Roman. Ausgezeichnet mit dem Prix Interallie 2005 Erscheinungsjahr: 2007 Aus d. Französ. v. Uli Wittmann Gewicht: 340 gr / Abmessung: 19 cm Von Houellebecq, Michel / Übersetzt v. Wittmann, Uli Provokant, pessimistisch und sehr scharfsinnig analysiert Michel Houellebecq in seinem neuen Roman die moderne Gesellschaft. Er wirft einen visionären Blick ins 21. Jahrhundert und in eine Zukunft, in der der Mensch und mit ihm der Kult um Sex und Spaß sowie der Wunsch nach ewiger Jugend verschwunden sind. Überlebt hat allein der Neo-Mensch - geklont, unsterblich und gefühllos. Drastisch konfrontiert Houellebecq die Weltvorstellungen von Mensch und Klon mit der Suche nach Liebe und Geborgenheit. B "Wer unter Ihnen verdient das ewige Leben?" S Der Mensch ist verschwunden. Und mit ihm der Kult um Sex und Fun und ewige Jugend. Geblieben ist nichts als Ekel, Einsamkeit und Langeweile. Der Mensch ist für das Glück und dessen Voraussetzung, die bedingungslose Liebe, nicht geschaffen. Angesichts der unerträglich schmerzvollen Erfahrung des Alters nimmt der Mensch freiwillig Abschied von sich. Und nach der Klimakatastrophe bleiben vom Menschengeschlecht nur archaisch lebende Wilde zurück. Nur der Neo-Mensch hat überlebt - geklont und unsterblich. Aber alle menschlichen Regungen wie Lachen und Weinen, Güte, Mitleid und Treue sind ihm zu unergründlichen Geheimnissen geworden. Daniel24 ist ein Neo-Mensch der vierundzwanzigsten Generation, der auf seinen genetischen Prototyp Daniel1 und dessen Lebensbericht zurückblickt. Dieser Daniel1 war ein Mensch unserer Gegenwart: Als Komiker auf der Bühne, in Film und Fernsehshows trat er als zynisch-scharfer Beobachter einer Gesellschaft auf, die längst alle Tabus gebrochen hatte. Aber sein Leben mit Isabelle, umgeben vo Lanzarote ist die ideale Kulisse für Die Möglichkeit einer Insel des französischen Skandal-Autors Michel Houellebecq. Nicht nur, dass sie wegen ihres schwarzen Vulkangesteins so unwirklich erscheint wie der rein fiktive Seinszustand des Titel gebenden Eilands - der reinen "Möglichkeit" der Insel - es verlangt. Sie wirkt auch so, als habe sie eine unendlich alte Vergangenheit. Und doch scheint sie direkt aus einem Science-Fiction-Film entsprungen. Die ideale Kulisse. Denn Houellebecq erzählt von ewigen Dingen wie dem Glück der Liebe und dem Schmerz des Alterns. Aber er projiziert das Ganze in eine ferne Zukunftszeit. Die Möglichkeit einer Insel spielt in einer Welt, wie sie der Autor, Interviews gemäß, in zweitausend Jahren tatsächlich erwartet. Menschen sind beinahe ausgestorben und vagabundieren in versprengten Häuflein durch die zerstörten Großstädte. Längst sind sie ersetzt von durchnummerierten Klonen, die allenfalls noch durch die schriftlich fixierten Biografien des humanen Ausgangsmaterials mit ihren Gen-Gebern verbunden sind. So sieht sich auch Daniel, der Hauptheld des Buchs, mit den Kommentaren seiner unzähligen Doppelgänger konfrontiert: Immer wieder werden seine Ausführungen von den Echos der "Neo-Menschen" Daniel24 oder Daniel25 unterbrochen. Daniel ist auf der Suche nach dem Glück - der eigentlichen "Möglichkeit einer Insel" inmitten der genetischen Indifferenz der schönen neuen Welt. Er findet sie in Isabelle, die ein Magazin namens "Lolita" herausgibt - und in diesem Titel liegt bereits die ganze Tragik festgeschrieben. Denn Isabelle kann nicht für immer Kindfrau bleiben, und Daniel muss weiter, zu Esther, 22 Jahre alt. Aber auch der mehrfach gespiegelte Held des Romans wird älter und fällt, "hoch in den Vierzigern", inmitten einer Welt aus lauter Körperkult durchs Raster. Die "Möglichkeit der Insel" ist bloße Illusion. Auch wenn im Buch alle Motive früherer Bücher Houellebecqs wiederkehren, so hat er sie in diesem doch am besten, großartigsten miteinander verknüpft. Die vormals überwiegende Lust am Untergang ist einer nüchternen Resignation gewichen - auch der Autor, der seinem Daniel stark autobiographische Züge verliehen hat, ist älter geworden. Und er hat gelernt, noch etwas besser zu erzählen. -Isa Gerck
