Product Description Konrad Johanser, Archivar des Instituts für Deutsche Romantik in Berlinund weltabgewandter Einzelgänger, kann das Leben in der Hauptstadt nichtlänger ertragen. Seine Ehe ist zerrüttet, die Geliebte spurlos verschwunden.Das Institut, dem er durch Fälschungen romantischer Texte zu neuem Renommeeverholfen hat, dankt es ihm mit der Kündigung. Johanser zieht sich zu Verwandtenauf die schwäbische Alb zurück, nistet sich bei Onkel, Tante und Cousinein, flieht in ein scheinbares Idyll. Als er erfährt, daß seine Fälschungenentdeckt wurden und man nach ihm fahndet, gerät der Urlaub zum Exil, dasDorf zum Versteck. Johanser findet immer neue Vorwände, den Aufenthaltzu verlängern, was den Widerspruch des sechzehnjährigen Benedikt herausfordert.Zwischen den Cousins kommt es zum verdeckten, später offenen Kampf. Haltsucht Johanser in der Liebe zur Kellnerin Anna, der er sich aber nichtzu offenbaren weiß. Der Alltag wird für ihn zusehends zur Bedrohung, tieferund tiefer verstrickt er sich in Schuld, Lüge und Wahn; die Zeichen fürden Zerfall seiner Persönlichkeit mehren sich. Um sein Idyll aufrechtzuerhalten,greift er zu jedem Mittel - bis hin zum Mord...
Buch:
Schweine und Elefanten
Autor:
Helmut Krausser, Ausgabe vom 1. Dez. 2000, Taschenbuch, Verkaufsrang 120429
Erscheinungsjahr: 2002 Gewicht: 132 gr / Abmessung: 19 cm Von Krausser, Helmut Ein Arzt opfert seinen Urlaub in einem mondänen österreichischen Badeort, um die Persönlichkeitsspaltung der Johanna Maria Palm zu untersuchen, deren Mann unter ungeklärten Umständen zu Tode gekommen ist. Nach eigenem Verständnis führender Spezialist auf dem Gebiet sexueller Aberrationen, gerät der Arzt bald in den Bann von Johannas erotischer Ausstrahlung. Die rätselhafte, doch souveräne und überlegene Frau verunsichert den eitlen Narziß so, daß er seinen medizinischen Ehrenkodex vergißt. Wird sie zu seiner Marionette oder er zu ihrer? Ist sie tiefer in das Ableben ihres Mannes verstrickt, als die Staatsanwaltschaft ahnt? Die Verhältnisse eskalieren, und eine Tragödie zeichnet sich ab . . . Helmut Kraussers Arbeit an der Schmerznovelle wird durch zahlreiche Tagebucheinträge dokumentiert. Diese belegen, dass der Autor sich bereits im Dezember 1999 intensiv mit dem Werk beschäftigt hat: Die Notizen oszillieren zwischen totaler Verzweiflung ("Habe nachts in Sachen Schmerznovelle total versagt", 8.12.1999) und beinahe grenzenlosem Optimismus ("Die Schmerznovelle könnte dein bestes Buch werden. Das Allerbeste", 9.12.1999). Krausser, der sich längst jenseits der Popliteratur in der deutschen Literaturszene etabliert hat, bezeichnet die Schmerznovelle als einen "Mysterythriller auf dem Gebiet der Psychopathia Sexualis, erweitert um essayistische Elemente", bei dem seine eigentliche Intention die Beschreibung des "schmalen Grats zwischen Erotik und Pornografie" ist. Weil sich die schmale Novelle rasch zu einem spannenden Krimi entwickelt, sei vom Plot nur wenig verraten: Der Protagonist und Erzähler - Wissenschaftler und Psychiater - besucht in einem mondänen österreichischen Badeort seinen einstigen Doktorvater, der ihm von einem besonders interessanten Fall, dem Ehepaar Palm, erzählt. Nach und nach erarbeitet er sich die obsessive Geschichte des Paares - bis er feststellt: Johanna Maria Palm und ihr Mann sind eine Person. Doch was ist so fesselnd an dieser traumatischen Persönlichkeitsspaltung, die dem Leser als eine sexuell aufgeladene Novelle präsentiert wird? Zunächst steht für den Erzähler das wissenschaftliche Interesse im Vordergrund: Er ist Analytiker und - wie vor ihm auch schon Max Frischs Homo Faber - gewohnt, die "Dinge so zu sehen, wie sie sind", was sich in einer möglichst objektiven Erzählperspektive ausdrücken sollte. Jedoch: In dem Maße, in dem der Erzähler sich mit aufklärerischem Impetus dem Fall annimmt, desto mehr verfällt er der wahnsinnigen Aura der Johanna Maria Palm, ohne am Ende noch zu wissen, ob er sie als Heiland erlösen oder aber sich in den dunklen Abgründen ihrer Psyche verlieren will - oder: ohne noch fähig zu sein, Wahn und Wirklichkeit voneinander zu unterscheiden und letztlich dazu beizutragen, den eigenen Verfall (als Protagonist und in der Folge als Erzähler) kontinuierlich voranzutreiben. Wie bei Schnitzler in der Traumnovelle die Ehekrise, so dient hier die individuelle psychische Erkrankung der Protagonistin als Motor, das Verhältnis von faktischer und psychischer Wirklichkeit zu exemplifizieren. Und dies ist auf geradezu irritierende Weise gelungen. -Kristina Nenninger
