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Die Entdeckung der Nachhaltigkeit - Kulturgeschichte eines Begriffs - Ulrich Grober
Buch:Die Entdeckung der Nachhaltigkeit - Kulturgeschichte eines Begriffs
Autor:Ulrich Grober, Ausgabe vom 1. März 2010, Gebunden, Verkaufsrang 12072
Preis: 19,90 EUR (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.)
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Nachhaltig ist heutzutage alles, von der Diät bis zum Ausbau der Kapitalkraft. Nachhaltigkeit ist aber unser ursprünglichstes Weltkulturerbe, ein Begriff, der tief in unserer Kultur verwurzelt ist und den es vor seinem inflationären Gebrauch zu retten gilt. Das von Joachim Heinrich Campe 1807 herausgegebene Wörterbuch der deutschen Sprache definiert das Wort "Nachhalt" als das, "woran man sich hält, wenn alles andere nicht mehr hält". An was kann man sich halten, was bedeutet Nachhaltigkeit? In diesem anschaulich erzählten Buch wird der Begriff "Nachhaltigkeit" neu vermessen. Vor fast 250 Jahren avancierte er zum Leitbegriff des deutschen Forstwesens und bezeichnet seitdem die Verpflichtung, Reserven für künftige Generationen nachzuhalten. Das von Hans Carl von Carlowitz 1713 erstmals beschriebene Dreieck der Nachhaltigkeit ökologisches Gleichgewicht, ökonomische Sicherheit und soziale Gerechtigkeit ist heute als "sustainable development" in aller Munde. Die Idee dieses Begriffs aber reicht noch weiter zurück. Sie findet sich im "Sonnengesang" des Franziskus von Assisi genauso wie bei den griechischen Philosophen und den Philosophen der Aufklärung. Ulrich Grobers spannende (Zeit)Reise führt uns an den Hof des Sonnenkönigs und in die deutschen Fürstenstaaten, erzählt vom sächsischen Silberbergbau und vom Holzmangel. Und davon, dass die Nachhaltigkeitsidee überall, wo sie auftaucht, ein Kind der Krise ist, aber auch die Entstehung eines neuen Bewusstseins markiert. Des Bewusstseins, dass der Planet, auf dem wir leben, erhalten und bewahrt werden muss.

Leserbewertungen:
Durchschnitt: 4.5 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 5 Bewertungen)

Leserkommentare:*
Informatives Lesevergnügen (5 von 5 Punkten) meint D.B.
Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Heutzutage ist alles nachhaltig. Was für eine vorbildliche Nation Deutschland doch in Sachen Umweltschutz ist. An wirklicher Umweltbildung, abseits der bequemen Schlagworte, mangelt es hingegen. Was verbirgt sich hinter dem Begriff Nachhaltigkeit? Welche Geschichte hat dieser Begriff ?

Die Fragen werden im Buch Die Entdeckung der Nachhaltigkeit. Kulturgeschichte eines Begriffs" eindrucksvoll und mit grosser sprachlicher Schärfe erklärt. Das Buch von Ulrich Grober ist nicht nur lehrreich im alten Sinne des Begriffes. Ulrich Grober macht die Abhandlung zu einem Lesevergnügen. Gerade auch deshalb weil er dem Bedürfnis nach bequemer, mundgerechter, Lektüre nicht nachkommt.

Eine Kulturgeschichte des Begriffes Nachhaltigkeit ist gleichzeitig auch eine Zeitreise. Franz von Assisi, die europäischen Königshöfe, die Brundlandt Kommission, sind nur einige Stationen. Die Situation des Waldes, die immer neuen Definitionen in Sachen Nutzung, sind ebenso spannend zu lesen die Diskussionen zum Thema Energie (vom Tagebau zur Solarenergie !?).

Das Buch von Ulrich Grober ist verblüffend aktuell und fundiert. Menschen die sich am umweltpolitischen Diskurs beteiligen ist die Lektüre dringend zu empfehlen. Allen anderen Menschen auch. Es geht letztlich um die Frage woher wir kommen und wohin wir gehen wollen. Wer lenken will, wer mitgestalten will, muss aber informiert sein. Informiert abseits der vorgekauten Medienkost. Es geht darum sich selbst zu informieren, sich selbst ein Urteil zu bilden, Schlicht: selbst zu denken. Das Buch von Ulrich Grober ist eine gute Übung zum Selbstdenken.

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Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit: Drei Studien zur Kunstsoziologie (edition suhrkamp) - Walter Benjamin
Buch:Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit: Drei Studien zur Kunstsoziologie (edition suhrkamp)
Autor:Walter Benjamin, Ausgabe vom 6. Juli 1963, Taschenbuch, Verkaufsrang 20937
Preis: 7,50 EUR (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.)
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Walter Benjamin beschreibt in dem Aufsatz Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit die geschichtlichen, sozialen und ästhetischen Prozesse, die mit der technischen Reproduzierbarkeit des Kunstwerkes zusammenhängen. In die Reihe der kunstsoziologischen Arbeiten Benjamins gehören auch die beiden hier zum ersten Mal in Buchform veröffentlichten Texte: Kleine Geschichte der Photographie (1931) und Eduard Fuchs, der Sammler und der Historiker (1937). Sie erhärten Benjamins Einsichten am Einzelfall.

Leserbewertungen:
Durchschnitt: 4.0 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 4 Bewertungen)

Leserkommentare:*
Aura vs. Convenience (5 von 5 Punkten) meint k.
"Die gesamte Wirklichkeit ist die Welt. Das Bild ist so mit der Wirklichkeit verknüpft; es reicht bis zu ihr. Es ist wie ein Maßstab an die Wirklichkeit angelehnt". Soweit Ludwig Wittgenstein im Tractatus zum Verhältnis Bild und Realität. Und weiter: "In Bild und Abgebildeten muss etwas identisch sein."

