Buch, Hörbücher

Belletristik, Unterhaltung
Romane und Erzählungen

Junge Literatur (deutschspr.)

(Seite 8)
Ani, Friedrich
Berg, Sibylle
Beuse, Stefan
Beyer, Marcel
Biller, Maxim
Borowiak, Simone
Brussig, Thomas
Buschheuer, Else
Duve, Karen
Düffel, John von
Franck, Julia
Goetz, Rainald
Goldt, Max
Hennig von Lange, Alexa
Hettche, Thomas
Jenny, Zoe
Jirgl, Reinhard
Kaminer, Wladimir
Kehlmann, Daniel
Knapp, Radek
Kracht, Christian
Krausser, Helmut
Lager, Sven
Lehr, Thomas
Lewitscharoff, Sibylle
Meinecke, Thomas
Moers, Walter
Naters, Elke
Niemann, Norbert
Oswald, Georg M.
Peters, Christoph
Politycki, Matthias
Röggla, Kathrin
Schrott, Raoul
Schulze, Ingo
Seidel, Markus
Stamm, Peter
Stuckrad-Barre, Benjamin von
Trojanow, Ilija
Zaimoglu, Feridun






Der gelbe Bleistift: Reisegeschichten aus Asien - Christian Kracht
Buch:Der gelbe Bleistift: Reisegeschichten aus Asien
Autor:Christian Kracht, Ausgabe vom 1. April 2002, Taschenbuch, Verkaufsrang 257442
Reisegeschichten aus Asien. Vorw. v. Joachim Blessing
Erscheinungsjahr: 2002
Hobby/Freizeit
Gewicht: 163 gr / Abmessungen: 191 mm x 120 mm x 12 mm
Von Kracht, Christian
Phnom Penh, Peshawar, Vientiane, Tokio, Rangun
Christian Kracht erzählt Geschichten aus dem neuen Asien.
Die deutsche Welt am Sonntag. Erst schläft noch alles, dann wird Klassik aufgelegt und es gibt Brötchen mit Ei. Dazu Zeitung: die Welt am Sonntag. Was steht da? Christian Kracht aus Tokio. Die Rubrik im Reise-Teil der Zeitung heißt "Der gelbe Bleistift". Über den Autoren muss man wissen: Kracht lebt seit einigen Jahren in Bangkok und hat vor zwei Jahren mit Eckhart Nickel Ferien für immer geschrieben, das ihn als Traveller der feinen Unterschiede ausgewiesen hat. Nun also erscheint ein Solo-Buch mit Reiseberichten.
20 Stücke sind es ingesamt, gesammelte Erlebnisse aus den Jahren 1992-99. Es sind sehr viel weniger Reiseberichte als atmosphärische Schilderungen, viel weniger Berichte über das Fremde im Ausland als über das Erstaunen, das Vertraute im Ausland anzutreffen: Marken, Menschen, Mentalitäten. Hier geht es um das, was westliche Ausländer in Asien suchen: Business, Drogen, Mädchen, Natur und Exotik. Kracht ist einer, der das Gebot des Subjektiven als Reporter gerne und großzügig befolgt. Ein Moralist ist er, aber die mahnende Pose bleibt immer hinter der Kunstfertigkeit zurück. Und das ist gut so. Dafür, muss man annehmen, liebt er die Freiheit zu sehr, auch die Freiheit, keinen Standpunkt einnehmen zu müssen. Wenn er den "Anarchie-Supermarkt" Goa auseinander nimmt, dann ist das keine Schelte der Sehnsucht nach Anarchie, sondern des Ausverkaufs dieser Sehnsucht. Kracht, der gescheitelte Anarchist: Wenn es mir hier nicht gefällt, dann haue ich wieder ab. Wenn meine Geschichte gerade spannend wird, dann breche ich sie hier einfach ab. Eine extrem elitäre Position, die Kracht in diesem feinen, leisen, bisweilen vergnüglich skurrilen Buch einnimmt - aber auch eine extrem zeitgemäße. -Nikolaus Stemmer

Ich mache mir Sorgen, Mama - Wladimir Kaminer
Buch:Ich mache mir Sorgen, Mama
Autor:Wladimir Kaminer, Ausgabe vom 20. März 2006, Taschenbuch, Verkaufsrang 72009
Preis: 8,95 EUR (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.)
Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
Für Mein deutsches Dschungelbuch ist Wladimir Kaminer kreuz und quer durchs Land gereist. Jetzt ist er wieder in Berlin und berichtet von kuriosen Alltäglichkeiten links und rechts der Schönhauser Allee und dem Dasein als Familienvater.
Da gibt es für "Das sexuelle Leben der Marfa K.", einer Siamkatze, ebenso Raum wie für Sohn "Sebastian und die Ausländerbehörde" oder den liebenswert zynischen Vater, "der, obwohl schon seit über zehn Jahren in Deutschland, immer noch nicht gelernt hat, ohne Grund zu saufen". Und nicht nur, wenn Besuch aus Russland kommt, bietet sich ein Vergleich zwischen Ost-Berliner und osteuropäischen Gepflogenheiten an, zum Beispiel was die "Service-Mentalität" oder Gesundheitsfragen betrifft: Russen wollen beim Arzt "kein 'Kardiogrammchen' und keinen 'Kommen-Sie-morgen-wieder'-Unsinn hören, sondern fordern ihre ultimative Heilung - sofort."
Inzwischen unter dem Namen Kamjenier offiziell eingebürgert ("Deutscher Pass" - fast schon eine Reportage), spielt der Russen-Deutsche natürlich weiterhin mit dieser doppelten Perspektive und mit der deutschen Sprache, für ihn "eine Art Lego-Baukasten, in dem alle Teile zueinander passen". Klein und bunt wie Lego-Gebilde sind auch die Geschichten, die oft eher Glossen sind und den roten Faden ebenso zuverlässig verlieren wie Kaminers Balkonblumen den Kampf gegen "Die Raubpflanze". Längst nicht alles passt zueinander, trotzdem bereichert Ich mach mir Sorgen, Mama Kaminers Kiez-Kosmos um einige neue funkelnde Mosaiksteine.
Die literarischen Fünf-Minuten-Terrinen sind ideale U-Bahn-Lektüre, am besten in der Hörbuchversion. Achten Sie aber bitte in jedem Fall auf Ihre Umgebung: Kaminer-Figuren gibt es auch in Kiel, Dortmund oder Mannheim. Mit etwas Glück trifft man sogar ein Pendant zu seiner persönlichen "Miss Prenzlauer Berg". -Patrick Fischer
Wladimir Kaminer selbst trägt seine Alltagsgeschichten vor - und das ist ohne Zweifel ein echter Gewinn! Mit seinem russischen Akzent werden die Beobachtungen aus Berlin oder, in der Erinnerung, aus Moskau glaubwürdig und sehr lebendig. Egal, ob er von seinen Erfahrungen mit den U-Bahn-Kontrolleuren, die ihm als Versuchskarnickel beim Erlernen der deutschen Sprache dienten, oder vom "Geologenlied", das die Oma während ihres dreimonatigen Aufenthalts in Berlin den Kindern Sebastian und Nicole vorsingt, erzählt, all die amüsanten und leichtfüßigen Short Stories kommen durch seine Stimme richtig gut rüber. Kaminers ungefilterter Blick z. B. auf die Wundergläubigkeit der Russen - regelmäßig bekommen er und seine Familie aus dem Osten Mittel, die alles können, geschickt, oder auf die Bildungssituation in Deutschland, die ihn dazu bringt eine Vorschule für seine Kinder einzurichten, gepaart mit seiner lakonischen, manchmal naiv klingenden Erzähltechnik machen diese Geschichtensammlung zu einem witzig-amüsanten Hörbuch.
Seit der Russendisko zählt der 1967 in Moskau geborene Wladimir Kaminer zur jungen deutschen Literaturszene. Als er Anfang der 90er Jahre nach Berlin kam, konnte er das Leben, wie es sich um den Alexanderplatz und den Prenzlauer Berg abspielte, life beobachten. Er fing an zu schreiben. Mit den Büchern Militärmusik, Reise nach Trulala oder auch mit
Mein deutsches Dschungelbuch stieg der Schriftsteller mehr und mehr in der Gunst des Publikums. Neben dem Schreiben hat Kaminer eine wöchentliche Sendung beim SFB4 Radio Multikulti und eine Rubrik im ZDF-Morgenmagazin; nicht zu vergessen seine mittlerweile legendären Russendisko-Veranstaltungen.
