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Aus der Amazon.de-Redaktion In der Altstadt von Barcelona gibt (oder gab) es einen Friedhof vergessener Bücher. So jedenfalls will es der spanische Autor Carlos Ruiz Zafón, der uns in seinem grandiosen Erstling Der Schatten des Windes an die Hand nimmt und einführt in eine geheimnisvolle, verborgene Erzählwelt - ebenso, wie im Romandebüt selbst der Held Daniel Sempre von seinem Vater bei der Hand genommen wird. Überhaupt spiegelt sich viel im Schatten des Windes. Denn ebenso heißt auch das Buch, dessen letztes Exemplar Sempre in die Hände fällt. Von nun an lässt ihn die Geschichte und das Schicksal dieses Werks nicht mehr los, zumal noch andere, rätselhafte Gestalten sich für die Ausgabe interessieren. Dies alles erzählt uns Der Schatten des Windes auf originelle, kunstvoll gebaute Art und Weise, und schließt auch wundervolle Schilderungen der düsteren Atmosphäre von Barcelona von seiner morbiden Blüte zur Jahrhundertwende bis zum Tiefpunkt der Franco-Ära ein. "Unter der Tischlampe tauchte ich ein in eine Welt von Bildern und Gefühlen", beschreibt Carlos Ruiz Zafón die Leseerfahrung seines jungen Helden, der mit dem Buch auf der Brust dem Gemurmel der nächtlichen Stadt zu lauschen versteht: "Figuren, die mir so wirklich erschienen wie meine Umwelt, saugten mich in einen Tunnel von Abenteuern und Geheimnissen hinein, aus dem ich nicht mehr entrinnen mochte. Seite um Seite ließ ich mich vom Zauber der Geschichte und ihrer Welt einhüllen." Dem Leser von Der Schatten des Windes wird es genauso gehen. -Stefan Kellerer
Leserbewertungen: Durchschnitt: 4.5 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 718 Bewertungen)
Leserkommentare:* Der Schatten des Windes (5 von 5 Punkten) meint I.U.R.K. aus Luxemburg Das Hörbuch des Romanes von Carlos Ruiz Zafón hat mir sehr gut gefallen. Jede im Roman vorkommende Figur wird von unterschiedlichen Schauspielern gesprochen. Das ganze ist noch von Musik untermalt.
Ein spannendes und sehr fesselndes Hörspiel!
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Kristof Kryszinski ist mit seinem Kumpel Scuzzi ins sonnige Spanien unterwegs. Sie sollen einen Ort suchen, an dem ihr Bikerklub die Stormfuckers Ranch aufmachen kann. Noch während der Fahrt begegnet ihnen alles andere als Sommer, Sonne, Strand und Meer: verdorrte Stein- und Staubwüste, erbarmungslos sengende Hitze und gefährliche Banden verwahrloster Kinder. Schisser allerdings, der bereits eine entsprechende Immobilie gefunden hatte, ist verschollen - ebenso die 180 000 Euro, mit denen er das Objekt erstehen sollte. Auf der Suche nach Freund und Geld stoßen die beiden auf ein Aussteigerdorf voller zugekiffter Hippies. Auch die Jugendlichen machen in der iberischen Gluthitze dem bierdurstigen Kryszinski gehörig Dampf - ganz zu schweigen von den harmoniebedachten Blumenkindern, gegen die der Mülheimer instinktiv eine herzliche Abneigung empfindet.
Leserbewertungen: Durchschnitt: 3.5 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 5 Bewertungen)
Leserkommentare:* mal wieder richtig klasse!!! (5 von 5 Punkten) meint S.M. spritzig, spannend, überraschend, witzig!! mal wieder ein echter juretzka, der seinen leser in die skurrilsten situationen entführt. die figur des privat-schnüfflers wieder tragisch-komisch gezeichnet. einfach spitze!!
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| | Buch: | Zeit der Asche: Roman in drei Akten |
| Autor: | Jorge Volpi, Ausgabe vom Aug. 2009, Gebunden, Verkaufsrang 112572 |
| Preis: | 24,90 EUR (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.) | |
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Leserbewertungen: Durchschnitt: 4.0 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 4 Bewertungen)
Leserkommentare:* Dieser Roman ist ein großes Leseabenteuer (5 von 5 Punkten) meint W.S. aus Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland Der vorliegende Roman des mexikanischen Schriftstellers Jorge Volpi ist der Abschluss einer Trilogie, von der der erste Teil "Das Ende des Wahnsinns" noch nicht ins Deutsche übersetzt wurde, und deren zweiter Teil "Das Klingsor-Paradox" Volpi nicht nur in Deutschland , sondern auch international zu einem bekannten und angesehenen Schriftsteller machte.
