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Das geheimnisvolle Serum

ein Fantasy Abenteuer-Roman von Janis Purucker


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Kapitel 11

Wir starren uns noch eine Zeit lang in die Augen. Nach einiger Zeit breche ich das Schweigen und sage reumütig: "Oh, hätten wir bloß dieses Serum nie gefunden!"
"Ja, das war wirklich eine dumme Idee von dir!" sagt Chris mit einem Hauch Ärger in seiner Stimme.
"Na hör mal!", fahre ich ihn an, "du bist genauso schuld an der Sache wie ich! Hättest du den Mann nicht getroffen und das Buch nicht gekauft, säßen wir jetzt nicht so in der Sch... äh Patsche!"
Chris funkelt mich wütend an, sagt aber nichts. Nach einiger Zeit ergreife ich wieder das Wort: "Ach, es nützt ja doch nichts, wenn wir uns streiten! Wir müssen es eben durchstehen!" Ich vermische etwas Gras mit dem Serum. Ich trage es auf meinen Arm auf. Chris genauso. Dann sage ich laut: "ÄGYPTEN! Und schon werden wir wieder einmal ohnmächtig.
Ich wache unter einem atemberaubenden Bild auf: Gerade geht die Sonne hinter einer gewaltigen Sphinx auf. Die glutroten Schatten der Sonne spiegeln sich im Gesicht der Sphinx. Einfach schön! Ich stehe auf. Weit hinter der Sphinx tauchen die Spitzen von Pyramiden auf. Sie sehen aus, als schweben sie auf der Sonne. So ein Bild kenne ich doch! Ja, so eines hängt in unserem Flur! Meine Eltern haben es aus Ägypten (ihrer damaligen Hochzeitsreise) mitgebracht. Meine Mutter hat gesagt: "Das ist Gizeh!" GIZEH! Genau! Wir müssen in Gizeh sein. Ich lasse dieses Bild mindestens fünf Minuten auf mich wirken. Es ist so schön! Hierher wollte ich schon immer einmal! Und jetzt bin ich da! Ganz plötzlich! Aber leider nicht im Urlaub! Ich seufze. Was wird bloß Chris zu diesem wunderbaren Bild sagen! Ich
beschließe, ihn zu wecken. Er kriegt den Mund vor Staunen eine zeitlang gar nicht mehr zu. Dann erzähle ich ihm von meiner Vermutung, daß wir in Gizeh seien.
Chris nickt nur benommen und sagt: "Kann schon sein."
Wir stellen uns zwischen die Pfoten der Sphinx. Sie ist wirklich ganz schön standfest! Aber was mich wundert: Sie ist wie neu! Gar nicht so zerfallen, wie auf den Fotos meiner Eltern! Vielleicht sind wir in der Vergangenheit gelandet! Nach einer Weile sage ich : "Aber was sollen wir hier nur machen? Ich schau mal im Buch nach. Aha, hier: ÄGYPTEN: Wenn ihr da seid, ist die Sphinx das erste Problem! Ihr müßt hinein!"
Chris sagt: "Oh oh, das kann ja was werden! Wie soll man da bloß reinkommen?" Er untersucht die Sphinx argwöhnisch.
Ich lese weiter: "Falls ihr hineinkommt, geht einfach bis ans Ende. Und dann heißt es natürlich: Wieder RAUSkommen!"
"Das sind ja mal wieder tolle Aussichten!" seufzt Chris. Wir untersuchen die Sphinx auf jeden Millimeter. Ich rechts, Chris links. Als ich zu den Füßen komme, sehe ich einen kleinen Mauervorsprung. Ich drücke daran herum. Plötzlich geht gleich vor mir eine Tür auf! Ich rufe zu Chris: "Hey, eine Tür!"
Er kommt angerannt. "Wow! Komm gehen wir rein!"
"Meinst du?"
"Natürlich! Das war bestimmt richtig!"
