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Das geheimnisvolle Serum

ein Fantasy Abenteuer-Roman von Janis Purucker


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Kapitel 14

Als wir wieder bei der Anlage angekommen sind, drücke ich wieder auf den kleinen Mauervorsprung und die Tür geht auf. Wir atmen nochmal tief durch und gehen dann hinein. Als wir wieder bei dem Gitter angekommen sind, gelingt es uns tatsächlich, es mit der Brechstange zu öffnen! Dann nähern wir uns langsam dem Sarg. Je näher wir darauf zugehen, desto mulmiger wird es uns. Und als wir davorstehen, schauen wir uns beide an: IRGENDEINER VON UNS BEIDEN MUß IHN ÖFFNEN!
Chris sagt: "NNa los, mach ihn schon auf!"
Ich erwidere ihm: "WWarum mmachst es denn du nicht?"
"Naja, ähm, in dem Buch stand schließlich, daß ddu meine Beschützerin bist!"
"Ach ja! Wie ich dir das das erste Mal vorgelesen habe, hast du noch geprahlt: HAH, ICH BRAUCHE KEINE BESCHÜTZERIN! ICH KANN SELBER AUF MICH AUFPASSEN! Und jetzt, wo es ernst wird, sagst du: DU BIST MEINE BESCHÜTZERIN! Hah, du bist wirklich..."
Chris unterbricht mich: "Ja, gut, ich bin ein Angsthase! Ich gebs ja zu! Aber wenn du den Deckel nicht bald aufmachst, dann kommen wir nie weiter!"
Ich schaue ihn an und schüttele den Kopf. Dann sage ich: "Na gut, die KLÜGERE gibt nach!"
Dann lege ich meine Hände an den Sargdeckel. Mein Herz klopft mir bis zum Hals. Ich wäre jetzt lieber im Krankenhaus! Aber, es muß sein! Langsam hebe ich den Deckel an. Er ist eigentlich gar nicht schwer! Schwer ist an der ganzen Sache bloß, daß man ihn aufmachen muß! Ich schlucke. Dann hebe ich ihn ganz hoch! Ich atme aus. Ein goldener Sarkophag verschließt das Innere nochmal! Ich lege den Deckel weg.
Chris lacht erleichtert und scherzt: "Hach, wenn man das bei uns machen würde, wäre das wieder viel zu viel Müll!"
Ich schaue ihn von der Seite an und lächle. Dann werden wir sofort wieder ernst. Jetzt kommt das Allerschwerste! Ich beiße die Zähne zusammen. Umso schneller ich es mache, desto schneller habe ich es hinter mir. Ich versuche, den schweren Sarkophagdeckel anzuheben. Zuerst will es mir nicht ganz gelingen. Doch dann bekomme ich ihn zu fassen und hebe ihn vorsichtig hoch. Im ersten Moment erschrecke ich so, daß ich mit dem Deckel rückwärts hinfalle. Doch ich rappele mich wieder auf und überzeuge mich, daß das erste Bild vom Sarkophag-Innern auch wirklich stimmt. Es ist irgendwie auch ein erschreckendes Bild! Mir gehen die Schlagzeilen von vielen Illustrierten durch den Kopf: "Mumien, Zeugen ihrer Zeit", oder: "Mumien, die erschreckenden Abbilder vergessener Kulturen" .
Doch was da vor mir liegt, sieht auf keinem Fall so aus, wie auf den Abbildungen der Zeitschriften! Ich meine, irgendwie schon aber... Auf einmal muß ich laut herauslachen! Ich weiß im ersten Moment gar nicht warum, doch im nächsten... "Haha, ich werde verrückt!" Ich schaue Chris, der die ganze Zeit nur auf dieses seltsame Ding starrt, belustigt an: "Weißt du, was da vor uns liegt? Haha, hast du so was schon mal gesehen? Ha, ich meine es ist eine Mumie, haha, aber hast du so eine schon mal gesehen?! Hahaha! Eine Mumie im Taucheranzug! Ha, das würde mir nicht mal dieser blöde Pharao glauben! Hahaha!"
