Sie schlafen nicht. Ob Unternehmensberater, Online-Redakteur oder Key Account Managerin Sie schlafen nicht. Denn es geht um Organisation, um Content, um Kommunikation, vor allem aber um die eigene Identität. Auch hier auf dieser Messe, wo sie gerade stehen, mit dieser Frau, die ihnen Fragen stellt. Und so reden sie, reden über ihr Leben mit der Droge Arbeit, über Hierarchien, über Erfolg und Privatleben. Sie erzählen von unserer Arbeitswelt - von Überidentifikation, Konkurrenz und Pleiten. Das Gespräch gleicht einer Stunde der Offenbarung Die Business Analysten analysieren sich selbst. Kathrin Röggla hat für diesen Roman zahlreiche Interviews mit Consultants, Coaches, Programmieren und Praktikanten geführt. Sie hat diese Gespräche zu einem fiktiven Kosmos verwoben, der zugleich fremd und erschreckend vertraut erscheint. Ein außergewöhnlicher Roman, der einen bestechend scharfen Blick auf das Berufsleben wagt. Ein Porträt der Menschen in unserer Gesellschaft, von denen man sagt, dass sie unsere Gegenwart gestalten - einzigartig in der deutschsprachigen Literatur. Sie werden in der Literatur oft als plakative Feindbilder abgehandelt, jene Manager und Unternehmensberater, die schon mal im Dienste der Gewinnmaximierung tausende Arbeitsplätze wegrationalisieren, so etwa in Rolf Hochhuths viel diskutiertem Stück McKinsey kommt. Kathrin Röggla richtet nun ihre Aufmerksamkeit auf die Menschen selbst und ihre Befindlichkeiten in einer Arbeitswelt, in der Leistung als Fetisch schlechthin gilt. Ergebnis ihrer literarischen Feldforschung, in deren Verlauf die Autorin "consultants, coaches, key account managerinnen, programmierer, praktikanten usw." interviewte, ist ein fast ausschließlich aus indirekter Rede bestehender Text, der aus ironischer Distanz die Lebenshaltung von Arbeitsjunkies durchmisst. Ort des Geschehens, oder vielmehr Geredes, ist eine Messe, und der hier besonders spürbare Stress - "all das short-sleeping, quick-eating und diese ganzen nummern" - spiegelt sich in den überdrehten Berichten der Protagonisten. Getrieben scheinen sie alle zu sein: ob nun "die praktikantin", die Schwierigkeiten des Berufseinstiegs beklagt, oder "der partner" gebetsmühlenartig von "harter bwl" und der Notwendigkeit von Entlassungen schwadroniert. Und wenn der "senior associate" über den mit Anglizismen angereicherten Berufsjargon reflektiert und meint, "auch er finde es ganz schön absurd, das ganze wording" kommt die latente Komik zum Vorschein, die dem auf bloßes Funktionieren reduzierten Welt- und Selbstbild innewohnt. Die Belustigung kippt freilich schnell in leises Grauen, wenn etwa die "key account managerin" die Totenstille ihres Handys als Bild der eigenen Unlebendigkeit begreift. Kathrin Röggla hat schon in ihrem Berlin-Roman Irres Wetter ein genaues Gehör für Idiome und ihnen zu Grunde liegende Mentalitäten bewiesen, und die Gabe, sie in hochbrisante Literatur zu transformieren. Auch wir schlafen nicht überzeugt vor allem durch die formale Virtuosität, mit der aus den phrasenhaften sprachlichen Leerläufen der Karrieristen ein vor innerer Spannung und Überspanntheit vibrierendes Textgebäude komponiert wird: eine subtile Gruselgeschichte, von Gespenstern in Business-Kluft über sich selbst erzählt. -Mathis Zojer
Buch:
Handy: Dreizehn Geschichten in alter Manier
Autor:
Ingo Schulze, Ausgabe vom 1. Okt. 2009, Taschenbuch, Verkaufsrang 383823
Dirk Bernemann, Ausgabe vom 14. Febr. 2008, Gebunden, Verkaufsrang 391758
Aus der Amazon.de-Redaktion Mann und Frau in todtrauriger Zwietracht. Mitteleuropa als pseudoprivilegiertes Dekadenzarschloch. Der Sternenhimmel als Gesicht mit Eiterpickeln. Und neongelbe Schreie beim billigen Sex. Davon erzählt Dirk Bernemann in zunehmend kurzatmigen Episoden. In dem Land, das uns der Mitdreißiger vor Augen führt, regieren stinkende Kotze, blutige Kacke und würdelose Toilettenficks. Für viele Leser der Musikzeitschrift "Orkus" ist dieser Blick aufs Leben allerdings Kult. Denn Bernemanns desillusionierende Erzählungen wurden von ihnen mehrmals mächtig "hochgevotet". Verrückt. Die Ersterscheinung von Satt. Sauber. Sicher. im kleinen Ubooks-Verlag fiel zusammen mit Charlotte Roches sensationellen Bucherfolg Feuchtgebiete. So manschen die zwei Autoren fast zeitgleich in diversen Körpersäften herum ? und rufen damit polarisierende Reaktionen hervor: Was die einen fasziniert, darüber ekeln sich andere. Unisono verweigern sich Bernemann und Roche gnadenlos einer heilen Welt, ihre Erzählungen eint eine triste Grundstimmung. Und privat teilen die Altersgenossen einen Spleen für schrille Musik. "Kranke Seelen treffen sich, kaputte Ideen begatten sich", heißt es bei Bernemann. Die Figuren in seinen lose miteinander verknüpften Kurzgeschichten tauchen jedoch nicht tief. Die Gesellschaftskritik bleibt blass und endet in einer Ästhetik der Resignation. Indes führt der Todeskampf der Liebe ins dunkle Massengrab. Ein Buch, so Deutsch wie der Nieselregen. Oder wie Bernemann es ausdrückt: "Mensch, sei zerbrechlich, denn das ist deine Natur." ? Herwig Slezak
Buch:
Schöne Geschichten
Autor:
Walter Moers, Ausgabe vom 1991, Gebunden, Verkaufsrang 30765
Product Description SCHÖNE GESCHICHTEN
Buch:
Schweine und Elefanten
Autor:
Helmut Krausser, Ausgabe vom 1. Dez. 2000, Taschenbuch, Verkaufsrang 120344
Product Description #Was bleibt, wenn das groe Gl?ck nicht mehr zu haben ist und das Leben zu versanden droht? In ebenso fulminanten wie filigranen Geschichten erzhlt Feridun Zaimoglu von der Suche nach dem kleinen begl?ckenden Rest.
Hörbuch:
Der Mann schläft
Autor:
Sibylle Berg, Ausgabe vom Aug. 2009, Audio CD, Verkaufsrang 240344