Lesung ausgewählter Geschichten, Spieldauer: ca. 120 Minuten, 2 MC. Auch erhältlich als CD. -culture.text

Beerholms Vorstellung - Daniel Kehlmann
Buch:Beerholms Vorstellung
Autor:Daniel Kehlmann, Ausgabe vom 2. Juli 2007, Taschenbuch, Verkaufsrang 108933
Preis: 8,99 EUR (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.)
Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
Aus der Amazon.de-Redaktion
Bernholms Vorstellung ist der Debütroman des 22-jährigen österreichischen Autors Daniel Kehlmann. Kehlmann lebt in Wien und arbeitet als freier Mitarbeiter der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Der Roman erzählt die Lebensgeschichte des Magiers Arthur Beerholm. Gleichzeitig ist es das Buch eines Suchenden, eines Suchenden auf der Suche nach einer Art höherer, magischer Existenz.
Beerholms Kindheit und Jugend ist dadurch gekennzeichnet, dass er moderat unglücklich wurde. Mit zehn Jahren kam er in ein Schweizer Internat, mit 23 empfing er die niederen Priesterweihen. Diese Faszination für Theologie entstand aus einem noch undeutlichen Lebenziel heraus, "Ich wollte mir über eine Möglichkeit, die in der Ferne Gestalt annahm, klar werden, über eine irritierende mathematische Konstellation, über zwei Parallelen, die sich in einer nebligen Unendlichkeit berühren wollen.", so reflektiert Beerholm über die ersten Zauberkunststücke seiner Jugendzeit.
Vom Priesterkandidaten wechselt er zum Zauberer, macht kleine Kunststücke und arbeitet als Betrüger beim Pokerspiel. Sein Traum verwirklicht sich aber, als er sich als Schüler dem großen Magier Jan von Roden aufdrängt. Arthur Beerholm bringt es mit von Rodens Hilfe zum besten Täuschungskünstler der Welt. Auf dem Höhepunkt seines Schaffens gelingt es ihm sogar, der Materie seinen Willen aufzuzwingen. Er kann Schaufensterscheiben zersplittern lassen und setzt in einem Park einen Busch in Brand. Ihn selbst lassen seine Erfolge allerdings ziemlich kalt, denn das Ziel seines Lebens, jene zwei Gegensätze, Realität und Fiktion haben sich für ihn ununterscheidbar vermischt.
Fasziniert beobachtet er, wie er als Magier so perfekt wird, dass Dinge und Welt ihm zu gehorchen scheinen und seine Zauberkunststücke wie von selbst gelingen. Am Ende kündigt er an, aus dem Fenster zu springen und seinem Leben ein Ende zu bereiten.
Beerholms Vorstellung ist ein solide erzählter Roman ohne große Aussetzer. Beerholm ist ein bemühter Selbstdarsteller, ruhig und abgeklärt erzählt er sein Leben. Sein Erzählstil ist erklärend, reflexiv, allerdings ohne geschwätzig zu sein oder Überflüssiges zu erzählen. Die faszinierende Kälte von Beerholms Empfinden fängt Kehrmann mit Hilfe eines äußerst lakonischen und zurückhaltenden Stils ein. Allerdings ist das Buch nicht ohne Längen, die vor allem auf den ersten 100 Seiten des Buches zu suchen sind.
Der Roman ist ein beachtlicher Erstling ohne große Schwächen, gut zu lesen, allerdings auch ohne große Stärken und spektakuläre Schilderungen; ein interessantes Stück reflexiver Prosa. -Christoph Steven

Adam und Evelyn: Roman - Ingo Schulze
Buch:Adam und Evelyn: Roman
Autor:Ingo Schulze, Ausgabe vom 1. Mai 2010, Taschenbuch, Verkaufsrang 146249
Preis: 9,90 EUR (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.)
Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Irre: Roman (suhrkamp taschenbuch) - Rainald Goetz
Buch:Irre: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Autor:Rainald Goetz, Ausgabe vom 26. April 1986, Taschenbuch, Verkaufsrang 83283
Preis: 10,00 EUR (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.)
Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

1979: Roman - Christian Kracht
Buch:1979: Roman
Autor:Christian Kracht, Ausgabe vom 1. Mai 2003, Taschenbuch, Verkaufsrang 302624
Christian Kracht reagiert angeblich allergisch auf das Wort "Pop". Komisch, denn immerhin hat er mit seinem Deutschlandreise-Roman Faserland vor sechs Jahren einen regelrechten Boom junger deutscher Popliteratur losgetreten. Inzwischen ist die Welle abgeflaut - und es sieht so aus, als wolle nun niemand dabei gewesen sein. Sein Co-Modell Stuckrad-Barre macht ernste Literatur und der nach Bangkok exilierte Kracht schrieb eine ganze Weile nur Reiseglossen für die Welt am Sonntag.
Jetzt erscheint 1979, gewissermaßen das Come-back des Popliteraten wider Willen, ein erstaunliches Buch. Erstaunlich erst einmal, weil sich im Ton und in der Haltung auf den ersten Blick wenig geändert hat. Wieder geht ein obsessiv mit sich und seinen Kleidungsstücken beschäftigter "Ich-Ich-Ich-Erzähler" auf Reisen, nur diesmal eben nicht von Sylt an den Bodensee, sondern erst durchs revolutionsgeschüttelte Teheran und dann via Tibet nach China.
In Teheran dröhnt der Lärm von Panzern durch die Straßen, der Staatsstreich steht kurz bevor, doch der Erzähler interessiert sich vor allem für Innenarchitektur, insbesondere für "mit gestreifter brombeerfarbener Seide bezogene Empire-Chaiselongues". Krachts Blick auf die Welt ist der eines Dandys, der sich schnell einmal übergibt, wenn jemand im Park von "vier schwarzgekleideten bärtigen Männern" verprügelt wird und der sich sogar vor seiner eigenen Spucke ekelt. Für den deutschen Alltag zwischen Cocktailparty und Aldi-Kassenschlange war diese Wahrnehmung sehr produktiv, vor dem Hintergrund einer islamischen Revolution wirkt sie nur grotesk.
Natürlich wird es auf die Dauer langweilig, Kracht immerzu Nabelschau vorzuwerfen, und insofern ist es gut, dass der neue Roman auch eine existenziell-spirituelle Dimension bereit hält. Erst stirbt ein geliebter Freund, dann erhält die Hauptfigur von irgendwelchen Revolutionären den Auftrag, in China auf einen heiligen Berg zu steigen, um sich oder die Welt (so klar wird das nicht) zu heilen. Schließlich landet er in einem kommunistischen Straflager, wo ihn aber auch wieder hauptsächlich das Essen stört, das "heftige Blähungen" auslöst. Beim Lesen fragt man sich: Ist das Polit-Satire? Oder Literatur-Parodie? Wie gesagt: ein erstaunliches Buch, das einen ratlos zurücklässt. -Oliver Fuchs
Mitglied des popliterarischen Quintetts gewesen zu sein, ist wie Mitglied einer terroristischen Vereinigung oder einer Boyband gewesen zu sein: Es wird einem nicht so schnell verziehen. Wie seine vier Freunde bezahlt auch Christian Kracht noch heute dafür, 1999 das tatsächlich etwas unangenehme Diskursbuch Tristesse Royale ko-vollgequatscht zu haben. Er muss nun mit all den üblichen Vorwürfen leben: mit dem Pop-Vorwurf, dem Schnösel-Vorwurf, womöglich sogar Spaßgesellschaft, und überhaupt.
Vielleicht ist es da Berechnung (wahrscheinlich aber nicht), dass Kracht seinen zweiten Roman 1979 nicht im deutschen Gegenwartsalltag ansiedelt, sondern zunächst im krisengebeutelten Teheran des titelstiftenden Jahres, später in den Bergen Tibets, schließlich sogar im chinesischen Arbeitslager. Geschildert wird die Odyssee eines Ich-Erzählers, dem erst der Freund wegstirbt und der daraufhin einem alten Brauch folgend einen heiligen Berg umwandern will, um sich von seinen Sünden reinzuwaschen und überhaupt einmal ein Ziel vor Augen zu haben. Das Reinwaschen der Sünden klappt nicht, stattdessen erfolgt nach der Bergumwanderung die Verhaftung durch chinesische Soldaten. Im Arbeitslager fügt sich der Erzähler bald gar nicht mal unglücklich in sein Schicksal, vermutlich weil die Regeln und Strukturen im Lager konstant und eindeutig sind, anders als in der komplizierten Außenwelt.
