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Das geheimnisvolle Serum

ein Fantasy Abenteuer-Roman von Janis Purucker


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Kapitel 8

Nach einer Weile immer tieferen Hinabsteigens kann ich in der Ferne einen kleinen Lichtpunkt erkennen. Wir laufen darauf zu.
Plötzlich sagt Chris: "Da vorne! Schau... Ja! Ich glaube wir haben es bald geschafft! Endlich!"
Inzwischen ist aus dem kleinen Lichtpunkt eine Höhlenöffnung geworden. Und da! "WOW! Chris, das ist ja ein Gebirge! Schau mal, dort oben, die Berge!"
"Ja! Aber was für ein Gebirge?"
"Vielleicht sind wir doch in Deutschland! Denn dann sind das die Alpen!"
"Ja, da könntest du recht haben! Aber was meinte der Fisch mit DIMENSION?"
"Tja, vielleicht Deutschland, bloß in einer anderen Dimension! Einer Dimension, die nur für uns so komisch gemacht worden ist, damit wir etwas lernen und wenn wir es geschafft haben, dann mit dem Leben leichter klarkommen!" meine ich.
"Hm, ja gut, aber was sollen wir jetzt hier? Schau mal im Buch nach!" schlägt Chris vor.
Und ich tue es. Ich schlage die nächste Seite im Buch (die jetzt komischerweise beschrieben ist) auf und lese vor: "Wenn ihr dann unten angekommen seid, vermischt etwas Kies mit dem Serum, tragt ein bißchen davon auf euren Körper auf und sprecht das Wort "TRAUMINSEL" laut aus."
"Und mehr steht nicht drin?" fragt mich Chris.
"Nein. Wahrscheinlich steht erst wieder etwas drin, wenn wir auf dieser Trauminsel sind."
"Also komm, vermischen wir ein bißchen Kies mit dem Serum."
Gesagt - getan. Langsam erfaßt uns ein komisches Gefühl und uns wird (wie beim ersten Mal) schwarz vor den Augen.
Ich erwache durch eine helle und schöne Stimme. Ich schlage meine Augen auf und sehe das Gesicht einer schönen, braungebrannten Frau mit schwarzen Haaren über mich gebeugt. Ich setze mich auf und sehe mich nach Chris um. Doch...Er ist nicht da! Auch das Serum und das Buch fehlen! Auch der Rest Orangensaft! Mich befällt schreckliche Angst.
Ich frage die Frau mit den schwarzen Haaren ängstlich: "Was ist passiiert? Wo ist Chris? Und wo sind unsere Sachen?"
Die Frau redet irgendwas in einer Sprache, die halb chinesisch, halb koreanisch klingt. Ich kenne mich nicht mehr aus. Die Frau hilft mir auf. Anscheinend bin ich auf einer Insel. Vor mir ist das Meer, hinter mir ein kleiner Wald aus Palmen. Plötzlich zieht die Frau an meinem Arm. Sie hat es anscheinend eilig. Also lasse ich mich mitziehen. Sie führt mich durch den Wald aus Palmen und dahinter...WOW! Ein atemberaubender Dschungel liegt vor uns. Doch die Frau läßt mir keine Zeit, um mir dieses Paradies näher anzuschauen. Sie zieht mich weiter. Ungefähr eine Stunde lang laufen wir durch dieses Paradies. Ich höre die Schreie der Affen, die in den Bäumen herumturnen, die Rufe der Vögel, die über uns kreisen und in weiter Ferne sehe ich sogar einen Koalabär, der, als wir näherkommen, schnell einen Baum hinaufklettert und schnell in dem grünen Blätterwerk verschwunden ist. Es ist einfach wunderschön.
Doch plötzlich hören wir ein markerschütterndes Brüllen, wie von einem Tiger. Mir sträuben sich die Haare und ein eiskalter Schauer läuft mir den Rücken hinunter. Auch die Frau hat es anscheinend gehört, sie zieht mich schneller. Als wir um eine von Büschen gesäumte Biegung laufen, sehe
ich auf einmal ein paar aus Stroh gebaute Hütten. Und dahinter tauchen weitere Hütten auf. Jetzt kann ich Trommelschläge und komischen Gesang vernehmen. Je näher wir den Hütten kommen, desto lauter werden die Geräusche. Und plötzlich, als wir um eine weitere Hütte biegen, sehe ich mindestens 50 braungebrannte Menschen um ein Lagerfeuer sitzen und tanzen.
