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COME AWAY WITH ME Es liegt nicht nur an dem Timbre in ihrer Stimme, dass Norah Jones reifer erscheint als ihre 22 Jahre es vermuten lassen. Ihre sichere Phrasierung und ihr präzises Gespür für das Timing sind sonst ebenfalls eher bei älteren Sängerinnen zu finden. Sie ist sofort unverkennbar, sie verbindet Anlehnungen an Billie Holiday und Nina Simone, klingt aber letztlich nur nach sich selbst. Ganz gleich, wie man es betrachtet, sie ist eine Sängerin, mit der zu rechnen sein wird. Allein schon für ihre Darbietung des Hank-Williams-Klassikers "Cold Cold Heart" und Hoagy Carmichaels "The Nearness Of You" lohnt sich der Preis dieser CD. Ihre eigenen Stücke verblassen ein wenig im direkten Vergleich zu solchen Meisterwerken. Sie und ihr Produzent Arif Mardin hätten sich besser für einige lebendigere Arrangements entschieden und die brillanten Begleitmusiker Bill Frisell, Kevin Breit und Brian Blade entsprechend eingesetzt. Es wäre auch hilfreich gewesen, wenn die Melodien nicht ganz so gleichgültig interpretiert worden wären. Jones hat alle Mittel zu ihrer Verfügung: Mit ein wenig mehr Erfahrung und nach intensivem Anhören von Künstlern wie J. J. Cale und Shirley Horn, wird sie das Talent entwickeln, gedämpft zu bleiben, ohne schläfrig zu wirken. Manchmal ist weniger also doch nicht mehr. -Michael Ross
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ITS TIME Wer Michael Bublé mochte, wird bestimmt auch an It's Time viel Freude haben, denn der Kanadier bleibt hier der Erfolgsformel treu, die sein Debüt rund um den Erdball zum Millionseller machte und ihm überall Gold- oder sogar Platinauszeichnungen eintrug. Auch der würdige Nachfolger setzt also spaßbringend auf Stilistiken, die vor circa fünfzig Jahren der letzte Schrei waren. Das scheint paradox und funktioniert doch prächtig. Vor allem die Songs und Sounds, die das so genannte Rat Pack (Dean Martin, Frank Sinatra, Sammy Davis Jr.) einst zur Unsterblichkeit adelte, erleben bei Bublé ein spektakuläres Revival. Der Frauenliebling mit dem samtenen Bariton bewahrt in Klassikern aus dem "Great American Songbook" wie z.B. Cole Porters "I've Got You Under My Skin", dem beliebten "You Don't Know Me" oder auch "A Foggy Day" von den Gershwin-Brüdern überzeugend das Erbe von damals. Ein Traditionspfleger im besten Sinne. Bublés Begeisterung für die Swing-Ära ist hier in jedem Ton spürbar und glaubhaft. Das liegt nicht zuletzt daran, dass er bei der Nostalgie keineswegs stehen bleibt. Trotz des Rückblicks in eine untergegangene Epoche wirkt er nie unzeitgemäß. Das ist zum Einen darauf zurückzuführen, dass neben alten Jazzstandards auch Poptitel jüngeren Datums auf der Setlist stehen (Stevie Wonders "You And I", "Can't Buy Me Love" von den Beatles), die ebenfalls in klassische Bigband-Arrangements gepackt wurden. Und das ist zum Anderen den Mitwirkenden unserer Tage zu verdanken, die für viel frischen Wind sorgen. So peppt Nelly Furtado als Duettpartnerin den Latin-Oldie "Quando, Quando, Quando" mächtig auf. Und Produzent David Foster, der schon den Erstling im Studio betreute, zeichnet für ein topmodernes Klangbild verantwortlich, das den Ansprüchen heutiger HiFi-Hörer vollauf genügt. - Harald Kepler
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Nach ihrem ersten - von Musikkritikern und Fans geliebten - amerikanischen Album Morning Hours spürt Rebekka Bakken den Wurzeln ihrer Musikinspirationen erneut in Amerika nach. Produziert hat sie diesmal gemeinsam mit Malcolm Burn, einem Mann, der oft mit Daniel Lanois gearbeitet und Künstlern wie Bob Dylan oder Emmylou Harris zu preisgekrönten Aufnahmen verholfen hat. Rebekka Bakken klingt auf September wunderbar gelassen, natürlich, stimmvoluminös und geradezu countryesk. Mit "Forever Young" wagt sie sich sogar an einen Klassiker der Popkultur, der aus ihrem Mund ganz anders, ganz neu, viel intimer klingt als das Original. Dem Titel "The Wrestler" von Bruce Springsteen haucht sie neues, weibliches Leben ein. Ihre selbst verfassten Songs sind typisch Rebekka Bakken: voller Sinnlichkeit und Emotionalität.
