Was sagt uns der Grundriss einer amerikanischen Stadt über den amerikanischenTraum? Wie haben Eisenbahn, Auto und Flugzeug unseren Sinn für Distanzenverändert? Auf solche Fragen geben herkömmliche Geschichtsbücher keineAntwort. Karl Schlögel findet sie an überraschenden Stellen in Fahrplänenund Adressbüchern, auf Landkarten und Grundrissen. Er holt damit die Geschichtean ihre Schauplätze zurück, macht sie anschaulich, lebendig und wunderbarlesbar. "Manchmal", schreibt Karl Schlögel, "fängt etwas Neues mit einem Gespräch darüber an, was sich allzu lange wie von selbst verstanden hat, oder auch nur mit der Erinnerung an etwas, was in Vergessenheit geraten ist." Für den Raum als historische und politische Kategorie trifft beides zu: Allzu lange war es selbstverständlich, dass der Raum, zumal in Deutschland, kein Thema (mehr) sein sollte. Der Begriff war durch die nationalsozialistische Kontamination gleichsam tabuisiert. Zwar spielten Raum und Räumlichkeit in Wirklichkeit natürlich nach wie vor eine wichtige Rolle im historischen Weltendrama. Nur, dass man dies näher thematisieren und analysieren könnte, und dass Räumlichkeit ganz generell für die historische Forschung wichtige Erkenntnisse zu liefern vermag, geriet in Vergessenheit. Und je länger dieser Zustand andauerte, desto mehr fiel dieser Vergessenheit auch die Tatsache anheim, dass es schließlich auch "eine Genealogie des Raumdenkens (gibt), die älter ist und mit dem Nazismus nicht das Geringste zu tun hat". Und so ist es kein Zufall, dass Karl Schlögel mit dem Titel Im Raume lesen wir die Zeit den ebenfalls beinahe vergessenen, Ende des 19. Jahrhunderts führenden (und des Nazismus vollkommen unverdächtigen) historisch-politischen Geografen Friedrich Ratzel zitiert. Schlögel kennzeichnet Ratzels Satz treffend als "das denkbar präziseste Motto für die in diesem Buch unternommenen Versuche und Anläufe, die geschichtliche Welt zu dechiffrieren und zu deuten". Herausgekommen ist ein überaus inspirierendes Plädoyer, die Sinne für die geschichtliche Wahrnehmung zu schärfen. "Man könnte", zeigt sich Schlögel überzeugt, "ein Geschichtsstudium streckenweise auch als Schulung der Sinne und als Augentraining absolvieren - mit Städten und Landschaften als Dokumenten. Etwas zur Anschauung bringen können ist nicht Sache von ein paar literarischen oder rhetorischen Tricks, sondern hat zunächst einmal die Anstrengung, sich eine Sache anzusehen, zur Voraussetzung. Alles bekommt dann ein anderes Aussehen und beginnt zu uns zu sprechen: Trottoire, Landschaften, Reliefs, Stadtpläne, die Grundrisse von Häusern. Was sonst nur als Hilfsmittel in Gebrauch ist - Kursbücher, Adreß- und Telephonbücher -, gewinnt eine ganz neue Aussagekraft, sobald sie als Dokumente sui generis behandelt und befragt werden." Was eine so verstandene Geschichtsforschung so alles zu Tage fördern kann, zeigt Schlögel nicht nur in der Sache, sondern auch literarisch überzeugend anhand einiger Dutzend kleiner Studien, Essays und in Zitaten schwelgenden Montagen und Collagen. Texte über Kartografie und Kartografen, Weltbilder und Paradieslandschaften, Strategen an Kartentischen, das Flanieren als Bewegungs- und Erkenntnisform, über Grundrisse, Interieurs, die Poesie des amerikanischen Highways und Topografien des Terrors. Eines der besten historischen Bücher des Jahres! -Andreas Vierecke
Buch:
Die Kultur des Rituals: Inszenierungen, Praktiken, Symbole
Ausgabe vom 1. Juni 2004, Broschiert, Verkaufsrang 1056300
Product Description Die Kultur des HipHop Erscheinungsjahr: 2011 4. Aufl. Gewicht: 200 gr / Abmessungen: 177 mm x 108 mm x 13 mm Von Klein, Gabriele; Friedrich, Malte HipHop ist die erfolgreichste und folgenreichste Popkultur, die die globale Kulturindustrie hervorgebracht hat. In ''Is this real?'' geht es nicht um die Werke, sondern um die kulturelle Praxis des HipHop; Lebensstil und Lebensgefühl stehen im Mittelpunkt. Das Buch stellt HipHop als eine hybride Kultur vor, die sich im ''Dazwischen'' von Ethnizität und Authentizität, Globalisierung und Lokalisierung, von Bild und Wirklickeit, Theater und Realtität, von Ritualität und Profanität entfaltet. Die Herstellung von Wirklichkeit wird derzeit in medien-, kultur- und sozialwissenschaftlichen Debatten heftig diskutiert. In der HipHop-Kultur ist die ''Is this real?'' besonders virulent, weil HipHop eine theatrale Kulturpraxis ist und als solche Wirklichkeit herstellt. Das Buch entwickelt also nicht nur eine neue Perspektive auf die HipHop-Kultur, sondern auf Popkultur insgesamt. Es macht zudem beispielhaft kulturtheoretisch aktuelle Fragen anschaulich. Damit ist das Buch ein unverzichtbarer Baustein zum Verständnis von Populär- und Alltagskulturen in globalisierten Gesellschaften.
Buch:
Die Kultur des Krieges
Autor:
John Keegan, Ausgabe vom 2. Januar 1997, Taschenbuch, Verkaufsrang 69734