Plötzlich stimmt Chris in mein Gelächter ein! Wir lachen mindestens eine Minute lang, bevor wir uns langsam wieder beruhigen. "Haha, Laura! Daß uns diese Dimension auch mal zum Lachen herausfordert, das hätte ich nicht gedacht! Haha!"
Langsam fasse ich wieder klare, ernste Gedanken. Mir fällt wieder ein, was der Fisch in der Kapelle sagte: "Besucht mich doch mal, wenn ihr die Taucherausrüstung gefunden habt! Ich wohne in Ägypten, im Nil, dreißig Meter von der Stadt Kairo entfernt, gleich bei den Akazien, unter dem großen Stein!" Ich teile Chris meine Erinnerung mit.
"Das heißt also, wir müssen..."
Ich unterbreche ihn: "Ha, ja, Chris. Das heißt, wir müssen dieser Mumie den Taucheranzug, hihi, ausziehen! Aber, was mich wundert: Wir brauchen doch zwei!"
"Hm, vielleicht ist noch einer drin! Jedenfalls müssen wir... äh, du!"
"Wieso ich? ICH HABE DIE DECKEL AUFGEMACHT! Jetzt bist du dran!"
Ich schreie ihn solange an, bis er endlich nachgibt. "Na gut, ich mache es ja schon!"
Wir heben die Mumie langsam und vorsichtig heraus, weil wir außen mehr Platz haben. Darunter liegt tatsächlich noch ein Taucheranzug! Aber jetzt machen wir uns erstmal über die Mumie. Es ist wirklich ein sehr komisches Gefühl! Chris zittert mit mir um die Wette. Aber es ist wirklich auch ein komisches Bild: Ein dunkler Raum, mit einem Sarg, der Sarg offen, die Mumie auf dem Boden, und Chris davor, der gerade versucht, den Taucheranzug über die nochmals einbandagierten Beine der Mumie zu ziehen! Ich weiß nicht was ich machen soll, weinen oder lachen? Endlich hat es Chris geschafft! Er zieht den Taucheranzug mit einem letzten Ruck weg. Doch da passiert etwas! Der Ruck hat eine der Bandagen gelöst, und die Mumie beginnt, sich abzuwickeln! Uns wird mulmig zumute, wir können nichts tun, nur erstarrt
zusehen! Jetzt sieht man schon die schwarzen, schrumpeligen Beine der Mumie! Ich weiche schreiend an das Gitter zurück. Jetzt kommt auch Chris! Er stellt sich, vor Angst zitternd, hinter mich. Ich denke gerade noch: "Angsthase! Wirklich..." Als das Gesicht der Mumie frei wird! Unsere Augen weiten sich, ein Angstschrei kriecht in uns hoch, und wir lassen ihn auch gleichzeitig los:
"AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAHH!!!!!"
Ich will automatisch rückwärts gehen, doch das Gitter und Chris versperren mir den Weg. Ich starre, trotz meiner Angst, immer noch auf das Gesicht der Mumie! Es ist überhaupt nicht so schwarz, wie die Beine! Es sieht aus wie ein ganz normales, junges Gesicht! Doch was das Schlimmste daran ist, es sieht aus wie Chris`!
Chris schreit stotternd: "LLaura, bbin ich nnoch da, oder schon im HHimmel?!! Wir müssen hier weg!" Und er versucht panisch wegzurennen!
Doch ich halte ihn fest. "Chris! Wir müssen erst den Taucheranzug mitnehmen!"
"Ich hebe den, den Chris vor Schreck fallen gelassen hat, auf. "Da, den im Sarg brauchen wir noch!"
Chris scheint sich endlich wieder etwas zu beruhigen. "Oh, Laura, ssiehst du, das ist wieder einmal uungerecht!"
"Wieso ungerecht?" frage ich ihn verwirrt.
"NNa, ddie Mumie hat mein Gesicht! AAber, von dir hat sie nichts!"
