Gerard Depardieu, Laurent Neumann, Ausgabe vom Aug. 2005, Taschenbuch, Verkaufsrang 347493
Amazon.com Frage: "Der Blitz habe eingeschlagen, heißt es, bei einer Szene in dem Stück "La Lune est bleue", in dem ihr gemeinsam gespielt habt." Antwort: "Der Blitzschlag? Red nicht so?n Blech!" ? Es birgt schon ein gewisses Risiko, einem solchen Bären gegenüberzusitzen und ihm blumige Sentenzen über das erste Zusammentreffen mit seiner Frau Elisabeth hinzuflöten. Ein wahrer Hochgeschwindigkeitszug aus Selbstbezichtigungen, anschwellenden Zorneswogen, Momenten drastischer Ehrlichkeit, Zerknirschung und purer Lebenslust, rauscht an dem Interviewer Laurent Neumann vorüber. Kein Wunder, wenn das Gegenüber Gérard Depardieu heißt. Biografiearbeit in Interviewform: Ein prallvolles Leben ohne einen Moment der Langeweile ist garantiert. Eine Kindheit in Châteauroux: Nicht der beste Ruf eilte dem frühreifen Kleinganoven in seinem Heimatort voraus. Schon früh wird Gérards Zockermentalität sichtbar. Das Kind aus ärmlichen Verhältnissen tritt mit den am Ort stationierten US-Soldaten in einen regen Schwarzhandel. In diesen Tagen gedeiht sein Drang zum Geld und zur Freiheit (die Depardieu ständig im Munde führt). Gern kokettiert der Mime mit seiner mangelnden Bildung und seinem frühen Sprachverlust, den erst seine Schauspiellehrer kurierten. Das Dauerproblem Trunksucht wird freimütig behandelt ("...macht mich völlig alle, ich bin dann nicht mehr ich selbst..."). Noch ernster wird es beim zerstörten Verhältnis zu seinem genialischen Sohn Guillaume, für dessen tragischen Lebenslauf der zerknirschte Vater Verantwortung übernimmt. Hier kommt auch die mangelnde soziale Bindungsfähigkeit Depardieus aufs Tapet, Grund für eine mittlerweile 28-jährige Psychoanalyse, wie man staunend erfährt. Dem "Denkmal der französischen Literatur", Marguerite Duras, strich er das Schlafzimmer, im Gegenzug erhielt er Nachhilfe in Sachen Literatur. Die französische Schauspiellegende Bernard Blier stieß er in einem Wutanfall fast von einer Klippe. Anekdoten um Schauspieler, Regisseure und Filme, die jeden Filmfan verzücken werden. Bertolucci, Truffaut, Gabin, Delon, Deneuve, die großen Namen wollen nicht enden. Dass bei einem Pensum von 160 Filmen nicht nur Perlen der Filmkunst entstanden, Depardieu kratzt es nicht. Er muss arbeiten, arbeiten...Ein vom Leben Getriebener hat sich geoutet. ?Ravi Unger
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Der Mitschnitt ist ein 1976 von Krug heimlich auf Tonband aufgenommenes Wortgefecht zwischen elf namhaften Künstlern und drei hohen Politikern der DDR, in dem es um die Ausbürgerung Wolf Biermanns ging. An seinem Tagebuch schrieb Krug 32 Tage lang, von dem Augenblick an, als er den Ausreiseantrag gestellt hatte, bis zu dessen Genehmigung. Beide Texte zusammen geben Einblicke in eine turbulente Zeit und in eine gesellschaftliche Ordnung, der zu entkommen es großer Kraft bedurfte. Ein aufregendes, ein erschütterndes Zeitdokument, das jedem die Augen öffnet,auch wenn er einer anderen Generation angehört. "Operative Information: Sonnabend, den 18. 6. 