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Das geheimnisvolle Serum

ein Fantasy Abenteuer-Roman von Janis Purucker


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Kapitel 16

Als wir vor der Seilbahn angekommen sind, setzen wir uns ohne lange zu überlegen in den kleinen Liftsessel. Dann drücken wir auf den roten Knopf. Sofort geht es hinauf. Es ist ein ziemlich hoher Berg. Wir schweben über viele Wiesen, Felder und Wälder hinweg. Neben uns fliegen vereinzelt ein paar Vögel vorbei. Es ist wunderschön! Die Sonne taucht alles in ein helles, zauberhaftes Licht. Wir schweben immer höher und höher. Der Berg scheint nie aufzuhören!
Endlich sehen wir in der Ferne den Gipfel, auf dem ein wunderschönes Schloß steht! Rosa und golden glänzt es mindestens 300 Meter weit! Alles hier ist so schön, daß einem fast die Augen übergehen! Langsam schweben wir auf die Endstation der Seilbahn zu. Als wir aus dem Liftsessel herausspringen, fährt dieser an dem anderen Seil sofort wieder hinunter. Ich überlege verwirrt, wie wir wieder runterkommen sollen, doch im gleichen Moment fällt mir ein, daß wir ja durch das Tor im Schloß müssen! Deshalb gehen wir jetzt auf die große Eingangstür des Schlosses zu. Wir klopfen dreimal laut. Nach einiger Zeit geht ein kleines Fenster in der Tür auf und dunkle Augen starren uns an. "Was wollt ihr komischen Wesen?" fragt uns eine dunkle, rauhe Stimme.
"Äh, wir wollen..."
"Sagt nichts! Ihr wollt zum Tor, nicht wahr?"
"Ja!" antworten wir beide gleichzeitig.
"Tja, da müßt ihr erst einmal eine Menschen-Audienz beantragen!"
Wir schauen uns an. "Naja, dann beantragen wir sie!"
"Das wiederrum ist nicht so einfach! Um eine Audienz beantragen zu können, müßt ihr mir erst die gelbe Wunderblume, genannt: "FELICITA" besorgen!"
"Was?!" frage ich ärgerlich. Wir wollen doch nur zum Tor!"
"Tja, das ist eben nicht so leicht! Nicht jeder kommt hier so einfach durch! Ihr habt keine andere Chance, als Felicita zu suchen!"
Ich stöhne. "Wo wächst diese Blume denn überhaupt?"
"Oh, sie ist eine sehr seltene Blume! Niemand weiß genau, wo oder ob sie überhaupt noch irgendwo zu finden ist!"
Mir bleibt vor Staunen der Mund offen. Dann schreie ich: "Also, Sie, Sie Viech ohne Namen..."
"Gestatten, Blubbermaul ist mein Name, ich bin ein Nilpferd und Mitglied der Königlichen Garde unseres gütigen Herrschers Löwenzahn! Und außerdem bin ich es leid, mit euch zu reden, entweder ihr sucht die Wunderblume, die übrigens nur an dunklen Stellen, meist in der Erde, vielleicht sogar im Zwergenreich wachsen KÖNNTE, oder ihr müßt eben hierbleiben und auch Tierfutter fressen! Denn Menschen haben hier natürlich Jagd-Verbot! So - und jetzt: Grüß Löwenzahn, ihr beiden! Und viel Pech!"
Das Fenster schließt sich wieder, bevor wir überhaupt etwas erwidern können.
Nun flippe ich erst recht aus. Ich hämmere an das Tor, fluche, schreie, schimpfe und zetere solange, bis ich nicht mehr kann. Als ich mich wieder etwas beruhigt habe, sage ich stur mit verschränkten Armen zu Chris: "Na gut, dann müssen wir diese Scheiß Blume eben finden! Hm! Ich würde sagen, wir fangen erst mal an, jemanden zu fragen, wie man zum Zwergenreich unter der Erde kommt! Da muß es doch irgendeinen versteckten Eingang geben! Und wer weiß, vielleicht haben wir sogar Glück! Komm
jetzt!"
