Das Leben des Titelhelden beginnt außergewöhnlich. Die pragmatische KrankenschwesterJenny Fields will ein Kind, aber keinen Mann. Also nutzt sie die Erektiondes im Zweiten Weltkrieg schwer verwundeten Bordschützen Garp für ihreZwecke und gibt dessen Namen an ihren so gezeugten Sohn weiter. Als dieserschulpflichtig wird, nimmt sie eine Stelle als Krankenschwester in derfür ihn vorgesehenen Schule in New Hampshire an. Gegen Ende der Schulzeitverliebt sich Garp in Helen Holm, die Tochter seines Ringkampftrainers.Sie bestärkt ihn in seinem Wunsch, Schriftsteller zu werden, doch mussGarp erkennen, dass es ihm noch an der notwendigen Lebenserfahrung mangelt.Also reist er nach Europa und macht in Wien einige Erfahrungen, die ihnzum Schriftsteller reifen lassen; er schreibt seine erste gelungene Geschichte.Doch auch die mitgereiste Mutter hat ein Buch geschrieben - ihre Autobiografiemit dem Titel Eine sexuell VerdächtigeEllen-Jamesianerinnen,einer Gruppe von Feministinnen, die sich aus Solidarität mit einer alsKind Vergewaltigten die Zunge abschneiden. Unterstützung findet Garp beiseinem langjährigen Freund Roberta, einem transsexuellen ehemaligen Footballspieler.Garps Familienleben wird jäh zerstört, als sich ein Unfall ereignet, beidem Walt stirbt, Duncan ein Auge einbüßt, Helens Liebhaber seinen Penisverliert und Garp einen Kieferbruch davonträgt. Die Ehe mit Helen gerätin eine tiefe Krise, die erst durch die Geburt der Tochter Je ... "Garp war von Natur aus ein Geschichtenerzähler", sagt der Erzähler in John Irvings packendem Roman, und meint damit den Protagonisten des Buches, den Romanautor Garp, der mit Irving einiges gemeinsam hat. "Er konnte sich eine Sache nach der anderen ausdenken, und alles paßte irgendwie zusammen." In Irvings Klassiker (so bezeichnet in einer Ausgabe des amerikanischen Verlages Modern Edition und mit neuem Vorwort des Autors) gibt es viele verrückte Charaktere und grotesque Szenen, und dennoch ist jede Szene irgendwie realistisch und jede Person irgendwie lebendig. Zwar finden sich sicher viele Romanautoren aus Irvings Generation, die einen Roman mit einem Romanautor als Protagonisten besetzt haben, dessen Leben und Bücher sich sowohl gegenseitig als auch im vorliegenden Buch spiegeln. Transsexuelle Football-Spieler, Revolverhelden, die sich gegenseitig das Hirn rausschießen, mehrfacher Ehebruch, Bären auf Einrädern, wahnsinnige Feministinnen, die sich die Zunge aus Mitgefühl mit dem gefeierten Opfer einer scheußlichen Vergewaltigung abschneiden - bei Irving jedoch werden sie alle zu Menschen. Selbst der Bär paßt ins Buch. In einer Schlüsselszene verführt Garps Frau gerade einen jungen Mann, als Garp seine jungen Söhne mit einem rücksichtslosen Autotrick erfreut (eine der wenigen Szenen, die auch in der Filmversion auf wunderschöne, unheimliche und herzzerbrechende Weise realisiert sind). Viele Autoren wären schon mit der Situationskomik zufrieden gewesen, doch bewahrt Irving die Ganzheit dieser Szene, indem der Rest des Buches darauf aufbaut. Die Frage, wie es der Autor schafft, mit solch einer tödlichen Mischung aus Slapstick und Horror bei den Lesern durchzukommen, läßt sich nur folgendermaßen beantworten: das Buch spiegelt genau das wieder, was wir tagein tagaus erleben, mit dem Unterschied, daß Irving eine Kunst daraus macht. In den Worten von Garp ist das Leben "eine verbotene Seifenoper", und wer kann ihm da schon widersprechen? Wer Garp zwanzig Jahre nach dessen Erstveröffentlichung liest, ist verblüfft, auf welch elegante Weise Irving seine bizarre und komplexe Geschichte strukturiert. So