Aus der Amazon.de-Redaktion Der Meister "des meinungsbetonten 100-Zeilers" (taz) ist zurück. Wie schon in Remix betreibt er "Alltagsarchäologie und Gegenwartsstenografie" (Klappentext), sprich: Er schaut den Leuten aufs Maul und kratzt an den Oberflächen der schönen neuen Medienwelt. Er begleitet einen Tag lang Paola und Kurt Felix, "die Fleisch gewordene James-Last-Platte in der Endlosschleife", aber das ist gar nicht mal böse gemeint. Er macht sich Gedanken über Solarien und "Wohnen, Möbel, Leben", versucht in Tübingen eine Karte fürs Madonna-Konzert zu ergattern ("kei Schoongs") und trifft die Ministerin a.D. Andrea Fischer im Abgeordneten-Restaurant: Am Nebentisch sitzt Helmut Kohl "wie zwei Öltanks... und guckt, als habe man von seinem Tellerchen gegessen". Es geht also wieder mal, immer noch, um Deutsches Theater. Darum, wie wir alle uns in Szene setzen, die einen auf der großen Bühne, die anderen auf Nebenschauplätzen. Das ist nicht immer zum Lachen, etwa bei einer Realsatire wie der MDR-Kuppelshow Je t'aime. Auch die Materialsammlungen mit Klosprüchen und Gästebucheinträgen sind Geschmackssache. Einige der besten Texte kommen ohne die üblichen Promi-Verdächtigen aus und entfalten nicht polemisches, sondern poetisches Potential. "Im Copy-Shop" blockiert einer stundenlang "den besten Farbkopierer am Platze" - warum? Auf einem Rockfestival fragt sich der "Rockliterat", ob es "richtiges Lesen im falschen Zelt" gibt, und liefert eine hübsche Sozialstudie dieser Versammlungsform. In meinem Lieblingsstück, "Herbst in Berlin", flaniert er durch den sommermüden Tiergarten, "dabei versucht man je nach Charakter, so viele oder so wenig Bucheckern oder Eicheln wie möglich zu zertreten. Am schönsten knacken die Fruchtbecher der Eicheln..." Einige wird die Materialmasse abschrecken, andere werden sich Schritt für Schritt durchlesen. Und einen Stuckrad-Barre entdecken, der sich weiterentwickelt. Neben anderen Süchten scheint er auch seine zwanghafte Neigung zum Kalauer in den Griff zu bekommen. An seinem 26. Geburtstag beginnt er gar zu dichten: "Am neuen Computer sitzen / Glauben, dass jetzt alles / Besser wird / (anders zumindest) / Und seine Ordnung kriegt". Dann: "Noch kürzer werden / Knapper / Besser". Wohlan! -Patrick Fischer 1
Buch:
Wir fliegen: Erzählungen
Autor:
Peter Stamm, Ausgabe vom 5. Aug. 2009, Broschiert, Verkaufsrang 20677
Product Description Erzählungen Erscheinungsjahr: 2009 Gewicht: 197 gr / Abmessungen: 190 mm x 125 mm Von Stamm, Peter Heidi zeichnet das junge Mädchen, das sie nie gewesen ist. Vor Jahren wollte sie Künstlerin werden, in Wien studieren an der Akademie, aber die Reise ging nur bis Innsbruck. Jetzt hat sie Mann und Kind, die sie nie gewollt hat. Erst durch Carmen, die hübsche Lehrtochter aus der Bäckerei, fängt sie wieder an zu träumen. Bruno arbeitet seit dreißig gleichmäßigen Jahren als Portier in einem Hotel. Er war beim Arzt, ein schlimmes Ergebnis könnte ihn erwarten. Noch weiß er nichts endgültiges, es ist seine letzte Nacht vor dem Resultat. Aber es wird nichts sein, bestimmt nicht. Für einen Moment ist er ganz glücklich. Es sind diese Momente, in denen sich etwas verändert im Leben, in denen etwas geschieht, man merkt es kaum. Momente, die der Zeit enthoben scheinen. Eine neue Welt tut sich auf, man erkennt die Sackgasse, in die man vor langer Zeit geraten ist. Und plötzlich herrscht ein anderes Licht. In seinen neuen, wunderbaren Geschichten zeigt sich Peter Stamm als Meister im Erzählen unerwarteter Wendepunkte, des flüchtigen Glücks, mit dem man nicht mehr gerechnet hat. Denn kann man wünschen, was man nicht einmal sich selbst gegenüber zugibt? Und widerspricht der Wunsch, auserwählt zu sein, dem Wunsch nach Liebe? Pressestimmen: "Man sollte ihn lesen. Noch heute." (Felicitas von Lovenberg, Frankfurter Allgemeine Zeitung) "Auffällig gut gelingen ihm die kurzen Formen, einfühlsame Beschreibungen innerer Zustände, überschaubare, emotional angespannte Konstellationen." (Helmut Böttinger, Süddeutsche Zeitung)
Buch:
Soloalbum.