Also machen wir uns auf den Weg. Wir suchen alles um uns herum nach einem hilfsbereiten Tier um, aber es ist vergebens. Wenn wir schon einmal eine Katze oder einen Hund treffen, sagen sie einfach: "Ich weiß nichts, was euch interessieren könnte!" Oder sie beachten uns erst gar nicht! Bis wir nach einiger Zeit auf einen Hasen stoßen, der aufgeschlossener ist, als alle anderen. Wir fragen ihn also ganz höflich: "Entschuldigen Sie bitte, aber könnten Sie uns den Weg zum Eingang des Zwergenreiches zeigen?" wie bei allen anderen auch.
Er ist sehr erfreut, ein Gespräch mit jemandem zu beginnen, wie es scheint, warum, das erzählt er uns auch. "Ha, guten Tag, ihr zwei! Wieder Besucher? Freut mich, freut mich, mein Name ist Stummelschwanz und ich bin froh, daß ich mit jemandem reden kann. Die meisten anderen Tiere reden nicht mit mir, oder kennen mich gar nicht, wahrscheinlich weil mein Bau recht abseits von den anderen Behausungen liegt und ich so etwas zum Einsiedler geworden bin. Und wen sie nicht kennen, mit dem reden sie ja erst gar nicht. Aber nun zu eurem Problem... Wie heißt ihr eigentlich?"
"Chris und Laura." sage ich höflich, aber ziemlich schnell, weil ich eigentlich keine Zeit vergeuden möchte.
"Aha, also," er zeigt mit der Pfote auf mich, "du bist Chris, und das ist Laura." Dabei zeigt er mit dem Finger auf Chris.
Unwillkürlich müssen wir lachen. Als wir uns etwas beruhigt haben, korrigiere ich ihn mit einem Lächeln: "Nein, ich bin Laura und das ist Chris!"
"Oh, Pardon! Wißt ihr, ich kenne eure Menschennamen nicht so!"
"Ist schon gut!" sage ich.
"Also, übrigens könnt ihr mich duzen. So jetzt endgültig zu eurem Problem: Ihr sucht den Eingang des Zwergenreiches? Warum?"
"Naja, weil wir die gelbe Wunderblume FELICITAS suchen, denn ohne sie können wir nicht in das Schloß des Königs der Tiere, um dort zu dem Tor zu gelangen, das uns wieder nach Hause bringt! Und die Wache am Tor sagte uns, daß Felicitas vielleicht im Zwergenreich wachsen könnte!"
"Aha! Tja, ich kenne Felicitas, besser gesagt, ich habe schon von ihr gehört. Sie soll nur an dunklen Stellen wachsen, da könnte das Zwergenreich schon eine Chance sein! Nur sehr wenige kennen den Eingang zu diesem Netz aus unterirdischen Gängen! Aber, ihr habt Glück! Ich bin einer von den wenigen, die ihn kennen! Wißt ihr, die 'Zwerge' sind sehr scheu und gerade weil mein Bau so abseits liegt, lernte ich einen kennen! Sie bevorzugen nämlich mehr oder weniger unbewohnte, versteckte Stellen im Wald! Und genau an so einer Stelle liegt mein Bau. Tja, so kam es eben eines schönen Tages, daß ich gerade auf einem meiner Spazierhoppler durch den Wald 'Grabpfote' kennenlernte, mit dem ich mich anfreundete. Und so nahm er mich eben auch einmal zu sich nach Hause mit. Und seitdem kenne ich den Eingang des Zwergenreiches!"
"Ja, was sind denn die "Zwerge" überhaupt für Tiere?" frage ich verwirrt.
"Na Maulwürfe! Ich weiß auch nicht so genau, warum man sie "Zwerge" nennt, aber wahrscheinlich kommt das daher, daß auch echte Zwerge normalerweise immer unter der Erde leben und sich eben selten blicken lassen, so wie Maulwürfe auch!"
"Aha! Tja, dann...zeig uns bitte den Eingang."
"Ok. Mir nach!"