"Na gut." Wir gehen hinein. Wir sehen einen langen Gang vor uns. Wir gehen ihn entlang. Er geht immer weiter. Bis eine Leiter nach unten in den Boden führt. Wir klettern sie hinunter. Wieder ein langer Gang. Immer weiter und weiter. Plötzlich taucht vor uns ein Gitter auf. Wir spähen hindurch. "Wow! Da steht ein SARG! Was da
wohl drin ist?" Wir rütteln an dem Gitter. Aber es ist zu schwer. Wir bringen es absolut nicht auf!
"Ach Chris, was machen wir jetzt bloß?" frage ich verzweifelt.
"Hm," sagt er, "wir bräuchten eine Brechstange oder so etwas."
Ich seufze. "Und wo willst du die jetzt herkriegen?"
"Naja, wir haben doch alle Gänge noch gar nicht richtig durchsucht!" sagt er hoffnungsvoll. "Hm, stimmt." Also durchsuchen wir alles. Jeden Gang. Das einzige, was wir davon haben, sind nasse, schmutzige Hände. Verzweifelt schaue ich nochmal ins Buch: "Aha, hier: Und wenn ihr drin seit müßt ihr wieder raus, weil ihr das Gitter nicht aufbringt. Also merkt euch wo es ist und geht zur Chefren-Pyramide. Dort findet ihr etwas, mit dem ihr das Gitter aufbringt."
Als ich aufgehört habe, zu lesen plappert Chris los: "Also wenn das ein Witz sein soll!? Zuerst heißt es, geht rein, dann heißt es geht wieder raus, nur damit ihr wieder reingehen könnt!!"
"Schön formuliert." seufze ich ironisch. Also machen wir uns auf den Weg nach draußen. Nach etwa einer dreiviertel Stunde erblicken wir endlich wieder Licht und kurz darauf blendet uns die Sonne so, als käme ein Engel vom Himmel herunter. Wir gehen auf die Pyramiden zu. Ich denke nach. "Hm, " sage ich, "irgendwas war auf den Fotos von meinen Eltern doch anders. Ich weiß nicht... JA! DIE TOURISTEN! Auf den Fotos waren jede Menge Besucher zu sehen, vor der Sphinx und auch vor den Pyramiden!"
"Tja, und das hätte uns wahrscheinlich geholfen!"
"Wieso? Da hätten wir nicht so genau nach dem Eingang der Sphinx suchen können! Sie hätten gefragt was wir hier wollen, uns unsere Geschichte natürlich nicht geglaubt und uns dann verscheucht!" sage ich ungläubig.
"Tja, das vielleicht schon, aber sie hätten bestimmt gewußt, wo diese CHEFREN Pyramide ist! Oder weißt du es?"
Chefren. Wenn ich mich nur an die Worte erinnern könnte, die meine Mutter gesagt hat, als sie mir die Pyramiden auf den Fotos zeigte! Hm... Ah! Ich glaube... Natürlich! "Die Cheops-Pyramide ist die Größte! Und die Chefren ist glaube ich die ZWEITGRÖßTE Pyramide!" rufe ich.
"Und was, wenn du dich irrst?! Dann gehen wir vielleicht in eine Falle! Genauso wie in der Kapelle!"
"Tja, ich glaube, dieses Risiko müssen wir eingehen, wenn wir hier überhaupt wieder rauskommen wollen." sage ich nachdenklich.
Chris seufzt. "Also gut. Aber ganz vorsichtig - und du gehst voran!"
Ich antworte schelmisch: "Ja natürlich! In dem Buch steht ja schließlich, daß ich dich beschützen soll!"