Grundsätzlich, sagt Benjamin, ist das Kunstwerk immer reproduzierbar gewesen. Alles vom Menschen gemachte konnte und kann von Menschen nachgemacht werden. Die technische Reproduzierbarkeit jedoch ist etwas Neues. Über Guss und Prägung, vom Holzschnitt der Graphik zum Druck der Schrift, vom Kopierer zum Scanner zum Brenner. Paul Valery hat bereits in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts gemutmaßt, dass wir mit Bildern und Tonfolgen versehen werden wie mit Wasser, Gas und Strom. Auf ein Zeichen werden sie sich einstellen, kommen und uns wieder verlassen. Welch ein Weitblick, weit in das Jahr des Internets, der Zeichen von "@ und www".

Und doch fehlt etwas, auch wenn die Reproduktion höchstvollendend ist: "das Hier und Jetzt des Kunstwerks - sein einmaliges Dasein an dem Ort, wo es sich befindet." Diese Aura, diese wirkliche Echtheit ist nicht zu reproduzieren, das Einmalige entfällt und damit der Wert, die Wertschätzung. Es ist ein Gefühl, nicht einer Zuwendung mit Bedacht, sondern ein Wissen um Wiederholung und Wiederbeschaffung. Und diese Haltung gegenüber dem Einmaligen, der Aura schwindet zu Gunsten einer Massensicht mit Reproduzierbarkeit. Jedoch: Die Echtheit einer Sache ist der Inbegriff des Tradierten, sie berichtet von der Dauer und enthält eine "geschichtliche Zeugenschaft." Das Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit lässt eben genau diese Aura verkümmern. Eine Gesellschaft im 21. Jahrhundert verschließt sich der Erinnerung und noch neuen Werten, ihr Ziel scheint Convenience zu sein.

Der Verfall dieser Aura beruht auf zwei Umständen, die beide mit dem Phänomen der Massen im heutigen Leben zusammenhängen: einmal: das Anliegen, die Dinge räumlich und menschlich (Einebnung der gesellschaftlichen, bildungsrelevanten Unterschiede) näherzubringen und zweites gelingt dieses durch die Überwindung des Einmaligen durch die Aufnahme von deren Reproduktion. Das Bedürfnis, die Dinge im Bild, im Abbild habhaft zu werden, ist ungebrochen. Mit der Konsequenz, das "Dauer und Einmaligkeit ersetzt werden durch Flüchtigkeit und Wiederholung." Die Folge ist, dass der Mensch sich nicht mehr zu einem Kunstwerk bewegt, sondern dieses zu ihm als Abbild. Der Mensch lässt sich vereinsamen, allerdings organisiert, wie Hanna Arendt es mal formulierte. Sind Bilder aus der technischen Reproduzierbarkeit allzeit und für jedermann vorhanden, so kann man nach Hobbes folgern, dass dieser Fortschritt Feindschaft gebären muss, da die Unterscheidbarkeit aufgehoben wird in der Gleichheit der Fähigkeiten und der Gleichheit der Hoffnungen. (vgl. Sloterdijk, 2000: Die Verachtung der Massen).

Feindschaft wird in der letzten Stufe Krieg bedeuten können, der dann jedoch in der Ästhetik der Schlacht vorgedacht wurde in der immer besseren technischen Reproduzierbarkeit von Abbildern der Kriegsgeschichten am PC. Der Mensch hat durch den Verlust des Einmaligen die Aura desselben nicht kennengelernt, er identifiziert sich mit der Wiederholung und mit den Scheinwelten, die eo ipso ohne Wert sind. Dieser fehlende Wert definiert den Menschen, der dann seinen Spiegelneuronen das Feld überlässt, auf der Suche nach eigenen erhofften Werten.

Benjamins kurzes Essay wurde im Jahre 1936 veröffentlicht. Es ist ein Meilenstein in der Kunstgeschichte und gehört mit zum Inhalt seiner Aufsätze: Illuminationen. Es verbindet Ästhetik der Kunst mit der Philosophie des Lebens. Andre Breton sagte: "Das Kunstwerk hat Wert nur insofern als es von Reflexen der Zukunft durchzittert wird." Dieses ist deutlich aus dem Essay Benjamins zu hören. Zu den zitternden Reflexen gehört auch das bewegte Bild als Film, in der Kombination Bild und Bildung: "Ich kann schon nicht mehr denken, was ich denken will. Die beweglichen Bilder haben sich an den Platz meiner Gedanken gesetzt", konstatierte Georges Duhamel bereits 1930. (s. a.: Menasse, 2006: Die Zerstörung der Welt als Wille und Vorstellung)
Denken Sie an den 11.September. Sie werden spüren, was gemeint ist. Das Bild: ein Maßstab an die Wirklichkeit angelehnt.

Ein, wenn man sich öffnet, nachdenklich machendes, nicht nur die Kunst betreffendes Werk des W.B.

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Gerechtigkeit: Eine philosophische Einführung - Otfried Höffe
Buch:Gerechtigkeit: Eine philosophische Einführung
Autor:Otfried Höffe, Ausgabe vom 25. Januar 2010, Taschenbuch, Verkaufsrang 32432
Preis: 8,95 EUR (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.)
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Jedem das Seine
lx. Zu den spezifischen Leistungen der menschlichen Kultur gehört die Forderung - oder die Hoffnung -, dass Gerechtigkeit herrschen solle. Wohl gibt es verschiedene Vorstellungen, Prinzipien, Inhalte von "Gerechtigkeit", aber: Keine Gemeinschaft, keine Epoche will auf Gerechtigkeit verzichten. Der in Tübingen lehrende Philosoph Otfried Höffe hat nun eine "philosophische Einführung" in die Gerechtigkeit verfasst, die zwar kurz und prägnant ist, das Thema aber doch in der notwendigen historischen und systematischen Breite zur Darstellung bringt. Es sind nicht nur die modernen Gerechtigkeitstheorien - Vertrags-, Fairness- und Tauschmodelle -, die im gegenwärtigen Diskurs eine Rolle spielen, sondern auch ältere, gleichsam anthropologisch gewendete Vorstellungen dessen, "was sich gehört". So finden sich schon in der Rechtssammlung des oströmischen Kaisers Justinian (527-565) drei Grundsätze, die selbst zu den berühmtesten Prinzipien gerechten Tuns zu zählen sind, nämlich: "Lebe ehrenhaft", "Tue niemandem unrecht", "Gewährleiste jedem das Seine". Wie auch immer die inhaltliche Konkretion einzelner Gerechtigkeitsprinzipien aussehen mag, gelte doch immer - so argumentiert Höffe mit Kant -, dass moralische Wesen miteinander nur Beziehungen eingehen, die Rechte achten.

