Thomas Lehr, Ausgabe vom 18. April 2007, Taschenbuch, Verkaufsrang 240128
Product Description Roman Erscheinungsjahr: 2007 Gewicht: 243 gr / Abmessung: 19 cm Von Lehr, Thomas Thomas Lehr hält für Sie die Zeit an. Nicht weit von Genf, der Stadt der Atomphysiker, Diplomaten und Uhrmacher, liegen die unterirdischen Anlagen des Kernforschungszentrums CERN. Als an einem sonnigen Augusttag eine Besuchergruppe wieder ans Tageslicht tritt, ist die gesamte Genfer Region, ja ganz Europa in einen Dornröschenschlaf gefallen. Die Besucher bewegen sich wie in einer "Fotografie der Welt". Steht die Zeit still? Was ist geschehen? Hat der Teilchenbeschleuniger eine Zeitkatastrophe verursacht? Die 70 "Chronifizierten" müssen mit einer traumatischen Situation von Einsamkeit, Macht und Ohnmacht zurechtkommen, Theorien entwickeln und Strategien des Zusammenlebens erproben. Obwohl für sie die persönliche Zeit weiterläuft, in der sogar Kinder geboren werden, sind sie scheinbar in alle Ewigkeit gefangen in der 42. Sekunde um 12:47 dieses Sommertags - bis nach fünf Jahren aus wahrhaft heiterem Himmel die Weltzeit plötzlich für 3 kostbare Sekunden weitertickt. Aus ihrer Lethargie gerissen, sammelt sich die inzwischen durch Krankheiten und mörderische Auseinandersetzungen dezimierte Gruppe zu einem "finalen Experiment". In diesem furiosen Roman schießen die erzählerischen Momente wie in einem Teilchenbeschleuniger zusammen: modernste Zeittheorien, existentielle Deutungen und eine mitreißende Sprache. Thomas Lehr legt mit diesem Roman das wichtigste Buch seines bisher vielfach preisgekrönten Werkes vor.
Buch:
Hinter blinden Fenstern: Roman
Autor:
Friedrich Ani, Ausgabe vom 1. Okt. 2009, Taschenbuch, Verkaufsrang 107531
Aus der Amazon.de ? Redaktion Unter dubiosen Umständen kommt der Gast eines Bordells ums Leben. Die Ermittlungen führen Hauptkommissar Polonius Fischer hinter die graue Fassade eines Wohnblocks. Genau dorthin laufen auch die Spuren im Fall eines entführten Mädchens. Zufall? Fischer glaubt, nicht jedoch an Zufälle. Was ist in Friedrich Anis außergewöhnlichem Kriminalroman Hinter blinden Fenstern wirklich geschehen? Selbstverständlich streitet Clarissa Weberknecht jede Schuld am Tod ihres Kunden Cornelius Mora ab, der in ihrem Etablissement durch die Einwirkung einer Peitsche zu Tode gekommen ist. Der ehemalige Mönch und jetzige Hauptkommissar Polonius Fischer ahnt, dass er belogen wird, dass Clarissa mehr weiß, als sie ihm erzählt. Doch er lässt sich Zeit, verzichtet auf vorschnelle Urteile. Als ein junges Mädchen verschwindet und der Kommissar bei seinen Nachforschungen erneut in dem trostlosen Wohnblock landet, den er im Fall Mora kennen gelernt hat, vermutet er einen Zusammenhang. Was wissen die Bewohner, besonders das Ehepaar Soltersbusch, das die "Aktion Achtsamer Mitmensch", kurz AMM, gegründet hat, in Wirklichkeit aber nur intensiv die Nachbarn bespitzelt. Fischer beobachtet, befragt, bewahrt Geduld und spinnt sein Netz. Nichts Spektakuläres geschieht in Friedrich Anis Roman und doch erfahren wir wieder einmal Unerhörtes. Der mehrfach mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnete Autor setzt wie sein Protagonist Fischer auf Langsamkeit, Geduld, Genauigkeit in der Beobachtung. Ani geht sehr sparsam mit der Präsenz seiner Hauptfigur um, Fischer agiert wesentlich im Hintergrund, und richtet die Aufmerksamkeit des Lesers auf die in den Fall verwickelten Figuren. Denn das Verbrechen ist für Ani und Fischer nur relevant als Konsequenz einer komplizierten menschlichen Vorgeschichte, bedeutsam sind zwischen- und innermenschliche Vorgänge, die schließlich in einer Gewalttat kulminieren. Man muss sich als Leser einlassen auf Anis Psychogramme, auf seine akribische Beschreibung des schmalen Grats zwischen grauem menschlichen Alltag und dem allgegenwärtigen Grauen, das seine Figuren anfällt. Friedrich Ani gehört zu den großen Autoren der deutschen Gegenwartsliteratur. Wir alle sollten ihm zuhören, obwohl oder gerade weil es nicht wirklich lustig ist, was er von uns zu erzählen weiß. Ulrich Deurer
