Aus der Amazon.de-Redaktion Wenn Angela Merkel mit dem Rheingold-Express durch Deutschland düst, heftet sich Benjamin von Stuckrad-Barre an ihre Fersen. Neben weiteren Spitzenpolitikern wie Frank-Walter Steinmeier, Cem Özdemir oder Guido Westerwelle trifft Stuckrad-Barre Menschen vom Schlage eines Hans Magnus Enzensberger, Dieter Hildebrandt oder Christoph Schlingensief. Vor dem Reichstag in Berlin oder auf dem Marienplatz in München zeigt der Schriftsteller zudem ein berechtigtes Interesse an angenehm durchschnittlichen Landsmännern und Landsfrauen. Seine Beobachtungen verdichtet Stuckrad-Barre zu durchdachten und einprägsamen Statements wie: "Touristen verhalten sich wie Fernsehkorrespondenten, die ihren Aufenthaltsort am liebsten durch ein weltbekanntes Wahrzeichen im Hintergrund beglaubigen lassen." Angenehm unaufgeregt schreibt der Autor über die Kernkompetenzen von Wien, die Kreuzberger Uniformität des Andersaussehens ? oder, warum Fußball ohne Aberglauben nix wäre. Charlotte Roche reift zum "Flittchen der Saison", und Günter Grass bekommt sein Fett ab, weil er sich wie "das unverzichtbare Korrektiv des Weltenlaufs" aufführe. Wenn Stuckrad-Barre sowohl einmalige als auch archetypische Augenblicke der deutschen Geschichte festhält, spricht Filmemacher Helmut Dietl von einer "literarischen Reportage". Beim monatlichen Plattenkauf lässt sich der Berliner jedoch von der Ikone der zeitgenössischen Popliteratur, Nick Hornby, und dessen Büchern Leben als Leser sowie All you can read arg inspirieren. "Erkundungen in alle Richtungen" einziehen ? das hält Stuckrad-Barre für die einträgliche Masche des von ihm hoch verehrten Udo Lindenberg. Diese Methode liegt aber auch seinen Texten zugrunde, die in Auch Deutsche unter den Opfern übrigens von größtenteils selbst geschossenen Fotos begleitet werden. Zum kritischen wie fairen Stil des Autors gehört, Menschen an ihren selbst gesteckten Ansprüchen zu messen ? wie Sabine Christiansen, wenn sie von "Entschleunigung" spricht und gleichzeitig gehetzt wirkt. Und sollte die Hektik des Alltags den klaren Blick auf unsere Gesellschaft trüben wie eine Emulsion das Wasser, dann gehört Stuckrad-Barre zu den Ersten, die Konturen erkennen, wenn diese Emulsion zu brechen beginnt. ? Herwig Slezak
SuperFreakonomics - Nichts ist so wie es scheint: Über Erd-Abkühlung, patriotische Prostituierte und warum Selbstmord-Attentäter eine Lebensversicherung abschließen sollten
Autor:
Steven D. Levitt, Stephen J. Dubner, Ausgabe vom 6. April 2010, Gebunden, Verkaufsrang 274118
Machiavelli bemüht sich in Der Fürst um eine rationale Sicht der Politikund Geschichte, auf die sich präzise Verhaltensregeln gründen lassen. DieReligionen und alle moralischen Prinzipien werden unvoreingenommen mitder erklärten Absicht analysiert, sie nach ihrem Wert für die Erhaltungdes Staats einzuschätzen. Grundlage und Ziel allen Verhaltens des in Gemeinschaftlebenden Menschen sei die Erhaltung und die Prosperität der Res publica.Die Frage nach der Erhaltung des Staats ist für Machiavelli so zentral,dass er den Herrscher unter der Voraussetzung des Staatsnotstands vom Zwangbefreien will, nach ethischen Normen zu handeln. An die Stelle christlicherTugenden als Voraussetzung für eine erfolgreiche Regentschaft tritt beiMachiavelli die Fähigkeit, politische Macht zu erwerben und zu erhalten.Daher billigt er Ruchlosigkeitenzum Guten genutzt werden. Niccolò Machiavellis 1532 erschienene Schrift "Il Principe" ist unter dem Titel Der Fürst Weltliteratur geworden. In seiner Radikalität, in seiner scharfen Trennung zwischen rein politischem Handeln und den Entscheidungen des Einzelnen, überstrahlt Machiavellis Werk die politiktheoretischen Schriften aller seiner Zeitgenossen. Machiavelli will klären, "was das oberste politischen Amt sei, wie viele Arten es davon gibt, wie und wann man es behält, und wie und wann man es verliert". Es geht ihm dabei um die Herrschaftsbildung und Herrschaftssicherung, um die Bewahrung des principato. Sämtliche Handlungen des Fürsten werden an ihrem politischen Zweck der Erhaltung der