Leserbewertungen:
Durchschnitt: 4.5 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 2 Bewertungen)

Leserkommentare:*
Gut für den Einstieg in die Politische Theorie (5 von 5 Punkten) meint l. aus Katlenburg
Dieses Buch bietet einen knappen und leicht lesbaren Überblick über Gerechtigkeitstheorien namhafter Theoretiker.
Von Aristoteles über Habermas bis Rawls spinnt sich der theoretische Faden bis in die heutige Zeit ohne langweilig oder zu philosophisch abstrakt zu werden. Man kann auch einfach einzelne Autoren nachschlagen ohne den Rest des Buches gelesen zu haben.

Ein sehr gutes Buch, das den Einstieg in die Politische Theorie oder Philosophie der Gerechtigkeit erleichtert.


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Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit - Walter Benjamin
Buch:Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit
Autor:Walter Benjamin, Ausgabe vom 18. Sept. 2006, Gebunden, Verkaufsrang 55610
Preis: 7,00 EUR (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.)
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Walter Benjamin, geboren 1892 in Berlin, studierte in Freiburg i. Breisgau Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte. Nach Beginn des ersten Weltkrieges setzt er sein Studium in München und dann in Bern fort.
1933 emigriert er nach Paris. Nach der Besetzung Frankreichs und kurzzeitigerInternierung entschließt er sich in die USA zu internieren. An der spanischen Grenze wartet er aber vergeblich auf ein Visum. Da seine Auslieferung an die Geheime Staatspolizei droht, nimmt sich Walter Benjamin im spanischen Küstenort Port Bou mit einer Überdosis Morphium das Leben.

Leserbewertungen:
Durchschnitt: 5.0 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 1 Bewertung)

Leserkommentare:*
Aura vs. Convenience (5 von 5 Punkten) meint k.
"Die gesamte Wirklichkeit ist die Welt. Das Bild ist so mit der Wirklichkeit verknüpft; es reicht bis zu ihr. Es ist wie ein Maßstab an die Wirklichkeit angelehnt". Soweit Ludwig Wittgenstein im Tractatus zum Verhältnis Bild und Realität. Und weiter: "In Bild und Abgebildeten muss etwas identisch sein."

Grundsätzlich, sagt Benjamin, ist das Kunstwerk immer reproduzierbar gewesen. Alles vom Menschen gemachte konnte und kann von Menschen nachgemacht werden. Die technische Reproduzierbarkeit jedoch ist etwas Neues. Über Guss und Prägung, vom Holzschnitt der Graphik zum Druck der Schrift, vom Kopierer zum Scanner zum Brenner. Paul Valery hat bereits in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts gemutmaßt, dass wir mit Bildern und Tonfolgen versehen werden wie mit Wasser, Gas und Strom. Auf ein Zeichen werden sie sich einstellen, kommen und uns wieder verlassen. Welch ein Weitblick, weit in das Jahr des Internets, der Zeichen von "@ und www".

Und doch fehlt etwas, auch wenn die Reproduktion höchstvollendend ist: "das Hier und Jetzt des Kunstwerks - sein einmaliges Dasein an dem Ort, wo es sich befindet." Diese Aura, diese wirkliche Echtheit ist nicht zu reproduzieren, das Einmalige entfällt und damit der Wert, die Wertschätzung. Es ist ein Gefühl, nicht einer Zuwendung mit Bedacht, sondern ein Wissen um Wiederholung und Wiederbeschaffung. Und diese Haltung gegenüber dem Einmaligen, der Aura schwindet zu Gunsten einer Massensicht mit Reproduzierbarkeit. Jedoch: Die Echtheit einer Sache ist der Inbegriff des Tradierten, sie berichtet von der Dauer und enthält eine "geschichtliche Zeugenschaft." Das Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit lässt eben genau diese Aura verkümmern. Eine Gesellschaft im 21. Jahrhundert verschließt sich der Erinnerung und noch neuen Werten, ihr Ziel scheint Convenience zu sein.

Der Verfall dieser Aura beruht auf zwei Umständen, die beide mit dem Phänomen der Massen im heutigen Leben zusammenhängen: einmal: das Anliegen, die Dinge räumlich und menschlich (Einebnung der gesellschaftlichen, bildungsrelevanten Unterschiede) näherzubringen und zweites gelingt dieses durch die Überwindung des Einmaligen durch die Aufnahme von deren Reproduktion. Das Bedürfnis, die Dinge im Bild, im Abbild habhaft zu werden, ist ungebrochen. Mit der Konsequenz, das "Dauer und Einmaligkeit ersetzt werden durch Flüchtigkeit und Wiederholung." Die Folge ist, dass der Mensch sich nicht mehr zu einem Kunstwerk bewegt, sondern dieses zu ihm als Abbild. Der Mensch lässt sich vereinsamen, allerdings organisiert, wie Hanna Arendt es mal formulierte. Sind Bilder aus der technischen Reproduzierbarkeit allzeit und für jedermann vorhanden, so kann man nach Hobbes folgern, dass dieser Fortschritt Feindschaft gebären muss, da die Unterscheidbarkeit aufgehoben wird in der Gleichheit der Fähigkeiten und der Gleichheit der Hoffnungen. (vgl. Sloterdijk, 2000: Die Verachtung der Massen).

Feindschaft wird in der letzten Stufe Krieg bedeuten können, der dann jedoch in der Ästhetik der Schlacht vorgedacht wurde in der immer besseren technischen Reproduzierbarkeit von Abbildern der Kriegsgeschichten am PC. Der Mensch hat durch den Verlust des Einmaligen die Aura desselben nicht kennengelernt, er identifiziert sich mit der Wiederholung und mit den Scheinwelten, die eo ipso ohne Wert sind. Dieser fehlende Wert definiert den Menschen, der dann seinen Spiegelneuronen das Feld überlässt, auf der Suche nach eigenen erhofften Werten.

