Im Hotel Delphin gibt es eine dunkle, gruselige Zwischenwelt, in der manchmalder Lift stecken bleibt. Dann kann man dem Schafsmann begegnen. Er istSchatten und Schutzengel des Erzählers. Und seine Botschaft lautet "Tanzen.Immer weiter tanzen, solange die Musik spielt." Traum? Realität? Bei Murakamisind sie nicht so genau zu trennen. Mit traumwandlerischer Sicherheit verstehtes der japanische Bestsellerautor, erotische Sehnsüchte in seinen Romanenzum Leben zu erwecken. "Tanz mit dem Schafsmann" ist eine wunderbar fesselndeLiebesgeschichte, verführerisch leicht erzählt und mit einem überraschendenEnde. Haruki Murakami polarisiert. Berühmtestes Beispiel: Sigrid Löffler und Marcel Reich-Ranicki, die ihre Zusammenarbeit im Literarischen Quartett nach einem Streit über Gefährliche Geliebte beendeten. Der Medien-Hype indes ist groß und Haruki Murakami in Deutschland ein Star: Nun erscheinen mit einiger Verzögerung also auch seine frühen Bücher - Tanz mit dem Schafsmann wurde in Japan bereits 1988 publiziert - auf Deutsch. Wie beispielsweise auch in Naokos Lächeln ist der Protagonist und Ich-Erzähler im Grunde eine popmusikbegeisterte Durchschnittsexistenz - wäre da nicht sein dunkles Verlangen nach einem geheimnisvollen, surrealen Ort: einem Hotel, das er einst aufgesucht hat und an dem sich die Fäden seiner Biografie unter der dunkeln Regie des Schafsmanns verflechten. Hier allein können Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ineinander gesponnen werden, nur hier vermag er sich (im Grunde hoffnungslos) aufzubäumen gegen Vergessen und Vergänglichkeit, um (wie Sisyphos) dennoch glücklich zu sein in einem neuen (erwachsenen?) Leben. Der Weg dahin ist freilich ein steiniger: Fragile Frauengestalten, die potenziell immer wieder verschwinden, entgleiten ihm ebenso wie todgeweihte Geliebte, weshalb erotische Momente ausschließlich im Schatten einer Todesbedrohung erlebt werden können, ebenso wie Liebe und Tod unausweichlich nebeneinander stehen. Einmal mehr geht es Murakami in seinen traurigen Liebesgeschichten also um die ganz großen, die unbedingten Fragen. Leider jedoch bleiben deren ästhetische Strukturen vom Autor unreflektiert und werden auch für den Leser in keiner Weise sichtbar: Eine Vielzahl der Metaphern sind so banal, dass man nicht mehr von vereinzelten Übersetzungspatzern sprechen kann; die Einfachheit der Sprache grenzt ans Triviale. ("Schließlich fuhr Gotanda mit meinem Subaru weg, während ich seinen Maserati einparkte. Ein hypersensibler, aggressiver Wagen, reaktionsschnell und voller Power. Sobald man Gas gibt, hebt man ab zum Mond.") Und dennoch: Murakami erfreut sich großer Beliebtheit. Sein enormer Erfolg auch außerhalb Japans mag allen voran darin begründet sein, dass es ihm in seiner sehr einfachen Prosa gelingt, eine "Zeitstimmung" über alle Ländergrenzen hinweg heraufzubeschwören: Durch spezifische Markencodes, intertextuelle Verweise, das Zitieren eines großen und gemeinhin bekannten Poprepertoires könnten seine Protagonisten in Berlin genauso wie in Tokio, Paris oder New York leben - das Identifikationspotenzial ist also hoch. Dennoch: Diese sentimentalen Stimmungsbeschreibungen kommen gänzlich unironisch, dafür mit existenzialistischem Ehrgeiz daher, was seltsam berührt, sogar anachronistisch anmutet, hat der Existenzialismus seinen Zenit doch überschritten. -Kristina Nenninger
Buch:
