Product Description Der Ich-Erzähler Klaus Uhltzscht behauptet von sich, er allein habe die Berliner Mauer zu Fall gebracht. Auf die Frage eines Reporters der New York Times, wie ihm dies gelungen sei, erzählt er seine Lebensgeschichte. Uhltzscht wird am 20. August 1968, dem Tag des Einmarschs der Warschauer-Pakt-Truppen in die Tschechoslowakei, geboren. Er wächst im Ostteil Berlins auf, wo seine Familie in einer Wohnung direkt gegenüber dem Ministerium für Staatssicherheit lebt. Von seinem Vater wird Klaus für einen Versager gehalten, die hygienebewusste Mutter tritt seinem erwachenden Interesse am Geschlechtlichen mit einer lustfeindlichen Tabuisierung entgegen. Dabei interessiert sich Klaus nahezuzu ausschließlich für seine sexuelle Entwicklung Die stete Sorge um sein zu klein geratenes Glied bildet den zentralen Bezugspunkt seiner Existenz. Als Erwachsener wird Uhltzscht zum gewissenhaften Mitarbeiter der Staatssicherheit und rettet 1989 Erich Honecker durch eine Bluttransfusion das Leben. Während der Demonstrationen am 4. November desselben Jahres stürzt er und verletzt sich an seinem Geschlecht, das sich als Folge der notwendigen Operation immens vergrößert. Am 9. November ist Uhltzscht dabei, als sich Menschenmassen vor dem Grenzübergang an der Bornholmer Straße versammeln und dessen Öffnung fordern. Er beobachtet die vergeblichen Versuche der Anwesenden, die Grenzbeamten zu überzeugen. Einem plötzlichen Einfall folgend entblößt Uhltzscht sein Glied und nutzt den Moment ungläubigen Staunens bei den Grenzern, um das Gitter aufzustoßen. Nicht das Volk bewirkte die Grenzöffnung, sondern allein Klaus Uhltzscht - so will es der Bericht des Erzählers.
Hörbuch:
Der Fönig: Sonderausgabe.
Autor:
Walter Moers, Ausgabe vom 17. Januar 2012, Audio CD, Verkaufsrang 10041
Stell Dir vor es ist Frieg und feiner geht hin. Weil nämlich der Klohmarft viel fomischer ist. Das jedenfalls findet der Fönig in Walter Moers gleichnamigen Bilderbuch, der aus purer Langeweile befohlen hat, dass in seinem Königreich alle Ks und Fs vertauscht werden müssen. Aber so einfach geht das nicht, wenn man von zwitschernden Fohlmeisen, Folibris und Faninchen träumt. Denn das bedeutet nach Aussage des föniglichen Traumdeuters Frieg gegen Kranfreich, und wenn man feine Klotte hat und feine Luftwakke, feine Fernwakken, Klugzeugträger oder Kernlenfrafeten, dann ist man ganz schön am Arsch. Facfe. Ja, richtig gelesen: "Facfe" und nicht etwa "Faffe". Denn auch wenn der König befohlen hat, alle Ks und Fs in mündlicher Rede zu vertauschen, spricht man von "Krühstücf" und nicht von "Krühstüff" im neuen Buch von Walter Moers. Es entstand offenbar, als sein ansonsten ja sehr verdienstvoller Verfasser bemerkte, dass sich durch einen einfachen Vertauschungseinfall aus "kiffen" "fikken" machen lässt. Um diese Idee herum hat Moers ein ganzes Buch geschrieben, in dem es glücklicherweise neben etwas platten Anzüglichkeiten rund um die Kellatio mit der Fönigin vor komischen Anspielungen an diverse Märchenmotive nur so wimmelt. Denn das Sprachspiel allein macht das Buch zwar mühsam zu lesen, nicht aber wirklich witzig. So aber ist Der Fönig doch noch ein fomisches "Moerschen" um Frieg und Kriegen geworden, bei dem Freunde des Kleinen Arschlochs eher als Fans von Käpt'n Blaubär auf ihre Kosten kommen werden. -Stefan Kellerer "Frieg gegen Kranfreich? Ausgerechnet heute", stöhnt der Fönig. "Wo doch heute Klohmarft ist!" Tja, als Fönig hat man es nicht leicht: den ganzen Tag "K" und "F" vertauschen müssen, sich dabei nicht vertun dürken und auch noch nebenbei ein Fönigreich regieren sollen! Aber flein beigeben? Niemals! Andere hätten vielleicht fapituliert vor dieser herfulischen Aufgabe, aber Dirf Bach löst sie unerschrocfen, ohne sich auch nur einmal zu versprechen, und - leider fönnen wir ihn ja bloß hören - vermutlich auch ohne mit der Wimper zu zucfen. Fruzikix! So eine Leistung hätte selbst Kranz Fakfa Respeft abgenötigt. Föstlich, wie Bach auf Kranzösisch klötet! Äußerst furzweilig, dieses Moerschen für Erwachsene fann man auch prima zum Krühstücf hören! Und wer den Text mitlesen will, fann das mithilke des beiliegenden Kaltposters tun, das der Autor liebevoll illustriert hat. -Axel Henrici Audiokassette mit beiliegendem Poster (enthält den kompletten Text). Spieldauer: 17:14 Minuten (7:12/10:02).
