Erscheinungsjahr: 2002 Gewicht: 215 gr / Abmessung: 18,5 cm Von Kaminer, Wladimir "Beobachten statt phantasieren" - so lautet das Motto des russischen, in Berlin lebenden Erfolgsautors. Mit scharfem Blick für die Skurrilitäten des Alltags beschreibt Kaminer Menschen und Schicksale in Deutschlands junger Hauptstadt. Pressestimmen: "Man würde diese Geschichten unterschätzen, nähme man an ihnen nur das Skurrile wahr. Was an ihnen so frappiert, ist außer dem genauen Blick ein geradezu erschütterndes Wohlwollen, das ihr Autor den von ihm beobachteten Figuren entgegenbringt." Frankfurter Allgemeine Zeitung Als sich im Sommer 1990 die Ära Gorbatschow ihrem Ende zuneigt, Putin noch lange nicht Präsident, sondern KGB-Schlapphut ist und Helmut Kohl nach dem Mantel der Geschichte langt, beschließt der 23-jährige Moskauer Wladimir Kaminer, sein Leben zu ändern. "Go west", lautet die Parole - doch warum in die Ferne schweifen, wenn das Ticket nach Ost-Berlin schlappe 96 Rubel kostet und man kein Visum benötigt? So schlüpft Kaminer in den himmelblauen Sonntagsanzug und setzt sich mit seinem Freund Mischa, einer Stange russischer Zigaretten sowie einer Flasche Wodka der Marke "Lebewohl" in den Zug. Do swidanija! Nur 48 Stunden später treffen die beiden mit Brummschädel in Berlin-Lichtenberg ein: "Die ersten Berliner, die wir kennen lernten, waren Zigeuner und Vietnamesen. Wir wurden schnell Freunde." Die Tage im Plattenbau-Ausländerheim von Marzahn sind längst vorbei. Heute gehört der DJ, Autor und Theatermann Wladimir Kaminer zu den Szene-Stars des neuen Multi-Kulti-Berlin: Die "Berliner Seiten" der FAZ drucken seine Texte ebenso gern wie die untergangsbedrohte taz, beim SFB moderiert er eine eigene Sendung (Wladimirs Welt). Im Kaffee Burger, das sich nach der Übernahme durch den Prenzlauer-Berg-Poeten Bert Papenfuß zur kuschligen Party-Location wandelte, zelebriert Kaminer einmal im Monat seine berüchtigte "Russendisko" - Völkerverständigung und proletarischer Internationalismus, einst von Wladimir Iljitsch Lenin gepredigt, werden auf der engen Tanzfläche geübt, dazu wirft ein Videobeamer alte sowjetische Zeichentrick- und Kriegsfilme an die Blümchentapete. Russendisko hat Kaminer auch seine erste Buchveröffentlichung genannt: 50 Erzählungen aus einem Berliner Alltag, den die üblichen Verdächtigen aus der "Paris Bar" nur vom Hörensagen kennen. Wer hier überleben will, muss wandlungsfähig sein: Die Türken im Imbiss nebenan erweisen sich als Bulgaren, den biederen Beamten vom Arbeitsamt trifft man abends in der Schwulenbar - und selbst die vietnamesischen Zigarettenhändler sind nicht viel mehr als ein medial erzeugtes Klischee: Sie kommen mehrheitlich aus der inneren Mongolei. Kaminers Helden haben alle Hände voll zu tun, sich zwischen den Fallstricken des Asylrechts, Liebeshändeln und obskuren Jobs durch den Großstadtdschungel zu hangeln. Da ist der Slawistikstudent Sascha, der als Tellerwäscher im australischen Krokodilsteakhaus jobbt; da ist der "Radiodoktor" aus der Ukraine, der den Berliner Russen erklärt, was man gegen Pickel tun kann: "Die sagen Clerasil, aber ich kann mich noch gut erinnern, Benzin tut es auch." Die Damen vom russischen Telefonsex ("Mach deine Hose auf, wir nostalgieren zusammen!") dürfen ebensowenig fehlen wie der namenlose Asylbewerber, der sich, von der Polizei verfolgt, beim rettenden Sprung aus dem Fenster an einem REP-Plakat ("Mut zur Wahl - wähle national!") abseilt. Wer Kaminer bei all dem für einen plumpen Possenreißer und Zyniker hält, hat nichts begriffen. Der Mann kann nicht nur genau beobachten - er liebt sie, seine skurrilen Großstadtindianer, die wohl vom Leben gebeutelt, aber nie ohne Hoffnung sind. Und, mal ehrlich: Wer, wie Kaminer, nicht nur deutsch schreibt, sondern unsere komplizierte Sprache mit der sowjetischen Fibel Deutsches Deutsch zum Selberlernen gepaukt hat - der kann kein schlechter Schriftsteller, ach was: Der kann kein schlechter Mensch sein. Also: Kaufen Sie Kaminer! Und tun Sie, was ein russischer Berlin-Reiseführer seinen Lesern als ultimativen Kick empfiehlt: "Hissen Sie Ihre ganz persönliche Flagge auf dem neuen Reichstag - Berlin erleben und erobern!" -Niklas Feldtkamp