Ein paar trommeln mit den Händen auf Tierfelltrommeln, ein paar andere singen.
"EINGEBORENE!" schießt es mir durch den Kopf. "WAHRSCHEINLICH IST DAS MÄDCHEN AUCH EINE VON IHNEN! SIE HAT MICH HIERHERGEFÜHRT, DAMIT DER HÄUPTLING DES DORFES ENTSCHEIDEN KANN, WAS MIT MIR PASSIERT! OH LIEBER GOTT HILF MIR!"
Jetzt sehe ich auch den Häuptling. Er sitzt auf einem Thron aus Knochen und Holz. Er hat eine kleine Hose aus Blättern an und eine Kette aus Elfenbein um seinen Hals hängen. Sonst sieht er schrecklich häßlich aus. Das Mädchen führt mich tatsächlich zum Häuptling. Dann schreit sie irgendetwas laut in die Runde und alle sind sofort still. Sie wendet sich zum Häuptling, kniet kurz nieder, redet irgendwas mit ihm und zeigt dabei auf mich. Mir wird ganz mulmig zumute. Plötzlich, als das Mädchen fertig ist, sagt der Häuptling irgendwas zu den Männern die neben ihm stehen. Sie laufen sofort in irgendeine Richtung davon und kommen kurz darauf mit einem jüngeren Mann, der viel schöner aussieht als der Häuptling, wieder. Er setzt sich neben den Häuptling. Anscheinend ist er dessen Sohn. Der Häuptling wechselt ein paar Worte mit ihm. Plötzlich (ich traue meinen Ohren nicht) fängt der Sohn doch tatsächlich an, mit mir zu reden! "Was wollen Sie hier?" fragt er mich in gebrochenem Englisch.
"Iich weeiiß ees aauch niiicht soo riichtiiig." antworte ich ihm stotternd.
Er fragt mich : "Diese Frau hat uns erzählt, sie hätte Sie am Strand gefunden, stimmt das?"
"Ja." antworte ich, nun doch etwas mutiger. "Ja, ich bin am Strand aufgewacht."
"Wie sind Sie dann hierhergekommen?"
Dann erzähle ich ihm meine Geschichte. Er hört mir ungläubig zu. Dann wechselt er wieder ein paar Worte mit seinem Vater. Danach sagt er zu mir: "Mein Vater hat ein festes Urteil über dich getroffen. Weil Sie gelogen haben."
Ich unterbreche ihn schlagartig: "Ich habe nicht gelogen! Oder wie denken Sie wie ich her gekommen bin?"
Er redet wieder ein paar Worte mit seinem Vater. Dann redet er weiter: "Wahrscheinlich, (wir haben Sie durchschaut!) sind Sie eine Spionin der Alptrauminsel. Sie führt schon jahrelang Krieg gegen uns. Und jetzt schicken sie auch noch eine Spionin her mit einem Schiff, legen sie an den Strand und fahren wieder weg! Und Sie sollen dann so tun, als wüßten Sie von nichts, außer von einem Märchen! War es nicht so?"
Ich schreie: "NEIN! SO WAR ES ÜBERHAUPT NICHT! UND DAS, DAS ICH ERZÄHLT HABE, WAR KEIN MÄRCHEN! SONDERN DIE WAHRHEIT! ICH KENNE DIESE ALPTRAUMINSEL GAR NICHT! SOLLEN SIE SICH DOCH GEGENSEITIG DIE KÖPFE EINHAUEN, ICH HABE NICHTS DAMIT ZU TUN!"
Alle Leute aus dem Dorf schauen mich komisch von der Seite an und tuscheln miteinander. Wahrscheinlich (obwohl sie sie nicht verstanden hatten) waren sie beeindruckt von meiner Rede. Der Häuptling und sein Sohn reden heftig miteinander. Plötzlich sagt sein Sohn streng zu mir: "Unser ältester und schlechtester Zauberer im Dorf braucht eine Frau. Er ist bestimmt
mit Ihnen zufrieden. Denn auch wenn Sie vielleicht eine Spionin sind, schön sind Sie trotzdem."
Seine Worte gellen mir in den Ohren. ZAUBERER? FRAU? ZUFRIEDEN? VIELLEICHT SPIONIN? TROTZDEM SCHÖN? Mir wird es schwindlig.