Chris verschränkt die Arme und murmelt etwas, das ich nicht verstehe. Wir gehen nun auf die Pyramide zu, die meiner Meinung nach die zweitgrößte ist. Wir finden sogar vergleichsweise schnell den Eingang. Doch als wir in der riesigen Öffnung stehen, verschwindet unsere gute Laune sofort wieder, denn die Tür zu finden, ist anscheinend nicht das Hindernis dieser Aufgabe! Wir sehen buchstäblich vier Gänge! Wir sehen einander an. Uns ist klar, ohne Karte oder sonstige Hilfsmittel gehn wir DA nicht Rein! Aber wo sowas herkriegen?! Ich schüttle nachdenklich den Kopf. Dann fällt mir das Buch ein. Aber alles was ich finde, sind auf einmal ein paar Hieroglyphen, oder wie man diese Zeichensprache der alten Ägypter
nennt.
Aber - halt! Hier ist noch etwas! "Haltet ihm diese Hieroglyphen unter die Nase! WAS?! Wem und warum unter die..."
Chris unterbricht mich: "HEY! Schau mal! Dort hinten!" Er zeigt mit dem Finger nach Südwesten! Und... TATSÄCHLICH! "Ein Weg! Ein Weg! Vielleicht führt der zu einem Dorf wo wir die Karte machen lassen können oder sowas!"
Ich stiefele voran und ich höre, daß Chris mir folgt. Als wir auf einem Hügel stehen, verschlägt es mir fast die Sprache. Eigentlich hatte ich eine moderne Stadt erwartet, Kairo oder so vielleicht. Aber was ich hier sehe, ist mehr oder weniger eine Stadt, wie es sie vielleicht vor 4000 Jahren gegeben hat: Kleine Holz- oder Steinhäuser mit einer kleinen Dachterrasse, auf der kleine Krüge stehen (um das Regenwasser aufzufangen, weil es hier ja selten regnet) und mit nur einer Tür! Nur im Osten der Stadt (wahrscheinlich weil im Osten die Sonne aufgeht und sie den Sonnengott Ra so verehren) steht ein großes tempelartiges Bauwerk, mit einem riesigen Eingangstor. Ich sehe keinen Menschen. Wir gehen, ohne ein Wort zu sagen, den Weg bis zur Stadt hinunter weiter. Dann klopfen wir an das erste Haus. Nichts! An das zweite. Auch nichts! So geht es weiter, bis wir vor dem großen Eingangstor des Tempels stehen. Ich überlege nicht lange und klopfe. Irgendwann wird es mir zu dumm und ich ziehe an dem Türgriff. DA! Die Tür bewegt sich und springt nach einiger Zeit quietschend auf. Der Gestank von Weihrauch strömt uns entgegen. Wir husten. Das macht wahrscheinlich den Priester aufmerksam, denn kurz darauf kommt ein Mann mit einem langen Umhang auf uns zu und plappert gleich darauf los. Natürlich verstehen wir
ihn nicht. Wir versuchen, ihm mit Zeichensprache klar zu machen, daß wir seine Sprache nicht verstehen, und daß wir unbedingt einen Kartenmacher bräuchten. Aber er plappert nur wieder. Jetzt schiebt er uns hinaus und schlägt die Tür hinter sich zu. Wir verstehen: Unbefugten ist der Tempel verboten!
"Hm," sage ich, "was sollen wir jetzt nur machen?!" Chris fällt auch nichts ein.
Doch dann denke ich an das Buch und sage: "Vielleicht steht im Buch wieder etwas!" Ich schlage es auf. Doch da steht nur wieder das gleiche wie vorhin!
Plötzlich fällt Chris ein: "Hey, unter die Nase halten! Vielleicht diesem Priester!"
"Ja! Du könntest recht haben!"
Ich gehe zur Tür und öffne sie. Wieder kommt der Priester, mit noch einem verzweifelteren Gesichtsausdruck und plappert wieder drauf los. Nun schlage ich das Buch auf und halte ihm die komischen Schriftzeichen buchstäblich unter die Nase. Er erschrickt. Plötzlich redet er unsere Sprache! "Wo haben Sie das her?" fragt er uns. "Diese Schriftzeichen! Sie sind sehr alt! Sie sind sehr wertvoll!"