z.B. die beiden bekanntesten Episoden des Buches, die vom "Under Toad" ("toad" bedeutet "Kröte" im Englischen und ähnlich klingt auch "tow" das soviel wie "Sog" oder auch "ziehen" bedeutet ) und Garps Geschichte von "The Pension Grillparzer", die wie ein bernsteinfarbenes kafkaeskes Insekt durch den Roman hindurchschimmert. Als Garp seinen Sohn vor dem "undertow", dem Unterstrom, des Meeres warnt, stellt sich sein Sohn ein Monster vor, den "Under Toad", eine Art Kröte, das unter den Wellen lauert um ihn in die Tiefe zu ziehen. Dieses eher erheiternde Mißverständnis wandelt sich bald in etwas Bedrohliches, sobald der Leser die Parallele zu einem Traum in "The Pension Grillparzer" erkennt, in dem der Tod prophezeit wird. Garps letzte Worte sind "Es ist wie ein Traum!" Und Irving, der in Wien studiert hat, machte sich die Ähnlichkeit des englischen "Toad" mit dem deutschen "Tod" zunutze. Bei so viel Tod ist Garp dennoch vor allem eine lebhafte Geschichte und gleichsam eine Bereicherung für die Literatur und für unser Leben. Wie Garps stottender Lehrer es ausdrückt: "voll von Wah-ah-Wahnsinn und Trauer". Das Buch ist nicht nur eine Bereicherung für die Literatur, sondern bereichert auch unser Leben. -Tim Appelo
Buch:
Bis ich dich finde
Autor:
John Irving, Ausgabe vom Juni 2007, Broschiert, Verkaufsrang 44989
Taschenbuch Bis ich dich finde Roman, von John Irving, 1139 Seiten Fast möchte man John Irving bedauern. Kaum legt er einen neuen Roman vor (noch immer ein Ereignis, bei dem die literarische Welt den Atem anhält), stürzt sich die vergleichende Irving-Wissenschaft auf das Werk. Ist er wieder in Form? Ein neuer Garp? Besitzt er gar die Größe von Gottes Werk und Teufels Beitrag? Kann er Owen Meany toppen, Zirkuskind und Die vierte Hand, diese vorübergehende schriftstellerische Talsohle, vergessen machen? Amerika ist, wie man hört, enttäuscht. Aber, warum nur? Vielleicht ist es an der Zeit, die Irving-Richterskala der völlig überzogenen Erwartungen auf Null zurückzustellen, um den Zauber erneut empfinden zu können. Dann nämlich stellte sich sehr schnell heraus, mit welch magischen Erzählkräften Irving uns im Handumdrehen in seine Welt hineinzuziehen vermag. Die traurige Welt von Alice, der schottischen Tätowiererin und Jack Burns, ihrem vierjährigen Sohn. Ein treuloser Liebhaber und Vater wird gesucht. 1.140 Seiten, eine Langstrecke, die bei einem solchen Erzfabulierer leicht ins Uferlose führen kann. Auf Alice' und Jacks einjähriger Spurensuche durch Nordeuropas Hafenmetropolen, Kirchen und Bordelle, in denen der Orgelvirtuose William Burns seine Duftmarke hinterließ, präsentiert Irving - typisch - ein Panoptikum skurriler Figuren. Amsterdams Prostituierte, Helsinkis Tätowierer und unzählige blutjunge Chormädchen können ein Lied singen von der Spur, die der charmante Organist hinterlassen hat, der sich auf jeder seiner unseligen Stationen zum lebenden Notenblatt tätowieren lässt. Die schöne Alice, selbst eine Meisterin der Nadel, interviewt deflorierte Mädchen und Orgelnovizen (deren Auskünfte sie schon mal mit kostenlosen Tattoos und Liebesdiensten belohnt). Das Phantom des sexbesessenen flüchtigen Vaters aber ist stets einen Schritt voraus. Zwischen Tatovør-Ole, Herzensbrecher-Lars, Bach, Händel, sowie der halben Amsterdamer Rotlichtbesetzung, wächst der vierjährige Jack in eine merkwürdige Welt hinein. Im zweiten Teil des Romans findet Klein-Jack sich als einer der wenigen männlichen Schüler in der St. Hilda Mädchenschule in Toronto wieder, Gelegenheit für den in erotischen Dingen ohnehin nie zaghaften Irving, seinem