:
Antisemitismus
Autor:
Christoph Nonn, Ausgabe vom 1. März 2008, Broschiert, Verkaufsrang 475895