Ich antworte, wenn auch sehr erstaunt über den plötzlichen Sprachwandel des Priesters, ziemlich normalklingend: "Wir bräuchten so etwas ähnliches wie eine Karte vom Inneren der Chefren-Pyramide! Wenn Sie uns sowas geben, reißen wir ihnen die Seite mit den Schriftzeichen heraus, denn wir brauchen sie nicht."
Er scheint nachzudenken. Dann sagt er: "Hm, gut. Normalerweise darf man zwar nicht in die Pyramiden, auch wenn sie noch leer sind, aber ich werde eine Ausnahme machen. Sie dürfen mich nur nicht verraten! Ich muß sehen, was ich tun kann. Kommen Sie nur herein. Mit den Schriftzeichen sind Sie willkommen. Bitte
warten Sie hier."
Er geht durch eine Tür und ist verschwunden. "Wow! Schau mal, Chris, das viele Gold und so...!"
Chris nickt und schaut zu einem wunderschönen Kronleuchter hinauf, der mit Diamanten versehen ist. Auch sonst ist alles wirklich nur Glitzer-Fummel. Unzählige Statuen aus Gold und Marmor mit Abbildern von ägyptischen Göttern stehen in jeder Ecke. Den Mittelpunkt jedoch bildet ein riesiger Altar. Er ist mindestens dreimal so groß wie ich. Eine Leiter führt hinauf. Davor stehen viele Kerzen. Was hinter dem Altar ist, sieht man nicht.
"Ich möchte zu gern wissen, was hinter dem Altar ist. Vielleicht steigen wir mal rauf?!" sage ich zu Chris.
"Bist du verrückt?! Also ich gehe da nicht rauf!!"
"Aber vielleicht ist das hier unsere Aufgabe!"
"NEIN!" sagt Chris nachdrücklich.
"Okay," sage ich stur, "dann gehe ich eben selber rauf! Angsthase!"
Chris schnauft wütend, sagt aber nichts. Also mache ich mich ans Hinaufsteigen. Als ich oben bin, gehen mir fast die Augen über! Ein riesiges Bild, so groß wie der Altar, mit dem Abbild von Sonnengott Ra, hinter dem gerade golden die Sonne aufgeht, ziert die hintere Wand. Ich werde richtig geblendet von dem vielen Gold. Wo sie das nur herhaben? Haben sie auch Goldminen, oder beziehen sie es aus anderen Ländern? Doch nun fällt mir mein eigentliches Vorhaben ein, suchen ob irgendwas dahinter ist. Doch - ich finde nichts. Chris wird mich bestimmt schimpfen. Und so ist es auch. Ich hab es dir doch gleich gesagt, ich habe es gewußt, und bla bla bla!
Endlich kommt der Priester wieder. "Also, hier habe ich etwas gefunden."
Er gibt uns eine vergilbte Karte. Ich beäuge sie etwas mißtrauisch und sage dann: "Und woher wissen wir, daß das erstens die richtige Karte ist, und zweitens, daß sie das Innere der Chefren-Pyramide zeigt?"
Der Priester überlegt nicht lange: "Na, wenn Sie mir mißtrauen, können Sie ja die Ersten Gänge der Pyramide mit der Karte vergleichen."
"Hm," sage ich, "stimmt eigentlich. Gut - ich gebe ihnen die Schriftzeichen, aber vorher will ich gerne wissen, von wem sie stammen, und warum sie ihnen so wichtig sind."
"Sie stammen von Huni, dem letzten Pharao der 3. Dynastie (2580-2630). "
"Aha,..." stammle ich, "und in welcher Dünastie, äh, sind wir jetzt?"
Der Priester schaut uns mit großen Augen an. "Na, in der 19."
"Oh, und welcher Pharao herrscht jetzt zur Zeit?"
"Ramses II. Warum?"
"Naja," sage ich mit einem unschuldigen Lächeln, "nur so."