Buch:
Menschenkind
Autor:
Toni Morrison, Ausgabe vom 2. Januar 2007, Taschenbuch, Verkaufsrang 367670
Buch:
Eine kurze Geschichte vom Glück: Roman
Autor:
Thommie Bayer, Ausgabe vom Januar 2009, Taschenbuch, Verkaufsrang 91642
John Irving, Dirk van Gunsteren, Nikolaus Stingl, Ausgabe vom 2006, Gebunden, Verkaufsrang 23695
Aus der Amazon.de-Redaktion Fast möchte man John Irving bedauern. Kaum legt er einen neuen Roman vor (noch immer ein Ereignis, bei dem die literarische Welt den Atem anhält), stürzt sich die vergleichende Irving-Wissenschaft auf das Werk. Ist er wieder in Form? Ein neuer Garp? Besitzt er gar die Größe von Gottes Werk und Teufels Beitrag? Kann er Owen Meany toppen, Zirkuskind und Die vierte Hand, diese vorübergehende schriftstellerische Talsohle, vergessen machen? Amerika ist, wie man hört, enttäuscht. Aber, warum nur? Vielleicht ist es an der Zeit, die Irving-Richterskala der völlig überzogenen Erwartungen auf Null zurückzustellen, um den Zauber erneut empfinden zu können. Dann nämlich stellte sich sehr schnell heraus, mit welch magischen Erzählkräften Irving uns im Handumdrehen in seine Welt hineinzuziehen vermag. Die traurige Welt von Alice, der schottischen Tätowiererin und Jack Burns, ihrem vierjährigen Sohn. Ein treuloser Liebhaber und Vater wird gesucht. 1.140 Seiten, eine Langstrecke, die bei einem solchen Erzfabulierer leicht ins Uferlose führen kann. Auf Alice' und Jacks einjähriger Spurensuche durch Nordeuropas Hafenmetropolen, Kirchen und Bordelle, in denen der Orgelvirtuose William Burns seine Duftmarke hinterließ, präsentiert Irving - typisch - ein Panoptikum skurriler Figuren. Amsterdams Prostituierte, Helsinkis Tätowierer und unzählige blutjunge Chormädchen können ein Lied singen von der Spur, die der charmante Organist hinterlassen hat, der sich auf jeder seiner unseligen Stationen zum lebenden Notenblatt tätowieren lässt. Die schöne Alice, selbst eine Meisterin der Nadel, interviewt deflorierte Mädchen und Orgelnovizen (deren Auskünfte sie schon mal mit kostenlosen Tattoos und Liebesdiensten belohnt). Das Phantom des sexbesessenen flüchtigen Vaters aber ist stets einen Schritt voraus. Zwischen Tatovør-Ole, Herzensbrecher-Lars, Bach, Händel, sowie der halben Amsterdamer Rotlichtbesetzung, wächst der vierjährige Jack in eine merkwürdige Welt hinein. Im zweiten Teil des Romans findet Klein-Jack sich als einer der wenigen männlichen Schüler in der St. Hilda Mädchenschule in Toronto wieder, Gelegenheit für den in erotischen Dingen ohnehin nie zaghaften Irving, seinem Affen gehörig Zucker zu geben. In dieser sexuell ausgehungerten Umgebung erschließt Emma Oastler, Jacks Tutorin, dem Jungen die tiefere Bedeutung eines der Lieblingsmotive seiner Mutter: Jack darf die "Rose von Jericho" entblättern. Eine Kindheit an der Seite starker älterer Frauen findet seine Entsprechung. Nach Schultheater und einem Ausflug ins Softpornogewerbe (erneut ein Irving-Festival), landet der schöne Jack schließlich als gefeierter Transvestiten-Darsteller in Hollywood (ein Irving-Eldorado der großen Namen). Jahre später wird der erfolgreiche Schauspieler den Auftrag seiner inzwischen verstorbenen Mutter erfüllen. Die Suche nach dem Vater geht weiter. Und zeitigt überraschende Ergebnisse. Ein überschäumender, zuweilen überkonstruierter und vor allem überlanger Lebensbogen. Dennoch - vergesst Garp und alle Bären! Wäre dies der Erstling eines unbekannten Schriftstellers, die Jubelfeiern nähmen kein Ende! -Ravi Unger 1
Buch:
Der Kontrabaß
Autor:
Patrick Süskind, Ausgabe vom Dez. 1997, Taschenbuch, Verkaufsrang 13063
Birgit Vanderbeke, Ausgabe vom 15. Sept. 2011, Taschenbuch, Verkaufsrang 25320