Autor:
Benjamin von Stuckrad-Barre, Benjamin von Stuckrad- Barre, Ausgabe vom 1998, Taschenbuch, Verkaufsrang 72437
Buch:
Bauchlandung: Geschichten zum Anfassen
Autor:
Julia Franck, Ausgabe vom 1. Mai 2002, Taschenbuch, Verkaufsrang 224856
Aus der Amazon.de-Redaktion Nach dem Spiel ist vor dem Spiel - Julia Franck inszeniert in ihrem neuesten Buch Bauchlandung abgründige Geschichten um die Liebe. "Ich will einen treffen, den ich lieben kann", denkt die junge Frau im Zugabteil und weiß, der Leberwurststullen verzehrende Mann ihr gegenüber wird es nicht sein. Auf dem Weg zur Hochzeit ihrer Freundin in Italien kann sie das Gefühl nicht loswerden, sich übrig geblieben zu fühlen. Obwohl sie sich nicht sicher ist, ob sie ihre Freundin um die Liebesexzesse vor der Ehe und die Kochexzesse danach wirklich beneiden soll. Alle Figuren in Julia Francks Erzählband Bauchlandung sind Einzelgänger. Wider Erwarten sind sie doch ebenso ständig auf der Suche nach einem Gegenüber. Sie sehnen sich nach verzehrenden Abenteuern, wissen um die Einsamkeit der Lust und kennen bereits im Moment des Glücks den Absturz danach. So auch die junge Frau, die in der Geschichte "Mir nichts, dir nichts" mit ihrer Freundin Emily heimlich den Liebhaber teilt. Als Emily morgens verheult bei ihr eintrifft - sie hatte die ganze Nacht nach Paul gesucht, ohne zu wissen, wo er war, und er war natürlich gerade hier - muss sie trösten, was sie hassen möchte. Noch in der Umarmung gleiten die Arme der Freundin da entlang, wo seine Küsse vor Minuten ihre Haut berührten, wo sein Körper noch zu riechen ist. Ihre Liebe teilt den Takt mit Emilys Leiden. In Julia Francks Geschichten zerrinnt das Glück in der Sekunde, in der der Jäger glaubt, das Opfer erlegt zu haben. Denn die Zeit vom Schuss bis zum Ziel ist lang. Wo ein anderer bereits im Siegestaumel liegt, schaut sie lieber mit lauerndem Blick der Kugel hinterher und verfolgt ihren Lauf. Im Moment des Todes verlischt das Interesse. Bauchlandung ist trotz der reißerischen Aufmachung ein Buch auf den zweiten Blick. Was daherkommt wie eine Sammlung kurzweilig erotischer Geschichten offenbart alsbald einen morbiden Charme, der geradewegs in den Abgrund weist. Hier lauern die wahren Geschichten. Und wenn man glaubt, Julia Franck habe sich dort leichtfüßig ein paar Stunden herumgetrieben, so sollte man erst einmal die nächste Reise abwarten. Die Leberwurststulle kommt bestimmt. Auch wenn wir sie nicht sofort erkennen. -Jana Hensel
Buch:
Fette Welt
Autor:
Helmut Krausser, Ausgabe vom 1. Dez. 1993, Taschenbuch, Verkaufsrang 28065