Ein Reiseführer für faule Touristen Erscheinungsjahr: 2007 m. Illustr. v. Vitali Konstantinov. Gewicht: 255 gr / Abmessung: 19 cm Von Kaminer, Wladimir Der bekannteste und beliebteste Berliner führt durch seine Stadt, ein Reiseführer der anderen Art. Es gibt derzeit wohl kaum einen bekannteren Berliner als Wladimir Kaminer. Und keinen, der geeigneter wäre, die Stadt einem Touristen in all ihren Facetten vorzustellen. Von einer kurzen Einführung in die Berliner Historie über Geschichten zu Sehenswürdigkeiten am Wegesrand oder das Verhalten japanischer Touristen bringt Wladimir Kaminer auf gewohnt witzig-charmante Art dem Leser seine neue Heimat näher. Dabei dürfen natürlich auch praktische Hinweise nicht fehlen. Dazu gehören kleine Spazierrouten, dank derer man auf den Spuren von Wladimir Kaminer durch die Stadt schlendern kann, sowie Adressen origineller Restaurants, Geschäfte und anderer im Buch vorgestellten Attraktionen. Leseprobe: Ich bin kein Berliner Ich bin kein Berliner. Ich bin auch nicht "Deutschland". Die Social-Marketing-Kampagne des letzten Jahres "Du bist Deutschland" hat mich nur irritiert. Ich kenne mich hier nicht wirklich aus. Vor fünfzehn Jahren kam ich nach Ostberlin, aus Gründen, die mir bis heute rätselhaft geblieben sind. Wahrscheinlich war es bloße Neugier auf die Welt und ungebremste Reiselust, die mich damals nach Berlin trieben. Die Reise erwies sich als fatale Entscheidung. Einmal hier gelandet, kommt man kaum mehr weg. Berlin bindet. Alle Einheimischen, die ich im Laufe der Jahre kennengelernt habe, wollten immer als Erstes wissen, wieso ich damals ausgerechnet Berlin beziehungsweise Deutschland als Reiseziel gesucht hatte. Meine Ausweichantworten "Es hat sich so ergeben" oder "Ich bin in den falschen Zug gestiegen Sicher, Wladimir Kaminer, der Deutsche russisch-jüdischer Abstammung, der mit dem Buch Russendisko und der gleichnamigen Partyreihe international bekannt wurde, ist weder in Berlin geschweige denn in Deutschland geboren noch besitzt er den typische Berliner Schnauze. Demnach ist er tatsächlich kein Berliner, auch wenn er seit 1990 dort lebt. Andererseits verkörpert er mit seinen kreativen Ideen, seinem Humor und seiner ganzen Lebenseinstellung das Berlinerische der Gegenwart so wie kein Anderer. Demnach ein echter Berliner also. Letzte Zweifel, ob Kaminer einer ist, der sich in Berlin auskennt, verfliegen, wenn man die 33 heiteren Kurzkapitel liest, denn die zeugen von einer echten Ortskenntnis. In jeder Episode erzählt er eine kleine Geschichte rund um ein Thema oder einen Ort, den man als Nicht-Berliner durchaus einmal besuchen sollte - als Berliner sowieso. Eine kurze Auswahl: Welchen Unterschied gibt es zwischen Ost- und Westberliner Steuerberatern? Wo kriegt man zehn Kilo Bananen für 50 Cent und mit etwas Glück noch einen Opel Kadett obendrauf? Und was machen eigentlich die Tschuktschen, Berlins kleinste Minderheit? Wie so meist bei Kaminer sind die Pointen sehr schön gesetzt, wer nicht zumindest schmunzelt, hat sich entweder am Kaminerschen Stil sattgelesen oder ist gerade einfach nicht in der Stimmung. Doch es geht nicht nur um spaßige Anekdoten. Denn bei "Ich bin kein Berliner" kommt noch der reisepraktische Aspekt dazu. Am Ende jeden Kapitels und hinten im Buch finden sich sämtliche Adressen zu den Orten sowie einige Informationen zu ihnen. Wer die beherzigt, kann wahrlich kein fauler Tourist sein, denn allein die Tippsammlung erstreckt sich über 35 Seiten. Fazit: Ein schönes Beispiel, wie es gelingt, einen Reiseführer einmal anders, als Geschichtenband, zu gestalten und dennoch einen konkreten Nutzwert zu schaffen. Ob dieses Konzept auch für andere Städte gelingen kann? Nur, wenn sich adäquate Autoren finden lassen - das wird nicht so einfach sein. - Christian Haas
Buch:
Wir Kinder vom Bahnhof Zoo
Autor:
Christiane F., Ausgabe vom 2009, Taschenbuch, Verkaufsrang 18162