Buch:
Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot: Roman
Autor:
Sibylle Berg, Ausgabe vom Januar 2008, Taschenbuch, Verkaufsrang 64817
Product Description Roman Erscheinungsjahr: 2008 Gewicht: 189 gr / Abmessung: 19 cm Von Berg, Sibylle Pressestimmen: "Sibylle Berg schildert die neunziger Jahre als die Stunde der schwachen Empfindungen und dürren Worte. Liebe und Leidenschaft, Verzweiflung und Unglück haben nur noch als klägliches Echo früherer Zeiten überdauert. Waren die achtziger Jahre das Jahrzehnt der Gier, das Emotionen als begehrtes, aber knappes Handelsgut entdeckte, so erscheinen die neunziger Jahre als Ära der Gleichgültigkeit, in der alle Ideale zerstört, alle Illusionen geplatzt sind. Und auch von der Sprache ist nicht mehr viel übrig." - Frankfurter Allgemeine Zeitung "Ein paar Leute ... is a novel which sees tragedy as well as beauty in the banalities of everyday life. True feeling is never very far from tackiness, prompting a German reviewer to bill Berg s writing as ''German Trash''. This it is not, though, for" - Ein paar Leute is carried by the author s sympathy for her characters and their predicament. Not, though, by her sentimentality: of her ten protagonists, Berg dispatches all but one, with no shortage of gruesome detail, the description of which she seems positively to enjoy." - Times Literary Supplement, 25.5.1998 Leseprobe: "Ich lebe so ein bißchen wie ein Tier. Ich weiß nicht, ob das so verkehrt ist. Obwohl es auch unglückliche Tiere gibt, die zu Tierpsychologen gehen, denke ich mal, die meisten Tiere fragen sich nicht andauernd, was sie mit ihrem Leben anstellen sollen. Vielleicht sind sie glücklich. Ich würde so gern mal mit einigen befreundeten Tieren über dieses Thema reden."
Die Welt ist entdeckt. Auf den Molukken sieht es inzwischen genauso auswie in jeder beliebigen Einkaufspassage. Die Grandhotels, die elegantenBars und kleinen Pensionen, die exotischen Winkel, sie alle liegen heuteam großen Gemeinplatz. Aber das Fernweh bleibt. Denn Reisen kann trotzallem ein wunderbarer Schwebezustand sein. Christian Kracht und EckhartNickel haben sich deshalb aufgemacht, für uns die angenehmsten Orte derWelt zu suchen. Unglaublich, aber da gibt es doch wirklich noch zwei Männer, die den Globus nach den Plätzchen absuchen, die ihnen am besten gefallen. Sie sind allerdings auf der falschen Spur, wenn Sie sich jetzt auf paradiesische Geheimtips freuen. Von Trauminseln, Berghütten samt Panoramablick oder Indianerzelten sind die beiden nämlich weit entfernt, sehr weit sogar. Wie das halt so ist, wenn man Männern freien Lauf läßt... sie landen in der Kneipe (in einigen Fällen könnten wir die "Etablissements" auch mit Café oder Restaurant betiteln). Dort freuen Sie sich dann über die Landung eines Deutschen im Müllhaufen, untersuchen die Toilettengeheimnisse der Kronenhalle in Zürich, sinnieren über den Auf- und Niedergang Sylts und den dazugehörigen Umfang einer Kellnerin und freuen sich regelmäßig, bessere Pfadfinder gewesen zu sein als die Backpacker, die ohne den Lonely Planet nicht aus dem Haus gehen. Apropos Lonely Planet: Der steht ganz oben auf der abschließenden Liste. Unbedingt vermeiden, wie auch die gesamte Ex-DDR, außer dem Kaffeehaus Koldnitz in Sangerhausen und Markneukirchen, Japan und Studenten aus Tromsö. Zwischendrin vegetieren auch ernstzunehmende Tips in diesem Schmunzelband herum, die sind aber in der Minderzahl. Nichtsdestoweniger, schauen Sie die Welt mal aus einer anderen Perspektive an, schütteln Sie den Kopf, lächeln Sie sinnig vor sich hin, liegen Sie in Lachkrämpfen am Boden oder hegen Sie Mordgedanken, aber tun Sie bloß eins nicht: Das Ganze nach deutscher Manier todernst nehmen!!! -HW
