Mit Piper Perabo|Jessica Paré, DVD, Verkaufsrang 3149
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Die schüchterne Mary Bradford ist "die Neue" in einer traditionsreichen Mädchenschule im malerischen Neuengland. Sie teilt sich ein Zimmer mit zwei älteren Mädchen, Paulie und Tory, die - wie Mary bald herausfindet - eine leidenschaftliche Liebesbeziehung verbindet. Als die beiden von anderen Schülerinnen im Bett erwischt werden, bricht Tory aus Angst und Scham die Beziehung sofort ab. Doch Paulie will sich um keinen Preis mit dem Verlust ihrer grossen Liebe abfinden. In ihrer Verzweiflung setzt sie alles daran, Tory zurückzugewinnen -und fordert dabei die strenge Ordnung des elitären Internats heraus. Als die zu Hause von allen nur "Maus" genannte Mary Bradford zu Beginn von Lea Pools sensiblem Coming-of-Age-Drama Lost and Delirious im Internat ankommt, fühlt sie sich vorerst nur verloren. Sie wollte nicht weg von ihrem Vater, doch die Stiefmutter hat darauf bestanden. Nun muss sie sich in der Welt der Mädchenschule, weit weg von allem, was ihr bisher vertraut war, erst einmal zurechtfinden. Die eigensinnige Paulie (Piper Perabo) und die hübsche Tory (Jessica Paré), mit denen sich Mary (Mischa Barton) das Zimmer teilen soll, nehmen die Neue zwar herzlich auf, aber sie bleibt vorläufig doch eine Fremde, zumal sie noch in der ersten Nacht bemerkt, dass die beiden nicht nur Freundinnen sind. Auch wenn ihn auf den ersten Blick einiges mit der Welle der Teenager- und High-School-Filme der letzten Jahre zu verbinden scheint, geht Lost and Delirious doch einen ganz anderen Weg. Die aus der Schweiz stammende kanadische Regisseurin Lea Pool ist bei ihrem ersten englischsprachigen Film nicht einer Mode gefolgt, sie hat sich vielmehr von allen Moden gelöst und erzählt hier einfach eine zeitlose Geschichte über die schmerzlichsten Erfahrungen der Jugend. Mary, Paulie und Tory gehören zu den komplexesten Teenagerfiguren, die man seit langem in einem Film sehen konnte. Sie alle sind - wenn auch aus ganz unterschiedlichen Gründen - "lost and delirious". Ihre Verlassenheit, diese Einsamkeit, die niemand überbrücken kann, auch die verständnisvollste Lehrerin nicht, treibt sie an den Rand des Verrücktseins. Die tief in ihrem Innern sitzende und verzehrende Verzweiflung geht dabei weit über das typische Teenagerleiden, wie es in den meisten Kino- und Fernsehproduktionen porträtiert wird, hinaus. Sie verweist jeweils auf ein existenzielles Dilemma, aus dem sich am Ende nur eine von ihnen befreien kann. Der Ernst, mit dem sich Lea Pool den Gefühlen und den Unsicherheiten der drei Mädchen nähert, wirkt beinahe schon überraschend. Er bricht mit der netten, aber eben auch zu einfachen Unverbindlichkeit, die den größten Teil der Teenagerkomödien kennzeichnet. Wie in Roger Kumbles Eiskalte Engel und Tim Blake Nelsons "O" ist die Liebe auch hier eine zerstörerische Kraft. Der Überschwang der Gefühle führt in Lost and Delirious zu einer Raserei, die von Shakespeares Stücken und ihrer Sicht auf Liebe und Leidenschaft inspiriert ist. Wenn in Lost and DeliriousMacbeth und Antonius und Cleopatra rezitiert werden, dann sind das mehr als nur Zitate. In diesen Szenen bekennen sich Lea Pool und ihre Figuren zu Emotionen, die so stark sind, dass sie kaum noch in unsere so moderate Zeit und Welt zu passen scheinen. Doch sie sind real; und in ihrem Pathos liegt eine eigene Wahrheit über den Menschen, die Lea Pool hier wie einst Shakespeare erfasst. -Sascha Westphal
Mit Sharon Stone, Vanessa Redgrave, DVD, Verkaufsrang 6103
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Großartiges, mutiges und aufrüttelndes Kino! Sharon Stone, Vanessa Redgrave, Ellen DeGeneres und Michelle Williams sind die Stars in diesen einfühlsamen Liebesgeschichten voller Sehnsüchte, Träume und Schicksal. Ein Film für, über und von Frauen,... HBO sorgte für Aufruhr, als If These Walls Could Talk ausgestrahlt wurde. Handelte es sich doch um ein Porträt dreier Frauen, die alle zu verschiedenen Zeiten im gleichen Haus lebten und ungewollt schwanger waren. Dasselbe Prinzip macht sich HBO nun für das Sequel zu Nutze. Dieses Mal stehen jedoch Frauen, die Frauen lieben, im Mittelpunkt des Interesses. Die drei Geschichten in If These Walls Could Talk 2, sind allerdings nicht von gleichwertiger Qualität. Die erste Geschichte ist bei weitem die kraftvollste und bewegendste. Sie spielt 1961 mit Vanessa Redgrave als Frau, die zur Witwe wird, als ihr Partner mit 50 Jahren plötzlich stirbt. Redgrave ist phänomenal und allein ihr Part macht diese Fortsetzung sehenswert. Der zweite Teil führt den Zuschauer in das Jahr 1972: Michelle Williams erscheint der Umgang mit den sexuellen Gepflogenheiten der schwulen Gemeinschaft zunehmend komplexer, als sie sich in eine jungenhafte Frau verliebt (gespielt von Chloë Sevigny). Die dritte Episode schließlich ist die modernste. Die Handlung ist im Jahr 2000 angesiedelt. Porträtiert wird ein zeitgemäßes lesbisches Paar (Sharon Stone und Ellen DeGeneres), das fest entschlossen ist, ein gemeinsames Baby zu bekommen. Die seichte Geschichte beeinträchtigt zwar ein wenig den ernsteren Anspruch der ersten beiden Episoden, dennoch kann HBO mit dieser Mischung erneut beweisen, sich an der Spitze des modernen Filmemachens zu befinden. Der gewagte Film will und leistet beides: Er provoziert und unterhält. -Jenny Brown