Ich schaue ihn von der Seite an. Dann drehe ich mich um. Ich fasse einen Entschluß. Mit einem Tempo, als würde mich ein Killer verfolgen, rase ich zum Sarg und greife nach dem zweiten Taucheranzug. Als ich ihn habe, renne ich zurück. Plötzlich können wir aus der Ferne beobachten, wie ein Stück Papier oder
sowas, wahrscheinlich aufgewirbelt von dem schnellen Ruck, mit dem ich den zweiten Taucheranzug an mich gerissen habe, auf den Boden flattert!
Doch selbst von hier aus erkennen wir, daß es nicht nur irgendein Stück Papier ist! Es ist... "EEin Foto von dir!" schreit Chris. "DDas mit der Gerechtigkeit habe ich doch nnicht sso ernst gemeint! DDie von dieser Dimension vverstehen aber auch alles falsch!!"
Plötzlich hören wir ein Geräusch! Es scheint aus der Ecke, in der die Mumie liegt, zu kommen! Wir drehen uns langsam um. Tatsächlich! Die Mumie bewegt sich! Wir stehen vor Schreck starr und steif. Ich überwinde mich noch zu einer letzten Frage: "Chris, iich hhabe die Taucheranzüge und daas SSerum! HHast du ddas BBuch?"
Chris sagt: "JJJa!!"
"DANN LASS UNS ABHAUEN!"
Und wir rennen in panischer Angst durch die viele Gänge der Sphinx. Als wir einmal eine Sekunde Pause machen wollen, hören wir Schritte hinter uns! "SIE VERFOLGT UNS!!!!" schreien wir und rennen im gleichen Moment wieder los. Über dem Rennen schießt es mir durch den Kopf: "Hoffentlich finden wir in dieser Eile nach draußen!"
Ich stoppe kurz und sage es Chris. Bevor er antwortet, lauscht er erst, ob noch Schritte zu hören sind. Im Moment nicht! Deswegen antwortet er mir: "IIch glaube, wir müssen dieses Risiko auf uns nehmen! Denn sonst..." Er dreht sich hastig um, "werden wir MUMIFIZIERT!!!!" Und wir rennen wieder los, weil die Mumie wieder hinter uns ist! Wir rennen immer schneller und schneller. Doch auch die Mumie wird schneller! Wir haben keine Zeit, uns darüber zu wundern, wie diese Mumie so schnell laufen kann, denn wir müssen rennen!
Plötzlich taucht vor uns Licht auf und...Der Ausgang! So schnell wir können, rasen wir hinaus und drücken auf den Mauervorsprung, der die Öffnung hoffentlich verschließt! Ein kleines Stückchen ist er bereits zu. "Das dauert zu lange!" schreie ich hoffnungslos. "Dahinten, da kommt sie!!!" Jetzt trennen uns nur noch etwa sechs Meter! Als sie vor uns, da wir vor Schreck ganz steif stehen, steht und gerade die Arme nach uns ausstreckt, geht die Öffnung mit einem gewaltigen Schlag zu! Und... sie schlägt die Arme der Mumie ab! Sie zappeln blutverschmiert im heißen Wüstensand! Dann rappeln sie sich auf und kommen immer näher auf uns zu! In der Sphinx hört man immer noch die Mumie brüllen! Doch die Hände! Plötzlich gebe ich meinem Herzen einen Stoß, hebe meinen Fuß hoch und lasse ihn voll auf die Hände hinabsausen! Als mein Fuß sie trifft, spritzt auf einmal einer langer Blutstrahl aus ihnen, der uns aber gottseidank nicht trifft! Dann regen sie sich nicht mehr. Ich nehme meinen Fuß langsam zurück. Ich schaue die Hände nicht mehr an, denn sonst würde mir übel. Wir drehen uns um. Das Geschrei aus dem Innern der Sphinx wird langsam leiser. Dann hören wir einen dumpfen Knall. Wahrscheinlich ist die Mumie umgefallen.
Nach einiger Zeit legt Chris den Arm um mich und sagt, wahrscheinlich um mich etwas aufzumuntern: "Siehst du, auch eine Mumie kann verbluten!"
Trotz meinem Schock muß ich lachen. Und dann wird es mir erst richtig bewußt: WIR HABEN ES ÜBERSTANDEN! Jedenfalls in Ägypten.
