Aus der Amazon.de-Redaktion Schwere Zeiten für Hoteliers. Der neueste Trend für Reisefreudige, die knapp bei Kasse sind, heißt Couch Surfing und ist ? wie könnte es anders sein ? eine Blüte der weltweiten Vernetzung im Zeitalter des Internets. Denkbar einfach das Procedere: Die Protagonisten melden sich mit persönlichen Profilen nach dem Vorbild von MySpace oder Facebook auf Websites wie GlobalFreeloaders.com, Hospetalityclub.org oder eben Couchsurfing.com an und bieten gleichgesinnten Mitgliedern aus aller Welt kurzfristig kostenlos Logis auf Gegenseitigkeit an. Mindestens einen Schlafplatz auf einer Couch, gerne aber auch Dienste als Fremdenführer oder als Gesellschafter für Freizeit- oder Abendgestaltung lautet das ebenso simple wie bestechende Motto dieser sogenannten "internetbasierten Gastfreundschaftsnetzwerke", die stark im Kommen sind. Ob und wie die Sache funktioniert, schildert uns aus erster Hand Brian Thacker, dessen Buch nun auch in einer deutschen Ausgabe vorliegt. Für seinen Selbstversuch hat sich der Australier, der seinen Lebensunterhalt hauptsächlich als Reiseschriftsteller bestreitet, kein geringeres Ziel vorgenommen als eine Weltreise für lau. Zumindest was Übernachtungskosten betrifft, die ja bekanntermaßen am höchsten zu Buche schlagen. Beim Lesen werden wir Zeuge einer offenbar unvergesslich spannenden und abwechslungsreichen Reise, die uns angefangen in Chile und Brasilien über die USA und Kanada nach Island, Belgien und Luxemburg sowie nach einem Abstecher in die Türkei noch nach Kenia, Südafrika, Indien und auf die Philippinen führt. Wen nach der Lektüre dieses Buches nicht das Fernweh packt und die Lust, fremde Menschen und Kulturen kennenzulernen, der muss ein echter Couch Potato sein. Mehrerlei lernen wir aus diesem Buch: Die digitale Globalisierung kann offenbar tatsächlich zur Völkerverständigung beitragen und zumindest innerhalb der Internet-Community auch zu einer kulturübergreifenden Interessenbildung. Aber für Langschläfer, Rückenleidende, Haustierallergiker, Abstinenzler, Misanthropen, Individualisten und solche, die das Wort Urlaub mit Ruhe, Erholung oder gar Einsamkeit verbinden, ist das Couchsufing denkbar ungeeignet. ? Franz Klotz
Buch:
Nomade auf vier Kontinenten - Auf den Spuren von Sir Richard Francis Burton
Autor:
Ilija Trojanow, Ausgabe vom Mai 2007, Gebunden, Verkaufsrang 269475
Aus der Amazon.de-Redaktion Man muss sich nur "die Strommasten wegdenken", so Ilija Trojanow. Dann erleben Reisende Indiens Hinterland großenteils genau so wie Sir Richard Francis Burton im 19. Jahrhundert. Autor Trojanow folgte den Spuren des sagenumwobenen Burton nach Indien sowie nach Mekka, Sansibar und zu den Mormonen in Utah. In Der Weltensammler bereitet der deutsch-bulgarische Schriftsteller das Leben Burtons als Romanstoff auf. In Nomade auf vier Kontinenten nähert sich Trojanow nun der Lebensgeschichte des leibhaftigen Burton. Ergebnis ist ein Porträt der anderen Art, in der Trojanow mühelos eine Brücke schlägt zwischen den Kontinenten, zwischen seinen Erlebnissen und den Abenteuern Burtons, zwischen der Kolonialzeit und unseren Tagen. Trojanows gründliche Spurensuche reicht mehr als 150 Jahre zurück in eine Zeit, in der Kolonialisten Menschenschädel mit nach Europa brachten wie heutzutage Urlauber geschnitzte Souvenirs. Die Erlebniswelten von Burton und Trojanow - im Buch übersichtlich jeweils grün bzw. schwarz gedruckt - greifen eng ineinander. Zum Beispiel wenn Trojanow eine Autofahrt im 20. Jahrhundert gleichklingend beschreibt wie Burton eine Reise in der Sänfte im 19. Jahrhundert. Den Engländer erleben Leser als kühnen Abenteurer mit poetischer Ader, aber auch als hartherzigen Draufgänger. Und obgleich Burton konsequent seinen eigenen Weg geht, bleibt er Kind seiner Zeit - etwa wenn er "Neger" als zurückgeblieben betrachtet. Ilija Trojanow lässt in dieser großartigen Collage Episoden aus unterschiedlichen Epochen ineinander gleiten, ohne den Lesefluss im geringsten zu stören. Auch deshalb gehört dieses Buch völlig zu Recht zur Reihe "Die Andere Bibliothek", in der der Eichborn-Verlag lesenswerte Werke präsentiert (besonders edel: die in Leinen gebundene Ausgabe im Schuber). Mögen der schillernden Spurensuche Trojanows viele Leser folgen, denn der Autor gehört zu den brillantesten hierzulande. - Herwig Slezak 1
Buch:
Breitengrad Null: Auf dem Äquator um die Welt
Autor:
Mike Horn, Ausgabe vom 2002, Gebunden, Verkaufsrang 1211806