Musik-CDs

Alternative

Post-Rock







Med Sud I Eyrum Vid Spilum Endalust - Sigur Rós
CD:Med Sud I Eyrum Vid Spilum Endalust
 Sigur Rós, Audio CD, Verkaufsrang 6086
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Sigur Rós haben beschlossen, keine Interviews mehr zu geben. Nicht, dass die als eigenbrötlerisch und verschroben geltenden Isländer vorher gesprächig gewesen werden. Seit ihrer Gründung 1994 in Reykjavik trieben sie mit zunehmender Popularität so manchen Journalisten und Mitarbeiter ihrer Plattenfirmen in den Irrsinn. Die Männer von der atemberaubend schönen Atlantikinsel gelten als Kontrollfreaks am Rande der Paranoia. Wie anders Sigur Rós ticken, wie wenig sie Fremde an sich heran lassen, ahnt man beim Anschauen von Heima, eine der besten DVDs der letzten 10 Jahre. Auch wird überdeutlich, wie sehr ihr epischer Post-Rock mit der landschaftlich einzigartigen, mystischen Heimat verbunden ist. Sigur Rós wollen weder sich noch die Welt erklären, sie öffnen mit ihrer Musik Gefühlsräume. Deswegen bleiben auch die Texte verschwommen, interpretierbar.
Das ist auch auf Med Sud I Eyrum Vid Spilum Endalaust nicht anders und doch hat sich einiges verändert. Falsett-Sänger Jonsí Birgisson benutzt nach der Kunstsprache "Hopelandish" - was für Hoffnung steht - und Isländisch nun auch Englisch. Verstehen kann man ihn trotzdem nicht. Dafür aber präsentiert die sich nach Jonsís Schwester Sigurrós ("Siegesrose") benannte Gruppe so wenig ausschweifend wie noch nie. Vorgängeralben wie Ágætis Byrjun schwebten Gesamtkunstwerken gleich an einem vorbei. Auf Med Sud I Eyrum Vid Spilum Endalaust, übersetzt "Mit einem Brummen in den Ohren spielen wir endlos weiter", aber werden die Songs voneinander gelöst und entwickeln so eine neue Lebendigkeit. Das von Starproduzent Flood (Depeche Mode, U2, Nick Cave) verfeinerte, teilweise mit Orchester und Chor in den legendären Abbey Road Studios (Beatles) aufgenommene Material weist so gänzlich unterschiedliche Charaktere auf. Neben den weiterhin schönen Soundscapes mit ihren Dynamiken kommt es im einst abgeschlossenen Klangkosmos zu wahren Supernovae. Einige Stücke wie die knackige, rhythmische ja heitere Eröffnungsnummer "Gobbledigook" und das dann folgende"Inní Mér Syngur Vitleysingur" zappeln vor Enthusiasmus, klingen fast überdreht. Sigur Rós haben tatsächlich den Pop-Song für sich entdeckt, ohne dabei ihre andere, alte Seite zu vergessen: majestätisch hinreißende, verträumte Tracks, die sich bis zu zehn Minuten hinziehen. Das ist Musik, die einen in die innere Mitte führt, die Frieden und Zuversicht ausstrahlt. Ein Opfer gibt es dann doch zu beklagen. Zum ersten Male überhaupt wollten die Skandinavier Arbeit delegieren, und übergaben dem in Berlin lebenden Designer Olafur Eliasson den Auftrag für die Gestaltung von Cover und Konzertbühne. Als sie in die Hauptstadt kamen und das geometrische Figuren-Konzept sahen, reisten sie entsetzt ab. Nun zieren junge, nackte Menschen das Cover, ein Photo namens "Highway" von Ryan McGinley, dass die Band beim Besuch in einem New Yorker Museum entdeckte. "Hübsche Hintern haben die", meinten Sigur Rós, "das ist besser, als wenn man unsere komischen Visagen sieht". Das klingt doch mal menschlich. -Sven Niechziol