Benjamins kurzes Essay wurde im Jahre 1936 veröffentlicht. Es ist ein Meilenstein in der Kunstgeschichte und gehört mit zum Inhalt seiner Aufsätze: Illuminationen. Es verbindet Ästhetik der Kunst mit der Philosophie des Lebens. Andre Breton sagte: "Das Kunstwerk hat Wert nur insofern als es von Reflexen der Zukunft durchzittert wird." Dieses ist deutlich aus dem Essay Benjamins zu hören. Zu den zitternden Reflexen gehört auch das bewegte Bild als Film, in der Kombination Bild und Bildung: "Ich kann schon nicht mehr denken, was ich denken will. Die beweglichen Bilder haben sich an den Platz meiner Gedanken gesetzt", konstatierte Georges Duhamel bereits 1930. (s. a.: Menasse, 2006: Die Zerstörung der Welt als Wille und Vorstellung)
Denken Sie an den 11.September. Sie werden spüren, was gemeint ist. Das Bild: ein Maßstab an die Wirklichkeit angelehnt.

Ein, wenn man sich öffnet, nachdenklich machendes, nicht nur die Kunst betreffendes Werk des W.B.

Über die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen: Mit den Augustenburger Briefen - Friedrich von Schiller
Buch:Über die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen: Mit den Augustenburger Briefen
Autor:Friedrich von Schiller, Ausgabe vom März 2000, Taschenbuch, Verkaufsrang 87730
Preis: 6,80 EUR (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.)
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Zum Schiller-Jahr 2009 - Die umfassend kommentierte Ausgabe von Schillers großer Reflexion über Kunst und Freiheit, seiner nach wie vor grundlegenden Auseinandersetzung mit der Philosophie Kants und den Konsequenzen der Französischen Revolution.

Leserbewertungen:
Durchschnitt: 4.5 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 3 Bewertungen)

Leserkommentare:*
stellungnahme zum Inhalt (5 von 5 Punkten) meint H.r.
Abgesehen davon, daß es vermessen für einen normalen Leser vermessen ist, über Schiller zu urteilen:
Im vorliegenden Buch beschreibt Schiller - incht leicht zu lesen - den Schönheitsbegriff philosophisch und sieht u. a. die "lebende Gestalt" als ideale Einheit von Leben und GGestalt, Dasein und Form.

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Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 4: Minima Moralia -  Reflexionen aus dem beschädigten Leben: BD 4 (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) - Theodor W. Adorno
Buch:Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 4: Minima Moralia - Reflexionen aus dem beschädigten Leben: BD 4 (suhrkamp taschenbuch wissenschaft)
Autor:Theodor W. Adorno, Ausgabe vom 28. April 2003, Taschenbuch, Verkaufsrang 50884
Preis: 10,00 EUR (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.)
Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
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Buchnotiz zu : Die Zeit, 03.05.2001
Der Anlass der Neuauflage des philosophischen Klassikers ist, so Martin Seel, das fünfzigjährige Jubiläum des Buches. Beruhigend für den Leser ist der Hinweis Seels, dass man die "Minima moralia", die in den vierziger Jahren im amerikanischen Exil Adornos entstanden sind, weder als Fortsetzung der "Dialektik der Aufklärung" noch als Vorbereitung zur "Negativen Dialektik" lesen muss, im Gegenteil, diese Kontextualisierung ist geradezu verkehrt, handelt es sich für Seel doch um ein eigenständiges Werk, um ein "Feuerwerk hellsichtiger Gedanken". Geschrieben unter dem Einfluss des nationalsozialistischen Terrors, seien die "Minima moralia" eine "Diagnose einer global organisierten Unmündigkeit". Der Reiz der Aphorismen sei das Nicht-Systematische, die Aufforderung, durch die Paradoxa zum eigenen Denken animiert zu werden, denn nichts sei so, wie es sich auf den ersten Blick liest. Seel legt dann einzelne Gedankenblitze Adornos aus, vor allem den berühmten Satz "Es gibt kein richtiges Leben im falschen"; generalisierend fasst er schließlich die Maxime von Adornos Denken wie folgt zusammen: Nur vom Unmöglichen her können wir unsere Möglichkeiten verstehen. Auch wenn man diesen Grundsatz nicht teilt, so Seel, ist man doch in jedem Fall von der Genialität Adornos gefesselt.
© Perlentaucher Medien GmbH


Leserbewertungen:
Durchschnitt: 4.0 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 10 Bewertungen)

Leserkommentare:*
Dagegen und dafür sein. (5 von 5 Punkten) meint M.C.
Adorno, Adorno, Adorno.

Vielleicht hätte ich nicht mit diesem Buch in sein Universum einsteigen sollen, aber Verriss und Lob liegen für mich gefühlt ganz nah beieinander, wenn ich die beschädigten Reflexionen lese. Einerseits Bewunderung für die sprachliche, inhaltliche Tiefe, die zu spürende Verzweiflung und Kraft, die klappernde, aber würdevolle Philosophie und andererseits Verärgerung über den Intellektuellendiskurs, die Abschirmung und Isolation durch die Sprache, welche hier nicht minder taktisch eingesetzt wird als anderswo und nur ein auserwähltes Volk zum Dialog zuzulassen scheint. Wer sich also mit soviel sprachlicher und philosophischer Waffentechnik an das Publikum heranwagt und ihm selbst ein totalitär wirkendes Bedrohungsszenario vorspricht, ist nicht besser als andere Ideologen, scheint es mir, auch wenn ich dazu tendiere das Buch aus meiner Zeit zu verstehen und meine Lebenslage lieber über die des Autors stelle, auch und gerade trotzig gegenüber allen geschichtlichen Imperativen, die er mir schon allein durch den Entstehungskontext entgegenwirft.
Trotz der offensichtlichen Einzigartigkeit dieses Werks missfällt mir doch die Überschärfe, welche immer mal in absolute Idiotie umzuschlagen scheint, die keinen Freiraum mehr zulässt und sich wie überschlagender Nihilismus aufführt: (Totalität und Homosexualität gehören zusammen? soll nur die plakative und sicherlich schon viel diskutierte Formel sein, die ich kritisiere und die mir sofort auffiel, auch wenn der dahinterstehende Gedanke korrekt und nachvollziehbar ist). Trotzdem, hört man das, brennt sofort das Buch und man wird aufmerksam gegenüber der Verwendung des Wortes "Mensch" in diesem scheinbar endlos Gedanken fabrizierendem Werk. Irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass es nicht gut sein kann, wenn einer glaubt für alle anderen denken zu müssen und niemand, nicht mal der pragmatischste Adorno-Leser, kann mir vorgaukeln, dass er sich durch den Jargon nicht ein wenig entmündigt fühlt. Vielleicht fehlen auch einfach die gedanklichen Leerstellen, welche Adorno so oft einklagt und die sich in seinem Diktum: "Wahr sind nur die Gedanken, die sich selber nicht verstehen." metaphorisch, nach meiner Interpretation, angekündigt haben.