Erscheinungsjahr: 2004 Gewicht: 155 gr / Abmessung: 18,5 cm Von Kaminer, Wladimir Ob in den entlegensten Winkeln der Welt oder in den Straßen der Metropolen, überall lauert das Unerwartete. Und wer wüsste mitreißender davon zu erzählen als Wladimir Kaminer, der die Leser auf abenteuerliche Reisen nach Sibirien und Dänemark, Moskau und Paris entführt. Und vieles, von dem er berichtet, dürfte selbst Experten völlig neu sein .... Der in der ehemaligen Sowjetunion gepflegte schöne Brauch, verdienten Proletariern einen Ferienaufenthalt in den Kapitalistenhochburgen Paris oder London zu ermöglichen, ließ Onkel Boris' Herz hüpfen. Was unser Held der Arbeit nicht wusste: Um etwaigen Verlockungen im imperialistischen Ausland vorzubeugen, ließ das listige Sowjetregime in der südrussischen Steppe eine Art Potemkin'sches Geister-Paris aufbauen, das in der Herbstsaison mit wenigen Handgriffen in London umgestaltet werden konnte. Auch der merkwürdig vertraute Busfahrer, den Onkel Boris als Kollegen aus dem Arbeitslager identifizierte, trübte den Genuss in der Seine-Metropole nicht. Jahrelang noch sollte die Familie von den Montmarte-Eindrücken des lebenshungrigen Onkels zehren. Mit solchen und ähnlichen Schnurren über das Fernweh und die oftmalige Ernüchterung angesichts des Ziels vermeintlicher Träume, beweist Wladimir Kaminer erneut seinen lakonischen Scharfblick für den ganz alltäglichen Wahnsinn. Bekannt geworden durch den Erzählungsband Russendisko, durchstreift der witzige Exilrusse neuerdings für das ZDF-Morgenmagazin als stoischer Kommentator bundesdeutscher Befindlichkeiten seine Berliner Wahlheimat. Hier (im Ausländerwohnheim Marzahn) endete 1990 für's Erste auch Kaminers Traum von der großen Freiheit. Die titelspendende Reise nach Trulala unternahm ein befreundetes Künstlerpärchen auf seiner Spurensuche nach Joseph Beuys, der, im Krieg auf der Krim abgeschossen und von dortigen Tataren gesund gepflegt, fortan in Fett und Filz machte. Des Autors Warnung vor der Krim als tatarenfreiem Touri-Neppland stieß bei den Beuys-Jüngern auf taube Ohren. Noch heute erinnert sich Kaminer an ihren aufgeregten Anruf aus dem ominösen Krimtatarendorf Trulala. Tataren, so weit das Auge blickt? In Filz gewandet? Beuys' Sohn gar entdeckt? Spätestens hier dämmerte es Kaminer, dass die Krimbewohner ihrem Ruf erneut gerecht geworden waren. Ob wehmütige Post-Perestroiker im Reisefieber, Glücksritter auf Talfahrt, geheimnisvolle "Papstkinder", Wessi-Touristen, die in der Nähe von Stawropol Schweineställe mit Rundbogenfenstern bestaunen (siehe Onkel Boris) - sie alle haben in Wladimir Kaminer ihren liebevollen Chronisten und Reisebegleiter gefunden. -Ravi Unger
Buch:
Das Unerfreuliche zuerst: Herrengeschichten
Autor:
Sibylle Berg, Ausgabe vom Aug. 2001, Taschenbuch, Verkaufsrang 79765
Aus der Amazon.de-Redaktion