Die Hauptfigur braucht nicht lang bis sie dem Leser zum ersten Mal erzählt, wessen Musik sie hört und von welcher Marke Schuhwerk und Einstecktuch sind. "Aha!", mögen da die Besserwisser und Rechthaber brüllen, und: "Popliteratur!" Aber wer brüllt lügt und übersieht, dass die Beschreibung des Banalen hier nur einen Bruchteil der Erzählung einnimmt, und zwar einen notwendigen. Musikgeschmack und Garderobe sind Ausdruck des Charakters, also ist es völlig legitim, eine Figur zumindest teilweise darüber zu definieren. Das ist nicht oberflächlich, sondern effizient. Es erlaubt dem Autor, auf anderen, wichtigeren Gebieten schneller zur Sache zu kommen. Und Christian Kracht beackert hier eine Menge anderer Gebiete auf nur drei CDs. Seine Schilderung der komplizierten Beziehung zwischen der Hauptfigur und ihrem schwer kranken Freund ist bewegend und nachvollziehbar, die Milieubeschreibungen vom billigen Hotelzimmer in Teheran bis zur Bergwelt Tibets ist immerhin gut ausgedacht, die Suche der Hauptfigur nach Erleuchtung oder Ähnlichem wirkt nicht aufgesetzt und ist erfreulich plattitüdenfrei.
Im Hintergrund dieser Hörbuchaufnahme knackt es, als höre man eine ohne Sorgfalt gereinigte Vinylplatte. Die Intention dieses Gimmicks wird nicht ganz klar. Weil es 1979 noch keine CDs gab? Oder ist es nur eine Schnöselmarotte? Im Grunde ist es egal, denn es stört ebenso wenig wie es hilft. Es ist einfach da, so selbstverständlich, wie die Stimme Christian Krachts einfach da ist. Mit großer und angemessener Ernsthaftigkeit trägt er seine Groteske vor, nimmt sich viel Zeit, klingt dabei weitaus erwachsener, als sein jungenhaftes Pressefoto erahnen lässt. Vermutlich im Studio nachgeholfen. Aber was soll's, es ist angenehm, dieser Stimme zuzuhören. Vielleicht angenehmer, als die spröde, aber nicht uninteressante Geschichte selbst lesen zu müssen. -Andreas Neuenkirchen

Leyla - Feridun Zaimoglu
Buch:Leyla
Autor:Feridun Zaimoglu, Ausgabe vom 1. Januar 2008, Taschenbuch, Verkaufsrang 22929
Preis: 9,95 EUR (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.)
Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
Roman
Erscheinungsjahr: 2008
Gewicht: 375 gr / Abmessung: 19 cm
Von Zaimoglu, Feridun
Feridun Zaimoglu wendet den Blick zurück auf das Land, aus dem er mit seinen Eltern kam. Ein Land, in dem ein strenger Glaube den Alltag durchdringt, die Familien dem Vater unterstehen, den Frauen ein bescheidener Platz zugewiesen ist und in dem all das ins Wanken gerät.
Er lässt die heranwachsende Leyla ihren Alltag erzählen. Leylas Vater hat keinen Erfolg und schlägt sich mit immer windigeren Geschäften durch. Die Brüder gehen ihrer Wege, die Schwestern warten auf den Mann, der für sie ausgesucht wird, und hoffen auf die große Liebe. Leyla erobert sich kleine Freiheiten, die sie wieder verliert, als sie zur Frau wird. Und sie kommt einem dunklen Familiengeheimnis auf die Spur.
Erst der Umzug der Familie nach Istanbul eröffnet neue Möglichkeiten: Leyla lernt einen Mann kennen und verliebt sich, doch die beiden haben keine Zukunft in der Türkei.
Mit epischer Kraft und einer sinnenfrohen, farbenprächtigen und archaischen Sprache erzählt Feridun Zaimoglu vom Erwachsenwerden eines Mädchens, dem Zerfall einer Familie und von einer fremden Welt, aus der sich viele als Gastarbeiter nach Deutschland aufmachten.