Die von mir empfundene Befremdlichkeit ist der für mich großartige Gewinn. Ein Buch von solch' ambivalenter Eleganz hat Gewicht. Man will es zerschmeißen, wohlwissend, dass man den durchaus brutalen Akt des Denkens nicht zerstören kann, der sich in ihm manifestiert. Damit muss man sich abfinden, dass es ein solches Buch gibt, welches vergräbt und freischaufelt zugleich. Komisch aber wahr, man muss mit diesem Werk gegen dieses Werk kämpfen, anstatt es verstehen zu wollen, denn Versöhnung kann es mit solchen Schriften nicht geben.

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Die Beatles und die Philosophie: Klüger werden mit der besten Band aller Zeiten -
Buch:Die Beatles und die Philosophie: Klüger werden mit der besten Band aller Zeiten
 Ausgabe vom Febr. 2010, Gebunden, Verkaufsrang 105331
Preis: 19,90 EUR (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.)
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"Schon nach wenigen Seiten des Bandes "Die Beatles und die Philosophie" sind wir fasziniert: Es funktioniert, die Brücke zwischen hochgeistigen Denkschulen und der Populärkultur ist breit und tragfähig. Ein anspruchsvoller, aber gut lesbarer Band, der Wissen und Bewusstsein erweitert." -Hans-Peter Klatt, Nürnberger Zeitung, 06.04.2010

Leserbewertungen:
Durchschnitt: 5.0 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 1 Bewertung)

Leserkommentare:*
Hohe Weihen für Pilzköpfe (5 von 5 Punkten) meint M.L.
Keiner der vier Beatles hatte studiert, schon gar nicht Philosophie. Auch im Blick auf ihre Interviews und die Vielzahl kecker Sprüche von John, Paul, George und Ringo ließ sich nie erkennen, dass auch nur einer der vier im Sinn hatte, in die tiefen eines philosophischen Disputes oder tiefernster Sinnfragen einzutauchen. Am ehesten philosophisch angehaucht, eher aber als esoterische Verwirrung zu werten, sind jene paar Wochen in Fernost, die die Band in bunten Gewändern und vernebelten Augen beim Guru zeigen.

Kann es dennoch sein, dass die Beatles mit ihrer Musik und ihren Texten einer ernsthaften Abgleichung mit fundierten philosophischen Konzepten standhalten und mit Ihrer Poesie und Dichtkunst existentielle Grundfragen der Menschheit aufgenommen, gar für ihre Zeit weiterentwickelt haben?

Das kann durchaus sein.
Wie die Autoren im Buch aufzeigen, sind durchaus innere Verbindungen zu philosophischen Konzepten ableitbar. Die Form der Beatles ist natürlich eine völlig andere als die des wissenschaftlichen Diskurses, die aufgegriffenen Fragen und ebenso die Antworten der Beatles allerdings haben durchaus tiefe Substanz.
Fragen und Antworten, denen sich die Autoren der einzelnen Kapitel und Abschnitte des Buches auf die Spur begeben, eine Spurensuche, die ebenso ernsthaft als Untersuchung angelegt ist wie sie, zum Glück für alle Beatles Liebhaber, in weiten Teilen in Sprache und Stil dem Humor der vier Liverpooler entgegenkommen. Keine Form trockener Abhandlung begegnet mit dem Buch, wohl aber ein sprachlich hervorragend und verständlich umgesetzter Blick auf die Tiefe des Schaffens der Band.

So machen sich 17 Philosophen, Professoren, Musikwissenschaftlicher, Juristen u.a. auf den Weg, die Welt der Beatles Lieder einer ernsthaften, philosophischen Betrachtung zu unterziehen. Warum sie das tun? Nun, die Antwort des Buches zu Beginn lautet ganz einfach: "Warum nicht?"

Bereits die erste Betrachtung "Nothing is real" verdeutlicht, dass die Band eine innere Entwicklung erlebt hat, die nicht auf die Komplexität ihrer Musik alleine beschränkt blieb. Nach den Anfängen in Liebeslust und Liebesleid begannen die Texte, zentrale Themen der Zeit aufzunehmen und zu bearbeiten. Wunderbar arbeitet David Detmar eines der Grundthemen der Liedtexte heraus: "Wie verhalten sich Wissen und Erkenntnis zueinander"? Welche Bedeutung hat beides in dieser Welt, in der nichts wirklich real scheint?

Ebenso präzise herausgearbeitet die Ambivalenz der Beatles zum Geld. Natürlich genossen die vier ihren Reichtum, dennoch war ihnen klar (und das teilten sie auch mit), dass Liebe und Lebensfreude nicht mit Geld zu bezahlen sind (Its all too much und All you need is love).

Ein ganz wunderbar gelungenes Kapitel ist die Betrachtung der Weltsicht von George Harrison, die Michael und Joseph Hoffheimer von der Blaupause des Existentialismus her aufschlüsseln und herausarbeiten, in welcher Form George Harrison seinen Gegenentwurf gestaltet, wenn er formuliert, dass alles warten kann, nur die Suche nach Gott nicht.

Erkenntnis und Wirklichkeit, Liebe und Fürsorge, Streben nach Bewusstheit, Nietzsche, Das Spiel mit der Sprache, zentrale philosophischer Themen nimmt das Buch auf und gleicht diese in bester Weise, jederzeit verständlich, oft mit Humor und einer Prise Wehmut gewürzt, mit den Kernbotschaften der Lieder der Beatles ab.