Abenteuerlich, voll von unglaublichen Erfindungen, Entdeckungen, Gefahren,Prüfungen, Heldentaten, Katastrophen, spannend ohne Ende, weise und gelehrt,gemein und grausam, aber auch rührend, empfindsam und zum Heulen lieb. Seemannsgarn vom Feinsten: ein Feuerwerk bäriger Ideen Daß Walter Moers mehr als das Kleine Arschloch zeichnen kann, hat er längst bewiesen. Sogar in den Sprechblasen ist er hervorragend ohne Worte ausgekommen, als der Pinguin zweimal klopfte. Und nun sein erster Roman: Eine genial dicke Schwarte von 720 Seiten, in der ein Geistesblitz den nächsten jagt. Grün und gelb möchte man vor Neid werden: Wo hat der Mann bloß die vielen Ideen her? In seinen dreizehneinhalb Leben begegnet der Blaubär gehässigen Stollentrollen, unangenehmen Nattifftoffen, quasselnden Tratschwellen, durch die Wüste ziehenden Gimpeln, dem Wahnsinn, Fredda, der Berghutze ?- eine Figur skurriler als die andere. Ab und an illustriert der Zeichner Moers die Gestalten des Erzählers Moers, ein Glücksfall natürlich, aber im Vordergrund steht der Text, unerschütterlich. Und hier entfaltet sich in vollen Zügen, was der eine oder andere bereits geahnt haben mag: Moers ist ein begnadeter, ironischer Erzähler. Mit wieviel Sprachwitz er arbeitet, wie er an Ausdrücken feilt, Begegnungen verschachtelt komponiert, Satzrhythmen herstellt und wieder auflöst, das nötigt Respekt ab. Und man freut sich über die irrwitzigen Inhalte der Abenteuer. Ob er mit dem Rettungssaurier Mac als Navigator fliegt, eine Fata Morgana am Wüstenboden verklebt, durch Dimensionslöcher stürzt oder sich ein Duell mit dem Lügengladiator liefert: die Spannung bleibt ungebrochen (außer beim sechsten Kapitel), die unzähligen Geschichten sind unglaublich. Münchhausen entpuppt sich als blutiger Lehrling im Vergleich zu Moers. Auch wenn sich beim Lesen gelegentlich Assoziationen zu Texten von Michael Ende oder Janosch einstellen mögen: Der Roman ist kein Kinderbuch, sondern nachdenklich machende (haben Sie schon mal über eine Tornado-Haltestelle nachgedacht?) Literatur, die bestens unterhält. Das vielgesuchte Leichte, das so schwer zu machen ist: hier ist es. -Sophie Thoma
Buch:
Orangen und Engel: Italienische Skizzen
Autor:
Ingo Schulze, Ausgabe vom 22. Mai 2010, Gebunden, Verkaufsrang 276764
Product Description Und wir scheitern immer schöner Erscheinungsjahr: 2007 Gewicht: 121 gr / Abmessung: 18 cm Von Bernemann, Dirk Das Leben ist Krieg. Der Krieg hat uns alle leer gemenscht, kaputtgeKRIEGt. Das Leben ist kein Krieg, sondern Sehnsucht, irgendwas zwischen Verachtung und Liebe! Das Leben ist Krebs, er zieht Metastasenstraßen durch meinen Leib. Das Leben ist Konzentrationsamok, ein Garten rot blühender Neurosen. Und ich bin der Menschenkarton mit chemischem Inhalt. All das geschrien, während Genitalien sich duellieren ... Dirk Bernemanns zweites Werk, die Welt so zu erklären, wie sie wirklich ist. Wieder hat er das literarische Skalpell zur Hand genommen, seine Schnitte gehen tief, treffen zielsicher unseren Verstand und unser Bauchgefühl. Wir fühlen uns ertappt, betrogen und verletzt. Und doch, unter all dem, was wir Leben nennen, ist auch Hoffnung ... oder ist das nur Verfall de Luxe? Das Leben hat sich in den Augen Bernemanns nicht groß verändert, deshalb blieb der Titel des Buches gleich. Auch wenn es sich um andere Geschichten, andere Schauplätze und andere Charaktere handelt, fühlt man sich wieder beobachtet, von der Unschuld ...