"Zeit der Asche" ist ein Buch über die Utopien und Schrecken der Wissenschaften im 20. Jahrhundert. Aus der Perspektive von drei Frauen schildert Volpi das Ende des 20. Jahrhunderts. Da ist eine sowjetische Biologin, die aus Moskau unter ihrem ganz persönlichen Blickwinkel den Zusammenbruch des Kommunismus, die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl und den Tod ihrer Tochter schildert.
Da ist eine amerikanische Wirtschaftsfachfrau, die aus ihrer Perspektive erzählt, wie sie zu kämpfen hat mit einem skrupellosen Mann und einer Schwester, die eine harte Globalisierungsgegnerin ist. Auf mysteriöse Weise kommt sie ums Leben. Und es gibt eine dritte Frau, die Computerwissenschaftlerin Eva Halasz aus Ungarn, die dem Geheimnis der Intelligenz im MIT auf der Spur ist. Auch sie lebt nicht lange.
Das Leben dieser drei Frauen steht in mehrfachem Zusammenhang, wie im Verlauf des Buches herauskommt und ihr Leben steht im Zusammenhang mit den großen Zusammenbrüchen des 20. Jahrhunderts. Volpis Roman ( er nennt ihn einen "totalen Roman") ist nichts weniger als eine Weltgeschichte des 20.Jahrhunderts im Schnelldurchlauf und bedient sich auch fast aller bekannten Romankategorien.
Der Roman ist ein großes Leseabenteuer. Hier spricht eine neue lateinamerikanische Stimme, von der man gerne noch mehr hört.
Ein Thriller mit Niveau! (5 von 5 Punkten) meint R.S. aus stemwede Ein sehr intelligentes und von der ersten bis zur letzten Seite immer spannendes Meisterwerk. Der Autor beschreibt in aller Ausführlichkeit die Lebensläufe der Hauptpersonen. Einfach toll!
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| | Buch: | Der Schuss des Jägers |
| Autor: | Rafael Chirbes, Ausgabe vom 16. Januar 2006, Gebunden, Verkaufsrang 175082 |
| Preis: | 10,00 EUR (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.) | |
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Ein Mann denkt über sein Leben nach, erinnert sich an seine Erfolge, seine Liebesabenteuer. Aus kleinen Verhältnissen hat er sich emporgearbeitet, heiratete aus Liebe eine Frau, durch die er gesellschaftlich avancierte und doch ist der Blick auf sein Leben nicht versöhnlich. "Auf unvergleichlich schlichte Weise werden die Dinge des Lebens in diesem Roman geordnet und zurechtgerückt." DER SPIEGEL
Leserbewertungen: Durchschnitt: 5.0 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 1 Bewertung)
Leserkommentare:* Erinnerungen sollten wie Gebrauchsanweisungen sein (5 von 5 Punkten) meint . "Die Zeit heilt alle Wunden, und die Erinnerung kratzt sie wieder auf. Aber die Zeit existiert nicht, es sei denn, um zu verschwinden, und die Erinnerung schiebt den Fuß in die Tür." [Cees Nooteboom] Rafael Chirbes läßt seinen Ich-Erzähler - am Ende seines Lebens angekommen - zurückblicken auf ein ereignisreiches Leben. Geblieben ist ihm nach dem Tod seiner Frau vor ein paar Jahren nur sein ihm treu ergebener Diener Ramón. Allein in einem großen Haus in Madrid, prägen das Gefühl von Einsamkeit und ein diffuses Empfinden von Schuld die Erinnerungen des alten Mannes. Diese Erinnerungen künden von einer Zeit, als er im Zenit seiner Karriere stand: aus bescheidenen Verhältnissen stammend, hatte sich der Sohn eines Buchmachers vom Laufburschen zum Bauunternehmer und Bodenspekulanten emporgearbeitet. Durch die Liebesheirat mit der Unternehmertochter Eva vollzog sich der ersehnte Aufstieg in eine höhere gesellschaftliche Sphäre. Bedrängt von den Geistern der Vergangenheit werden die Erinnerungen an Erfolge, Liebesabenteuer, Ausschweifungen überdeckt durch das wehmütige Gedenken derer, die ihm einst nahe standen: die Tochter, die in jungen Jahren starb, der Sohn, der sich der opportunistischen und aufstiegsorientierten Weltanschauung des Vaters widersetzte, Eva, die er mit immer wieder anderen Frauen betrog. In seiner Einsamkeit muß der alte Mann erkennen, daß Nichts von dem, was die Erinnerungen zurückbringen, wiederkehren wird: "Was bewirken die Erinnerungen denn anderes als Schmerz [...]?" Vor dem zeitgeschichtlichen Hintergrund des Franco-Regimes zeichnet Chirbes das Bild einer selbstbewußten und aufstrebenden Generation, die trotz ihrer Erfolge letztlich zum Scheitern verurteilt war. Die behutsame Annäherung an dieses Scheitern des Protagonisten gelingt Chirbes in bedachtem und ruhigem Erzählrhythmus; nicht zuletzt die vergleichsweise reduzierte Sprache und der wehmütige Grundton machen die wesentliche Stärke des Romanes aus. |
| | Buch: | Im Namen des Schweins: Roman |
| Autor: | Pablo Tusset, Ausgabe vom 3. Aug. 2009, Taschenbuch, Verkaufsrang 71352 |
| Preis: | 9,95 EUR (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.) | |
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Leserbewertungen: Durchschnitt: 2.5 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 5 Bewertungen)
Leserkommentare:* Schwacher Anfang, starkes Ende (5 von 5 Punkten) meint E.A.Z. Ein Buch, das über die ersten 200 Seiten schwache Unterhaltung bietet. Völlig belanglose Nebenhandlungen und Ausschmückungen von überflüssigen Details.