Ein nicht unerheblicher Nebeneffekt des Buches ist es zudem, dass zum einen philosophische Grundlagen nachvollziehbar und informativ noch einmal verdeutlicht werden und zum anderen die eigene Reflektion hoch angeregt wird.

Die Beatles von Philosophen betrachten zu lassen ist wahrlich nicht naheliegend und dennoch ein lohnendes Unterfangen. In Sprache und Stil auf hohem Niveau nachvollziehbar geschrieben und mit wissenschaftlichem Anspruch in die Tiefe gehend bietet das Buch einen geschärften Blick auf die gesellschaftlichen Grundfragen und Strömungen, die die Beatles beeinflusst haben. Ebenso zeigt das Buch auf, wie eng philosophisch eher abstrakte Fragen ihren Niederschlag in der Realität finden und, last but not least, welche intuitive Tiefe das Schaffen der Beatles bis heute noch in sich trägt. Unbedingt empfehlenswert, nicht nur für Fans der Band.

Der Untergang des Abendlandes - Oswald Spengler
Buch:Der Untergang des Abendlandes
Autor:Oswald Spengler, Ausgabe vom Januar 2007, Gebunden, Verkaufsrang 10050
Preis: 14,95 EUR (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.)
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Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Der Untergang des Abendlandes
OA 1918 / 22 (2 Bde.)Form Sachbuch Bereich Philosophie
Mit seinem Buch Der Untergang des Abendlandes (Untertitel: Umrisse einer Morphologie der Weltgeschichte) prägte Oswald Spengler das moderne Geschichtsbild nachhaltig.
Entstehung: Das Werk entstand aus einer kleineren politischen Schrift Spenglers aus dem Jahr 1911. Im Lauf seiner Recherchen seien ihm die "zuweilen berührten, nie begriffenen" Beziehungen - zwischen Formen der bildenden Künste und des Kriegs, zwischen "politischen und mathematischen Gebilden" - aufgefallen. Spengler setzt sich - wie im Untertitel des Werks angekündigt - zum Ziel, eine Morphologie der Weltgeschichte zu umreißen.
Inhalt: Spengler entwirft eine Entwicklungsgeschichte der Kultur, gemäß der alle Hochkulturen (die indische, antike, arabische und abendländische) in ihren "Altersstufen" eine frappierende Parallelität aufweisen. Als Beweis hierfür führt Spengler so genannte "homologe Bildungen" an; hierunter versteht er kulturelle Erscheinungen, deren Entstehung zwar Jahrhunderte auseinander liegt und die sich äußerlich unterscheiden (wie die "antike Plastik und die abendländische Instrumentalmusik, die Pyramide des 4. Dynastie und die gotischen Dome, der indische Buddhismus und der römische Stoizismus"), die aber denselben Platz in der Phasenaufteilung einnehmen. Ähnlich verhält es sich mit dem vom Autor geprägten Begriff der "Gleichzeitigkeit": "Ich nenne ‘gleichzeitig' zwei geschichtliche Tatsachen, die, jede in ihrer Kultur, in genau derselben - relativen - Lage auftreten und also eine genau entsprechende Bedeutung haben. Gleichzeitig vollzieht sich die Entstehung der Ionik und des Barock. Polygnot und Rembrandt, Polyklet und Bach sind Zeitgenossen. Gleichzeitig erscheinen in allen Kulturen die Reformation, der Puritanismus, vor allem die Wende zur Zivilisation." Durch die Einordnung solcher funktionsgleicher "Tatsachen" in die entsprechenden historischen Epochen der vier Kulturen entsteht ein komplexes Raster von jeweils "gleichzeitigen" Geistes-, Kunst- und politischen Epochen.
Diese Interpretation, die als eine der frühsten Erscheinungen der strukturalistischen Methode gelten darf, hat nach Spenglers Ansicht nicht nur den Vorteil, dass man im Stil eines Paläontologen die fehlenden Stücke des Entwicklungspuzzles verschollener Kulturen rekonstruieren, sondern auch die Weiterentwicklung einer bestehenden Kultur, namentlich der abendländischen, vorherbestimmen könne. So sagt Spengler für das westliche Europa nach der momentanen "Herrschaft des Geldes" (der "Demokratie") die "Ausbildung des Cäsarismus" und den "zunehmend primitive(n) Charakter der politischen Formen" voraus.
Aufbau: In der sprachlichen Ausführung bisweilen brillant, scheint die Analyse jeder Chronologie und Systematik zu entbehren. Die teilweise künstlich anmutenden Definitionen und Periodisierungen der behandelten Kulturen erscheinen willkürlich eingestreut. Auf der anderen Seite untermauert Spengler seine Argumentation mit Erklärungen philosophischer Begriffe wie Ausdehnung, Zeit, Raum, Takt und Tempo sowie mit der Unterscheidung der Prinzipien des Schicksals und der Kausalität in der Geschichtsschreibung.
Beeindruckend ist die Vorgehensweise Spenglers, in einzelnen Kapiteln nicht nur den bildenden Künsten und den Staatsstrukturen, sondern auch dem mathematischen Wissen der einzelnen Kulturen eine besondere Bedeutung beizumessen. Als wichtigstes Unterscheidungskriterium zwischen Kulturen kommt Spenglers Vorstellung von Kulturseelen zum Tragen. So sei die antike Kultur in ihrem Wesen apollinisch, die ägyptische mystisch, die abendländische in ihrem Streben nach dem Unendlichen faustisch.
Bestimmender als dieser Seelencharakter sei indes die unaufhaltsame Entwicklung einer Kultur hin zur Zivilisation, mit der Spengler den Verfall des abstrakten Denkens, die schaffende Kunst sowie den geordneten Staat verbindet.
Wirkung: Die deutlich fatalistische, antidemokratische und daher letztlich konventionelle Zivilisationskritik Spenglers erfuhr in rechten Kreisen der Weimarer Republik den größten Zuspruch und verzerrte das Gesamtbild des Werks bis heute. B. A.