Unter Herren Es war tief in den Jahren der Kohl-Ära, die Frauenbewegung stand in schönster Blüte, als der Kohlenpott-Rocker Herbert Grönemeyer sämtliche Urteile, Vorurteile, Klischees und Gemeinplätze über seine Artgenossen zu einer Hymne der virilen Gegenreformation verrührte. "Männer nehmen in den Arm, geben Geborgenheit, / weinen heimlich, brauchen viel Zärtlichkeit, / sind so verletzlich, sind auf dieser Welt einfach unersetzlich." Sibylle Berg, wir ahnten es, kommt in ihren Feldforschungen zwischen Stammtisch, Südseeinsel und Schleiflackschlafzimmer zu einem anderen Ergebnis. Kein geringerer als Gott ist es, der den letztinstanzlichen Befund ausspricht: "Dreckzeug." Und wirklich: Gegen die Mehrzahl der Exemplare, die wir in Bergs 17 "Herrengeschichten" kennen lernen, wirken die Figuren eines Michel Houellebecq nachgerade als fidele, aufgeräumte Zeitgenossen. Ob allein vor heimischer Schrankwand, oder in Honkong, Lanzarote und Bangkok, ob einsam oder mit Lebensabschnittsgefährtin - Erfreuliches, wie es der Buchtitel doch immerhin auch nahe legt, bekommen wir nicht zu sehen. Stattdessen: Viel Schmutz, viel schmutziger Sex, viel Sehnsucht. Das Leben eben. Liebe? "Ich würde ihr sehr gerne erst die Finger brechen, dann die Augen mit Sekundenkleber zupappen, die Füße schnüren und den spitzen Mund mit einem Bügeleisen bearbeiten. Eingeschaltet, versteht sich. Höchste Stufe." - Ein Buch also, so recht dazu angetan, es mit einem hübschen Schleifchen zu versehen und mit einer Packung "Ferrero Küsschen" einem nahe stehenden Menschen zu schenken. "Menschen", so verrät einer der Berg'schen Helden von der traurigen Gestalt, "erscheinen mir oft wie Nuklearsprengköpfe". Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. Frau Berg besser nicht. -Niklas Feldtkamp 1
Buch:
Wer lebt, stirbt: Kriminalroman: Der Seher
Autor:
Friedrich Ani, Ausgabe vom 1. April 2007, Taschenbuch, Verkaufsrang 129388
Product Description Konrad Johanser, Archivar des Instituts für Deutsche Romantik in Berlinund weltabgewandter Einzelgänger, kann das Leben in der Hauptstadt nichtlänger ertragen. Seine Ehe ist zerrüttet, die Geliebte spurlos verschwunden.Das Institut, dem er durch Fälschungen romantischer Texte zu neuem Renommeeverholfen hat, dankt es ihm mit der Kündigung. Johanser zieht sich zu Verwandtenauf die schwäbische Alb zurück, nistet sich bei Onkel, Tante und Cousinein, flieht in ein scheinbares Idyll. Als er erfährt, daß seine Fälschungenentdeckt wurden und man nach ihm fahndet, gerät der Urlaub zum Exil, dasDorf zum Versteck. Johanser findet immer neue Vorwände, den Aufenthaltzu verlängern, was den Widerspruch des sechzehnjährigen Benedikt herausfordert.Zwischen den Cousins kommt es zum verdeckten, später offenen Kampf. Haltsucht Johanser in der Liebe zur Kellnerin Anna, der er sich aber nichtzu offenbaren weiß. Der Alltag wird für ihn zusehends zur Bedrohung, tieferund tiefer verstrickt er sich in Schuld, Lüge und Wahn; die Zeichen fürden Zerfall seiner Persönlichkeit mehren sich. Um sein Idyll aufrechtzuerhalten,greift er zu jedem Mittel - bis hin zum Mord...