Aus der Amazon.de-Redaktion Das Geheimnis des amerikanischen Erfolgs nach dem Zweiten Weltkrieg besteht darin, "dass die USA ein System errichteten, das die eigenen Interessen geschickt mit denen der Partner verwob". Das schreibt Stephan Bierling im Vorwort zu seiner Geschichte der amerikanischen Außenpolitik von 1917 bis zur Gegenwart. Heute hat es den Anschein, dass die Regierung der letzten verbliebenen Supermacht die Interessen anderer ebenso wenig kümmern wie die von ihr selbst mitgestalteten Spielregeln der internationalen Diplomatie und Politik, sobald sie den eigenen Interessen entgegen stehen. Bierling erinnert an die Ablehnung des Kyoto-Protokolls und des Internationalen Strafgerichtshofs sowie die Kündigung des ABM-Vertrages. Damit hatten die USA die Leitlinien ihrer neuen weltpolitischen Orientierung deutlich abgesteckt. Dann tat die US-Administration mit unbeirrbarer Entschlossenheit jedweden Zweifel als irrelevant ab, der gegen die angebliche Notwendigkeit des Krieges gegen den Irak angemeldet wurde. Dass die Regierung George W. Bushs sich über die Bedenken und Interessen anderer hinwegsetzt, "erhöht zwar kurzfristig den eigenen Handlungsspielraum, kann aber mittel- und langfristig die amerikanische Vormachtstellung unterminieren", so der Autor. Doch auch wenn der gegenwärtige außenpolitische Kurs der USA mit vielen Traditionen bricht, so steht er in der Kontinuität einer Geschichte, ohne deren Kenntnis man die tatsächliche Tragweite dieses Bruchs nicht richtig einordnen kann. Bierlings Buch, das die Grundlinien der US-Außenpolitik seit dem Ersten Weltkrieg bis heute gut nachzeichnet, kommt deshalb gerade zur rechten Zeit. Als Konstante der amerikanischen Geschichte resümiert der Autor neben der Tendenz zu Überreaktion und Simplifizierung das System der "checks and balances" des demokratischen Prozesses, das bislang dafür gesorgt hat, "dass sich die Fehlentwicklungen stets in Grenzen hielten". Bleibt zu hoffen, dass dieses Regulativ weiterhin zuverlässig seinen Dienst tut. -Andreas Vierecke
Buch:
Skull & Bones - Amerikas geheime Macht-Elite
Autor:
Andreas von Rétyi, Ausgabe vom 29. Aug. 2003, Gebunden, Verkaufsrang 20662
Buch:
Die USA vor 1900
Autor:
Willi Paul Adams, Ausgabe vom 20. Okt. 2008, Taschenbuch, Verkaufsrang 636982
Aus der Amazon.de-Redaktion Als Treibsand, so kann man in der Brockhaus Enzyklopädie nachlesen, bezeichnet man "schluffreiche Feinsande oder feinsandige Schluffe mit sehr geringem Tonanteil, die sich bei Wassersättigung unter Druck in Richtung einer Druckentlastung bewegen, z. B. in eine Baugrube hinein". Und wenn Peter Scholl-Latour sein Buch über den Kampf "Bush gegen die Ayatollahs" mit Weltmacht im Treibsand überschreibt, dann will er damit sagen, dass Amerika schlimmsten Falls mit in die eine oder andere der zahlreichen Baugruben gerissen werden könnte, die seine Bomben und Panzer (im Irak oder in Afghanistan) und seine diplomatischen (Droh-)Gebärden (etwa im Iran, in Saudi-Arabien oder Syrien) gegraben haben und in die hinein nach seinen Vorstellungen die Fundamente gegossen werden sollen, auf denen neue Demokratien nach westlichen (d. h. bei Bush: amerikanischen) Blaupausen aufgebaut werden sollen. An beinahe jede dieser Baugruben führt uns Scholl-Latour und zeigt uns die Gefahren, die für die westlichen Planer und Möchtegern-Bauherren darin