Aus der Amazon.de-Redaktion Man kann ja nicht behaupten, dass man nicht vorgewarnt gewesen wäre. Bereits im allerersten Absatz seines im Klappentext treffend als "Pamphlet" charakterisierten Werkes kündigt der Autor Michael Jürgs ein Buch an, "in dem es um Blöde und Blödmacher" geht. Im Fadenkreuz einmal mehr ? nicht erst seit Marcel Reich-Ranickis vom Zaun gebrochenem Eklat ? das Fernsehen als "klassische Bedürfnisanstalt der Nation" im Allgemeinen und das Privatfernsehen als Sittenverderber im Besonderen. Weil auch das Recht auf Dummheit zu den unveräußerlichen Menschenrechten zähle, so Jürgs, sei im Kampf zur Befreiung der Blöden von den Blödmachern eine Strategie aus List, Tücke, Witz und Fantasie notwendig, anstatt sich resigniert in die letzten Refugien der Kultur zurückzuziehen (der sich der Autor selbst offenbar gerne zugehörig fühlt). Doch abgesehen vom holzschnittartigen Inhalt seiner Polemik lassen darob allein schon die Wortwahl und Verbalinjurien zweifeln, derer sich Jürgs bei seiner Suada bedient. Als vorgeschobene Entschuldigung, einmal so richtig kräftig vom Leder ziehen zu können ? oder, um im Jargon zu bleiben: die Sau raus zu lassen ? mutet die scheinheilige Ankündigung an, sich mangels intellektueller Verständigkeit auf das Niveau der Gegenseite herab begeben zu müssen: "Das schaffen nur die Besten unter den Klugen. Jede Art von Ekel muss zuvor abtrainiert werden, man braucht einen langen Atem, und die Guerilleros müssen lernen, ihre Intelligenz zu verbergen, dass ihnen niemand von den Blöden auf die Schliche kommt." Bei aller Ehrenhaftigkeit des Anliegens entbehrt es nicht einer gewissen Dreistigkeit, dass sich hier ausgerechnet einer zum Chefankläger aufschwingt, der sein Handwerk im Boulevardjournalismus gelernt hat, ehe er als Chefredakteur der (zugegebenermaßen bisweilen politisierenden) Po- und Busen-Illustrierten Stern oder beim Sprachrohr der bundesdeutschen Spaßgesellschaft, Tempo, Karriere gemacht hat, die mit Fug und Recht als Vorreiter der kulturellen Verseichtung bezeichnet werden können. Doch damit nicht genug ist Jürgs Buch bei einem Verlag erschienen, dessen gleichnamige Konzernmutter durch Beteiligung an RTL von Anfang an bei dem hier viel gescholtenen Privatfernsehen dabei gewesen ist. Die Übernahme der RTL Group an der Seite von Leo Kirch erfolgte übrigens just, als mit "Big Brother" im TV die letzten Schamgrenzen fielen und das Leben zur Peepshow vor der Kamera verkam. ? Arnold Abstreiter
Buch:
Der Einfluß des Islam auf das europäische Mittelalter
Autor:
Montgomery W. Watt, Ausgabe vom 1. Okt. 2001, Taschenbuch, Verkaufsrang 142598
Aus der Amazon.de-Redaktion "Ich kann keine Noten lesen, ich habe nie die Geduld aufgebracht, ein Instrument zu lernen" Das klingt ja schwer so, als ob hier ein weiterer verhinderter Rockgitarrist zum Laptop greift und Kindheitserinnerungen an Meat-Loaf-Konzerte und anderes Privates als Popkritik ausgibt. Andererseits aber sagt Roel Bentz van den Berg: "Ich habe nie Ambitionen gehabt, Musik zu machen. Was ich wollte: Musik SEIN." Tatsächlich bringt der Holländer auf dem Keyboard seines Computers süße Melodien und schmissige Refrains zu Stande, und grundiert wird das Ganze von einem lässigen "Kulturgeschichte-des-Abendlands-Bildungsgroove". Vor zwei Jahren erschien die umjubelte Kolumnen-Kompilation Die Luftgitarre, der er jetzt Die unsichtbare Faust. Magische Momente der Popkultur hinterherschickt. Die Fangemeinde ist begeistert. "Ich würde zehn Jahre meines Lebens geben, um so frei denken zu können wie Roel Bentz van den Berg, sei es über Musik oder sonst was", schwärmt der große amerikanische Popschreiber Greil Marcus. Ganz genau: Musik oder sonst was. Van den Bergs Popbegriff ist sehr weit gefasst. In Die unsichtbare Faust lässt er die Leser an seiner Begeisterung für Raymond Carver teilhaben. Er beschreibt eine winzige Geste von Al Pacino in Donnie Brasco; ach was: Er schreibt den Film weiter, spinnt herum, hemmungslos subjektiv, aber nie nur narzisstisch. Deutsche Autoren stehen ja oft vor der Entscheidung: distanzlose Fan-Schreibe oder der Schnöseljargon der Popintelligenzia. Van den Berg steht darüber. Dabei zeigt er sich weniger als ein Meister der offensichtlich brillanten Formulierung - obwohl er die zweifellos auch drauf hat -, sondern eher als ein Wahrnehmungstalent. Die Faszination seiner Texte besteht darin, dass hier die Hypersensibilität des Feinnervigen auf die oft grob-plakative Zeichenwelt des Pops trifft. Beim Zusammenstoß entstehen Beobachtungen wie die über Dusty Springfields "nach Rosen, Regen und Metall schmeckende Stimme". Gut, schön und wahr. -Oliver Fuchs 1
Buch:
Testcard, Band 20: Access Denied - Ortsverschiebungen in der realen und virtuellen Gegenwart
Ausgabe vom 27. Mai 2011, Broschiert, Verkaufsrang 243282