Affen gehörig Zucker zu geben. In dieser sexuell ausgehungerten Umgebung erschließt Emma Oastler, Jacks Tutorin, dem Jungen die tiefere Bedeutung eines der Lieblingsmotive seiner Mutter: Jack darf die "Rose von Jericho" entblättern. Eine Kindheit an der Seite starker älterer Frauen findet seine Entsprechung. Nach Schultheater und einem Ausflug ins Softpornogewerbe (erneut ein Irving-Festival), landet der schöne Jack schließlich als gefeierter Transvestiten-Darsteller in Hollywood (ein Irving-Eldorado der großen Namen). Jahre später wird der erfolgreiche Schauspieler den Auftrag seiner inzwischen verstorbenen Mutter erfüllen. Die Suche nach dem Vater geht weiter. Und zeitigt überraschende Ergebnisse. Ein überschäumender, zuweilen überkonstruierter und vor allem überlanger Lebensbogen. Dennoch - vergesst Garp und alle Bären! Wäre dies der Erstling eines unbekannten Schriftstellers, die Jubelfeiern nähmen kein Ende! -Ravi Unger
Buch:
Owen Meany: German Language Ed
Autor:
John Irving, Ausgabe vom 31. Dez. 1998, Taschenbuch, Verkaufsrang 14782
Aus der Amazon.de-Redaktion Ein Geräusch, wie wenn einer versucht, kein Geräusch zu machen ist das Buch im Buch Witwe für ein Jahr von John Irving. In diesem Bestseller erzählt Ted Cole - Kinderbuchautor und eine der Hauptpersonen in Witwe für ein Jahr - diese Geschichte seiner vierjährigen Tochter Ruth. Die Kindergeschichte im Roman erfährt viele Veränderungen, aber mit diesem Bilderbuch liegt eine wunderbar illustrierte Version der ursprünglichen Erzählung vor. Der vierjährige Tom wacht mitten in der Nacht von einem unheimlichen Geräusch auf. Die Fantasie von Kindern ist unbegrenzt, im Guten wie im Bösen, und der kleine Tom leidet sehr unter seiner Fantasie, wenn es um seine Angst geht. "Es war so ein Geräusch, wie wenn in Mamis Schrank ein Kleid lebendig wird und von seinem Kleiderbügel runterklettern will", sagt Tom. "Es war ein Geräusch, wie wenn etwas im Kopfbrett des Brettes eingesperrt wäre und sich durch das Holz nach draußen nagt." Ein Geräusch von einem armlosen, beinlosen Monster, das auf seinem dicken, nassen Fell dahinrutscht. Als der schnell herbeigeholte Vater das Geräusch ebenfalls hört, findet dieser eine ganz alltägliche Erklärung für die nächtliche Ruhestörung und Tom kann beruhigt wieder einschlafen. Illustriert wurde diese Geschichte von Tatjana Hauptmann, die in ihren blau-schwarzen Bildern die unheimliche nächtliche Stimmung eingefangen hat, die auch erwachsenen Lesern einen Schauer über den Rücken jagt. Ein Geräusch, wie wenn einer versucht, kein Geräusch zu machen ist ein Muss für alle John-Irving-Fans und eine gute Wahl, wenn der eigene Nachwuchs unter (Nacht-)Ängsten leidet. Denn nichts ist so hilfreich, wie zu wissen, dass man mit seiner Angst nicht allein ist. Falls Ihre Kinder jedoch (noch) keine Angst vor dem Dunkeln haben, sollten Sie dieses Buch am besten vor ihnen verstecken, denn Bilder und Text beflügeln die Fantasie. Und gruseln werden sich die lieben Kleinen noch früh genug, da muss man ja nicht unbedingt nachhelfen. -Sandra Neumayer 1
Buch:
Witwe für ein Jahr
Autor:
John Irving, Ausgabe vom Okt. 2000, Taschenbuch, Verkaufsrang 31717