Lektürehilfen Der Vorleser - Ausführliche Inhaltsangabe und Interpretation
Autor:
Bernhard Schlink, Ausgabe vom April 2010, Broschiert, Verkaufsrang 137533
Product Description Lektürehilfen Der Vorleser
Buch:
Im Land der letzten Dinge
Autor:
Paul Auster, Ausgabe vom 2. Januar 1992, Taschenbuch, Verkaufsrang 16785
Product Description Ausgezeichnet mit dem Deutschen Krimi-Preis, Kategorie National 1993. Roman Erscheinungsjahr: 2008 23. Aufl. Gewicht: 270 gr / Abmessung: 18 cm Von Schlink, Bernhard Selb lebt in Mannheim. Er hat eine Vergangenheit als Nazi-Staatsanwalt, eine Gegenwart als Privatdetektiv und weiß nicht, ob er mit fast 70 Jahren noch eine Zukunft hat. Er raucht. Er hat eine Freundin, Brigitte und einen Kater, Turbo. Er spielt Schach. Aber er löst seine Fälle nicht wie Schachprobleme. Er verstrickt sich in sie, und die Wahrheit, die er herausfindet, ist stets auch eine Wahrheit über ihn selbst. Pressestimmen: "Ein intelligenter, sympathischer, guter Krimi."(Zürichsee-Zeitung) "Schlink ist einer der Autoren, die auf magische Weise Stimmungen und Atmosphäre schaffen. Dabei sind seine Sätze auf das notwendigste entschlackt, ohne karg zu werden. Die Abfolge von schneller und langsamer Handlung, kurzen und langen Kapiteln macht den Rhythmus der Geschichte perfekt."(StadtRevue)
Buch:
Ausweitung der Kampfzone
Autor:
Michel Houellebecq, Ausgabe vom 1. Nov. 2006, Taschenbuch, Verkaufsrang 105097
Aus der Amazon.de-Redaktion Jeder gegen jeden "Wir sagen ja zur modernen Welt", konnte die Münchner Band Freiwillige Selbstkontrolle Anfang der 80er Jahre noch selbstironisch singen. "Ich liebe diese Welt nicht", wütet der namenlose Ich-Erzähler im Erstlings-Roman des Franzosen Michel Houellebecq, "ich liebe sie ganz entschieden nicht." Die Stationen seiner Odyssee durch die Vorhölle der modernen Angestellten-Welt am Ende der 90er sind allerdings auch kaum geeignet, von dieser Haltung nur ein Quentchen abzurücken. Keine Hoffnung, nirgends: Der EDV-Spezialist einer Pariser Softwarefirma, jung, beruflich erfolgreich, zugleich bindungslos und depressiv, protokolliert mit bösem Röntgenblick eine Gesellschaft, die pausenlos plappernd leerläuft. Ein Jahrmarkt der Eitelkeiten, der sich mehr und mehr in einen Kriegsschauplatz verwandelt. Sex stellt für Houellebecq in diesem Kampf jeder gegen jeden nur ein "zweites Differenzierungssystem" dar, das zwar vom ökonomischen abgekoppelt, aber "mindestens ebenso erbarmungslos" funktioniert: "Die Unternehmen kämpfen um einige wenige Jungakademiker; die Frauen kämpfen um einige wenige junge Männer; die Männer kämpfen um einige wenige Frauen. Das Maß an Verwirrung und Aufregung ist beträchtlich." Der Frontberichterstatter Houellebecq weiß nur zu gut, daß die herkömmliche Form des Romans nicht geeignet ist, die Indifferenz oder das Nichts zu beschreiben, und folglich geht es ihm auch nicht darum, sein Talent mit "sublimen Beschreibungen verschiedenartiger Seelenzustände" zu vergeuden. Film noir statt Eric Rohmer: Wenige Episoden, skizzenhaft hingeworfen, reichen aus, um am Ende der Versuchsanordnung ein vernichtendes Urteil zu sprechen: "Das Lebensziel ist verfehlt." Mit diesem Wissen, ahnt man, geht es jetzt noch 20, 30, 40 Jahre weiter, bis zum Ende. Die Hoffnung, jemals rettendes Ufer zu erreichen, ist dahin. Zugegeben, manchmal verwechselt der angry young man vor lauter Böse-Sein-Wollen auch die Provokation mit deren Attitüde. Dennoch: Mit sparsamsten Mitteln, auf wenig mehr als 150 Seiten, gelingt Houellebecq ein eindrucksvolles, wiewohl reichlich desillusionierendes Psychogramm unserer Verlorenheit, unseres Selbstbetrugs und unserer unstillbaren Manie, glücklich sein zu wollen. Literatur, schrieb Kafka, sei die Axt für das gefrorene Meer in uns. Houellebecq, am Ende des Jahrhunderts, hantiert mit Sprengsätzen. -Niklas Feldtkamp