Pressestimmen:
"... sein Staunen über Sinnlichkeit und Gewalt der Wörter, der leichte Akzent, die sanfte Stimme, der kurze Atem geben Leyla , dem viel gelobten neuen Roman über die Kindheit seiner Mutter in einer anatolischen Kleinstadt, eine Dringlichkeit, der man sich schwer entziehen kann." (Tages-Anzeiger)
Besser ist es, erst den Pfirsich und dann die Melone zu essen. Das weiß Leylas Mutter. Denn die Melone ist süßer, das ist der nicht weiter hinterfragbare Grund. Wie nach einem festgefügten Ritual zerschneidet sie die Melone, und bestimmt von Ritualen, göttlichen Regeln, ist alles im Leben des jungen Mädchens, das Feridun Zaimoglus Roman seinen Namen gab. Wenn man vor den Spiegel tritt, misst sich Schönheit daran, ob der Mund an jener Stelle sitzt, wofür Gott ihn bestimmt hat. So wächst Leyla auf, in einer anatolischen Kleinstadt, unter einem Vater, der seinen Job verliert, unter Brüdern, die gegen den Erzeuger rebellieren, unter Schwestern, die darauf warten, verheiratet zu werden. Aber Leyla will mehr, erobert sich Freiheiten, die sie aber wieder zu verlieren droht. Bis der Umzug der Familie nach Istanbul die große Liebe bringt, alles zu verändern scheint - und doch alles nur noch komplizierter macht ...
Der 41-jährige Autor Feridun Zaimoglu (Kanak Sprak, Zwölf Gramm Glück, Abschaum )lebt seit 35 Jahren in Deutschland, wo er Kunst und Humanmedizin studierte. Geboren wurde er im anatolischen Bolu, und da wären auch schon die drei Grundpfeiler beisammen, die sein Schreiben bestimmen: Der präzise, sezierende Blick auf seine Figuren und ihren ärmlichen Alltag ist der des Mediziners, die raffinierte Handlung und eine literarisch anspruchsvolle Sprache verraten Zaimoglus Hang zu kunstvoller Ästhetik. Die Geschichte von Leyla führt zurück ins Land seiner Kindheit, in dem der Glauben stark und der Vater noch stärker ist, in dem Frauen einen fest gefügten (und nicht von ihnen bestimmten) Platz im Leben zugewiesen bekommen - und in dem die Dämme der alten Welt, von den Männern beargwöhnt oder mit ungläubigem Schrecken beobachtet, durch die hereinflutende neue Zeit langsam zu zerbrechen drohen. Stark, genau und auf anrührende Art exotisch. -Stefan Kellerer

Idylle der Hyänen: Roman - Friedrich Ani
Buch:Idylle der Hyänen: Roman
Autor:Friedrich Ani, Ausgabe vom 1. Okt. 2007, Taschenbuch, Verkaufsrang 110757
Preis: 8,95 EUR (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.)
Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
Roman. Ausgezeichnet mit dem Tukan-Preis 2006
Erscheinungsjahr: 2007
Gewicht: 258 gr / Abmessungen: 191 mm x 120 mm x 20 mm
Von Ani, Friedrich
Vernehmung unterm Kruzifix - Anis neue Romanreihe mit einem ungewöhnlichen Kommissar: Polonius Fischer, ehemaliger Mönch.
Vernehmung unterm Kruzifix - Anis neue Romanreihe mit einem ungewöhnlichen Kommissar: Polonius Fischer, ehemaliger Mönch.Wegen eines Unwetters haben sich zwei Jungen zum Fußballspielen in die Tiefgarage eines Hochhauses geflüchtet. Dort machen sie eine grauenvolle Entdeckung: In einem Kellerabteil finden sie eine tote Frau in einem grünen Sommerkleid. Auf den ersten Blick scheint es ein Mordfall zu sein wie jeder andere. Aber den behutsam vorgehenden Ermittlern fehlt lange jede Spur vom Täter, denn in der unpersönlichen Atmosphäre des Wohnsilos hat niemand etwas bemerkt. Der Zufall und die Farbe grün führen endlich zu einer heißen Spur. Doch dann geschieht ein weiteres Verbrechen ...
In der Tiefgarage eines Wohnkomplexes wird eine strangulierte Frau gefunden. Hauptkommissar Polonius Fischer, zuständig für vorsätzliche Tötungs- und Todesfolgendelikte, stellt sich den üblichen Problemen, allerdings auf seine Weise. Idylle der Hyänen des Krimipreisträgers Friedrich Ani erzählt von menschlichen Tragödien und präsentiert den Lesern zugleich die spannendste Ermittlerfigur der letzten Jahre.