Im Mittelpunkt des Romans steht Ruth Cole. Wir begegnen ihr an drei Wendepunktenihres Lebens. Zuerst 1958 in ihrem Geburtshaus auf Long Island. Ruth istgerade vier Jahre alt. Das zweite Mal 1990 als unverheiratete Schriftstellerinin Frankfurtund Amsterdam. Der dritte Teil des Romans spielt 1995 wiederauf Long Island. Ruth ist 41, Witwe und Mutter und verliebt sich zum erstenMal in ihrem Leben. Eine vielschichtige Liebesgeschichte und eine Geschichteüber das Erwachsenwerden. John Irving-Fans dürfte es wohl kaum verwundern, daß Witwe für ein Jahr eine weitläufige Mischung aus Farce und Tragödie ist, in der es nur so wimmelt von Schriftstellern. Gleich zu Beginn ertappt die 4jährige Ruth Cole ihre melancholische Mutter Marion in flagranti mit dem 16jährigen Eddie, nachdem dieser Ted - Ruths liebestollen Vater, dessen Ehe mit Marion nur noch auf dem Papier existiert - nach einer von Teds Sauftouren wieder einmal nach Hause gefahren hat. Eddie schreibt den Rest seines Lebens Romane wie "Sechzig Mal", seinen Schlüsselroman über die 60 Mal, die er Marion verführt hat. Ted ist ein gescheiterter Romanschriftsteller, dem die auf Ruths Gute-Nacht-Geschichten basierenden Kindermärchen, wie z.B. "Die Maus, die zwischen den Wänden krabbelt", zu Reichtum und Ruhm verholfen haben. Marion verläßt Ruth, Ted und Eddie und entpuppt sich schließlich als erfolgreiche, unter einem Pseudonym schreibende Schriftstellerin. Von all den vorkommenden Schriftstellern ist Ruth am Ende jedoch die erfolgreichste, dank Ted, der sie frühzeitig in die Kunst des Schreibens eingeweiht hat. Er erzählt ihr nicht nur Märchen, sondern hilft ihr auch dabei, ihre eigenen Geschichten zu erfinden, die die vielen Photos in ihrem Haus erklären, auf denen ihre Brüder zu sehen sind, die in einem Autounfall ein Jahr vor ihrer Geburt ums Leben gekommen sind. Der Schmerz über den Verlust ihrer Söhne ist der Grund für Marions Unfähigkeit, Ruth zu lieben. Äußerst gelungen ist die Figur der Ruth, Irvings erste weibliche Hauptfigur. In beiden Rollen - der des phantasievollen Kindes, das in dem Versuch, mit seiner Familie ins reine zu kommen, stark an die Werke Salingers erinnert, und der der Erwachsenen, die die Beweggründe ihrer Mutter zu verstehen oder diese zumindest zu ergründen sucht - ist sie eine wahre Glanzleistung. Ted ist eine beißend-lustige Karikatur, dessen finstere Art und selbstgerechtes Verhalten in den unmöglichsten Situationen mysteriös und verständlich zugleich wirken. Eddie ist ein liebenswerter Schelm, doch ohne Weichzeichner gezeichnet. Was für gewaltige Szenen Irving immer wieder zu schaffen vermag! Die Geschichte vom Tod der Jungs ist nicht nur grauenerregend, sie stellt auch auf wirkungsvolle Weise den Charakter Teds dar, der sie erzählt. Der Mordversuch einer abgewiesenen Liebhaberin an Ted ist ebenso rasend komisch wie die VW-die-Marmortreppe-runter-Szene in Owen Meany (die von den Disney-Studios verfilmt wurde), allerdings nicht ganz auf einer Stufe mit der berühmten Episode von "Pension Grillparzer" in Garp und wie er die Welt sah (neu erschienen in einer Jubiläumsausgabe anläßlich des zwanzigjährigen Bestehens des Modern Library Verlags). Mit seiner Dreistigkeit kommt Irving mit praktisch jeder Szene, die ihm in den Sinn kommt, beim Leser durch: Ruth wird in Amsterdam zufällig Zeugin des Mordes an einer Prostituierten, ein holländischer Detektiv stellt ihr nach (natürlich gerade zu dem Zeitpunkt, als Ruth Marion auf den Fersen ist), und schließlich münden die verschiedenen Handlungsstränge alle in einer Schlußszene, die beinahe mit der Anfangsszene des Buches identisch ist. Erzählt wird die Geschichte im maßlos zufälligen und dennoch absolut realistischen Stil eines Charles Dickens, begleitet von einer reflektierten Scherzhaftigkeit, die an Irvings Mentor, Kurt Vonnegut, erinnert. -Tim Appelo
Buch:
Der Tod des Teemeisters: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Autor:
Yasushi Inoue, Ausgabe vom 22. Sept. 2008, Taschenbuch, Verkaufsrang 53348