Und Stummelschwanz hoppelt voran. Wir folgen ihm. Es geht über Wiesen und Felder, bis wir in der Ferne einen dunkeln, großen Wald sehen können. Wir betreten ihn. Mmmh, die klare frische Waldluft steigt uns in die Nase. Man merkt sofort an den Bäumen, daß es hier überhaupt keine Luftverschmutzung und somit auch kein Waldsterben gibt. Als wir durch ein Gestrüpp kriechen, bleibt Stummelschwanz auf einmal stehen. "So, dort drüben ist mein Bau." Er zeigt mit der Pfote nach Norden. Tatsächlich! Dort ist ein kleines Loch zu sehen. "Nun ist es nicht mehr weit bis zum Eingang!" Jetzt geht es nur noch ein kleines Stückchen durch den Wald, bis wir zu einem Loch kommen, das genauso groß ist, wie wir selbst. "Warum haben denn so kleine Tiere so ein riesiges Loch?" frage ich.
"Das ist nur, wenn einmal die Armee ausrücken muß."
"Die Armee?! Ich dachte, hier gibt es keinen Krieg?"
"Ach, doch nicht um Krieg zu führen! Einerseits müssen sie hier raus wenn sie unten nicht weitergraben können, weil irgendwas im Weg ist und sie von oben weitermachen müssen und dann müssen sie manchmal, wenn gerade nicht viele Würmer in ihrem Gebiet sind, ausrücken, um das Reich zu versorgen!"
"Ach so!" sage ich.
"Tja, dann... Versucht es doch einfach mal! Die Chancen stehen gut, daß ihr die Blume findet! Und wenn euch irgendein Maulwurf über den Weg läuft, sagt ihm einfach, ihr seid Freunde von Stummelschwanz. Und schon lassen sie euch in Ruhe. Ach ja! Fast hätte ich es vergessen! Hier...nehmt das! Unter der Erde ist es sehr dunkel, ihr werdet sie brauchen!" Er gibt uns eine Laterne mit einer brennenden Kerze darin. "Die Maulwürfe können ja nach ihrem Geruch gehen, aber ihr nicht!"
"Danke, Stummelschwanz!" sagen wir. "Und Tschüß! Du hast uns wirklich sehr geholfen!"
"Bitte, bitte, nichts zu danken. Paßt gut auf euch auf und viel Glück noch weiterhin!" sagt er und hoppelt davon.
Wir betreten also das Reich der Zwerge (oder Maulwürfe).
Es ist wirklich sehr dunkel, doch die Laterne spendet uns Licht und wirft unheimliche Schatten an die Wände der Höhle, von der mehrere Gänge abzweigen. Wie sollen wir uns hier bloß zurecht finden? Naja, eigentlich brauchen wir das ja gar nicht! Wir müssen uns lediglich den Eingang merken, weil wir ja nicht wissen, wo und ob sich die Blume überhaupt hier befindet. Naja, wir können ja einen Maulwurf fragen, wenn wir einen treffen. Vielleicht hilft er uns. Jedenfalls laufen wir jetzt einfach mal nach Norden. Wir müssen gebückt laufen. Ich halte die Laterne zitternd in der Hand und leuchte in alle Ecken, weil ich Angst habe, jeden Moment könnte jemand herausspringen. Immer weiter gehen wir den Gang entlang. Immer mehr andere Gänge zweigen von dem unseren ab. Doch wenn wir da irgendwo hineinlaufen, finden wir bestimmt nicht so schnell wieder zu dem Eingangsloch zurück. Endlich hören wir vor uns einzelne Laute, die auf Graben hindeuten. Tatsächlich! Als wir um eine Ecke biegen, hört der Tunnel plötzlich vor uns auf und am Ende gräbt ein kleiner Maulwurf mit erdverschmiertem Fell. Wahrscheinlich will er den Tunnel erweitern. Als er uns bemerkt, erschrickt er zuerst. Doch als wir ihm dann sagen, daß wir Freunde von Stummelschwanz sind, stellt er sich gleich vor. "Ach so! Ihr seid Freunde von Stummelschwanz! Na, dann.
Ich heiße übrigens Samtfell und bin auch ein guter Freund von Stummelschwanz! Tja, also...Wie heißt ihr? Und was wollt ihr hier bei uns unter der Erde?"
"Ich heiße Laura und das ist Chris. Und wir suchen die gelbe Wunderblume Felicitas. Ohne sie können wir nämlich nicht ins Schloß des Königs der Tiere, in dem sich ja das Tor befindet, durch das wir wieder in unsere Welt zurückkehren können! Und da die Wunderblume nur an ganz dunklen Stellen wächst, hat uns Stummelschwanz geraten, mal ins Zwergenreich zu schauen!"