Herrschaft gemessen. Entscheidend für den Erfolg ist nicht der moralische Wert sondern allein die Wirkung des Verhaltens. Dieser ausschließlich erfolgsorientierte amoralische Zweckrationalismus war es, der viel seiner Zeitgenossen zutiefs verstörte. Schon vor Jahrhunderten wurde "Machiavellismus" zu einem Synonym für Verschlagenheit und Hinterlist, für Amoral und Rücksichtslosigkeit in der Politik. Man hat sich angewöhnt, jede skrupellose Machtpolitik als "machiavellistisch" zu bezeichnen, jene berühmte oder vielmehr berüchtigte "Realpolitik", die sich auf Machiavellis "Il Principe" berufen zu können glaubt. Jedes Jahrhundert hat Machiavellis Schrift anders ausgelegt. In jüngster Zeit wurde sie, wie viele andere Klassiker der Staats- und Kriegskunst auch, erfolgreich von der Managementlehre adaptiert. Ob unternehmerische Führungsstrategien oder persönliche Karriereplanung, an Machiavellis und Anti-Machiavellis herrscht auf dem Buchmarkt kein Mangel. Dennoch lohnt sich ein Blick ins Original, denn Der Fürst ist eine realistische, und in seiner Art zeitlose Diagnose der Politik, in der die Interessen des Staates stets Vorrang vor allen ethischen Überlegungen hatten. -Stephan Fingerle
Buch:
Nichts, was man fürchten müsste
Autor:
Julian Barnes, Ausgabe vom 18. März 2010, Gebunden, Verkaufsrang 172281
Product Description Erscheinungsjahr: 2010 Übers. v. Gertraude Krueger Gewicht: 468 gr / Abmessung: 21 cm Von Barnes, Julian / Übersetzt v. Krueger, Gertraude "Ich glaube nicht an Gott, aber ich vermisse ihn." Julian Barnes, brillant, geistreich und witzig wie immer, setzt sich mit einem Thema auseinander, das jeden ein Leben lang betrifft. Es geht um unsere Sterblichkeit, um provozierende Gedanken und aufrüttelnde Ereignisse auf dem Weg zum Ende. Eigentlich müsste man sich nicht davor fürchten. Wirklich nicht? "Was soll eigentlich dieses ganze Tamtam um den Tod?", fragt nüchtern Julian Barnes'' Mutter. Aber ihr Sohn kann deshalb oft nicht schlafen: "Ich erklärte ihr, mir widerstrebe eben der Gedanke daran." Die Angst vor dem Tod treibt Julian Barnes seit seiner Jugend um, immer wieder umkreist er das Thema in seiner ganzen Unerbittlichkeit und Hoffnungslosigkeit, denn er glaubt nicht an Gott, vermisst ihn aber. Neugierig und um Erkenntnis bemüht sucht er in der Kunst und in der Literatur, in den Naturwissenschaften und in der Musik nach Antworten. Doch Julian Barnes ist Romancier, deshalb entwickelt er seine Gedanken aus Personen und Handlung. Und so erzählt er auch die anekdotenreiche Geschichte vom Leben und Sterben der sehr britisch zugeknöpften Familie Barnes - von den originellen Großeltern, der herrischen Mutter, dem in sich gekehrten Vater, dem besserwisserischen Philosophen-Bruder und dem belesenen, an den Künsten interessierten Julian. Seine wahren Angehörigen und Vorfahren sind für Julian Barnes allerdings nicht die Mitglieder einer englischen Lehrerfamilie, sondern Schriftsteller und Komponisten wie Stendhal, Flaubert und Strawinsky. Mit ihnen erörtert er scharfsinnig und verängstigt, flapsig und tröstlich, ironisch und ernsthaft die Angst vor dem Treppenlift, den
Buch:
Lassen Sie es mich so sagen: Dombrowski deutet die Zeichen der Zeit
Autor:
Georg Schramm, Ausgabe vom 4. Januar 2010, Taschenbuch, Verkaufsrang 36414
Aus der Amazon.de-Redaktion Den Selbstgerechten ordentlich auf den Schlips treten. Kaum einer kann das hierzulande derzeit besser als Georg Schramm. Wie auf der Bühne, so beweisen seine geschliffenen Pointen in seinem ersten Buch, dass politisches Kabarett der alten Prägung auch heute ein breites Publikum finden kann. In der vorliegenden, kommentierten Best-of-Sammlung deuten drei seiner Figuren die Geschichte jeweils in ihrem Sinn: der Rentner Dombrowski, Oberstleutnant Sanftleben und das sozialdemokratische Urgestein August, die Kabarett-Fans ja bereits von der Bühne kennen. Schramm ist ein Unikum. Als in den späten Sechzigerjahren andere auf die Straße gingen, ging er zur Bundeswehr, arbeitete dann lange als Psychologe. Heute begegnet uns der spät berufene Kabarettist vordergründig als