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FADO Der Fado ist der Blues der Portugiesen. Die Analogie hinkt weniger als manche andere. Denn der Fado drückt nicht nur Traurigkeit und Melancholie aus, sondern auch Lebenslust und Freude. Der Fado lebt in Lissabon und in Coimbra in örtlichen Varianten, und seine alten Stars waren Sängerinnen wie Maria Severa oder die jüngst verstorbene Amalia Rodrigues. Sie waren die klassischen Fadistas der dreißiger, vierziger und fünfziger Jahre. Doch nun drängt eine neue, von der Moderne infizierte Generation von Sängerinnen und Sängern nach. Ihre bekannteste Vertreterin ist sicher Misia. Schon mit ihrem vorletzten Album Garras Dos Sentidos ist sie in die absolute Spitzenklasse der Fadistas aufgerückt. Mit ihrem neuen Album, das schlichtergreifend und zutreffend nur Fado heißt, bestätigt sie ihren Rang. Begnadet mit einer Jahrhundert-Stimme interpretiert die aus Oporto stammende Sängerin, die sich als bohemisches Künstlerkind im gesamten mediterranen Raum daheim fühlt, die traditionellen Lieder als urbane Folklore. In klarer Würdigung ihres regionalen Ursprungs, die sich nicht zuletzt in makelloser Interpretation des Materials ausdrückt, schafft Misia es zudem, den Liedern in portugiesischer Sprache eine andere, allgemeingültige Dimension zu geben, ohne daß man ein Wort vom Text verstehen muß. Musik für die ganze Welt. Staunenswert, grandios, genial. -Carl Rottmann
CD:
Antologia
Madredeus, Audio CD, Verkaufsrang 36320
Preis:
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ANTOLOGIA Wenn es eine Stimme gibt, die Anmut, Leidenschaft und Reinheit in sich vereint, so die von Teresa Salgueiro. Jede Silbe scheint ihrer Kehle auf Schmetterlingsflügeln zu entschweben. Ihr zartes Vibrato: als ließe ein Windhauch das Baumlaub erzittern. Kitschige Bilder für die unwiderstehliche Magie ihrer Melodien? Vielleicht. Aber was wäre das portugiesische Kammerorchester mit Kultstatus ohne diese Frau! Madredeus' madonnenhafte Ausnahmesängerin ist längst kein regionales, nur auf Iberien beschränktes Phänomen mehr, sondern ein Stimmwunder von Weltrang. Kopf der Formation ist der Komponist Pedro Ayres Magalhães, das Herz der Gruppe jedoch jenes zauberhafte Wesen, dem Wim Wenders mit "Lisbon Story" eine unverhohlene, wenn auch poetische Liebeserklärung machte. Magalhães' glitzernde Akkordzerlegungen evozieren den meditativen Charakter der Minimal Music und liefern das perfekte Bett für den Fluss ihrere Stimme. Und obwohl Teresas Einsatz in "Guitarra" zwei Minuten und 15 Sekunden auf sich warten lässt, reißt der Spannungsbogen nicht ab, bis ihr verzückter Gesang dieses Meisterstück im tänzelnden 5/4-Takt krönt und jeden einzelnen Ton des Vorspiels rechtfertigt. Im Niemandsland zwischen Klassik, Folklore und Chanson zelebrieren Madredeus Madrigale mystischer Sehnsucht durchzogen von idylischen Naturbildern. Hohelieder aufs verlorene Paradies. Besungen werden der Tejo, das Meer, die Azoren, ein Frühlingserwachen auf dem Land und Lissabon im Morgengrauen. Musik als vertonte Fotografie in ästhetischem Schwarz-Weiß. Madredeus - die letzten Romantiker? -Wolfgang Zwack