"Aha! Tja, dann seid ihr hier richtig! Seid froh, daß ihr 'ne Laterne habt, sonst würdet ihr hier nicht durchkommen! Jedenfalls: Ich selbst weiß nicht, wo oder ob die Blume sich bei uns befindet! Doch ich glaube, ich kenne jemanden, der sich hier besser auskennt als ich! Folgt mir!"
Und Samtfell kriecht vor uns her. Den großen Tunnel, an dessen Ende sich der Ausgang befindet, entlang, dann biegt er einmal rechts, dann links und nochmal rechts ab. Jetzt geht es nur noch geradeaus, bis links von uns ein Eingang auftaucht. Samtfell bleibt stehen. "So, hier ist es. Hier wohnt Blindauge. Er ist schon sehr alt und kann nicht mehr sehen, aber auf seinen Geruch kann er sich verlassen, wie er immer sagt. Er kennt das ganze Reich so gut wie seine eigene Wohnung. Kommt, ich stelle euch ihm vor. Er ist Fremden gegenüber sehr mißtrauisch, müßt ihr wissen."
Samtfell klopft einmal kurz an die Wand, weil ja keine Tür da ist. Nach einiger Zeit steht Blindauge in der Öffnung. Er fragt: "Ja, wer ist da?" Seine Stimme klingt furchtbar rauh. Samtfell antwortet ihm gleich: "Gutes Graben, Herr Blindauge! Ich bin`s, Samtfell und ich habe Ihnen Besuch mitgebracht. Es sind Nemis, aber
sie suchen nur eine Blume namens Felicitas, damit sie ins Schloß und somit zum Tor gelangen können. Ich habe mir gedacht, daß Sie ihnen vielleicht helfen könnten!"
Blindauge brummt: "Naja, dann kommt mal herein!"
Und wir quetschen uns durch den kleinen Eingang in Blindauge's Wohnung. Vom ersten Raum zweigen drei Gänge ab. Blindauge setzt sich auf das einzig auffällige in diesem leeren Raum: einen kleinen Erdhügel. Dann fängt er an: "Aha, also ihr Nemis, ihr sucht also Felicitas."
Ich denke gerade, daß Nemis wahrscheinlich Menschen heißt, deswegen reißt mich Blindauge's Frage aus meinen Gedanken.
Doch Chris rettet die Situation. "Ja, Herr Blindauge." antwortet er höflich.
"Tja, hat euch denn keiner erzählt, daß Felicitas zwar schon an dunklen Stellen unter der Erde wächst, aber nicht einfach so..."
"Wie, nicht einfach so?"
"Nun ja, sie wächst zwar hier bei uns, aber nur in Gewässern! Im Earthlake zum Beispiel, oder im Dirtwater! Und noch dazu ganz tief unten auf dem Grund! Wie wollt ihr da hinkommen?"
Ich überlege einige Sekunden. Da fällt mir der Taucheranzug (den ich die ganze Zeit mit herum schlepppe) ein! Ich bin erleichtert. "Da brauchen Sie keine Bedenken zu haben, wir haben nämlich Taucheranzüge mit!" In diesem Moment erinnert sich auch Chris daran. "Ja, genau! Bitte zeigen Sie uns einen von diesen unterirdischen Seen!"
"Taucheranzüge? Nun ja. Also, dann folgt mir mal! Wir gehen zuerst zum Earthlake!"
Und Herr Blindauge kriecht voran, dann komme ich, Chris und Samtfell bildet das Schlußlicht. Wir gehen den kleinen Gang bis zum Ende. Dann schnuppert Blindauge ein bißchen herum und sagt dann: "Aha, hier geht¢s lang!" Und er biegt rechts ab. Wir folgen ihm. Es geht immer weiter, immer tiefer in die Erde hinein.
Endlich kommen wir vor eine einzelne Höhlenöffnung. Da bleibt Herr Blindauge stehen. "So, hier müßte es sein! Schaut mal." Und ich krieche als erste durch die niedrige Höhlenöffnung. Chris folgt mir. Was ich dann sehe, werde ich von dieser Dimension auch nie vergessen! Eine riesige Höhle liegt vor uns. Wir können uns endlich aufrichten. Und in der Mitte der Höhle: Der EARTHLAKE!