Buch:
UC: Unter Zuhilfenahme eines Märchens von H - C - Andersen: Ultrachronos
Autor:
Helmut Krausser, Ausgabe vom 1. Sept. 2004, Taschenbuch, Verkaufsrang 161178
Aus der Amazon.de-Redaktion Helmut Kraussers Romane strotzen nur so vor Fantasie. Das war bei Fette Welt so und zuletzt bei der Schmerznovelle, um nur die beiden besten herauszugreifen. Und bei UC ist das nicht anders. Das heißt: Diesmal hat sich Krausser, was die Fantastik anbelangt, wirklich selbst übertroffen. Vielleicht hat er es sogar ein klein wenig übertrieben. Doch der Reihe nach. Worum geht es? Ganz vordergründig um einen Mord. Zwei Dekaden sind seit dem Abitur vergangen, da wird zum Klassentreffen gebeten, und alle kommen hin. Nur eine der ehemaligen Mitschülerinnen kann nicht an der Feier teilnehmen. Sie wurde damals in der Nacht nach einer Klassenfeier ermordet. Und zwar, wie sich nun nach mehr als 20 Jahren plötzlich heraus zu kristallisieren scheint, vom Icherzähler, einem mittlerweile äußerst erfolgreichen und reich verheirateten Dirigenten. Der allerdings kann sich nicht im Geringsten an diesen Mord erinnern, dessen auf der bloßen Möglichkeit beruhende Notwendigkeit ihm erst ein Schriftsteller vor Augen führen muss, in dessen neuem Buch (dem Buch nämlich, von dem hier die Rede ist!) er eine der Hauptrollen spielen soll. Ein Kriminalstück also ist UC nur sehr an der Oberfläche. Eigentlich nämlich geht es um allerlei, sagen wir Esoterisches: UC, das steht für Ultrachronos, für eine Wahrnehmungsdimension, in die manche Sterbende vorstoßen und in der ihnen in Sekundenbruchteilen noch einmal ihr gesamtes Leben wie in einem Film vorgeführt wird. Arndt, so der Name des Icherzählers, erlebt den Ultrachronos aber nicht erst im Moment des Sterbens. Er verfügt über ihn vielmehr gleichsam wie eine Gabe und er kann, wie sich herausstellt, zwischen den parallelen Universen des Möglichen und des Wirklichen herüber- und hinübergleiten, ohne dass man immer so genau wüsste, in welchem der beiden man sich gerade befindet. Helmut Krausser ist einmal mehr eine intelligent verschachtelte Geschichte gelungen. Vielleicht nicht jedermanns Sache: Ein wenig arg konstruiert wirkt das Ganze hier und da schon. Aber das ist alles eine Frage des Geschmacks. Ebenso wie die mal mehr (eine schöne Idee etwa ist der Wake-up-Service des Club Desirée in Paris) mal weniger erquicklichen erotischen Passagen. Wir jedenfalls hatten unseren Spaß. -Hasso Greb 1
Buch:
Stücke 93-03
Autor:
Helmut Krausser, Ausgabe vom Okt. 2003, Broschiert, Verkaufsrang 542056
Aus der Amazon.de-Redaktion Alexander von Brücken ist ein erfolgreicher Geschäftsmann. Nach dem Zweiten Weltkrieg wachsen seine Werke, die schon unter seinem Vater - und unter Adolf Hitler - florierten, zu alter Größe. Die Expansion zur Zeit des Wirtschaftswunders macht von Brücken Spaß. Aber seine eigentliche Leidenschaft gilt etwas anderem: einer Frau, die er kaum kannte. Sofie ist ihr Name, die Tochter eines Arbeiters und einer Arbeiterin, die früher bei seinem nationalsozialistisch gesinnten Vater beschäftigt waren. Von Sofie bekam Alexander als Heranwachsender seinen ersten Kuss, leidenschaftlich, anscheinend, jedenfalls wie von einer Erwachsenen, für 50 Mark. Mit dem Kuss wollte Sofie ihre armen Eltern unterstützen. Für von Brücken ist er der Beginn einer lebenslangen Obsession. Nach dem Krieg macht von Brücken Sofie, die er nach einer Landverschickung aus den Augen verloren hatte, ausfindig. Er holt sie mit einem Privatjet zu einem (missglückten) Tete-a-tete in seine Wohnung. Er schickt ihr Aufpasser und Detektive nach Wuppertal und Berlin, die ihr Leben beobachten (und sanft lenken) sollen. Am Ende seines eigenen Lebens holt er sich einen Autor ins Haus, der diese ebenso banale wie tragische, da keusche Amour fou in Worte kleiden soll. Es ist der Ich-Erzähler von Helmut Kraussers Roman Eros, ein ebenso flott wie brillant beschriebenes Buch über eine Liebe, die es nicht gab - und die man nur zu verstehen glaubt, weil sie in die blendenden, dabei niemals pathetischen Worte eines Schriftstellers gekleidet wird: eines Schriftstellers zudem, der es gekonnt versteht, durch sein Spiel mit mehreren Erzählebenen ironische Distanz zu erzielen. Seit 1997 hat Krausser nach eigener Aussage an dem Stoff gearbeitet, die siebzehnte und letzte Fassung 2005 zum Druck gebracht. Die Arbeit hat sich auf jeden Fall gelohnt. -Thomas Köster 1