Aus der Amazon.de-Redaktion Männer gibt es in allen Variationen. Welches Exemplar dieser Spezies ist hingegen alltagstauglich, trotzdem anziehend und womöglich die große Liebe? Sonia Rossi sorgte mit Fucking Berlin für Furore, indem sie unter jenem Pseudonym unverblümt ihr Doppelleben als Prostituierte und Studentin schilderte. Körperliche Hingabe für schöne Scheine ist nun passé. In Dating Berlin sucht die 25-jährige, alleinerziehende Mutter etwas gänzlich anderes: Mr Right, den Mann fürs Leben. Die Prinzenjagd im Schmelztiegel der Großstadt gestaltet sich kaum weniger abenteuerlich als Sonia Rossis Bordellerfahrungen. Aktiver Männerfang ist anstrengend. Folglich beginnt sie mit der bequemen Internetlösung: Seriöse Partnerbörse auswählen, Profil erstellen, Vorlieben präsentieren, Bild hinzufügen, dann warten. Binnen Kurzem wird das Postfach der attraktiven Italienerin überflutet. Gleich beim ersten Date einen Volltreffer zu landen, wäre indes unrealistisch. Tatsächlich entpuppt sich der auserkorene, vermeintlich makellose Gentleman als Egomane. Jeder Monat hält von nun an männliche Überraschungen bereit: Zu braver alleinerziehender Vater, Workaholic, Checker. Auch beim Speeddating stellt sich kein Erfolg ein. Diverse Enttäuschungen steigern allmählich die Sehnsucht nach echter Zuneigung ins Unermessliche. Doch endlich taucht ER auf ? und mit ihm das teenagerhafte Gefühl, verknallt auf rosa Wolken zu schweben. Sollte er wirklich schon Mr Right sein? Sonia Rossi lässt ihre Leserinnen und Leser an einem permanenten Taumel zwischen abgeklärtem Sex, erotischer Hemmungslosigkeit und zärtlichem Anschmiegen teilhaben. Sprachlich ändert sie währenddessen nichts an ihrer bereits bekannten, schnörkellosen Direktheit: "Ein bisschen Small Talk, ficken, anziehen und gehen". Ja, auf den ersten Blick klingt das unterkühlt. Andererseits kommen die Aufzeichnungen der Autorin natürlich, offen und an vielen Stellen überaus menschlich rüber. Das ist Rossis großes Plus, das macht den Unterschied zu billigen Romanen à la "Sex sells" aus, die bloß provozieren wollen. ? Fenja Wambold 1
Buch:
Gefangen in Hohenschönhausen: Stasi-Häftlinge berichten
Autor:
Hubertus Knabe, Ausgabe vom 1. Juni 2007, Taschenbuch, Verkaufsrang 19256
Product Description Tagebuch-Aufzeichnungen vom 20. April bis 22. Juni 1945. Mit e. Nachw. v. Kurt W. Marek Erscheinungsjahr: 2008 Gewicht: 266 gr / Abmessung: 19 cm Von Anonyma Eine namenlose Frau erzählt von den letzten Tagen des Krieges im Frühjahr 1945 und dem Einmarsch der Roten Armee in Berlin: Schonungslos offen und mit einem feinsinnigen Gespür für diese beispiellose Zeit berichtet die vielleicht 30-Jährige von Hunger, Ekel, Gewalt und Angst. Drei Schulhefte sind ihr geblieben, in die sie nun notiert, was ihr während des Tages und der Nacht widerfährt, und statt Selbstmitleid oder Hass wächst in der jungen Frau ein unerschütterlicher Überlebenswille heran . Leseprobe: In drei dicht beschriebenen Schulheften liegen die Aufzeichnungen der Verfasserin aus der Zeit vom 20. April bis zum 22. Juni 1945 vor. Ab Juli 1945 schrieb sie für einen Menschen, der ihr nahestand, diese Hefte auf der Schreibmaschine ab. Dabei wurden aus Stichworten Sätze. Angedeutetes wurde verdeutlicht, Erinnertes eingefügt. Lose Kritzelzettel fanden ihren Platz an gehöriger Stelle. Es entstanden auf grauem Kriegspapier 121 engzeilige Maschinenseiten. Jahre später kamen sie Bekannten der Schreiberin zu Gesicht, darunter dem Schriftsteller Kurt W. Marek (C. W. Ceram), welcher die Meinung vertrat, daß hier über das persönliche Erlebnis hinaus ein Zeitdokument vorliege. Er übergab den Text einem Buchverleger in New York. Dieser brachte im Herbst 1954 eine Übersetzung heraus. Im Sommer 1955 folgte die britische Ausgabe. Es erschienen seither Übersetzungen ins Schwedische, Norwegische und Holländische, ins Dänische und Italienische, ins Japanische und Spanische, ins Französische und Finnische. / Die verständnisvolle Aufnahme ihres Berichtes in so vielen Ländern, dazu ihr Vertrauen in die heilende K