Leserbewertungen:
Durchschnitt: 4.0 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 18 Bewertungen)

Leserkommentare:*
Fundiert und noch immer Top-Aktuell (5 von 5 Punkten) meint P.W.
Spengler versucht zu beweisen dass alle grossen menschlichen Zivilisationen ein ähnliches Entwicklungsschema aufweisen.
Grundlage ist die Idee dass eine Zivilisation einen Prozess durchlebt, ähnlich dem Lebensprozess eines Menschen.
Geburt - Wachstum - Produktivität - Senilität - Tod.
Die Idee dieses Prozesses ist nicht neu, aber Spengler hat es soweit ich weiss zum ersten mal in dieser fundierten Form und mit zahlreichen
zusätzlichen Basis-Überlegungen auf Papier gebracht.

Grundlage für die Überlegungen bieten die Zivilisationen der Griechen / Römer / Chinesen / Inder und unsere "faustische" Zivilisation.
Dabei versucht Spengler anhand der Mathematik/Kunst/Spiritualität/Religion/Kunst etc etc einen Vergleich zwischen den verschiedenen Kulturen zu ziehen.
Dabei wird klar dass unserer faustischen Kultur grundsätzlich andere Werten und Betrachtungsweisen innewohnen als beispielsweise der indischen,chinesischen oder griechischen.
Dies ist noch nicht verwunderlich, verwunderlich ist dass trotz all der Verschiedenheit jeder Kultur/Zivilisation ein gewisser "Lebensplan" zugrunde liegt.
So etwas wie eine biologische Uhr die tickt.
Nach Spengler durchleben wir in der faustischen Zivilisation gerade die letzte Phase, und bis ins Jahr 2200 wird unsere Kultur in dieser Form untergegangen sein.

Wohlgemerkt: Spengler ist kein Untergangs-Prophet.
Sein Werk würde ich als geschichts-philosophisch betrachten.
Und auch wenn es bereits 90 Jahre alt ist so sind die Betrachtungen und Schlüsse in keinster Weise veraltet.
Im Gegenteil: es wird klar wie stark das Schicksal einer Zivilisation vom Grund-Denken eines Menschenschlages bestimmt wird.
Einem Grund-Denken dass sich in dunkler Vorzeit gebildet hat, vor Jahrtausenden, und weiterbesteht ohne dass dieser Zusammenhang in der Zivilsation wirklich zum Ausdruck käme, respektive ohne dass sich die einzelnen Teile einer Kultur, der einzelne Mensch, darüber im klaren wären.

Insofern ist Spenglers Werk ein Aufklärungswerk und jedem zu empfehlen der sich Gedanken über unsere Zivilisation macht.
Es ist interdisziplinär und wirkt in folgenden Disziplinen: Meta-Mathematik / Geschichte / Philosophie / Soziologie / Ahnenkunde / Psychologie / Zukunftsforschung / Kunstgeschichte etc.

Kantianer aufgepasst, Spengler ist ein Goethianer.
Er versucht zu erkennen, nicht zu verlogifizieren.

Das Buch kann vom Laien verstanden werden.
Spengler bleibt in der Sprache klar und bemüht sich um Verständlichkeit.
Ein Studium der Geschichte wäre natürlich vorteilhaft, aber rudimentäres Wissen über die Gesamt-Zusammenhänge genügen auch.

Kein leichtfertiges Werk.
Zu Empfehlen?
Auf jeden Fall.




 Weitere Lesermeinungen

Seichtgebiete: Warum wir hemmungslos verblöden - Michael Jürgs
Buch:Seichtgebiete: Warum wir hemmungslos verblöden
Autor:Michael Jürgs, Ausgabe vom 17. Juli 2009, Gebunden, Verkaufsrang 20677
Preis: 14,95 EUR (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.)
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Aus der Amazon.de-Redaktion
Man kann ja nicht behaupten, dass man nicht vorgewarnt gewesen wäre. Bereits im allerersten Absatz seines im Klappentext treffend als "Pamphlet" charakterisierten Werkes kündigt der Autor Michael Jürgs ein Buch an, "in dem es um Blöde und Blödmacher" geht. Im Fadenkreuz einmal mehr ? nicht erst seit Marcel Reich-Ranickis vom Zaun gebrochenem Eklat ? das Fernsehen als "klassische Bedürfnisanstalt der Nation" im Allgemeinen und das Privatfernsehen als Sittenverderber im Besonderen. Weil auch das Recht auf Dummheit zu den unveräußerlichen Menschenrechten zähle, so Jürgs, sei im Kampf zur Befreiung der Blöden von den Blödmachern eine Strategie aus List, Tücke, Witz und Fantasie notwendig, anstatt sich resigniert in die letzten Refugien der Kultur zurückzuziehen (der sich der Autor selbst offenbar gerne zugehörig fühlt). Doch abgesehen vom holzschnittartigen Inhalt seiner Polemik lassen darob allein schon die Wortwahl und Verbalinjurien zweifeln, derer sich Jürgs bei seiner Suada bedient. Als vorgeschobene Entschuldigung, einmal so richtig kräftig vom Leder ziehen zu können ? oder, um im Jargon zu bleiben: die Sau raus zu lassen ? mutet die scheinheilige Ankündigung an, sich mangels intellektueller Verständigkeit auf das Niveau der Gegenseite herab begeben zu müssen: "Das schaffen nur die Besten unter den Klugen. Jede Art von Ekel muss zuvor abtrainiert werden, man braucht einen langen Atem, und die Guerilleros müssen lernen, ihre Intelligenz zu verbergen, dass ihnen niemand von den Blöden auf die Schliche kommt." Bei aller Ehrenhaftigkeit des Anliegens entbehrt es nicht einer gewissen Dreistigkeit, dass sich hier ausgerechnet einer zum Chefankläger aufschwingt, der sein Handwerk im Boulevardjournalismus gelernt hat, ehe er als Chefredakteur der (zugegebenermaßen bisweilen politisierenden) Po- und Busen-Illustrierten Stern oder beim Sprachrohr der bundesdeutschen Spaßgesellschaft, Tempo, Karriere gemacht hat, die mit Fug und Recht als Vorreiter der kulturellen Verseichtung bezeichnet werden können. Doch damit nicht genug ist Jürgs Buch bei einem Verlag erschienen, dessen gleichnamige Konzernmutter durch Beteiligung an RTL von Anfang an bei dem hier viel gescholtenen Privatfernsehen dabei gewesen ist. Die Übernahme der RTL Group an der Seite von Leo Kirch erfolgte übrigens just, als mit "Big Brother" im TV die letzten Schamgrenzen fielen und das Leben zur Peepshow vor der Kamera verkam. ? Arnold Abstreiter


Leserbewertungen:
Durchschnitt: 2.5 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 54 Bewertungen)

Leserkommentare:*
Überwiegend blöd ! (2 von 5 Punkten) meint L.
Michael Jürgs hat lange Fernsehen geschaut und dann ein Buch darüber geschrieben.