() - Sigur Ros
CD:()
 Sigur Ros, Audio CD, Verkaufsrang 2500
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SIGUR ROS () (2002 UK CD album from the Icelandic trio featuring 8 untitled tracks presented in a jewel case picture sleeve with outer die-cut white plastic picture slipcase)
Ein kryptischer und dennoch viel sagender Titel, dieses ( ) - für all jene zumindest, die Sigur Rós' letztes Album kennen. Und das sind nicht so wenige; immerhin erreichten die Umsatzzahlen von Ágætis Byrjun Platin-Status - und das ist weit mehr, als man bei einer so eigenwilligen, scheinbar völlig aus der Zeit gefallenen Musik annehmen sollte.
Sigur-Rós-Musik ist episch, langsam, getragen, weit - beinah ein Postkartenklischee für die Ohren von ihrer isländischen Heimat, dafür aber doch zu unkitschig. Koordinaten, die - mit einigen Abweichungen bei gleich hohem Fesselungsgrad - grundsätzlich auch auf ( ) zutreffen. Zum einen singt Gitarrist Jon Thor Birgisson, der sein Instrument gern mit dem Geigenbogen spielt, diesmal keine Texte - was allerdings kaum einen Unterschied machen wird für alle, die auch die isländischen Texte auf den Vorgängern nicht verstanden und sein hohes, beinah feminines Klagen vor allem Klangfarbe wahrnahmen. Zum anderen scheint ( ), aufgenommen in einer ehemaligen, zum Tonstudio umgebauten und freistehenden Schwimmhalle in Island, durchaus etwas mehr Licht zu besitzen und wirkt weniger orchestral als das schwere, streichersatte Ágætis Byrjun. Der genussvollen, menschlichen Melancholie tut das keinen Abbruch: Sie findet eben bei Tagesbeleuchtung statt.
Kaum vorstellbar, dass solche Musik von anderen kopiert werden könnte. Wobei - es gibt ja nichts, das es nicht doch gibt. Sonst gäbe es wohl auch Sigur Rós nicht. -Rolf Jäger

Manchmal werfen Debütalben so lange Schatten, dass ihnen eine Band kaum entrinnen kann. Das majestätisch schöne Ágaetis Byrjun von Sigur Rós gehört dazu, und jedes Nachfolgewerk drohte daran zu scheitern. Doch die leicht verschrobenen Isländer scheitern nicht, denn sie haben sich etwas einfallen lassen. Nicht, dass sie ihre Musik neu erfunden hätten: Sigur Rós arbeiten erneut mit wunderschönen, episch breiten Klangteppichen, wechselnden Dynamiken, dem Spiel von laut und leise und dem unverständlichen Gesang in der selbst erfundenen, mystischen Sprache Hopelandish.
Etwas karger und feinfühliger klingt diesmal alles. Von Nuancen abgesehen, könnte die Rezension zu Ágaetis Byrjun trotzdem vollständig übernommen werden. Was auch daran liegt, dass die Gruppe von der Atlantikinsel ihre Stücke zwar im eigenen Studio Alafoss aufgenommen und dann in Peter Gabriels Realworld-Studio abgemischt hat, doch ausgefeilt wurden sie während der vielen Liveauftritte. Konzertgänger werden deshalb schon Teile der Tracks des Zweitwerkes kennen, das von Sigur Rós den schlichten Titel ( ) erhielt.
Auch die acht Songs bleiben ohne Namen, im Booklet findet sich für jeden eine unbeschriebene Seite aus Transparentpapier, die noch gefüllt werden muss. Dazu kann jeder auf die Homepage der Skandinavier gehen und seine eigenen Texte eingeben, und dann werden aus den meistgewählten Worten und Satzwendungen die Lyrics zusammengestellt. Das dürfte einmalig in der Popgeschichte sein: ( ) ist also noch gar nicht komplett, hinreißend und tief emotional klingt es trotzdem. -Sven Niechziol

Mark Hollis - Mark Hollis
CD:Mark Hollis
 Mark Hollis, Audio CD, Verkaufsrang 18652
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Product Description
MARK HOLLIS Mark Hollis (1998 German 8-track CD album - the debut and only solo release from Talk Talk singer/songwriter Mark Hollis who has subsequently retired from the industry)