Die wenigen Stunden, die der Familienvater sich verspätet, und währendderer die Frau und die beiden jugendlichen Kinder wartend am Abendessenstischsitzen, genügen, um aus der sorgfältig ausbalancierten Kleinfamilie einenHaufen zersprengter Einzelteile zu machen. Die drei sitzen vor einem BergMuscheln, die sich eklig schmatzend öffnen und die eigentlich niemand außerdem Vater gerne ißt, und sie beginnen in dieser unerwarteten Auszeit miteinanderzu sprechen. Es entsteht so plötzlich wie überraschend ein Riß in der familiärenScheinidylle. Der Vater wird besichtigt und es bleibt nicht besonders vielübrig von diesem Mann und seiner fragwürdigen väterlichen Autorität. BirgitVanderbeke läßt das Labor Familie in die Luft fliegen, sie zieht den Stöpsel,und durch eine kleine Veränderung in der Versuchsanordnung kommen der repressiveMief und der kleinbürgerliche Ehrgeiz, aber auch die versteckte Liebe zutage. Wer einmal wirklich alle Klischees eines widerwärtigen Familienvaters kennenlernen will, der greife zum schmalen Band Das Muschelessen. Mutter, Tochter und Sohn warten bei einem Berg Muscheln auf die Rückkehr des Vaters. Die achtzehnjährige Tochter beschreibt in einem hundertseitigen Gedankenfluß - so ungefähr jeder zweite Punkt am Ende eines Satzes fehlt - das bisherige Familienleben, Schwerpunkt Vater. Ihre Formulierungen sind eher einer vierzehnjährigen angemessen. Je weiter ihre Überlegungen fortschreiten, desto gräßlicher wird das väterliche Ungetüm. Aus dem trauten Familienkreis wird ein schreckliches Disastergemälde. Man frägt sich, warum die übrigen Familienmitglieder das abscheuliche Gebaren soviele Jahre zugelassen haben. Die Handlung am Abend ist spärlich, umso aufregender, mit geschickter Steigerung der Spannung erleben wir die skizzierten Ereignisse davor. Nicht die Familie wird demontiert, wie die tageszeitung im Klappentext meint, sondern der tyrannenhafte Familienvater, der jahrelang seine Familie ohne erkenntlichen Widerspruch drangsalierte. So besehen kann diese Erzählung nicht realistisch gemeint sein. In der Palette der schlechten Eigenschaften findet wohl jeder männliche Leser ein paar, die auch auf ihn zutreffen; sicher ist aber niemand dabei, auf den viele zusammenfallen: so ein Scheusal würde kein Buch lesen. Der Stil wie in Ludwig Thomas Lausbubengeschichten wäre mir nach mehr Seiten auf den Geist gegangen. Mit 109 Seiten endete die Erzählung aber rechtzeitig mit einer Überraschung. Ein vergnüglicher Lesenachmittag. Empfehlenswert. -Herbert Huber
Buch:
Amerikanisches Idyll
Autor:
Philip Roth, Ausgabe vom 1. Sept. 2000, Taschenbuch, Verkaufsrang 83963
Product Description Roman. Mit einem Ovidischen Repertoire Erscheinungsjahr: 2007 14. Aufl. m. Vign. Gewicht: 225 gr / Abmessung: 19 cm Von Ransmayr, Christoph Als Christoph Ransmayrs Roman "Die letzte Welt" 1988 erschien, wurde er von der Kritik gefeiert wie kaum ein anderer - wegen seiner poetischen, rhythmischen Sprache, wegen seiner stilistischen Eleganz, aber auch wegen seiner bildmächtigen Traum- und Alptraumwelten. In diesem Roman ist die Verbannung des römischen Dichters Ovid durch Kaiser Augusts im Jahre 8 n. Chr. der historisch fixierte Ausgangspunkt einer phantasievollen Fiktion. Der Römer Cotta, sein - durch Ovids "Briefe aus der Verbannung" - ebenfalls historisch belegter Freund, macht sich in Tomi am Schwarzen Meer auf die Suche: nach dem Verbannten, denn in Rom geht das Gerücht von seinem Tod, als auch nach einer Abschrift der "Metamorphosen", dem legendären Hauptwerk Ovids. Cotta trifft in der "eisernen grauen Stadt" Tomi jedoch nur auf Spuren seines Freundes, Ovid selbst begegnet er nicht. Er findet dessen verfallenes Haus im Gebirge, den greisen Diener Pythagoras und, je komplizierter und aussichtsloser sich die S uche gestaltet, immer rätselhaftere Zeichen der "Metamorphosen" - in Bildern, Figuren, wunderbaren Begebenheiten. Bis sich zuletzt Cotta selbst in der geheimnisvoll unwirklichen Welt der Verwandlungen zu verlieren scheint: die Auflösung dieser "letzten Welt" ist wieder zu Literatur geworden.