lauern. Der Journalist kennt die Region und die Konflikte des Nahen und Mittleren Ostens vermutlich besser als die meisten seiner Journalistenkollegen, aber auch besser als viele der Experten in den Beraterstäben des Weißen Hauses. Mit deren polit-strategischen Plänen geht er ebenso kritisch ins Gericht wie mit dem militärischen Welterlösungsprogramm der Bush-Regierung. Was aber den Spaß anbelangt (wenn man den bei Büchern wie diesen haben darf), so profitiert das Buch vor allem von der unbändigen Erzählfreude des Autors, mit der er die Aufmerksamkeit seiner Leser seit jeher belohnt. So berichtet er von seinen Hotelbar-Begegnungen mit einem britischen Kollegen selbstverständlich nicht nur, an welchen wichtigen Informationen und Überlegungen der ihn hat teilhaben lassen, sondern eben auch, wie blendend weiß dessen Aufzug immer zu sein pflegte und wie wunderschön sein akkurat gezwirbelter Bart. So etwas mag manchem als überflüssiges Rankwerk erscheinen. Das ist es aber nicht! Diese kleinen Anekdoten nämlich geben dem Leser die Möglichkeit, die vielen, vielen Fakten und Zusammenhänge mit Bildern zu assoziieren. Und so hat auch der Nicht-Fachmann am Ende immer noch den Überblick. Jedenfalls so weit dies bei diesem doch recht komplexen Themenfeld überhaupt möglich ist. Und Spaß beim Lesen hat er trotz des ernsten Themas auch noch gehabt. Was will man mehr? -Andreas Vierecke
Buch:
Seine Exzellenz George Washington: Eine Biographie
Autor:
Joseph J. Ellis, Ausgabe vom 22. Aug. 2005, Gebunden, Verkaufsrang 54448
Joseph Ellis entwirft ein ebenso umfassendes wie vielschichtiges Porträt George Washingtons. Er beschreibt nicht nur seine Anfänge, die militärischen Jahre erst im French and Indian War und dann im Unabhängigkeitskrieg sowie seine beiden Amtszeiten als erster Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Mit großer Sensibilität spürt er auch der komplexen Persönlichkeit Washingtons nach, die heute fast ganz hinter der Ikone aus Marmor verschwunden ist. Sein psychologischer Scharfsinn und vor allem seine viel gerühmte Erzählkunst lassen so einen Mann wieder hautnah lebendig werden, der wie kein anderer die Geschichte Amerikas geprägt hat. Sein Konterfei ziert bis heute jeden Dollarschein, er steht mit seinem Namen Pate für einen Staat und für die Hauptstadt der USA, wo unzählige Büsten und Gemälde an ihn erinnern: George Washington, erster Präsident der Vereinigten Staaten und Inbegriff der Einheit der amerikanischen Nation. Ihm hat Joseph J. Ellis, der für seine Sammelbiografie über die amerikanischen Gründerväter Sie schufen Amerika mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde, nun eine eigene biografische Arbeit gewidmet. Nach deren Lektüre muss man Washington zwar nicht mögen, aber seine strikt an der historischen und sozialen Realität seiner Zeit und den Gesetzen der Macht orientierte Politik lehrt sie uns ebenso besser verstehen, wie die Bewunderung, die die Amerikaner ihm bis heute entgegenbringen. Die Zwiespältigkeiten im Charakter des Mannes, der in seinen beiden Amtszeiten den amerikanischen Präsidentialismus so maßgebend und nachhaltig prägte, lassen sich freilich nicht ohne weiteres auflösen! So tut man sich schwer zu verstehen, dass ausgerechnet er, der die Sklaverei als moralisch verwerflich erkannte, seine Sklaven wieder an die Arbeit in den Plantagen schickte, nachdem