Funeral - Arcade Fire
CD:Funeral
 Arcade Fire, Audio CD, Verkaufsrang 983
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FUNERAL
Die Randgeschichten, die Funeral erzählt, kommen einem bekannt vor. Ende der 90 haben Eels-Mastermind E Todesfällen in der Familie und im Freundeskreis seelische Nackenschläge versetzt, die dann in dem herausragenden Album Electro-Shock-Blues aufgearbeitet wurden. Funeral von Arcade Fire weist starke Parallelen auf. Zwischen Sommer 2003 und Frühjahr 2004 trug die Band aus dem Montreal mehrere Angehörige zu Grabe. Immerhin konnten die gerade gegründete Gruppe die Hochzeit ihrer Mitglieder Win Butler und Régine Chassagne feiern. Das Debütalbum nannten die Kanadier trotzdem Beerdigung. Das lässt vermuten, dass die Stimmung drückend ist und die Noten Trauer tragen. Stimmt auch, stimmt aber auch nicht. Es geht neben Tod in den umwerfend guten Songtexten von Funeral auch um Ängste, Verzweiflung, Kälte und Zwänge. Oder die nie gesehene Heimat von Chassagne, deren Eltern Haiti verlassen mussten. Die musikalische Assoziationskette, die an einem vorbeirauscht, reicht von Pulp, Radiohead über David Bowie, Magnetic Fields, Tindersticks bis hin zu British Sea Power. Doch Arcade Fire sind keine Gruppe, die klingt wie...Arcade Fire haben extrem schnell eine ureigene, vielschichtige Klangsprache gefunden, die einen in Tempo, Stilistik, Schönheit und Gefühlschwankung immer wieder überrascht, hin und her reißt. Zwischen Indie-Rock, Hafenmusik, Trauermärschen und Tango wühlen Gitarren, Xylophon und Streicher ( was für Geigen!!) schwer in der Seele herum. Ganz, ganz großes Kino, dieses Album! -Sven Niechziol

Neon Bible - Arcade Fire
CD:Neon Bible
 Arcade Fire, Audio CD, Verkaufsrang 25554
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NEON BIBLE
Im Februar 2007, kurz vor der offiziellen Veröffentlichung von Neon Bible traten Arcade Fire in Orchesterstärke fünf Mal in der ausverkauften Judson Memorial Church in New York auf. Eine Kirche, warum eine Kirche? Wo sonst könnten Texte über die bevorstehende Apokalypse, über Ängste, Tod und eine nicht versiegende Hoffnung ihre volle Kraft entwickeln? Außerdem stehen da bekanntlich Orgeln, und ein sakraler, opulenter ? wobei so gut wie kein Song der Kanadier ohne Opulenz auskommt ? Track wie "Intervention" lässt sich besonders imposant umsetzen. Es ist nicht das einzige Stück, das alle Zweifel beseitigt, die vielköpfige Band aus Montreal könnte an der gewaltigen Hürde ihres Debüts Funeral scheitern.
Zugegeben, der A-ha-Effekt ist weg, die triumphalen Trauermärsche überrennen einen nicht beim ersten Hören und doch kommt gleichzeitig die Ahnung auf: Hier ist wieder Großes entstanden! Es passiert so viel so schnell, dass die Sinne nicht immer folgen können, denn Arcade Fire füllen nicht nur jedes Notenblatt bis zur Schwärze, Sänger Win Butler kehrt mit Textzeilen wie "I?m living in an age that calls darkness light? ("My Body Is A Cage") wieder die dunklen Seiten seines Seelenlebens nach außen. Nicht zufällig wurde Neon Bible nach dem gleichnamigen Roman von John Kennedy Tool benannt, einem amerikanischen Schriftsteller, der unter anderem im Alter von 32 Jahren deshalb Selbstmord beging, weil sein persönlich als Meisterwerk eingeschätzter Schelmenroman Die Verschwörung der Idioten von unzähligen Verlegern abgelehnt wurde - posthum erhielt er einen Pulitzer-Preis! Arcade Fire erfahren immerhin zu Lebzeiten Ehrrungen. Kaum eine Gruppe des angehenden Millenniums versteht sich so außergewöhnlich darauf, einer gewissen Trostlosigkeit in den Texten ein aufs Tempo drückendes Heer an Instrumenten (Glockenspiel, Akkordeon, Violinen, Hörner, Hurdy Gurdy) plus einem Militärchor aus Budapest entgegen zu stemmen. -Sven Niechziol