Buch:
die alarmbereiten
Autor:
Kathrin Röggla, Ausgabe vom 3. März 2010, Gebunden, Verkaufsrang 460459
Product Description Erscheinungsjahr: 2010 m. SW-Abb. Gewicht: 310 gr / Abmessung: 21 cm Von Röggla, Kathrin Sind wir die Helden in einem Katastrophenfilm? In sieben Prosastücken erzählt Kathrin Röggla von der Bedrohung und der Magie einer Welt in Alarmbereitschaft. Brennende Wälder, fliehende Tiere, Panikeinkäufe. Experten, Schaulustige und Beteiligte stieren auf die Katastrophe. Und fragen sich: "hat man jetzt überlebt?". Entwarnung wird nicht gegeben. Eine Welt im Ausnahmezustand: Finanzkrise, Klimakatastrophe, Entführungsfälle- das Leben wird zum Worst-Case-Szenario. Und dadurch dramatisch. Eine gespenstische Hetzjagd. Oder sind diese Panikszenen eine große Fiktion? Kennen wir diese bedrohlichen Sicherheitslücken, spektakulären Rettungsaktionen und exklusiven Berichterstattungen nicht aus den Filmen des Hollywood-Kinos? Sind wir die Helden in einem Katastrophenfilm? Kathrin Röggla spielt diese Katastrophen-Szenen durch und entlarvt ihre Dramaturgie. In acht Prosastücken erzählt sie von der Bedrohung und der Magie einer Welt in Alarmbereitschaft. Schlau und gewitzt führt sie uns die trügerischen und verführerischen Geschichten unserer panischen Gegenwart vor Augen. Pressestimmen: "Kathrin Röggla ist stets auch eine Autorin mit unaufdringlichem, aber entschiedenem sozialkritischen Interesse. Es gibt nicht viele von dieser Qualität in der deutschsprachigen Literatur der Gegenwart." (Die Presse)
Buch:
Meine russischen Nachbarn
Autor:
Wladimir Kaminer, Ausgabe vom 17. Aug. 2009, Gebunden, Verkaufsrang 104274
Aus der Amazon.de-Redaktion Es ist fast schon ein Reflex, wenn man einen neuen Kaminer in die Hand bekommt. Man betrachtet den Titel, liest den Klappentext und kann sich einfach nicht wehren gegen den Gedanken: "Also schon wieder ein Buch mit Kurztexten über Russen in Deutschland. Na ja. Der reitet sein Pferd auch, bis es tot umfällt." Und mit einem leisen Seufzen fängt man an zu lesen. Doch dann ist man nach wenigen Zeilen wieder drin in der ganz eigenen Welt und der ganz eigenen Sprachmelodie des Wladimir Kaminer. Und schämt sich sofort seiner ketzerischen Gedanken. Denn es ist nun einmal Kaminers Lebensthema: Russen, die sich in Deutschland zurechtfinden müssen und deren Lebensart oft so gar nicht zu den deutschen Wohn-, Arbeits- und Seins-Gepflogenheiten passt. Woraus Kaminer immer und immer wieder hochkomische Funken zu schlagen und zugleich die Melancholie der fern der Heimat Lebenden durchschimmern zu lassen weiß. Das ist richtig gut, und das ist richtig lustig. Warum also sollte er über etwas anderes schreiben? Ein Abriss des Inhalts ist hier so müßig wie in allen Kaminer-Büchern, daher nur kurz: Roter Faden sind die Erlebnisse des Erzählers mit zwei jungen Russen, die in seinem Haus eine WG aufmachen. Von Trompetenspiel am