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Der 1971 in Viersen geborene Trompeter war schon immer ein musikalischer Grenzgänger. Diesem Ruf wird er auch auf At The End Of The Day wieder mehr als gerecht. Zwei Jahre nach Rio, dem letzten Album, seiner gelungenen Hommage an den Bossa Nova, widmet er sich diesmal mit ganzer Kraft dem Pop. Und seine Definition schließt, neben zeitlosen Songs aus den letzten fünf Jahrzehnten, durchaus auch Johann Sebastian Bachs Komposition "Air" aus der 3. Orchestersuite mit ein. Er ist und bleibt auch eben auch auf dieser Platte ein begnadeter Brückenbauer, der mit Spielwitz und Ideen gegen längst überkommene Stilgrenzen vorgeht. Das mag nicht jedem Jazz-Puristen gefallen, ist aber letztlich auch egal, denn Till Brönner gelingt es auch mit dieser Platte wieder, sich ganz neu zu erfinden und trotzdem seine bekannten Tugenden nicht über Bord zu werfen. Auf At The End Of The Day arbeitete er erstmals mit dem Produzenten Andreas Herbig (Ich+Ich, a-ha, Udo Lindenberg) zusammen. Gemeinsam mit einer versierten Liveband spielte Brönner in den Berliner Planet Roc Studios sein bisher wohl zugänglichstes Album ein. Wer deshalb hier gleich mangelnden Tiefgang vermutet, der liegt komplett falsch. Der Trompeter und Sänger präsentiert sich in Stücken wie "Summer Breeze", im Original von Seels & Croft, oder David Bowie's "Space Oddity" in bestechender Form. Man hört den Aufnahmen den Spaß, den alle Beteiligten daran hatten, förmlich an. Besonders gelungen sind neben dem samtweich dahingleitenden "We Said It All" vor allem seine beschwingte Version des Titels "Human" von The Killers. -Franz Stengel Es ist eine Frage, die Till Brönner durch seine Karriere begleitet: Wie interpretiert er den modernen Jazz? Was ist ihm musikalisch wichtig, am Ende des Tages? Bevor er auf sein neues Album zu sprechen kommt, erzählt er von einem Konzert auf dem Leipziger Mediencampus im April 2010: Ein Duett mit dem Perkussionisten Günther Baby Sommer. Ein pures Schlagzeug-Trompeten-Treffen als Soundclash der Jazz-Spezialisten. In der langen Geschichte des Jazz kann man immerhin auf internationale Größen wie Max Roach und Dizzy Gillespie oder Don Cherry mit Ed Blackwell verweisen, um Referenzbeispiele zu nennen. Geboren wurde diese Session im Rahmen der Stabübergabe der Professur an der Dresdener Hochschule für Musik von Sommer an Brönner. Ein Freestyle-Set, das zu seinem Verständnis von Vielseitigkeit gehört. Till Brönner schätzt den weiten Horizont, mit dem er, der hochdekorierte Jazzer durch die Welt der Musik streift. Er treibt das experimentelle Spiel auf seinem hometurf genauso voran wie er sich intensiv mit anderen Genres beschäftigt. Ein wichtiger Aspekt für das neue Album At The End Of The Day, das Songs aus fünf Jahrzehnten Popgeschichte interpretiert. Pop, nicht Jazz! Und das zudem einen Ausflug zu Johann Sebastian Bach unternimmt. Er ahnt bereits, dass bei seinen Arrangements von den Beatles über Bowie bis hin zu den US-Rockern The Killers grundsätzliche Fragen auftauchen werden. Etwa: Warum macht der das? Oder auch: Darf der das überhaupt, so als vielfach ausgezeichneter Trompeter, der im Laufe seiner 25jährigen Karriere vier Echos und eine Grammy-Nominierung erhielt, dessen Tonträger in der ganzen Welt schon mehr als eine Millionen mal verkauft wurden und der mit den Größten der Jazz- und Popwelt gearbeitet hat? Grundsatzfragen, die ihn ein wenig nerven. "Ich stelle mich kontinuierlich diesen Jazz-Welten. Und dort entstehen dann neue, andere Sachen. Ob man diese allerdings