Marianne Rosenberg, Ausgabe vom Nov. 2007, Taschenbuch, Verkaufsrang 503648
Aus der Amazon.de-Redaktion Nebelhafte Erinnerungsfetzen eröffnen das Buch. Nächte in verrauchten Berliner Kaschemmen, die offenbar alle "Engelhardt" heißen, bis die ahnungslose kleine Gina bemerkt, dass es sich um eine Zigarettenreklame handelt. Buletten und Soleier unter Glas. Der ewig betrunkene Vater, der seine Tochter auf den Tisch hebt, um sie "Jiddische Mamme" singen zu lassen, ein wehmütiges Lied, das den Gästen - vermutlich Holocaust-Überlebende -, die Tränen in die Augen treibt. Starke und düstere Impressionen aus einem Nachkriegsdeutschland, in dem die Täter von einst längst wieder an den Hebeln saßen. Erneut misstrauisch beäugt, eine alteingesessene Berliner Sintifamilie. Die Rosenbergs. Oder, was von ihnen übriggeblieben war! Klingt so der zuckersüße Lebensbericht einer fast schon kultig verehrten Schlagersängerin? Nein! Eher feinherb. Bitter zuweilen. Marianne Rosenberg - die sechsjährige Gina auf dem Tisch -. trägt das schwere Gepäck einer Kindheitserinnerung, über der der Schatten der Nazis lastet. Die Zwangseinweisung der Familie ins Lager Marzahn kurz vor der Olympiade 1936, nur der erste Schlag gegen die Berliner Sinti, wie sie später erfuhr. Vater Rosenberg, den die Amerikaner 18-jährig aus Auschwitz befreiten, war einer der wenigen aus der Familie, die überlebten. Traumatisiert für immer. Marianne Rosenberg wurde geprägt vom frühen Wissen, als "Zigeuner" ewige Außenseiter zu sein. Keine Bange, auch der deutsche Schlager kommt zu seinem Recht. Und doch - so zwingend die Bilder von Tod und neuerlichem Überlebenskampf, so heftig gestaltet sich der Bruch in die seicht-skurrile Welt von "Hitparade", Disco" und Co. Nicht ohne Ironie blickt die Sängerin auf ihren langen Marsch vom Schlagersternchen, das mit Piepsstimme "Mr. Paul McCartney" trällerte, zur nachtschwarzen Grande Dame, die mit Rio Reiser eine musikalische Liaison pflegte und ? in der damaligen Branche verdächtig genug -, bald in Schwulenkreisen als hip galt. Längst vergessene Schlagerleichen pflasterten ihren Weg, eine fast wehmütige Leseerfahrung. Bis zu diesem Buch gab sie ihre Familiengeschichte nie preis, blieb eine exotische Randerscheinung, stolz, distanziert beobachtend - und stets im Bewusstsein, dass aller Erfolg "Kokolores" ist im Vergleich dazu, was das Leben an wirklichen Untiefen bereithalten kann. Hut ab vor Marianne Rosenberg! ?Ravi Unger
Hörbuch:
Wolfgang Amadeus Mozart - Das Wunderkind aus Salzburg - CD: Oder: Vor lauter Tintenklecksen kann er die Noten kaum lesen
Aus der Amazon.de-Redaktion Bei der Ankündigung des Buches mit dem Originaltitel Being a Scot aus der Feder von Sean Connery dürften sich Millionen von Fans bereits auf das lange ersehnte Erscheinen einer mehrfach angekündigten aber immer wieder verschobenen Autobiographie des berühmtesten Schotten der Welt gefreut haben. Denn in der Tat wären Memoiren, die diesen Namen verdienten, nach einem halben Dutzend nichtssagender Porträts mehr als überfällig gewesen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil der Hollywood-Star a. D. stracks auf die 80 zumarschiert. Doch wer mit diesen Erwartungen an das Buch heranging, wurde bitter enttäuscht. Denn es enthält deutlich mehr "Mein Schottland" als "Mein Leben". Intime Anekdoten aus dem glamourösen Leben eines Womanizers sucht man vergeblich. Und dort, wo Connery in den ersten paar Kapiteln Persönliches preisgibt, schwelgt er auch nicht gerade in Erinnerungen. Immerhin erfahren wir, wie er im Alter von neun Jahren um sechs Uhr früh aufgestanden ist, um vor der Schule Milch auszufahren, warum er mit 13 die Schule geschmissen hat, um eigenes Geld zu verdienen und wie er auf dem Umweg vom Sarg-Polierer, Bademeister, Aktmodell oder Türsteher schlussendlich bei der Schauspielerei gelandet ist. Garniert ist das Ganze mit weit über 300 Seiten langen Exkursen über die Schönheit Schottlands, über seine Geschichte, Berühmtheiten, keltische Mythen, Literatur, Architektur und Sport. Das Buch verfolgt damit einen ähnlichen Ansatz wie seinerzeit der Dokumentarfilm Sean Connery?s Edinburg von Murray Grigor, der diesmal als Co-Autor firmiert. Eine Lektüre ist Mein Schottland, mein Leben dennoch wert. Zumal man wahrscheinlich auch in Zukunft vergeblich auf mehr Details aus dem Intimleben Sean Connerys warten dürfte. Denn wie sagte er so schön bei einem Interview zur Buchpräsentation?: "Ein wenig habe ich ja erzählt. Aber ich hatte nie besonderes Interesse, Privates in der Öffentlichkeit auszuplaudern. Es gibt interessantere Dinge in der Welt, als wer vor vielen Jahren wem was an welchem Drehort gesagt hat." ? Franz Klotz
Buch:
König von Deutschland: Erinnerungen an Ton Steine Scherben und mehr
Autor:
Rio Reiser, Ausgabe vom Dez. 2001, Taschenbuch, Verkaufsrang 95218