Hörbuch:
Die Schimauski-Methode: Und andere sensationelle Entdeckungen des erstaunlichen Prof - Dr - Albert Schimauski
Autor:
Walter Moers, Ausgabe vom 25. Januar 2010, Audio CD, Verkaufsrang 322202
Daniel Kehlmann, Ausgabe vom 16. Januar 2009, Audio CD, Verkaufsrang 267002
Das Verfahren ist bekannt und bewährt: Man nehme einen Denker aus der deutschen Geistesgeschichte und schlage literarischen Profit aus dessen Verschrobenheit. Ganz vorzüglich ist das beispielsweise Gert Hofmann mit Georg Christoph Lichtenberg in Die kleine Stechardin gelungen. Bernhard Setzwein hat mit Nicht kalt genug einen vorzüglichen Nietzsche-Roman vorgelegt, und Klaas Huizing widmete sich in Das Ding an sich auf hoch vergnügliche Weise dem Königsberger Philosophen und Kant-Vertrauten Johann Georg Hamann. Nun versucht sich auch Daniel Kehlmann erfolgreich an diesem Genre und porträtiert in seinem Roman gleich zwei deutsche Geistesgrößen: Das Mathematikgenie Carl Friedrich Gauß und den Universalgelehrten und großen Naturforscher Alexander von Humboldt. Im Zentrum steht ein Treffen der beiden 1828 in Berlin, auf einem Naturforscherkongress, für den Gauß nur sehr widerwillig sein Göttingen verlässt. Die zwei Großdenker haben sich beide auf ihre eigene Weise der Vermessung der Welt gewidmet, kommen sich aber nur zaghaft näher. Der Roman kann sich auf knapp 300 Seiten Leben und Werk der beiden allerdings nur schlaglichtartig widmen, eher skizzenhaft und sehr kurzweilig erleben wir wichtige Stationen ihres Schaffens in einer geschickten Mischung aus Fakten und Fiktion: Humboldt auf seinen strapaziösen Exkursionen nach Südamerika, Gauß dagegen eher zerrissen zwischen der hehren Welt der Zahlen und dem schnöden Alltag, denn auch ein Genie hat Zahnschmerzen und muss sich mit Frau und Kindern herumplagen. Die Komik des Romans speist sich dabei nicht nur aus den ironisch beleuchteten Charakteren von Gauß und Humboldt, sondern auch aus der Spannung zwischen Größe und Lächerlichkeit. Humboldts große Forschungsreise nach Russland etwa gerät zur Farce, weil er schon zu berühmt ist: die ganze Expedition gerät zur Massenveranstaltung mit über 100 Teilnehmern, und statt zu Forschen verbringt Humboldt die meiste Zeit auf Empfängen. Am Ende kann man Daniel Kehlmann gleich doppelt gratulieren: Zu diesem ebenso unterhaltsamen wie niveauvollen Roman - und zur Nominierung von Die Vermessung der Welt zum in diesem Jahr erstmals verliehenen Deutschen Buchpreis. -Christian Stahl In seinem fünften und bisher besten Roman widmet sich der junge Daniel Kehlmann gleich zwei großen Geistern der an deutschen Genies reichen Epoche des 19. Jahrhunderts. Abwechselnd lässt er Carl Friedrich Gauß und Alexander von Humboldt die Welt erforschen und vermessen, am Ende begegnen sich die beiden, inzwischen alt und berühmt geworden, in Berlin. So leicht, geistreich und zugleich witzig ist schon lange nicht mehr über deutsche Dichter und Denker erzählt worden, über die allzumenschliche Lächerlichkeit auch im Genial-Erhabenen. Ob das alles wirklich so war, fragt der glückliche Leser nicht, auch wenn die leicht karikaturhaften Züge nicht zu leugnen sind. Etwa wenn Humboldt mit seinem Begleiter Bonpland von Paris nach Madrid reitet, um dort am Hof um die Erlaubnis für seine erste Südamerikaexpedition anzusuchen, sie aber einfach nicht vorankommen, weil Humboldt nicht aufhören kann, nebenbei zu messen und zu forschen: "Ein Hügel, von dem man nicht wisse, wie hoch er sei, beleidige die Vernunft, mache ihn unruhig. Ohne stetig die eigene Position zu bestimmen, könne ein Mensch sich nicht fortbewegen. Ein Rätsel, wie klein auch immer, lasse man nicht am Wegesrand." Gäbe es einen Preis der prägnantesten Hörbuchstimmen, hätte Ulrich Matthes sicher gute Chancen. Es genügen wenige Worte, um ihn zweifelsfrei zu erkennen. Unverkennbarkeit einerseits, grandioser Schauspieler andererseits, wie Matthes in zahlreichen Stücken, Filmen und Hörbüchern bewiesen hat. Auch aus dem Kehlmann-Roman macht er ein akustisches Ereignis und vermag die Wirkung dieses glänzenden Stücks Literatur noch strahlender zu machen. Dringend zu empfehlen! Spieldauer: ca. 345 Minuten, 5 CDs, Hörbuchfassung des Autors -Christian Stahl