Die Blöden will er erreichen und bekehren zu hoher Kultur, aber die lesen eh kaum Bücher wie dieses.
Das auf 250 Seiten ausgewalzte, wütende Palaver richtet sich in erster Linie an Leute die denken wie Jürgs.

Irgendwas Neues?

Fehlanzeige.
Entzaubern will er Bohlen, Barth und Co wie im Märchen Des Kaisers neue Kleider!

Schafft er das?
Schafft er nicht!

Er geht den O.g. auf den Leim weil er wütend ist: Auf Bohlen und Konsorten zu schimpfen ist Kritik von Vorvorgestern die verpufft, weil das Kontroverse zum Image gehört und Teil der Vermarktungsstrategie, also erwünscht, ist.

Das tägliche Magazin Kulturzeit auf 3Sat sei, laut Jürgs, gelebte Kultur weil man die dort dargebotenen Tipps am Wochenende umsetzen könne.

Frage: Wer, an den unteren Rändern der Einkommensskala, dem sog. Prekariat, kann sein Geld jedes Wochenende für Theater, Kino und Oper ausgeben, wenn das Geld eben zum Leben reicht?

Hier werden gesellschaftliche Realitäten ausgeblendet.

Leserfreundlich ist das Buch nicht. Der ein oder andere interessante Gedanke wird durch ständige Wiederholungen und den aufdringlich verschraubten Satzbau überdröhnt.

100 Seiten hätten gereicht für die wenigen interessanten Ansätze.

Wenn man etwas entzaubern will, dann muss man verstehen wie dieses Etwas produziert wird.
Jürgs bleibt nur an der Oberfläche.

Verdammt blöd.



 Weitere Lesermeinungen

Lob des Schattens: Entwurf einer japanischen Ästhetik - Jun'ichiro Tanizaki
Buch:Lob des Schattens: Entwurf einer japanischen Ästhetik
Autor:Jun'ichiro Tanizaki, Ausgabe vom 20. Aug. 2002, Gebunden, Verkaufsrang 26311
Direkt bei Amazon nicht vorrätig,
andere Angebote über Amazon hier (Versandkosten beachten).
"Von Ferne denkt man auch an das ähnliche Konzept des deutschen Jugendstils: Überlebensstrategien im Kampf gegen das ewig Hässliche. Tanizakis 'Lob des Schattens' könnte den vom Fortschrittsdenken erschöpften Europäer retten... Bei Tanizaki kommt das Menschenrecht des Auges zur Geltung." (Süddeutsche Zeitung )

Leserbewertungen:
Durchschnitt: 4.5 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 5 Bewertungen)

Leserkommentare:*
ästhetische Wahrnehmung auf geistiger Ebene - jedoch auch befremdlich (5 von 5 Punkten) meint D.D.
Tanizakis Essay über die japanische Ästhetik, "Lob des Schattens" (1933), äußert bereits im Titel, worum es geht: um das Verborgene, das, was sich in der Dunkelheit versteckt und was sich dadurch ausdrückt - wahre Schönheit, die für den traditionellen Japaner aus der Verbindung zwischen Sicht- und Unsichtbarem bzw. dessen Vorstellung entsteht.

Der japanische Denkansatz mag abseits seiner Ungewöhnlichkeit für den Leser aus der westlichen Hemisphäre - für den Schönheit immer mit SICHTbarkeit zu tun hat - in gewisser Weise aber auch interessant sein, da hier nicht nur das Auge "sieht", sondern auch der Geist, ganz davon zu schweigen, daß der Blick für's Detail hier lebendig ist, im Gegensatz zur westlichen, oft oberflächlichen Wahrnehmung. Das Nachvollziehen dieser Schattenästhetik wird aber am Punkt ihrer Umsetzung m. E. schwer. Tanizaki zeigt, daß japanische Ästhetik weit mehr ist als die bekannten Klischees, die sich der Westen als mit seiner eigenen Ästhetik vereinbar "herausgepickt" hat. Es beginnt hier beim traditionell-japanischen Haus mit dunklen Zimmern aufgrund der Reispapierfenster, die nur wenig Licht einlassen, geht über Frauen, die ihre zierlichen Körper gänzlich in dicken Kimonos unsichtbar machen, einzig Gesicht und Hände freilassen, sich aber, um den Aspekt der Finsternis noch zu unterstreichen, das Gebiß schwarzfärben (!!) und grau-dunkelgrünen Lippenstift auflegen (!) und endet bei schwarzem Lackgeschirr, das z. B. eine Suppe als undefinierbare Flüssigkeit erscheinen läßt, und Metallgegenständen, die bereits Patina - ebenfalls eine Art "Schatten" - aus Ausdünstungen menschlicher Hände angesetzt haben.

Hier schreibt Tanizaki auch von der Stilisierung des Schmutzes, im Gegensatz zur westlichen Welt, in der es einzig um dessen Beseitigung geht, um Schönheit zu erreichen. Überhaupt erweist sich "Lob des Schattens" als (mitunter auch chauvinistisches) Plädoyer gegen den Einzug westlichen Gedankenguts in Japan nach der Meiji-Zeit, also nach 1912; an einigen Stellen stellt Tanizaki die japanische Ästhetik auch über die "seichte" westliche. Dies sei ihm jedoch gegönnt; wir Europäer können ja sicherlich auch nicht gänzlich die japanische Schatten-Ästhetik nachempfinden - womit sich einer der vielen Ost-West-Gegensätze zeigt. Hier hat der Essay denn auch eine vermittelnde Funktion und ist daher trotz seines Alters (immerhin zieht Tanizaki dunkleres Kerzenlicht dem elektrischen Licht vor!) gewissermaßen aktuell.

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