"Ich will keine Frau eines solchen Mannes werden. Ich... Ich beschwere mi... mich bei bei der Amerikanischen Botschaft!!!"
Doch er versteht mich nicht. Er winkt mit der Hand den Wachen. Sie kommen auf mich zu, packen mich und zerren mich fort! So sehr ich mich auch wehre, ich komme nicht gegen sie an.
Dem Häuptling schreie ich noch nach: "Sie häßliches, altes Mannsbild, Sie! Das wird ein Nachspiel haben! Ich werde mich RÄÄÄÄÄCHEEEEN!"
Die Wachen zerren mich auf eine Hütte mit vergitterten Fenstern zu. Sie machen die Tür auf, schubsen mich hinein und sperren die Tür wieder zu. Ich werfe mich auf das schmutzige Bett das dort steht und starre mit tränenerfüllten Augen zur Decke.
Plötzlich höre ich etwas rascheln. Ich setze mich auf und schreie: "AAAAH! EINE RATTE! PFUI! GEHST DU WEG!"
Ich stelle mich an das vergitterte Fenster und spähe hinaus. Ich kann die nächste Hütte sehen. Auch mit vergitterten Fenstern. Wahrscheinlich sitzt da auch so ein Armer, wie ich jetzt drin. Ich seufze tief. Doch plötzlich, als ich mich wieder auf das Bett setzen will, höre ich von draußen eine Stimme: "Laura? Bist du das?" ruft sie leise.
"Diese Stimme! Das ist doch, das ist doch... Chris! Chris, bist du da draußen?"
"Nein, ich bin leider auch eingesperrt! In der nächsten Hütte! Komm noch mal schnell ans Fenster!"
Ich schlurfe zum Fenster und schaue hinüber zur Hütte. Und - tatsächlich! Ich sehe hinter dem vergitterten Fenster Chris` Gesicht! Ich erzähle ihm, wie ich hergekommen bin und er erzählt mir, wie er hergekommen ist. Seine Geschichte ist fast die gleiche wie meine! Ich überlege. Dann suche ich in dem kleinen Gefängnisraum irgendetwas, das uns behilflich sein könnte. Aber alles was ich finde, ist ein altes Seil, das unter dem Bett liegt. Ich erzähle Chris meinen Fund.
Er sagt nachdenklich: "Was könnten wir damit bloß machen?" Doch ihm fällt nichts ein.
Auch mir nicht. Deshalb sage ich nach einiger Zeit zu ihm: "Was hast du eigentlich gedacht, als du neben mir am Strand aufgewacht bist? War das Serum usw. noch da?"
"Nein. Ich war eigentlich ganz verwirrt. Und da sind zwei Männer gekommen, haben mir den Mund zugebunden (weil sie wahrscheinlich nicht wollten, daß ich dich aufwecke) und haben mich fortgezerrt. Tja und dann, naja, das weißt du ja schon von dir."
Plötzlich sage ich: "Hey, aber weißt du was? Irgendwann muß ja jemand kommen und uns etwas zu Essen bringen. Und da..." Ich erzähle ihm meinen Plan.
"Meinst du, du bist kräftig genug?" fragt mich Chris, als ich ihm alles erzählt habe, mit schiefem Kopf.
Ich rufe beleidigt zurück: "So kräftig wie du allemal!"
Dann ist er ruhig. Ich lege mich auf das Bett und warte. Manchmal stehe ich auf und laufe in dem kleinen, engen Raum herum, nur um meine Füße etwas zu bewegen.
Irgendwas ist trotzdem um mich herum seltsam. Ich schaue hinaus. Plötzlich fällt es mir ein: Die Zeit! Es sind doch jetzt höchstens zwei Stunden vergangen, (auch wenn es mir wie eine Ewigkeit vorgekommen ist) seitdem ich hier eingesperrt bin! Da stand die Sonne noch hoch am Himmel. Es war wahrscheinlich mittags. Und jetzt, jetzt wird es schon dunkel! "Wahrscheinlich ist das so, in dieser DIMENSION!" schießt es mir durch den Kopf.