"Chris," schlage ich nach einer Weile vor, "was hältst du davon, wenn wir den Fisch, seine Frau Kali und seine 5 Kinder besuchen?"
"Hm, ja, keine schlechte Idee! Also wie sagte er... dreißig Meter von der Stadt Kairo entfernt, im Nil! Also gehen wir erst mal zurück zu dieser Stadt!"
Als wir da sind, gehen wir genau dreißig Meter von der Stadt bis zum Nil. "Er sagte doch auch: Gleich bei den Akazien, unter dem großen Stein! Schau mal, hier sind Akazien, oder?"
"Ja, das sind welche! Und hier ist auch ein großer Stein! Wow, das ist ja ein richtiger Felsen, der hier ins Wasser gespült worden ist!"
Wir ziehen die Taucheranzüge an. Das Buch und alles andere lassen wir natürlich am Ufer. Als wir nochmals überprüft haben, ob in unseren Sauerstoffflaschen genug Luft ist, geben wir uns ein Zeichen, und springen gleichzeitig in das saubere, und... warme Wasser! Dann schwimmen wir unter den Stein. Dort unten ist der Eingang zu einer Höhle! Wir schwimmen hinein. Dann kommt ein Stein, der wohl sozusagen die Haustür sein soll. Ich klopfe ein paarmal mit dem Finger dagegen. Nach kurzer Zeit wird der Stein von innnen weggerollt und wer erscheint? Der Fisch!
Er sagt: "Oh, ihr habt es geschafft! Wirklich toll! Ich habe mir schon Sorgen gemacht! Kommt doch rein, ich habe meiner Frau schon von euch erzählt! Sie brennt ganz darauf, euch kennenzulernen! Und meine Kinder natürlich auch!"
Also zwengen wir uns durch die Öffnung. Wow, da drinnen sieht es ganz anders aus, als ich es mir vorgestellt habe! Ich habe mir eine klitzekleine Wohnung vorgestellt, weil der Fisch ja nicht gerade groß ist! Aber: Der Raum ist tatsächlich groß genug für uns! Zwar stoßen wir, wenn wir uns aufstellen wollen, oben an die Decke, aber hinsetzen können wir uns. Und - an der Decke der Höhle, an die unsere Köpfe auch
im Sitzen reichen, ist eine große, langgezogene Luftblase! Wir können also unser Beatmungsgerät abnehmen und auch reden! Der Fisch und seine Familie können "natürlich" auch im Wasser sprechen! Wir unterhalten uns und unterhalten uns: Wie wir bis jetzt alle Gefahren gemeistert haben, alle Aufgaben gelöst und alle Schocks durchgestanden. Kali bietet uns Seealgenkuchen an, den wir aber "dankend" ablehnen. Dann später erzählen wir noch ein paar Witze, aus "unserer Welt", auf die die 5 Kinder sofort loslachen, äh, losblubbern müssen. Die Zeit vergeht wie im Traum.
Am Ende unseres Besuches gibt uns der Fisch noch ein kleines Geschenk. "Ach ja, bevor ich es vergesse, hier: Ein Stück Papier." Und er gibt uns einen Zettel.
"Was sollen wir denn damit?" frage ich ihn erstaunt.
"Tja, im Moment ist es noch ein leeres Stück Papier. Doch ich rate euch: Schaut öfters mal drauf, irgendwann wird es euch behilflich sein können!"
Wir bedanken uns und dann verabschieden wir uns langsam. Wir wünschen ihnen noch viel Glück weiterhin, nehmen unser Beatmungsgerät wieder in den Mund und gehen, äh, schwimmen davon.
Als wir wieder am Ufer, in unseren normalen Kleidern, stehen, sind wir doch froh, daß wir wieder auf festem Boden sind! Als nächstes schauen wir im Buch nach, was wir jetzt machen sollen: "Dann, wenn ihr den Taucheranzug gefunden habt, vermischt einfach etwas Wasser aus dem Nil mit dem Serum, tragt es auf und sagt: "INSEL DES TORES!" Wir machen es, und uns wird, wie immer, sofort schwarz vor den Augen.


 Kapitel 15
© 2008 by Janis Purucker



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