Buch:
Tanz mit dem Schafsmann: Roman
Autor:
Haruki Murakami, Ausgabe vom 25. Sept. 2007, Taschenbuch, Verkaufsrang 37062
Im Hotel Delphin gibt es eine dunkle, gruselige Zwischenwelt, in der manchmalder Lift stecken bleibt. Dann kann man dem Schafsmann begegnen. Er istSchatten und Schutzengel des Erzählers. Und seine Botschaft lautet "Tanzen.Immer weiter tanzen, solange die Musik spielt." Traum? Realität? Bei Murakamisind sie nicht so genau zu trennen. Mit traumwandlerischer Sicherheit verstehtes der japanische Bestsellerautor, erotische Sehnsüchte in seinen Romanenzum Leben zu erwecken. "Tanz mit dem Schafsmann" ist eine wunderbar fesselndeLiebesgeschichte, verführerisch leicht erzählt und mit einem überraschendenEnde. Haruki Murakami polarisiert. Berühmtestes Beispiel: Sigrid Löffler und Marcel Reich-Ranicki, die ihre Zusammenarbeit im Literarischen Quartett nach einem Streit über Gefährliche Geliebte beendeten. Der Medien-Hype indes ist groß und Haruki Murakami in Deutschland ein Star: Nun erscheinen mit einiger Verzögerung also auch seine frühen Bücher - Tanz mit dem Schafsmann wurde in Japan bereits 1988 publiziert - auf Deutsch. Wie beispielsweise auch in Naokos Lächeln ist der Protagonist und Ich-Erzähler im Grunde eine popmusikbegeisterte Durchschnittsexistenz - wäre da nicht sein dunkles Verlangen nach einem geheimnisvollen, surrealen Ort: einem Hotel, das er einst aufgesucht hat und an dem sich die Fäden seiner Biografie unter der dunkeln Regie des Schafsmanns verflechten. Hier allein können Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ineinander gesponnen werden, nur hier vermag er sich (im Grunde hoffnungslos) aufzubäumen gegen Vergessen und Vergänglichkeit, um (wie Sisyphos) dennoch glücklich zu sein in einem neuen (erwachsenen?) Leben. Der Weg dahin ist freilich ein steiniger: Fragile Frauengestalten, die potenziell immer wieder verschwinden, entgleiten ihm ebenso wie todgeweihte Geliebte, weshalb erotische Momente ausschließlich im Schatten einer Todesbedrohung erlebt werden können, ebenso wie Liebe und Tod unausweichlich nebeneinander stehen. Einmal mehr geht es Murakami in seinen traurigen Liebesgeschichten also um die ganz großen, die unbedingten Fragen. Leider jedoch bleiben deren ästhetische Strukturen vom Autor unreflektiert und werden auch für den Leser in keiner Weise sichtbar: Eine Vielzahl der Metaphern sind so banal, dass man nicht mehr von vereinzelten Übersetzungspatzern sprechen kann; die Einfachheit der Sprache grenzt ans Triviale. ("Schließlich fuhr Gotanda mit meinem Subaru weg, während ich seinen Maserati einparkte. Ein hypersensibler, aggressiver Wagen, reaktionsschnell und voller Power. Sobald man Gas gibt, hebt man ab zum Mond.") Und dennoch: Murakami erfreut sich großer Beliebtheit. Sein enormer Erfolg auch außerhalb Japans mag allen voran darin begründet sein, dass es ihm in seiner sehr einfachen Prosa gelingt, eine "Zeitstimmung" über alle Ländergrenzen hinweg heraufzubeschwören: Durch spezifische Markencodes, intertextuelle Verweise, das Zitieren eines großen und gemeinhin bekannten Poprepertoires könnten seine Protagonisten in Berlin genauso wie in Tokio, Paris oder New York leben - das Identifikationspotenzial ist also hoch. Dennoch: Diese sentimentalen Stimmungsbeschreibungen kommen gänzlich unironisch, dafür mit existenzialistischem Ehrgeiz daher, was seltsam berührt, sogar anachronistisch anmutet, hat der Existenzialismus seinen Zenit doch überschritten. -Kristina Nenninger
Buch:
Lektürehilfen Der Vorleser - Ausführliche Inhaltsangabe und Interpretation
Autor:
Bernhard Schlink, Ausgabe vom April 2010, Broschiert, Verkaufsrang 150148