auf einem Album veröffentlichen muss, steht auf einem anderen Blatt." Till Brönner hat sich seit längerem dafür entschieden, seine eigenen Maßstäbe zu setzen. Nach Oceana (2006) und der Bossa-Nova-Hommage Rio (2008) stöbert er 2010 in einer universalen Pop-Bibliothek: "Wir haben das `Rio`-Programm ausgedehnt auf Konzerten in der ganzen Welt gespielt, ohne genau zu wissen, wohin die nächste Reise führen wird. Gleichzeitig habe ich die Begegnungen mit anderen Künstlern intensiviert. Daraus ist eine Sammlung entstanden, die kunterbunter nicht hätte sein können. Faszinations-Fundstücke aus meinem Leben, die ich letztlich danach ausgewählt habe, welche Möglichkeiten sie mir für den eigenen Ausdruck bieten." Brönner fiel die Wahl der 12 besten aus den etwa 30 Referenzsongs relativ leicht. "Während der Produktion haben wir die `Temperatur` für meine Stimme fließend erarbeitet. Letztlich konnte ich dann auf At The End Of The Day in Personalunion ? als Trompeter und Sänger - agieren." Brönner bekräftigt, dass er auf musikhistorische Zusammenhänge verzichtet hat. "Space Oddity" von Bowie steht genauso als eigenständiges Statement, wie es keine inhaltliche Brücke zwischen "Human" von The Killers und "Human" der britischen New-Wave-Band Human League gibt. Seine Trompete führt "Air" aus der 3. Orchestersuite von Johann Sebastian Bach in andere Sphären, genauso wie alle anderen Titel von seinem unverkennbarem Trompetenspiel leben. Brönners neues Album ist purer, ganz persönlicher Eklektizismus. Er durchkreuzt freischwebend ein Pop-Universum, bei dem die Beatles der frühen Sechziger auf das amerikanische 70er-Duo Seals & Croft ("Summer Breeze") treffen. Die Aufnahmen entstanden ? nach voran gegangenen Auswärts-Produktionen in Brasilien und Los Angeles ? diesmal im heimischen Berlin: "Wir haben uns bewusst mit einer kompletten Live-Band für 2 Wochen ins Planet Roc-Studio zurückgezogen. Dort im alten DDR-Funkhaus gibt es große, hohe Räume, in denen die alten, analogen Instrumente optimal zur Geltung kommen konnten. Dort haben wir alle Songs zusammen Live eingespielt. Diese organische Stimmung beim Aufnahmeprozess war mir sehr wichtig. Im Anschluss habe ich mit langjährigen musikalischen Freunden von mir auf der ganzen Welt an den Titeln weiter gearbeitet. Für die Streicher-Recordings sind wir z.B. in Los Angeles ins legendäre Capitol Studio gegangen, die Holzbläser wurden in Stockholm aufgenommen." Hinter den Reglern saß erstmals der Produzent Andreas Herbig, der bislang ganz unterschiedliche Projekte mit Udo Lindenberg, A-Ha oder Ich + Ich betreut hat. Ein inspirierender Arbeitsprozess, bei dem es nicht darum gehen sollte, den Arrangements einen bestimmten (Pop-)Sound zu verordnen. "So läuft das ja nicht!", sagt Brönner. "Andreas Herbig und Henrik Menzel haben die Rohstoffe, die wir ihnen angeboten haben, eher gehegt und gepflegt. Ich habe in den letzten Jahren schließlich selbst öfters in der Produzentenrolle gestanden und sie wiederum sind auch Musiker. Insofern sind keine unterschiedlichen Welten aufeinandergeknallt, sondern es kam genau zu diesem inspirierenden Austauschprozess, den ich mir vorgestellt hatte." Till Brönner betrachtet die Geschichte des Pop auf seine eigene Art. Wenn man ihn danach fragt, diskutiert er mit Freude über die künstlerischen Strategien von Lady Gaga und Amy Winehouse oder den Minimalismus von Techno. Doch mit seiner Musik zielt er in eine andere Richtung. Trends oder Strömungen des Undergrounds überlässt er anderen - und widmet sich einem Herzensthema: Der Zeitlosigkeit.