sie auf den Schlachtfeldern die amerikanische Unabhängigkeit mit erstritten hatten. Sein offen zur Schau gestellter Standesdünkel und seine schier unstillbare Gier auf Grundbesitz machen ihn auch nicht unbedingt sympathischer. Und seine legendäre stoische Ruhe und "statuengleiche Unerschütterlichkeit" stehen bei näherem Hinsehen in einem bemerkenswerten Kontrast zu den in ihm in Wirklichkeit brodelnden Leidenschaften, die, wie Robert Morris einmal bemerkte, "fast zu gewaltig waren für einen Menschen", die er aber um der Macht willen doch zu zügeln verstand. "Letztlich", lautet das Fazit des Autors, "hatte sein ganzes Leben mit Macht zu tun: damit, sich ihr entgegenzustellen, sie zu zähmen, zu kanalisieren und zu entfalten. Sein bemerkenswert verläßliches Urteil rührte daher, daß er ein elementares Verständnis dafür hatte, wie Macht in der Welt funktioniert." Auch darüber erfährt man deshalb aus Ellis' recht unterhaltsamer Lebenserzählung eine ganze Menge. - Hasso Greb
Buch:
Die CIA und der 11 - September: Internationaler Terror und die Rolle der Geheimdienste
Autor:
Andreas von Bülow, Ausgabe vom Sept. 2004, Taschenbuch, Verkaufsrang 263605
Aus der Amazon.de-Redaktion Wer steckt hinter den Terroranschlägen vom 11. September? Der ehemalige SPD-Bundesforschungsminister Andreas von Bülow präsentiert in diesem Buch eine Aufsehen erregende These: Nicht die 19 muslimischen Selbstmord-Attentäter mit dem Al-Qaida-Paten Osama bin Laden im Hintergrund seien für die Angriffe auf das World Trade Center verantwortlich. Vielmehr gehe der 11. September auf das Konto von westlichen Geheimdiensten - mutmaßlich der CIA und des israelischen Mossad. Für sein stark von Verschwörungstheorien geprägtes Buch hat von Bülow mehr oder weniger plausible Zweifel an der offiziellen Version des Tathergangs zusammengetragen. Der Autor entwirft ein ganz eigenes Szenario: Die entführten Passagierflugzeuge seien von Geheimdienstagenten per Fernsteuerung unter Kontrolle gebracht und in die Türme des WTC gelenkt worden. Der Aufprall der Flugzeuge habe aber längst nicht ausgereicht, um die Gebäude tatsächlich einstürzen zu lassen. Daher seien die tragenden Elemente der Türme zeitgleich gezielt gesprengt worden. Sinn der Aktion laut von Bülow: Die USA und Israel wollten die Anschläge als Vorwand benutzen, um danach ungehindert ihre vor allem gegen muslimische Länder gerichtete Politik weltweit durchsetzen zu können. Wer solch Ungeheuerliches behauptet, muss gute Argumente haben. Doch genau da liegen die gravierenden Schwächen des Buches. Von Bülow beruft sich auf teilweise hanebüchene Quellen, etwa auf vorgebliche Stellungnahmen anonymer Experten im Internet. Immer wenn es konkret werden sollte, weicht der Autor ins Ungefähre aus, formuliert im Konjunktiv oder bläst Nebensächlichkeiten zu schwerwiegenden "Beweisen" auf. Zwar hat er Recht, wenn er auf die vielen Ungereimtheiten hinweist, die es bei den Ermittlungen gab. Und zweifellos wurden die Terroranschläge von der US-Regierung nachträglich für politische Ziele instrumentalisiert. Doch daraus den Vorwurf abzuleiten, der Tod tausender Menschen sei von westlichen Geheimdiensten bewusst geplant und inszeniert worden, ist absurd. -Christoph Peerenboom
Buch:
Yes, we can: Mikes ultimativer Wahlführer
Autor:
Michael Moore, Ausgabe vom Sept. 2008, Taschenbuch, Verkaufsrang 123660