Der Priester nickt verwundert. Bevor er etwas sagen kann, schieße ich wieder los: "Ja, und warum sind Ihnen die Schriftzeichen soviel wert?"
"Sie stammen aus der 3. Dynastie! Und weil sie so alt sind, sind sie eben wertvoll!"
"Und was werden Sie mit ihnen machen, wenn Sie sie erstmal haben?" frage ich weiter.
Der Priester seufzt. "Wahrscheinlich werde ich sie im Tempel aufbewahren. Aber, das kann doch Ihnen egal sein. Wenn Sie sie nicht brauchen."
Bevor ich wieder etwas erwidern kann, fragt er: "Also, gilt der Tausch nun, oder nicht?"
Ich überlege. Dann sage ich: "Gut." Ich reiße die Seite vorsichtig heraus und gebe sie ihm. "Ach äh, eins noch: Wo ist denn eigentlich der Palast von diesem Ramses? Wissen sie, falls wir mal ein Anliegen haben."
"Seine Tempel sind gleich hinter den Pyramiden. Und jetzt: Auf wieder - ich meine, auf Nimmerwiedersehen!"
Er schiebt uns hinaus und schlägt die Tür wieder hinter sich zu.
Endlich haben wir den Plan. Ich atme erleichtert durch. Wir gehen aus der Stadt über die Wüste zur Chefren-Pyramide zurück. Als wir vor dem Eingang stehen, kommt in mir ein komisches Gefühl hoch. Wahrscheinlich auch in Chris, doch wir sagen beide nichts. Als wir durch das Eingangstor schreiten, strömt uns wieder dieser Gestank entgegen, wie vorhin. Er dringt schier aus allen Ritzen. Aber wir gehen weiter. Ich vergleiche die ersten Gänge mit dem Plan und - sie stimmen! Von nun an müssen wir uns nur noch auf die Karte verlassen. Wir gehen immer weiter in die Tiefe. Die Gänge werden nur von kleinen Fackeln erhellt. Hieroglyphen und Bilder von Pharaonen zieren die Wände.
Plötzlich wird das Licht in der Ferne heller. Und schon stehen wir vor einem atemberaubenden Saal. Doch es sind keine Schätze darin, nur ein großer Steinaltar. Naja, schließlich sind wir ja weit in der Vergangenheit, da war wahrscheinlich Chefrens Leiche noch nicht balsamiert, oder so... Und wenn der Eingang offen war, konnten sie ja auch noch keine Schätze hineintun, denn es gab viele Grabräuber damals.
Doch das kümmert uns jetzt im Moment nicht. Wir suchen diese Brechstange, oder was wir eben benötigen, um das Gitter in der Sphinx aufzubrechen. Und - ha! Das war ja einfach! Eine große Stange liegt in dem Steinaltar! "Meinst du, unsere Aufgabe in
dieser Pyramide war wirklich so (vergleichsweise) einfach?" frage ich Chris ungläubig.
"Hm. So wie ich diese Dimension kenne, nicht." antwortet Chris.
Genau in diesem Moment hören wir einen kleinen Knall! Wir drehen uns wie auf Kommando um und sehen, daß in einer Ecke doch tatsächlich plötzlich ein Feuer brennt! Ich will mich gerade darüber äußern, daß das doch normalerweise hier drin gar nicht geht, doch plötzlich spüre ich einen starken Luftzug - und: "DIE KARTE! CHRIS SCHNELL, DIE KARTE!" Wir rennen zu der Karte, die ich auf den Boden gelegt hatte. Doch - wieder ein Luftzug! "NEIIIN!" schreien wir alle beide gleichzeitig. Doch - es nützt natürlich nichts. Die Karte fliegt mit einem letzten Windstoß genau ins Feuer hinein. Die Flammen verschlingen sie sofort. Und - sofort verschwindet das Feuer. Übrig bleibt nur Asche.