jemand, der mächtig unter Dampf steht, hintergründig als belesener Aufklärer der alten Schule, der von unseren Politikern nicht einfache Wahrheiten, aber ehrliche Wahrhaftigkeit einfordert. Sein Antrieb scheint dabei die schiere Verzweiflung über die abgrundtiefe Gedankenlosigkeit vieler Zeitgenossen zu sein. Besonders nahe steht Schramm sicher seiner eigenwilligsten Figur: Lothar Dombrowski. Dessen Strafpredigten führen von der Paulskirche 1848 über die Ostermärsche der Achtzigerjahre bis in die Altenheime heutzutage. Häufig begegnet uns der renitente Rentner als zorniger alter Mann. Dann wissen Kabarett-Besucher bzw. Leser bisweilen nicht, wo der Spaß wirklich aufhört. Der Witz dabei ist, dass traurige Wahrheiten oft so verdichtet werden, bis sie komisch zu wirken beginnen. Sich selbst beschreibt Dombrowski als protestantischen Atheisten mit preußischer Seele, der wie der alte Fritz einen Rationalstaat anstrebe anstelle eines Nationalstaats. Und Lothar lebt, denn es steht geschrieben: "Ich habe all die Jahre Georg Schramm als Pseudonym benutzt. Im realen Leben gibt es nur mich, Lothar Dombrowski." Na, wenn das so ist, dann wünschen wir dem streitbaren Rentner noch viel Schaffenskraft. Denn kritische Geister wie ihn hat unser Land bitter nötig. - Herwig Slezak
Buch:
Kritik der reinen Toleranz
Autor:
Henryk M. Broder, Ausgabe vom 10. Aug. 2009, Taschenbuch, Verkaufsrang 29605
Aus der Amazon.de-Redaktion Jetzt wird?s gefährlich. Wer nämlich eine andere Weltsicht hat oder andere Meinungen vertritt als Henryk M. Broder oder, schlimmer noch, Seine Majestät höchstselbst zu kritisieren wagt, läuft leicht Gefahr, reflexhaft als Antisemit, Antiamerikaner, Unterdrücker, Diskriminierer, Schmarotzer, Homophobe, Sexist, Klassist, Rassist etc. gebrandmarkt zu werden. Doch trotz oder gerade wegen des Risikos einer Fatwa seitens dieses notorischen Wadenbeißers, der selbst ganz unverschämt Querulanz und Intoleranz zu Tugenden erhoben hat, ist Courage höchste Bürgerpflicht. Bester Beleg ist das vorliegende Buch, das knapp ein Jahr nach Erscheinen nun als Paperback beim Pantheon Verlag neu aufgelegt wurde. Es zeigt in exemplarischer Weise die Strategie dieses Meisters der Rhetorik und Demagogie, der es sich zum Sport gemacht hat, Kontrahenten mit scharfer Zunge und spitzer Feder mindestens sprachlos aber lieber noch mundtot zu machen. Wie ein Berserker hebt der Mann, der sogar soweit ging, sich bei den amerikanischen Präsidentschaftswahlen als Zeichen seiner fundamentalen Opposition gegen einen angeblichen Zeitgeist falsch verstandener Toleranz demonstrativ mit George W. Bush zu solidarisieren, zum Rundumschlag gegen all jene innerhalb und außerhalb unserer Gesellschaft an, die im Grunde zivilisatorisch immer noch nicht auf der Höhe der Zeit sind. Doch wenn schon nicht Broder, so hätte doch wenigstens der bewunderte unbeugsame wiedergeborene Christ wissen müssen, dass die Devise nicht mehr "Auge um Auge, Zahn um Zahn" lautet, sondern "Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen!". Eine Formel übrigens, die dem Aufklärer Immanuel Kant, auf dessen Kritik der reinen Vernunft Broder im Buchtitel Bezug nimmt, als Vorlage für seinen kategorischen Imperativ diente. ? Arnold Abstreiter
Buch:
Deutschland retten: Fit für die nächste Krise
Autor:
Hans Zippert, Ausgabe vom 8. März 2010, Gebunden, Verkaufsrang 86536
Product Description Fit für die nächste Krise Erscheinungsjahr: 2010 m. 15 Abb. Gewicht: 255 gr / Abmessung: 19,5 cm Von Zippert, Hans Politiker denken ungeniert über Abwrackprämien für Altkinder nach! Durch die Gesundheitsreform sind viele unserer beliebtesten Krankheiten bedroht! Sogar Asteroiden machen einen Bogen um Deutschland! Hans Zippert, der frühere Titanic-Chefredakteur, zeichnet ein brillant bösartiges Bild der Politik der BRD. Seine absurd komischen Texte sind voll Satire und Humor - und zeigen doch treffsicher die unterschwelligen Trends der Krise auf.
Buch:
Requiem für einen Hund: Ein Gespräch
Autor:
Daniel Kehlmann, Sebastian Kleinschmidt, Ausgabe vom 3. Mai 2010, Taschenbuch, Verkaufsrang 212058