Uns bleibt vor Staunen der Mund offen. Er ist wirklich ein riesiger See (jedenfalls für einen unterirdischen)! Und wie schön das aussieht! Überall dunkle Wände, dreckige Gänge, und auf einmal so ein großer, schöner, mit Wasserpflanzen überwucherter und vor allem klarer See! Man kann fast bis auf den Grund hinunter sehen! Nur in einer Ecke nicht, da ist das Wasser irgendwie trüb, was mir aber nicht weiter auffällt.
Wir ziehen unsere Taucheranzüge an, schalten unsere Beatmungsflaschen ein und springen in das ...brr... kalte Wasser! Sofort tauchen wir hinunter in die Tiefen des Sees. Doch auf dem Grund: Nichts außer Kies und Algen. Wir suchen weiter.
Wir hören nicht wie uns Blindauge von oben zuschreit: "Paßt vor dem...auf! Ich habe vergessen, euch zu sagen, daß...!" Doch wir können nicht verstehen. Wir suchen weiter. Als wir denken, den ganzen Grund abgesucht zu haben und schon fast aufgeben wollen, fällt mir die eine dunkle Stelle, die ich von oben gesehen habe, ein! Dort haben wir noch nicht gesucht! Ich packe Chris am Ärmel (weil man ja unter Wasser nicht reden kann) und schwimme mit ihm
dort hin. Da sehen wir ein paar Felsen und in den Felsen eine Höhle! Ohne zu Zögern schwimme ich darauf zu. Der Abstand zu der Öffnung wird immer kleiner, immer kleiner...bis ich sie erreicht habe. Und was sehe ich dort innen, auf dem Höhlen-Kiesboden? FELICITAS! Die gelbe, wirklich leuchtendgelb blühende Wunderblume! Ich schwimme in die Höhle. Es ist sehr dunkel darin, weil von oben kein Licht hereinscheinen kann. Dann greife ich schnell nach der Blume und ziehe sie mit samt ihren Wurzeln aus dem Kies.
Ich will gerade wieder hinausschwimmen, als mich ein Geräusch hinter mir erschrickt! Ich drehe mich langsam um. Vor mir schwebt ein Riesen-See-Monster! Es hat Zähne, so groß wie eines meiner Beine, und das Schlimmste ist: Es bleckt sie mir auch noch entgegen! Ich will schreien, doch es steigen nur ein paar Luftblasen auf. Ich schwimme so schnell es geht aus der Höhle. Chris, der davor gewartet hat, macht ein fragendes Gesicht. Doch ich ziehe ihn schnell von der Höhle weg, immer mehr nach oben. Doch das Viech verfolgt uns! Da merkt auch Chris, daß irgendwas nicht stimmt, er dreht sich um. Auch er will schreien, aber es steigen wieder nur ein paar Luftblasen auf. Wir müssen es schaffen! Noch etwa zehn Meter trennen uns von der Oberfläche. Von dem Viech jedoch nur noch fünf Meter! Wir schwimmen so schnell wir können. Das Biest kommt immer näher...Wir schwimmen im Zickzack, weil wir denken, das verwirrt es ein wenig. Doch - ohne Erfolg! Mein Herz rast und ich merke, wie mein Adrenalinspiegel unaufhaltsam steigt. Nur noch vier Meter! Das Biest ganz knapp hinter uns! Jetzt hat es uns fast! Ich denke: "So, jetzt ist es aus! Wir schaffen es nicht mehr!" Nun macht das Biest das Maul auf und will nach
uns schnappen! Doch dann geht alles ganz schnell. Bevor uns das Biest erwischt, wird auf einmal von oben ein Seil ins Wasser gelassen! Mit letzter Kraft packen wir es und ziehen uns erschöpft hoch. Da! Das Ufer! Wir sind gerettet! Wir lassen uns auf den harten Steinboden plumpsen. Das Viech im Wasser blubbert noch eine Weile wutig, doch dann weiß ich nicht mehr: Hat es aufgehört, oder sind wir ganz einfach vor Erschöpfung eingeschlafen.


 Kapitel 17
© 2008 by Janis Purucker



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