The Black Light - Calexico
CD:The Black Light
 Calexico, Audio CD, Verkaufsrang 2164
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Carried to Dust - Calexico
CD:Carried to Dust
 Calexico, Audio CD, Verkaufsrang 5145
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Treue Fans reagieren bisweilen irritiert, wenn ihre Lieblingsbands Veränderungen am Gesamtsound vornehmen. Die gute Nachricht gleich vorweg: Calexico kehren auf dem jederzeit überzeugenden Album Carried To Dust in die markanten und staubigen Wüstenrock-Fußspuren der Vergangenheit zurück.
Also dorthin, von wo der kontrovers aufgenommene Vorgänger Garden Ruin die Flucht zu eher konventionell arrangierten, dem Pop zugewandeten Songs antrat. Der auf reine Instrumentals verzichtete, rockte wie nie zuvor und große Momente hat. Carried To Dust scheint daran anschließen zu wollen, denn gleich das von federnden Rhythmen dominierte Eröffnungsstück "Victor Jara?s Hands" tänzelt trotz der inhaltlichen Schwere mit der Thematisierung des 1973 von den Militärs ermordeten chilenischen Folksängers und kommunistischen Aktivisten. Danach aber machen sich Calexico, einmal mehr angetrieben von den beiden Songwritern und Produzenten John Convertino & Joey Burns, auf zu den vertrauten Mariachis, den verschleppenden Beats, exzentrischen Klängen, den eigenwilligen Streifzügen durch Alternative-Rock, Dub, Jazz, Latin, Folk und Country. Einmal mehr lassen sich Calexico von namhaften Gästen wie Doug McCombs (Tortoise) oder auch Sam Beam von begleiten. Mit dem Kopf von Iron & Wine setzen Calexico als engagierte Hausband ja schon auf dem Soundtrack zur Bob-Dylan-Hommage I?m Not There Glanzpunkte. Nicht alles scheint leuchtend hell auf diesem Album, denn Calexico kommen nicht umher, aus sich selber zu schöpfen und alte Zitate aufzugreifen, die Erinnerungen an frühe Lieder wecken. Aber wie keine andere Band verstehen sich die Männer aus Arizona auf solch geisterhafte Sounds wie in "Man Made Like" oder dem entrückten "Contention City", dem würdigen Finale. -Sven Niechziol

Laughing Stock - Talk Talk
CD:Laughing Stock
 Talk Talk, Audio CD, Verkaufsrang 5688
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Laughing Stock

The Earth Is Not a Cold Dead Place - Explosions in the Sky
CD:The Earth Is Not a Cold Dead Place
 Explosions in the Sky, Audio CD, Verkaufsrang 3827
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A Mouthful - the Do
CD:A Mouthful
 the Do, Audio CD, Verkaufsrang 3296
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Wenn sich Finnen in die Pop-Musik einmischen, dann wird es zumeist etwas schräg, eigenartig und bisweilen extrem schrullig. Man höre sich nur Alben von Eläkeläiset, Leningrad Cowboys oder Op:l Bastards an. Bei dem englisch singenden Duo The Dø aus Paris hat mit der kecken Olivia Merilahti nur eine Hälfte Wurzeln in dem nordeuropäischen Land, aber das langt schon. Ihr Debüt A Mouthful erschien in Frankreich zwar schon im Januar 2008, aber guter Pop übersteht auch eine 15-monatige Verspätung der Veröffentlichung. Pop bildet dann auch die Basis der Songs des Newcomer-Duos, das an die Spitze der französischen Charts schoss, ein erstaunlicher Erfolg, denn die Songs von The Dø klingen alles andere als eingängig melodiös, glatt gebügelt und durchgestylt. Von Anfang bis zum Ende bauen Olivia und ihr Partner Dan Levy in jedem Stück Schrägen, Ecken, Kanten und Abseiten an. Selbst der internationale Hit, das charmante "On My Shoulders" kommt nicht ohne kleine Eskapaden aus. Mal bricht die Gitarre aus den Harmonien aus, dann rauschen Streicher dazwischen, machen sich die Keyboards selbstständig. Im Opener mit dem Volltreffer-Titel "Playground Hustle" deuten Flöten und Trommeln Militärmusik an, aber letztendlich ist es ein herrlich neben der Spur laufendes Kinderstück. Hier stimmen The Dø eine sanfte Folk-Ballade an, da mischen sie etwas Polka unter, woanders wird gerappt und dann fühlt man sich wie im Zirkus. Langeweile kommt auf A Mouthful keine Sekunde auf. - Sven Niechziol

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