Polonius Fischer ist anders. Nicht nur, dass er seinen Mitarbeitern während des gemeinsam eingenommenen Mittagessens vorliest. Auch seine Ermittlungsarbeit gestaltet sich eher ungewöhnlich. Weder interessiert in die Interpretation eines Tatorts sonderlich, noch beschäftigt er sich mit der Entwicklung von Täterprofilen. Die beteiligten Menschen interessieren ihn, der direkte Zugang zu ihnen, die Konfrontation im unmittelbaren Gespräch. So löst er seine Fälle, häufig zur nicht geringen Verblüffung von Kollegen und Vorgesetzten. Fischer war bereits einmal Polizist, bevor er den Dienst quittierte, in ein Kloster eintrat und Mönch wurde. Einige Jahre ging das gut. Dann verlor er Gott, vielmehr ging ihm die Kommunikation mit Gott verloren. Fischer entschloss sich, den Orden zu verlassen und ging zur Kriminalpolizei. Die Menschen sind für ihn der Schlüssel zur Aufklärung von Verbrechen, der Blick in ihr Innerstes, das Erkunden von Beweggründen, und weniger die lückenlose Indizienkette. "Ich richte schon. Aber ich urteile nicht." sagt Fischer. Das Urteil fällen andere, und Fischer weiß, wie er sich als Polizist verhalten muss. Auch im Falle der toten Frau in der Tiefgarage stößt Fischer auf menschliche Tragödien, auf Vereinsamung und grenzenlose Verzweiflung. Und doch darf er keine Anteilnahme zeigen - der Staatsanwalt erwartet eine eindeutige und geschlossene Akte von ihm. Er wird sie ihm liefern, obwohl er weiß, dass seine ganze Arbeit nichts als eine "Annäherung an den Radius der Wahrheit" ist und sein wird.
"Kriminalromane handeln von Menschen in Not", sagt Friedrich Ani. Seine Krimis tragen diesem Bekenntnis eindeutig Rechnung. Wie in den Tabor-Süden-Romanen steht auch hier nicht aktionsgeladene Spannung im Vordergrund, sondern die intensive Auseinandersetzung mit Menschen und ihren Notlagen. Freuen wir uns, dass Ani mit einem großartigen Roman wieder zurück ist im Krimigenre. Er, der eigentlich keine Kriminalromane mehr schreiben wollte. Und dessen ganz besondere Krimis wir doch so gerne lesen. -Ulrich Deurer

Für Nächte am offenen Fenster: Die prachtvollsten Texte 1988-2002 - Max Goldt
Buch:Für Nächte am offenen Fenster: Die prachtvollsten Texte 1988-2002
Autor:Max Goldt, Ausgabe vom 19. Sept. 2003, Gebunden, Verkaufsrang 106739
Preis: 19,90 EUR (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.)
Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
Als der ebenso renommierte wie wohlfeile Haffmans Verlag zu Grunde ging, da weinte mancher Kollege bittere Krokodilstränen und mancher Leser ehrlich. Gibt es denn nichts Gutes, was aus dem Desaster zu ziehen wäre?, fragte sich mancher damals. Doch, gibt es, kann man sagen. Denn die Kolumnen-Legende Max Goldt wechselte zu Rowohlt über. Und weil sie nicht immer unbedingt Neues zu bieten hatte, gibt es nun eben ein Best Of in neuer Verlagsumgebung.
Was soll man sagen: Die prachtvollsten Texte von 1988-2002 (so der Untertitel) sind wirklich das Wundervollste, was Lesern passieren kann, die Goldts Bücher wie Die Radiotrinkerin, Die Kugeln in unseren Köpfen, Quitten für die Menschen zwischen Emden und Zittau, Schließ einfach die Augen und stell dir vor, ich wäre Heinz Klunker oder Ä noch nicht im Bücherschrank haben. In Für Nächte am offenen Fenster geht Goldt unter anderem der Frage nach, ob Claudia Schiffers Schwester schwitzte, was es mit Herrn Eibuhms Badezimmerradio im Besonderen (oder Brillenputztüchern im Allgemeinen) so auf sich hat und warum auch Tote seine Füße filmen dürfen. Dabei werden in bester Goldt-Manier Bezüge geschaffen, die man so nicht hätte erwarten können (siehe das Kapitel "Zimt auf Samt").