frühesten Morgen, vom Selbstversuch des Deutschlernens per Hypnose oder von einer im Wodkarausch falsch herum gestochenen Tätowierung ist da die Rede, und von vielem mehr. Wenn man das hier so hinschreibt, klingt es ein wenig lahm, abgedroschen, auf eine Pointe hin konstruiert. Doch wer schon einmal einen Kaminer gelesen hat, der weiß, dass seine Miniaturen genau das nun eben nicht sind. Sie sprühen vor Esprit und Witz, und auch wenn man beim nächsten Buch vielleicht erneut denken wird: "Ach, es geht wieder um Russen in Deutschland..." ? wenn man ehrlich ist, kann man gar nicht genug davon bekommen. - Christoph Nettersheim
Buch:
Vom Zauber des seitlich dran Vorbeigehens: Prosa und Szenen 2002-2004
Autor:
Max Goldt, Ausgabe vom 1. Aug. 2006, Taschenbuch, Verkaufsrang 136796
Aus der Amazon.de-Redaktion Was würde wohl die Nachwelt über den inzwischen 46-jährigen, begnadeten Titanic-Kolumnisten Max Goldt so Tolles denken, wenn er stürbe? Natürlich kann man das nicht wissen, aber für die Beantwortung von derlei skurrilen Fragen haben wir ja einen, der sie besser als jeder andere beantworten kann: Max Goldt selbst natürlich. In der wundervollen Erzähl- und Dialogsammlung Vom Zauber des seitlich dran Vorübergehens hat er das getan, mit Hilfe des Mundes eines Freundes, in einer Geschichte mit dem anspielungsreichen Titel "Das süße Nichts (Ich weiß noch, über was wir gestern Abend geredet haben)", die von wunderschönen Konjunktiven nur so wimmelt. Wenn Max Goldt stürbe, sagt da der Freund, dann würde als toll im Gedächtnis bleiben, dass er eine "angenehm ungroße Pfeffermühle" besessen hätte "und nicht, wie heutzutage beinahe bei allen, ein Ungetüm im Maßstab einer Grabbeigabe aus phallokratischer Vorzeit." Vermutlich wird die Nachwelt an Max Goldt toll finden, was er nach der Tollfindäußerung des Freundes an Erklärungen für die Daseinsberechtigung hässlicher übergroßer Pfeffermühlen auffährt. Wie er aus der Absage, "eine wunderbar satirische Weihnachtsgeschichte" zu schreiben, eine herrlich ironische Story über Weihnachtsbräuche und die Psychologie satirischer Weihnachtsgeschichten schnitzt. Und wie es ihm immer wieder gelingt, den Finger auf all jene scheußlichen Dinge unserer Alltagswelt zu legen, an denen man "in friedlichem Desinteresse" und "dank der guten baupolizeilichen Bestimmung in Deutschland" auch einfach seitlich vorübergehen könnte. Würde der Nachwelt nach Goldts Dahinscheiden nur Vom Zauber des seitlich dran Vorübergehens überliefert werden, so stünde es der Nachwelt gut an zu behaupten, Goldt sei niemals ein begnadeter Kolumnist gewesen. Denn mit diesem Buch hat er sich endlich von diesem einengenden Attribut emanzipiert. Er sollte den Nachgeborenen als begnadeter Humorist und Wortzauberer in Erinnerung bleiben. Dass er das und nichts anderes ist, hat er mit Vom Zauber des seitlich dran Vorübergehens eindrücklich bewiesen. -Thomas Köster