Ich lege mich wieder auf das Bett. Mein Magen knurrt. Wann kommt bloß endlich jemand! Plötzlich höre ich Schritte näher kommen. ENDLICH! Ich verstecke das Seil schnell hinter meinem Rücken. Da geht die Tür auf und ein Eingeborener kommt mit einem Tablett, auf dem ein komischer Teller aus Holz, darin eine unappetitliche Speise und ein Becher mit Wasser stehen. In dem Moment, als er sich bückt und das Tablett auf das Bett stellen will, falle ich mit dem Seil über ihn her. Wir kämpfen ungefähr zwei Minuten, doch mit dem Seil und meiner Kampftechnik (die ich in Philadelphia auf der Judoschule gelernt habe) bin ich stärker. Ich schaffe es, ihm Hände und Füße zusammenzubinden, und ihn so auf das Bett zu legen. Dann hebe ich den heruntergefallenen Gefängnisschlüssel auf, schaue mich um, ob mich jemand gesehen hat und renne dann schnell zu Chris` Hütte. Als ich aufgesperrt habe, umarmt mich Chris schnell und wir rennen davon. Mitten in den Urwald.
Als wir das Dorf hinter uns gelassen haben, versuchen wir, irgendwo eine trockene Stelle zu finden, wo wir übernachten können. Endlich finden wir unter dem dichten Blätterwerk einer Mangrove eine zwar nicht ganz trockene, aber schöne Stelle zum Übernachten. Wir setzen uns hin. Nach einer Weile sage ich besorgt zu Chris: "Die Eingeborenen haben bestimmt schon bemerkt, daß wir getürmt sind. Sie werden uns suchen! Sie kennen
sich hier bestimmt viel besser aus als wir! Sie werden uns finden! Und dann... Ich will es mir gar nicht ausdenken, was dann mit uns passiert! Oh, was machen wir bloß?"
Chris schaut mich nachdenklich von der Seite an und meint: "Ich verstehe das trotzdem nicht!"
"Was denn?" frage ich ihn.
"Na, schau mal: Wir waren doch (wenn ich mich recht erinnere) in den Alpen, am Strand. Dann haben wir "TRAUMINSEL" gesagt. Und dann sind wir hierhergekommen, mitgenommen und eingesperrt worden! Von wegen, die GANZE DIMENSION weiß es, daß wir hier sind!"
"Vielleicht ist das hier die Dimension gar nicht mehr! Vielleicht nur irgendeine Insel mit Eingeborenen die von nichts wissen! Man wollte einfach ausprobieren, ob wir auch hier, ohne Tips und Anhaltspunkte wieder herauskommen! Und das werden und MÜSSEN wir auch schaffen! Irgendwie kommen wir hier schon weg! Wir müssen einfach nur das Buch und das Serum finden! Im Buch steht bestimmt was wir machen sollen!"
"Hah, NUR! Das ist nicht so einfach wie du dir das denkst! Außerdem brauchen wir auch etwas zu Essen und zu Trinken, läßt mich mein Körper gerade merken! Ich bin wie ausgetrocknet!"
"Ach ja, ich spüre es auch! Komm wir merken uns diese Stelle und suchen erstmal eine Quelle oder sowas. Vielleicht finden wir auch eine Bananenstaude! Wir müssen bloß aufpassen, daß wir nicht von den Eingeborenen entdeckt werden! Also LEISE!" Und wir schleichen davon. Ich komme mir wie ein Indianer vor, der sich an seine Beute heranschleicht. Wir zwängen uns durch Felsen, die einfach so in der Landschaft herumliegen, wir kämpfen uns
durch fast undurchdringliche Dickichte usw. Bald sehen wir so zerkratzt und zerschunden aus, wie nach einem harten Kampf. Wir haben immer noch nichts gefunden! Endlich setzen wir uns erschöpft auf den feuchten Urwaldboden. Doch als ich mich hinsetzen will, merke ich, wie der Boden nachgibt. Deshalb springe ich schreiend auf. Nicht zu spät! Der Boden stürzt ein und Chris steht auch schnell auf und stellt sich schützend vor mich. Als alles vorbei ist, sage ich zu ihm: "Hey, ich soll dich beschützen, nicht du mich!"
Chris sagt gar nichts. Er starrt nur auf das Loch. Ich wage mich langsam heran und schaue hinunter. Es ist dunkel.
Plötzlich sagt Chris: "Geh lieber nicht so weit ran, sonst brichst du ein!"
Ich drehe mich um und schaue ihn verständnislos an. "Aber wir gehen doch da sowieso rein! Zu tief ist das nun auch nicht!"