1977: K r u g befand sich bis in die Nachmittagsstunden auf seinem Grundstück und war mit Verladearbeiten beschäftigt. Da keine fremden Personen auf dem Grundstück sein durften, war es dem IMV nicht möglich, daran teilzunehmen." Es war der Tag der Ausreise Manfred Krugs aus der DDR. Zum Verständnis: IMV, das waren die netten Nachbarn. Abends war man dann doch noch eingeladen zur Abschiedsfeier bei IMV-Nachbars. So die Stasi-Akte. Mein Gott, diese DDR! Dramatische Ereignisse gingen voraus: Im November 1976 trafen elf namhafte Künstler, die eine Resolution gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns unterzeichnet hatten, zu einem Streitgespräch mit drei hochrangigen DDR-Funktionären zusammen. Das Treffen fand in Krugs Haus statt und Krug ließ - widerrechtlich und höchst riskant - heimlich ein Tonband mitlaufen. Manfred Krug wartete neunzehn Jahre, ehe er das Protokoll veröffentlichte. Ein beredtes Dokument. Die Diskussionsteilnehmer, darunter Stefan Heym, Jurek Becker, Christa Wolf und die Schauspielerin Angelica Domröse, auf der Gegenseite der Chef der Agitations- und Propagandaabteilung des Politbüros, ein wortgewandter und eloquenter Mann, liefern sich heftigste Wortgefechte, deren nachträgliches Studium so manches Geschichtsbuch überflüssig macht. Die aufgebrachten Kunstschaffenden, die Biermanns Wiedereinbürgerung einfordern und den Staat in Frage stellen, sehen sich einer Mauer von Demagogie und Schlitzohrigkeit seitens der DDR-Oberen gegenüber, die ihrerseits auf Linientreue beharren. Krug kann und will mit diesem Staat nicht mehr auskommen. Schon werden die ersten Auftritte abgesagt, Filmangebote storniert. Der Staat schlägt zurück. Den zweiten Teil von Abgehauen nimmt Krugs Tagebuch bis zu seiner Ausreise ein. Hierin wird beklemmend deutlich, wie schwer es war, diesem unseligen System zu entkommen. Manfred Krug gebührt der allergrößte Respekt für diese Dokumentation "ganz normalen DDR-Alltags" und für sein hohes Maß an Zivilcourage. -Ravi Unger
Buch:
Quentin Tarantino
Autor:
Robert Fischer, Peter Körte, Georg Seeßlen, Ausgabe vom Juli 1999, Broschiert, Verkaufsrang 173130
Aus der Amazon.de-Redaktion Sicher muss nicht jeder Quentin Tarantino mögen. Seine Filme sind thematisch eher einseitig (Gangster, nichts als Gangster), alles andere als friedlich (Unmengen von Knarren), und sehr viele davon hat er seit seinem Debütfilm Reservoir Dogs 1991 noch nicht abgeliefert (vier eigene, wie dieses neu aufgelegte Buch schreibt; großzügiger gezählt immerhin sieben Werke). Aber andererseits - kann man denn wirklich Tarantino nicht mögen? Knarren im Kino sind bald so alt wie der Film selbst, Verbrecher geben eben immer noch die besten Stoffe her und ein Regisseur sollte ohnehin lieber weniger, dafür aber gute Filme machen. Und ganz egal, ob man Tarantino nun verehrt oder nicht, seine Filme sind gut. Kein Regisseur hat das Kino der 90er-Jahre so beeinflusst wie Tarantino; sein visueller Stil und seine verwobenen Handlungsstränge prägten spätestens seit Pulp Fiction die Kinowelt. Was lag also näher als Tarantino zum Thema des Startbandes der film-Reihe des Berliner Bertz Verlages zu machen? Hier liegen die Wurzeln zu einer Filmbuchserie, die bereits mit Band eins ihre außerordentlich hohe Qualität bewies. Sieben Filme werden betrachtet und analysiert, neben Tarantinos eigenen Regiearbeiten auch die von ihm geschriebenen True Romance, Natural Born Killers und das Vampir-Horror-Splatter-Road-Movie From Dusk Till Dawn. Auf Basis der Filmstorys werden Szenen interpretiert, Hommagen an andere Filme herausgekitzelt, Handlungsstränge und Hintergründe beschrieben. Ganze Fotostrecken aus den Filmen erfreuen das Auge, und in der ausgezeichneten Filmografie werden auch TV-Gastauftritte oder Tarantinos "ER"-Episode nicht vergessen. Was will man nach so einem Buch mehr - außer vielleicht dann doch endlich einmal wieder einem neuen Tarantino-Film? -Joachim Hohwieler 1