Buch:
Der fernste Ort (suhrkamp taschenbuch)
Autor:
Daniel Kehlmann, Ausgabe vom 26. Juli 2004, Taschenbuch, Verkaufsrang 54148
Erscheinungsjahr: 2009 7. Aufl. Gewicht: 102 gr / Abmessungen: 177 mm x 108 mm x 10 mm Von Kehlmann, Daniel Julian, ein junger Mann, mit sich selbst und seiner Tätigkeit als Versicherungsangestellter unzufrieden, nutzt einen Schwimmunfall, um sich davonzumachen. Daß man ihn für tot halten muß, scheint ihm die ultimative Chance zu sein. Noch einmal läßt er seine Erinnerungen Revue passieren: die Kindheit, die zähen Anstrengungen, neben dem hochbegabten Bruder zu bestehen, den Zerfall der Familie und die immer wieder gescheiterten Versuche, die eigene Mittelmäßigkeit zu überwinden. Nun, plötzlich, liegen verführerische neue Möglichkeiten greifbar vor ihm; er kann ganz von vorne beginnen. Doch die Umstände gestalten sich unerwartet schwierig. Pressestimmen: "Es ist schwer zu sagen, worin die größte Stärke dieses voll ausgebildeten Erzählers liegt: In seiner scharfsichtigen (Alltags-) Beobachtungsgabe, seinem subtil beißenden Humor, seinem Hang zur philosophischen Anreicherung der eigenen Prosa? Die Gleichzeitigkeit dieser Qualitäten, ihre einnehmende Melange in einem lakonisch-melancholischen Erzählton, machen auch den Reiz von Kehlmanns neuer Erzählung aus, in der der Autor verblüffend formvollendet mit der Frage nach einem zweiten Anfang experimentiert." (Kieler Nachrichten, 22. Oktober 2002) ""Der fernste Ort" wird mit leiser Stimme erzählt, aber in einer bildkräftigen Sprache. Diese Erzählung, ebenso fein wie genau "gearbeitet", mit vielen versteckten Bezügen, häufig verdeckten Verweisen und sanft gleitenden Übergängen, läßt den unmerklichen Schwund an Realität kaum erkennen. Julian verliert sich am Ende und holt so den Anfang wieder ein. "Die Flocken fielen aus dem Himmel, unzählbar viele, das Weiß schien makellos. Für einen Moment, aus Gewohnhe Ultima Thule, der fernste Ort, fasziniert Julian, den Helden des Romans, seit seiner Kindheit. Und seine (bewusst/unbewusste) Suche nach diesem Ort bedingt eine ständige Flucht - einen ständigen Versuch, seiner Umgebung zu entfliehen, sein mittelmäßiges, bürgerliches Leben hinter sich zu lassen. Ein inszenierter Schwimmunfall scheint ihm die ultimative Lösung für ein völliges Verschwinden, für einen Neubeginn. Dieser Ausgangspunkt birgt Reminiszenzen an seine Kindheit, seine Jugend. Seltsam fern wie durch einen Schleier scheint Julian sein jüngeres Selbst zu sehen. Die Erinnerung an seine Eltern, an seinen hoch begabten Bruder, in dessen Schatten er immer stand, an eine "normale", bürgerliche, einengende Welt, der er schon als Kind zu entfliehen suchte. Erinnerungen an seine Mutter, die Selbstmord beging, an seinen Vater, der die Familie verlassen hatte - all diese Ereignisse muten in der Rückschau wie Begebenheiten unter Wasser an, verlangsamt, verzerrt. Julian selbst wirkt wie ein hilfloser Schwimmer, der sich von den Wogen des Lebens passiv hierhin und dorthin treiben lässt. Weder glücklich noch wirklich unglücklich, eher unzufrieden, ein "Mann ohne Eigenschaften", trifft er im Grunde immer nur eine Entscheidung: zu fliehen. Daniel Kehlmann versteht es, den Leser in einen Sog zu ziehen, in ein Spiel mit Fiktion und Realität, das immer undurchsichtiger und undurchschaubarer wird. Je näher Julian seiner letzten Flucht kommt, desto mehr Ereignisse aus der Vergangenheit nehmen in der Gegenwart Gestalt an, scheinen ihm wieder zu begegnen. Und so bleibt die Antwort auf die Frage, ob Julian seinem alltäglichen Dasein wirklich entfliehen kann, oder ob es nur die Fiktion einer Flucht ist, die er erlebt, letztlich dem Leser überlassen. -Lisbeth Legat
