Die Päpste gegen die Juden - Der Vatikan und die Entstehung des modernen Antisemitismus
Autor:
David I. Kertzer, Ausgabe vom 1. März 2004, Taschenbuch, Verkaufsrang 669499
Aus der Amazon.de-Redaktion In Heuchelei von Nächstenliebe und Unbescholtenheit ist sie ganz groß. Dabei gibt es kaum eine moralische Instanz, die in ihrer Geschichte so viele Sünden auf sich geladen hat wie die katholische Kirche. Dies zeigt sich einmal mehr in Die Päpste gegen die Juden. Gestützt auf Material aus den erst unlängst geöffneten Vatikanischen Archiven enthüllt David I. Kertzer eine völlig unbekannte Dimension von Verbrechen gegen die Menschlichkeit, begangen auf Initiative und mit dem Segen selbst ernannter "Stellvertreter Gottes auf Erden" am "Volk der Mörder Christi". Dieses Buch erst rückt die von Papst Johannes Paul II. an die Juden gerichtete Bitte um Verzeihung ins rechte Licht. Eines ist gewiss, der Report des amerikanischen Historikers, der sich auf die Zeit seit Restauration des Kirchenstaates 1814 unter Pius VII. konzentriert, lässt den wegen seiner Duldung der Nazi-Verbrechen im Kreuzfeuer der Kritik stehenden Pius XII. als harmlosen Waisenknaben und irregeleitetes Opfer einschlägiger Indoktrination erscheinen. Als solcher wird er von Kertzer auch behandelt: "Wichtig für das Verständnis, inwieweit die katholische Kirche den Holocaust mit ermöglichte, ist weniger die Aufdeckung dessen, was Pius XII. getan oder unterlassen hat. Von weitaus größerer Bedeutung ist es, ans Tageslicht zu bringen, welche Rolle seine Vorgänger ... bei der Enthumanisierung der Juden spielten." Und was er in dieser Absicht schildert, wird so manchem Leser die Sprache verschlagen. Dass die Zwangsghettoisierung der allen Ernstes als "Christenblutsauger" gefürchteten Juden schon im Kirchenstaat betrieben wurde, ist jedem Romtouristen bekannt. Den Wenigsten dagegen wohl, dass die Stigmatisierung mit dem gelben Stern nicht die Nazis, sondern die barmherzigen Brüder erfunden haben. Doch all das ist noch harmlos. Das Buch strotz derart vor Ungeheurlichkeiten, dass man sich bei der Lektüre nicht selten bemüßigt fühlt, im Anhang die Seriosität der Quellen zu überprüfen. Schade nur, muss man fast sagen, dass der Autor dieses erschütternden Werkes als Sohn eines Rabbiners zwangsläufig Partei ist. Dies könnte seine Glaubwürdigkeit bei Zweiflern allzu leicht untergraben. -Roland Detsch
Buch:
Romantischer Antisemitismus: von Klopstock bis Richard Wagner
Autor:
Wolf-Daniel Hartwich, Ausgabe vom 1. Januar 2005, Taschenbuch, Verkaufsrang 1545441