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Das geheimnisvolle Serum

ein Fantasy Abenteuer-Roman von Janis Purucker


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Kapitel 12

Wir können uns gerade noch hinter einem großen Mauervorsprung verstecken, als wir jetzt hören, wie bestimmt 20 Füße oder mehr den Saal betreten. Wir wagen nicht zu atmen! Plötzlich fällt mir das Buch ein, ich denke: "Wenn er es findet, ist alles aus! Er würde uns finden, ja, aber das Schlimmste wäre, wenn er das Buch behalten würde! Was würden wir dann nur machen?"
Noch während ich das denke, sehen wir, wie zwei Wächter zum Pharao gelaufen kommen und ihm auf Ägyptisch etwas zu berichten scheinen. Dazu zeigen sie dauernd in eine Richtung. Plötzlich setzt sich der Pharao in Bewegung und steuert genau auf diese Richtung zu. Jetzt können wir ihn nicht mehr sehen. Doch kurz darauf hören wir einen erstaunten Ausruf! Jetzt kommt der Pharao wieder zum Vorschein und in seinen Händen hält er: DAS BUCH!
Fast hätte ich geschrien! Aber ich kann mich in letzter Sekunde zurückhalten. Jetzt schlägt er es auf. Er blättert und blättert, doch dann weiten sich seine Augen und wir hören wieder einen erstaunten Ausruf. Doch dann glauben wir wirklich, unseren Ohren nicht trauen zu können! Auf einmal redet der Pharao in unserer Sprache! Aber es scheint für ihn ganz normal zu sein!
Er sagt gerade zu einem Wächter: "Das sind Hieroglyphen aus der Zeit Chefrens!"
Er sieht sich um. Dann redet er weiter: "Durchsucht den Saal! Hier muß jemand sein!"
Sofort strömen die Wächter nach allen Seiten aus. Ein kleiner Trupp kommt genau auf unser Versteck zu! Sie kommen immer näher und näher... Was sollen wir nur tun? Plötzlich schießt mir ein Gedanke durch den Kopf: "Die Brechstange!" Ich nehme
alle meine Kraft zusammen, nehme die Brechstange und als die Wächter ganz nahe sind, versuche ich, einem Wächter so richtig eins überzubraten - doch! Die Stange ist so schwer! Ich lasse sie früher fallen und sie landet genau vor den Füßen der Wächter! Die sind im ersten Moment natürlich sehr erschrocken, doch dann suchen sie nach dem Grund! Jetzt erst bemerken sie den Mauervorsprung. Jetzt haben sie uns entdeckt!
Ich gerate in Panik, ich schreie wild um mich: "Neeeiinn! Lassen sie uns in Ruuhe! Und geben sie uns das Buch wieder!"
Der Pharao dreht sich ruckartig um. Erst jetzt sehe ich seine wundervollen Augen und seine überaus starke Schönheit! Er ist ungefähr Mitte dreißig. Jetzt kann ich mir endlich vorstellen, was der Ausdruck: "königlich" bedeutet! Doch trotzdem übersteigt meine Angst jetzt die Wut: "Äh, ich meine, wenn Ssie sso freundlich wwären, uuns das BBuch wiederzzuggeben?"
Der Pharao mustert zuerst mich, dann Chris.
Schließlich fragt er, ruhig und irgendwie befehlsgewohnt: "Wer seid ihr? Und was wollt ihr hier in meinem Reich und in der zukünftigen Ruhestätte meiner Urväter?"
Wir schauen uns ängstlich an. Doch dann faßt sich Chris ein Herz und fängt an: "Tja, äh, wwir sind nicht absichtlich hier, ich meine, äh, das ist schwer zu erklären, wir..." er stockt.
Doch nun rede ich weiter: "Also, hören Sie: Wir sind äh, Reisende. Und wir sind sozusagen auf der Flucht vor jemandem." lüge ich drauf los.
Chris schaut mich fragend an, erwidert aber nichts.
Da fragt mich der Pharao weiter: "Und vor wem seid ihr auf der Flucht? Und woher kommt ihr?"
"Naja, also wir, sind auf der Flucht vor..." , mir schießt eine Erinnerung aus dem Geschichtsunterricht in der High-School durch den Kopf: Daß Ramses II. die Hethiter geschlagen hat! "den Hethitern!" setze ich nach. Und bevor der Pharao wieder etwas sagen kann, erkläre ich: "Und wir kommen aus einem Land, das Ihr bestimmt nicht kennt!" Und ich buchstabiere langsam und deutlich: "AMERIKA!"
"Amäriga? Was ist das für ein Land? Und von wem wird es regiert?"
"Es ist das Land, das jenseits des großen Meeres, des Atlantiks, liegt. Und regiert... Wird es sozusagen von einem König, den das Volk sich erwählt! Zur Zeit ist es Präsident Clinton!"