Buch:
Gebrauchsanweisung für Polen
Autor:
Radek Knapp, Ausgabe vom März 2005, Taschenbuch, Verkaufsrang 53665
Aus der Amazon.de-Redaktion Erst neulich rief mich eine tschechische Freundin an und fragte mich, ob das Wort "Krapfen" in der deutschen Umgangssprache tatsächlich Verwendung finde. Meine bejahende Antwort stieß auf, gelinde gesagt, ungläubiges Unverständnis, wenn nicht blankes Entsetzen: Wie das schon klinge, ein so hässliches Wort - "Krpf" -, aber naja, das Deutsche eben. Und was will man auch von einem erwarten, der seinen Büchern Titel wie Quitten für die Menschen zwischen Emden und Zittau, Die Kugeln in unseren Köpfen oder 'Mind-boggling' - Evening Post gibt. Dass also der Titel Der Krapfen auf dem Sims nichts, aber auch gar nichts mit dem Inhalt des Buches zu tun hat, versteht sich da von selbst. Ebenso, dass es sich hier nicht um einen Roman handelt, sondern um eine Sammlung von Betrachtungen, Essays und anderes, wobei dieses "und anderes" vor allem diverse absurde Fotos nebst erheiternder Bildunterschriften sowie Auszüge aus dem Jetzt-Tagebuch des Autors umfasst. Unnötig anzumerken, dass nicht nur die erwähnten Bildunterschriften, sondern auch sämtliche der in diesem Buch versammelten Texte sehr erheiternd sind. Und das, obwohl der Herr Goldt vieles, was man als Mainstream-Normalo vielleicht sogar schätzt, ziemlich schlechtmacht oder gar explizit: verachtet. Den Jungmänner-Massenzynismus zum Beispiel, oder Leute, die sich mit schlechter Handschrift und der 999 DM Montblanc-Füllfederhalteredition an Büttenpapier zu schaffen machen. Deutsche Art Stylisten (im Gegensatz zu türkischen Friseuren), Gerhard Schröder, Faxe, Diplome auf dem Klo und scheinbar auch Inge Meysel (obwohl er das nicht so deutlich sagt). Immerhin finden sich auch praktische Verbesserungsvorschläge. Kuchen backen sollte man, Barbies und Playmobilmännchen endlich aus der modernen Kunst verbannen, und vor allem: Schulen bloß nicht voreilig mit internetfähigen Computern ausstatten, sondern erstmal wieder das Sprechen und Schreiben üben. Denn: "Wer eine gute Allgemeinbildung hat, sich auch in Fremdsprachen gut ausdrücken kann, der wird mit dem Internet keine Schwierigkeiten haben. Wer nichts weiß und schlecht spricht, wird kaum in Verlegenheit kommen, im Berufsleben seine Internet-Kenntnisse unter Beweis zu stellen." Das Buch müsste dringend ins Tschechische übersetzt werden. Allein schon wegen des Titels. -Anneke Hudalla 1
Buch:
Sieben Jahre
Autor:
Peter Stamm, Ausgabe vom 5. Aug. 2009, Gebunden, Verkaufsrang 136403
Product Description Roman Erscheinungsjahr: 2009 Gewicht: 444 gr / Abmessungen: 205 mm x 125 mm Von Stamm, Peter Ein Mann zwischen zwei Frauen, die eine ist begehrenswert, bei der anderen ist er frei. Sonja ist schön und intelligent und lebt mit Alex. Eine vorbildliche Ehe, er müsste glücklich sein. Aber wann ist die Liebe schon einfach? Und wie funktioniert das Glück? Iwona wäre neben Sonja fast unsichtbar, sie ist spröde und grau. Aber Alex fühlt sich lebendig bei ihr und weiß nicht, warum. Sie liebt ihn. Er trifft sie immer wieder, und als sie von ihm schwanger wird und das Kind kriegt, das Sonja sich wünscht, setzt er alles aufs Spiel. Peter Stamm erzählt so lakonisch und leidenschaftlich wie kein anderer von widerstreitenden Gefühlen und der Sehnsucht nach dem Leben. Sieben Jahre ist ein großer Roman über die Zumutung des Glücks, geliebt zu werden.