Buch:
Hell und Schnell: 555 komische Gedichte aus 5 Jahrhunderten
Ausgabe vom 16. Nov. 2006, Gebunden, Verkaufsrang 62485
Aus der Amazon.de-Redaktion Jana ist ein Singvogel. Zumindest behauptet sie das von sich selbst. "Ich plappere, heißt es im Roman des 52-jährigen Esslinger Autors Thommie Bayer. "Dabei wollte ich doch extra kurz schreiben, um meine Freundin nicht zu nerven. Ich bin ihr so dankbar, sie leiht mir das Geld für die Reise. Aber ich bin ein Singvogel - ich muß immer plappern." Jana hat sich als "Kuckucksei" in die Exkursion eines Professors nach Venedig geschlichen - und zwar deshalb, weil ihr Briefpartner , der Drehbuchautor Christian Uhlig, es ihr gegenüber als seinen sehnlichsten Wunsch deklariert hat, noch einmal in die Lage zu kommen, Venedig zum ersten Mal zu sehen. Nun sieht er Venedig, mit Janas Augen, die ihm E-Mails schreibt. Eine ganz und gar Unbekannte, die ihm vor kurzem einmal geschrieben hat, um ihm zu sagen, dass ihr sein Skript für einen Film gefiel. Aus der vermeintlichen Gelegenheitsmail entspannt sich eine Leidenschaft, die Christian, der Janas "Vater sein könnte", sogar nach Venedig treibt - was zu der skurrilen Situation führt, dass beide in der Lagunenstadt im selben Internet-Café sitzen und sie ihn aufgrund eines Fotos auf seiner Homepage zu erkennen glaubt (was sie ihm, quasi in Echtzeit, mailt), er sich aber nicht zu erkennen gibt. Aus der Brieffreundschaft wird Liebe. Und dann kommt doch alles ganz anders, als beide denken... Natürlich hat auch Bayers Singvogel eine Schwäche. Das Buch hat nämlich zwei traurig-schöne Pointen, von denen man zumindest eine nicht kennen darf, weil man sich dann einen Gutteil des Lesegenusses verwehrt. Geht man aber ohne großes Vorwissen an das Buch, wird man ihm bei der zweiten Lektüre noch einmal so viel abgewinnen können. So heißt es also, sich die Ohren zu verschließen und den Singvogel alleine auf sich wirken zu lassen. Wer gedacht hatte, Bayer hätte mit Das Aquarium und Die gefährliche Frau seinen erzählerischen Zenith schon erreicht, wird mit diesem Roman eines besseren belehrt. Große, raffiniert verwobene und perspektivisch klug strukturierte Unterhaltungsliteratur mit Suchtpotential. - Stefan Kellerer 1
Product Description In einem Pariser Fitness-Club beobachtet der Autor, wie eine etwa sechzigjährigeDame Schwimmunterricht nimmt. Am Ende der Lektion winkt sie dem Schwimmlehrerzum Abschied noch einmal zu und macht dabei eine so graziöse Handbewegung,daß der Betrachter beschließt, diese Geste, die die ganze Leichtigkeitdes Seins zu enthalten scheint, der Heldin seines Romans zum Geschenk zumachen. Paul liebt zwei Frauen, die beiden Schwestern Agnes und Laura,und die geraten nicht nur seinetwegen ständig aneinander. Agnes führt ihrerseitsein erotisches Doppelleben. Laura darf mit dem Journalisten Bernard nichtglücklich werden, weil dessen allmorgendliches Geschwätz im Radio den Autorzum Wahnsinn treibt.