"Was? Spinnst du? Ich gehe da nie runter, am Ende sind da nochmal Eingeborene, nehmen uns wieder gefangen und rösten uns nach ein paar Tagen! Nein, Nein!"
"Oh, Chris!" fahre ich ihn an, "es gehört bestimmt zu unseren Aufgaben auf dieser Insel, das zu entdecken, weil da unten wahrscheinlich was wichtiges zu finden ist! Vielleicht finden wir da unten das Buch und das Serum! Vielleicht gibt's da auch Wasser!"
Chris seufzt. "Na gut, aber du gehst voran, und wenn uns was passiert, bist du schuld und hilfst uns auch wieder heraus!"
"Naja, gut, wenn ich es kann." antworte ich.
Chris schaut mich ungläubig an und zieht die Augenbrauen hoch. Dann gehe ich langsam zu dem Loch und lasse mich vorsichtig hinunter. Drinnen ist es schön kühl. Ich rufe zu Chris hinauf: "Komm jetzt, ich helfe dir!"
Als wir beide drunten stehen, sehen wir uns um. Man kann nur in eine Richtung weiterlaufen: nach Norden. Wir laufen vorsichtig dort hin, ich voran, Chris dicht hinter mir. Je weiter wir in die Höhle hinein laufen, desto dunkler wird es auch. Bald sieht man nicht mal mehr die Hand vor Augen.
Chris sagt ängstlich: "Kehren wir lieber wieder um, man sieht ja eh nichts mehr!"
Ich sage gar nichts, sondern laufe weiter. Plötzlich hören wir in der Ferne etwas, das irgendwie wie das Rauschen von Wasser klingt. Ich bleibe stehen und horche angestrengt. JA! "Chris! Ich glaube ich höre Wasser rauschen!" sage ich zu ihm.
"Ja, ich auch!"
Wir laufen darauf zu. Plötzlich sehen wir ein wirklich berauschendes Bild. Es ist mittlerweile wieder heller geworden, nicht viel, aber gerade soviel, daß man das sieht, was jetzt vor uns liegt - oder eher rauscht! Im Hintergrund versperren Felsen den weiteren Weg. Und von diesen Felsen stürzt ein wirklich berauschender Wasserfall! Mindestens 25 Meter stürzen die Wassermassen den Felsen hinunter und unten kommen sie in einer großen Vertiefung der Steine auf, wirbeln herum und fließen irgendwo, wahrscheinlich durch ein unteres Loch, wieder ab. Eine zeitlang bleiben wir starr stehen und können gar nichts sagen. Doch nach einer Weile, als sich unser Blick an dieses wunderschöne Bild gewöhnt hat, breche ich das Schweigen: "Wunderschön, nicht wahr?" frage ich Chris mit verträumter Stimme.
Doch als mir Chris antwortet, ist seine Stimme so komisch, so erwartungsvoll, als würde gleich etwas passieren: "Ja, so klar und rein...!"
Und noch ehe ich ihn zurückhalten kann, rennt er zum Ufer und springt mit einem Riesensatz in die Ströme.
Ich kann nur noch schreien: "HALT DICH AN DEM AST DORT FEST, SONST WIRST DU WEGGESPÜLT! SCHNELL!!!"
Doch Chris hört nicht, er schwimmt kurz herum, dreht sich um und ruft zurück: "Nein, jetzt habe ich Wasser genug, da gehe ich so bald nicht mehr heraus!"
Doch plötzlich sieht auch er die Gefahr: Die Stromschnellen! Er treibt auf sie zu! Schnell will er sich an dem Ast, der dort ins Wasser hängt, noch festhalten, doch - es ist zu spät! "CHRIS! SCHWIMM UM DEIN LEBEN! SCHNELLER!" Doch die Stromschnellen sind stärker als Chris, sie reißen ihn mit sich fort. Ich kann nur zusehen, wie Chris versucht, sich über Wasser zu halten, es gelingt ihm zwar, aber er kommt nicht heraus. Jetzt wird er auf den Grund gezogen und ist verschwunden - wahrscheinlich durch das Loch.
Ich bete: "Oh, lieber Gott, laß ihn nicht ertrinken!" Ich weine und weine. Hoffentlich findet er etwas, woran er sich festhalten und herausklettern kann! Meine Nerven gehen mit mir durch. Mir wird schwindlig und ich sinke zusammen.


 Kapitel 9
© 2008 by Janis Purucker



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