Buch:
Blitzeis
Autor:
Peter Stamm, Ausgabe vom 1. Okt. 2001, Taschenbuch, Verkaufsrang 128024
Buch:
Herrn Kukas Empfehlungen: Roman
Autor:
Radek Knapp, Ausgabe vom Sept. 2007, Taschenbuch, Verkaufsrang 34766
Ein Reisebus wie ein umgestürzter Kühlschrank, voll mit Wodka und Krakauer Würsten - und mittendrin Waldemar, der sich auf Empfehlung seines Nachbarn Herrn Kuka auf den Weg nach Wien gemacht hat. Was den angehenden Frauenhelden im goldenen Westen erwartet, erzählt der Aspekte-Literaturpreisträger Radek Knapp in seinem Romandebüt so vergnüglich, daß man das Buch nicht aus der Hand legt, ehe man das letzte Abenteuer mit Waldemar bestanden hat. - Mit hintergründigem Humor erzählt Knapp von erotischen und kapitalistischen Versuchungen, läßt seinen Helden von regelmäßigem Steinzeitsex9 delirieren und in böse Fallen tappen - und zimmert aus den Verwirrungen des Zauberlehrlings Waldemar eines der unterhaltsamsten und durchtriebensten Bücher der Saison. Der Spiegel In Radek Knapps neuem Roman lernt der junge Pole Waldemar das Abenteuer lieben. Von dem Lügenbold und Kleinganoven Kuka in geheimer Mission nach Wien geschickt, erlebt er als Ich-Erzähler Schmuggelorgien an der Grenze, trifft auf einen Meisterdieb, der die Zeit anhalten kann, wird selbst zum unfreiwilligen Bankräuber und findet wie Nebenbei die Dame seines Herzens. Am Ende steht die Erkenntnis, in Wien am merkwürdigsten Ort der Welt gelandet zu sein: "wo sich Schwimmbäder in Nationalparks verwandeln, Spendierhosen hinter einem 'Gott vergelt's' rufen und niemand Dir eine Arbeit geben will, nur weil Du die falschen Schuhe geschenkt bekommen hast". All dies beschreibt Knapp in Herrn Kukas Empfehlungen mit eben jener Portion an Witz und Charme, welche die abstrusen Ereignisse ebenso glaubhaft wie lesenswert macht. Als der inzwischen 35-jährige Knapp 1994 mit den polnischen Dorfgeschichten Franio debütierte, erhielt er den begehrten aspekte-Literaturpreis und wurde quasi über Nacht zum Star des Feuilletons. In Franio ließ er seinen bezaubernden Titelhelden Phantasiegeschichten scheinbar aus der Zeitung ziehen, einen Stationsvorsteher mit dem Teufel um die Gunst der Volksschullehrerin buhlen und einen Schwerenöter die Apokalypse heraufbeschwören, um die Dorfschönheiten zu verführen. In Interviews versicherte der Autor damals, derart skurrile Geschichten selbst erlebt zu haben. Als Heizungsableser etwa habe er in der Badewanne einer Wiener Sozialbauwohnung schon mal ein Krokodil entdeckt. Ob das tatsächlich stimmt, ist eigentlich egal: ansonsten nämlich ist es hübsch erfunden. "So ist das Leben", heißt es einmal in Herrn Kukas Empfehlungen über eine absonderliche Wirklichkeit. So ist es wohl - zumindest in der Literatur.-Thomas Köster