"Klintn? Ich kenne weder den Namen des Landes, noch den des Königs! Doch laßt es gut sein, ich will euch glauben. Auch ich hasse die Hethiter. Eines Tages werde ich sie im Kampfe schlagen! Das schwöre ich! Doch nun wieder zu euch: Was wolltet ihr hier in der Ruhestätte meiner Väter?"
Ich überlege kurz und sage dann stotternd: "Naja, also, wir, wir waren gerade auf der Durchreise durch die Wüste. Da kamen wir hier vorbei. Wir wollten gar nicht reingehen, aber plötzlich kam ein Trupp Hethiter auf Kamelen angeritten, und wir hatten Angst, daß sie uns sehen und dann gefangennehmen. Deshalb sind wir schnell hier herein gelaufen, um uns zu verstecken! Doch wir waren zu tief hinein gelaufen, und fanden nicht mehr heraus! Wir irrten lange herum, bis wir schließlich hier angekommen waren. Da dachten wir, wenn der Pharao käme, würde er uns wieder hinaushelfen. Wir haben uns bloß am Anfang versteckt, weil wir dachten, äh, daß die Hethiter uns gesehen hätten und uns gefolgt wären! Bitte entschuldigen Sie, daß
wir hier, in dieses heilige Gebäude, eingedrungen sind. Das wollten wir wirklich nicht!"
Der Pharao schaut uns an, dann lacht er auf einmal! "Nun ja, wenn ihr in friedlichen Absichten gekommen seid, dann seid ihr bei uns herzlich willkommen! Wir sind kein Volk wie die Hethiter, das dauernd nur Krieg führt. Ich meine, ab und zu, muß man schon einmal ein Land erobern, aber nicht jeden Tag! Und wenn, dann verteidigen wir uns nur gegen die, die uns angreifen! Doch bis jetzt hat uns noch niemand besiegt!"
Der Pharao lächelt stolz. "Doch, was soll diese Stange?"
Ich erschrecke, lasse mir es aber nicht anmerken. "Äh, ddas ist, äh, eein Wanderstecken. Sie wissen schon, äh, damit kann man zum Beispiel auch besser über die Sanddünen der Wüste laufen. Und verteidigen kann man sich damit auch!"
Das scheint dem Pharao einzuleuchten. "Nun gut, ihr dürft sie behalten. Doch was gedenkt ihr jetzt zu tun?"
Diese Frage habe ich mir jetzt auch schon zehnmal in Gedanken gestellt! "Tja, äh, weiterreisen?!"
Der Pharao nickt langsam. Dann fragt er: "Wohin wollt ihr denn eigentlich?"
Ich zermartere mir das Hirn nach einer glaubwürdigen Antwort. Chris macht es sich mal wieder leicht, er sagt gar nichts dazu! Nach einer Weile sage ich: "Naja äh, das ist so: Unser König hat uns nach, äh, Nubien geschickt, um dort, äh, zu fragen, ob die Nubier, äh, uns gegen die Russen, (die uns bedrohen) helfen würden."
"Nubien? Ja, das kenne ich! Ich meine, wir haben noch nie miteinander zutun gehabt, aber ich kenne es. Es ist ein schönes Land!" Der Pharao denkt nach, dann sagt er: "Jetzt nur noch eine Frage: Wie habt ihr es bis hier geschafft, ohne vor Erschöpfung umzufallen, oder ohne daß ihr von anderen Völkern gefangengenommen wurdet? Und überhaupt habt ihr kein Essen, und auch kein Wasser bei euch! Wie ist das alles nur möglich? Außerdem seid ihr noch jung!"
Jetzt kommt es mir erst: Wir hatten die ganze Zeit lang keinen Durst und auch keinen Hunger! Doch ich darf nicht lange überlegen, denn sonst wird es auffällig. Ich sage, so ruhig wie möglich, klingend: "Tja, was die Erschöpfung anbetrifft: Wir sind eben, äh, einfach stark. Wir lassen uns nicht so einfach unterkriegen! Mit den vielen Völkern hatten wir eben, äh, Glück! Und wegen dem Essen und dem Wasser: äh, wwir, wir hatten am Anfang unserer Reise natürlich viel dabei, doch wir wußten eben nicht, wie weit und trotzdem sehr anstrengend unsere Reise werden würde! Unsere letzten Vorräte gingen uns ungefähr vor zwei Stunden aus! Wir hofften eben, daß Ihr so gastfreundlich seid und uns etwas gebt! Und jung? BBei unserem Volk ist das sozusagen eine Reifeprüfung, der sich jeder in unserem Alter unterziehen muß, um in den Kreis der Alten und der Wähler, die ja unseren König wählen, aufgenommen zu werden, und um später vielleicht sogar zum König gewählt zu werden! Unser Volk muß eben hart sein!"