Für Nächte am offenen Fenster jedenfalls ist unbedingt etwas für Abende am offenen Kamin. Oder für die gepflegte Lektüre auf geschlossenen Toiletten, sofern man denn eine von Max Goldt so sehr geliebte "Kloumpuschelung" sein eigen nennt. Treffsicher und "goldtrichtig" eben. -Stefan Kellerer
Sein Markenzeichen? Bahnbrechende Wortkreationen und ein kritischer, manchmal penetrant sezierender Blick auf unseren Alltag. Es ist wie immer: Man mag ihn, oder man mag ihn eben nicht. Dazwischen gibt?s nichts. Max Gold wurde 1958 in Göttingen geboren und lebt in Berlin. Seine "Titanic"-Kolumnen, die er bis Ende der 90er Jahre für das Satire-Magazin schrieb, sind Legende. Goldt betätigt sich auch als Musiker, Verfasser von Hörspielen und zusammen mit Stephan Katz als Comic-Produzent. Für seine Arbeit wurden ihm 1997 der Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor und 1999 der Richard-Schönfeld-Preis für literarische Satire verliehen.
Auf diesen zwei CDs finden sich die besten, vom Autor selbst ausgesuchte, teilweise unveröffentlichte Texte aus den Jahren 1988 bis 2002. Luxusprosa aus den neunziger Jahren, vom Meister selbst vorgetragen.
Bei dem Publikumsliebling "Üble Beläge", der in der gedruckten Version der Sammlung nicht vertreten ist, könnte einem wahrlich die Lust auf Weizenbier (=Weißbier) vergehen. Goldts Erläuterungen der Zustände in Brauereikellern sind in der Tat mikroskopisch. Doch irgendwann weiß man, dass es nur so schön ist, immer Beläge zu sagen. Der Text ist ein Beweisstück mehr für die Meisterschaft des Autors, Abschweifungen zum Thema derart plastisch zu entwickeln, dass einem wie im vorliegenden Fall Ekel befällt.
In dem Text "Die Leutchen und die Mädchen" räsoniert Goldt über Blasenmittel, die fortschreitende Beschriftung der Bevölkerung und Eleganz, entwickelt Shirt-Aufschriften wie "Wein ist was man trinkt, wenn das Bier alle ist!" und endet in einer Beschimpfung von kreischenden Mädchen. "Mädchen sind der Beginn jeder neuen Ordnung und haben sehr viel mit dem Tod zu tun." Er schiebt die Frage hinterher: "Ist das auch süß?"
Banalitäten und Peinlichkeiten, die aus der Anredeform entstehen, finden sich in "In der Duz- Falle". Dass das immer noch gängige Duzen unter Kommilitonen nicht mehr als ein "Rudiment alter APO-Schlottrigkeit" ist, darauf kann man selbst kommen. Dass es in manchen Kneipen Usus ist, die Gäste erst kurz vor ihrem Tod zu siezen, muss man selbst erleben. Und dass es erniedrigend ist, sein Feinde zu siezen, und das "du" jedes Einklagen unglaublich erschwert, weiß jedes Kind. Alles in allem ist es ein Kräfte zehrender Akt, ein unwillkommenes "du" abzuweisen. Deshalb sollte man es wie der Autor halten, der "in der Frage, ob man ihn duzt oder siezt, nicht zu Leidenschaftsausbrüchen neigt."
Keine Frage: Die Texte dieser Sammlung sind ein Muss für Max Goldts Gemeinde. Für Menschen, die dazugehören wollen, sind sie als Einstieg ideal. Der Autor selbst artikuliert, was sein ungefilterter Blick auf die alltägliche Wirklichkeit sieht. In seiner leicht ironisch, teilweise "oberlehrerhaft" klingenden Stimme findet das satirische Infragestellen von vermeintlichen Selbstverständlichkeiten den passenden Rahmen.
Autorenlesung, Spieldauer: ca. 152 Minuten, 2 CD.
- culture.text

Wie war dein Tag, Schatz?: Berichte aus dem Bürokampf - Georg M. Oswald
Buch:Wie war dein Tag, Schatz?: Berichte aus dem Bürokampf
Autor:Georg M. Oswald, Ausgabe vom April 2010, Taschenbuch, Verkaufsrang 56523
Preis: 8,95 EUR (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.)
Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

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