Wir haben all das mit großen Augen und offenem Mund beobachtet. Jetzt wissen wir mit einemmal was im Buch auf der Wiese gemeint war! Eine schreckliche Erkenntnis steigt in uns hoch, in Gedanken lesen wir den Text nochmal: "Und kommt mir ja wieder aus der Pyramide heraus!"
Wie konnten wir nur so dumm sein! Hätte ich die Karte nur nicht aus der Hand gelegt! Ich heule los.
Chris will mich trösten und sagt: "Ach komm, sei doch nicht gar so pessimistisch. Wir haben bis jetzt alles geschafft! Will meine Beschützerin wirklich vor mir aufgeben?"
Trotz der Angst tue ich ihm den Gefallen und lächle kurz und traurig. Nach einiger Zeit gebe ich mir doch einen Ruck und sage seufzend: "Suchen wir mal die Wände ab. Vielleicht finden wir ja was."
Also tasten wir alle Wände in dem Saal ab, aber - nichts! Dann untersuchen wir den Sarg auf das Genaueste. Nichts! Gerade will ich wieder losheulen, als mir die Stelle einfällt, wo das Feuer war! Dort haben wir noch nicht gesucht! Vielleicht finde ich in der Asche etwas! Doch als ich darin etwas herumstöbern will, ziehe ich blitzschnell meinen Finger zurück. "Aua!"
Davon wird Chris aufmerksam, der gerade nochmal die Wände absuchte. "Was machst du denn da?"
Ich höre kurz mit dem Fingerblasen auf und sage, eigentlich noch wutig über mich selbst, daß ich so dumm war: "Na was wohl?! Einen Hinweis, ein Indiz, oder sonst irgendwas, das uns hinausführt!"
"Oh, Laura!" lacht er.
Gerade will ich darauf losschimpfen, daß ich ab jetzt auch immer lachen werde, wenn ihm so etwas blödes passiert, doch ich komme nicht mehr dazu, weil er in einen anderen Teil des Saals läuft. Kurz darauf kommt er mit der Stange, die wir ja im Sarg gefunden hatten, wieder und fängt an, mit ihr in der Asche herumzustochern. Jetzt wird es mir erst recht bewußt wie dumm ich war. Trotzdem versuche ich ziemlich frech zu klingen, als ich erwidere: "Hm! Anfängerglück!"
Chris schaut kurz und belustigt auf, doch dann sucht er weiter. Aber solange er auch darin rumstochert - Nichts! Einfach nichts! Ich will gerade vollends aufgeben und mich dem Tod sozusagen zur Verfügung stellen, als ich Schritte höre. "Chris!" flüstere ich. "Hast du das auch gehört?"
Chris schaut mich ängstlich an und nickt langsam. Jetzt läuft er in die Richtung, aus der die Schritte kamen. "Nicht!" rufe ich ihm nach.
Und plötzlich, wie wenn er ausnahmsweise auf meinen Ruf gehört hätte, kehrt er um und rennt schnell zu mir. "Du ahnst es nicht! Das ist der Pharao mit seinen Gefolgsleuten! Er kommt genau auf diesen Saal zu!"
"Hat er dich gesehen?" frage ich erschrocken.
"Nein! Aber wenn wir hier noch länger rumstehen, wird er uns unweigerlich finden! Wir müssen uns verstecken!"
"Aber wo?" frage ich aufgeregt. "Ach, wir werden schon etwas finden, komm jetzt bloß vom Eingang hier weg!"
Er rennt voran, ich ihm nach. Im Sarg können wir uns nicht verstecken, da würden sie uns finden. Plötzlich fällt mir ein: "Aber wenn er nun die Brechstange findet?"
"Na, er wird sie schon selbst hierhergelegt haben, meinst du nicht?" fragt mich Chris.
"Naja äh, wie ich diese Dimension kenne" , ich drehe mich entsetzt um, reiße die Stange an mich und rufe noch über dem Laufen leise zu Chris: "Niiicht!"


 Kapitel 12
© 2008 by Janis Purucker



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