Als ich meine Rede beendet habe, schaut mich nicht nur der Pharao komisch an, sondern auch alle anderen! Ich versuche, etwas beleidigt zu klingen, als ich kurz darauf, ihren Blicken zuwider, frage: "Glauben Sie mir etwa nicht?!"
Der Pharao sagt entschuldigend, und respektvoll: "Naja, es ist bloß, daß wir von solch einem starken Volk noch nie gehört haben! Doch, ich will euch glauben. Natürlich bekommt ihr Nahrungsmittel mit auf den Weg und auch ein Nachtlager, damit ihr euch ausruhen, und am nächsten Tag dann wieder ausgeruht zum letzten Teil eurer Reise starten könnt. Jetzt bringen wir euch erst mal hier heraus."
Ich atme erleichtert durch. Ich kann einfach nicht glauben, daß er mir die Geschichte abgenommen hat! Sind die in der Vergangenheit alle so blöd gewesen? Jedenfalls lächle ich jetzt mein süßestes Lächeln. Der Pharao sieht es und verbeißt sich nur knapp das Lachen! Das ärgert mich irgendwie ein bißchen. Dennoch sage ich jetzt : "Vielen Dank!"
Dann dreht der Pharao sich um und ruft zu seinen Wächtern: "Geht voraus und führt uns, auch ohne meine Hilfe, sicher heraus. Ihr kennt ja den Weg. Ich möchte hinten bei unseren zwei Freunden mitgehen, und noch etwas mit ihnen reden." Er dreht sich wieder um. "Es macht euch doch nichts aus?" fragt er uns.
"Äh, nein nein! Es ist uns eine große Ehre!"
Der Pharao schreitet majestätisch ans Ende des Zuges, zu uns. Sofort setzen sich die vorderen Wächter in Bewegung, und bald sind wir wieder in dem langen Gängengewirr der Pyramide, in dem sich die Wächter aber sehr gut auszukennen scheinen. Plötzlich habe ich Angst, denn was will uns denn der Pharao sagen? Es muß etwas ganz persönliches sein, denn sonst würde er es ja vor den Wächtern sagen! Nach einiger Zeit beginnt er vorsichtig: "Was ich noch ganz nebenbei fragen wollte, bist du, ich meine, wie heißt ihr eigentlich?"
Ich stelle uns höflich vor: "Also, das ist Chris," ich deute mit dem Finger auf ihn, "und ich bin Laura."
"Ah, also, Laura, eine Frage: Bist du eigentlich schon versprochen?"
Ich schaue ihn erschreckt an. Seine Worte hallen mir in den Ohren. Mein Kopf dreht sich. Chris steht starr und steif. Ich stottere: "WWWas?! IIch? Ich, ja, nein, ich meine, ich," ich stocke.
Ich merke, wie Chris feuerrot im Gesicht wird. Ich weiß aber nicht, ob es vor Angst oder vor Wut ist. Mir fällt nichts mehr ein.
Plötzlich stottert Chris: "VVersprochen? DDas ist so..."
Der Pharao unterbricht ihn: "Aha, also doch! Wem denn? Vielleicht eurem König, den das Volk wählt? Ha! Da habe ich an Reichtum und Land viel mehr zu bieten! Wenn es darum geht?!"
Ich antworte zaghaft: "NNein, aber, ich meine, bbei uns ist das nicht so, ddaß der König, oder ein Mann, also, daß er sich einfach eine Frau aussuchen kann! Bei uns muß auch die Frau einverstanden sein!"
Der Pharao schaut uns erstaunt an. "WAS?" Er schüttelt unglaubwürdig den Kopf. "Das ist ja ein komischer Brauch! Aber, du bist jetzt in Ägypten! Und außerdem... Außerdem würdest du nicht unter meine 56 Frauen am Hofe kommen! Du würdest an meiner Seite Königin werden! Und außerdem... Warum rede ich eigentlich von WÜRDEST?! Du wirst es werden! Wache! Wenn wir draußen angekommen sind, dann bringt bitte meine zukünftige Königin " , er zeigt tatsächlich auf mich, "sofort in das zweitschönste Zimmer im Palast! Sie soll sich etwas ausruhen, bis morgen zur Krönungszeremonie!"
Als er sich umdreht und mich siegreich anlächelt, starre ich ihn an und schreie plötzlich drauf los: "Aber du hast nicht das Recht dazu!"
"In meinem Land schon." antwortet er außergewöhnlich ruhig und gelassen.
Ich gerate in Panik und will davonrennen, doch die Wachen halten mich auf! Ich schreie tobe, schlage wild um mich und gleichzeitig suche ich mit meinen Augen nach Chris. "CHRIIIIIS! WO BIST DU?! HILF MIIIIIR!" Ich renne wild umher, mir wird schwarz vor den Augen! Bevor ich umkippe schreie ich noch: "NEEEEEEEEEIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIN!" Dann umfängt mich die Dunkelheit.


 Kapitel 13
© 2008 by Janis Purucker



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