Aber dann, ja dann, zaubert der Autor eine Figur aus dem Ärmel, baut sie langsam auf und macht die anfangs etwas deplatziert wirkende Person zum Hauptdarsteller.
Ein furioses, verwirrendes aber absolut geniales Ende, lassen den äußerst schwachen Beginn vergessen. Und weil dieser Schluss, dieses ganze Buch auf den Kopf stellt und nicht besser hätte sein können, gibt es von mir klare 5 Punkte.
Danke Pablo Tusset für dieses tolle Buch.
Witziger Titel lässt einiges erwarten (2 von 5 Punkten) meint J.H. Der Titel und die Aufmachung haben mich verleitet, das Buch zu kaufen. Am Anfang ist es ja auch durchaus spannend. Dann kommt die zweite Geschichte ins Spiel, an sich auch spannend. Vor allem die Frage, was die beiden Geschichten miteinander zu tun haben.
Die Analyse des Gedichts ist ja recht witzig, aber schon hier schleichen sich die ersten Logikfehler ein, danach werden die Fehler immer plumper: so endet die Handlung zwar im November 2001, die Leute bezahlen aber schon brav in Euro, oops. Ab Seite 200 wird es noch mal spannend, der düstere dritte Handlungsstrang setzt ein. Die privaten Hintergründe der einzelnen Handlungsträger sind alles andere als öde, sondern bringen Farbe ins Spiel. Die drei Handlungsstränge verknüpfen sich immer mehr, wie wird Tusset die Geschichte wohl auflösen? Dass er Comisario Pujol auf so banale Art ums Leben kommen lässt, sehe ich nicht als Manko, wohl aber, wie lahm sich die Geschichte auflöst. Eine ermordete Frau verschwindet sang- und klanglos, vor allem ohne Folgen für den Täter. Totgeglaubte tauchen auf, und für die erste Leiche gilt: der Mörder war der Gärtner, ach nein, der Fleischer, oder doch der Butler? Es wurde jemand verhaftet, und wir vermuten, dass die Polizei schon den Richtigen geschnappt hat, aber was den Täter überführt hat, können wir nur raten.
Da hatte jemand wohl ein paar nette Ideen - dafür gibt es die zwei Sterne - und hat daraus mal eben einen Roman geschludert.
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Früher waren die Tuareg, die "Söhne des Windes", die Herren der westlichen Sahara. Einer dieser letzten Nomaden ist Gacel Sayah. Unbeirrbar hält er an der archaischen Lebensweise seiner Vorfahren fest, stolz verteidigt er die Überlieferungen seines Volkes gegen ihre Bedrohungen durch die Zivilisation. Als in seinem Zelt eines der heiligen Gesetze der Wüste, die Gastfreundschaft, brutal gebrochen wird, kann Gacel gar nicht anders, als an den Rechtsbrechern Rache zu nehmen. Doch diese Rache bedeutet zuletzt den Zerfall seiner Familie und seinen eigenen Tod.
Leserbewertungen: Durchschnitt: 4.5 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 28 Bewertungen)
Leserkommentare:* Lesenswert (5 von 5 Punkten) meint P. So wie ich den Artikel gekauft hab, war alles Top!
Das Buch ist sowieso der Hammer.
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| | Buch: | Alle Seelen - SZ-Bibliothek Band 83 |
| Autor: | Javier Marías, Ausgabe vom 10. Nov. 2007, Gebunden, Verkaufsrang 86884 |
Direkt bei Amazon nicht vorrätig, andere Angebote über Amazon hier (Versandkosten beachten). |
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Lesezeichen Zu Tisch in der Institutio Tayloriana Javier Marías' früher Roman "Alle Seelen" Javier Marías ist ein Romancier der dezenten Töne: er schreibt über unheimliche, beunruhigende Ereignisse der erotischen und blutigen Art mit grosser Gediegenheit und begleitet von feinformulierten Hintergedanken. Diese Mischung gelang ihm in "Mein Herz so weiss" derart reizvoll, dass der Roman bei seinem Erscheinen in Deutschland im vorigen Jahr das Prädikat "genial" verliehen bekam. Von einer mächtigen und launischen Instanz, die sogar totgeborene Bücher zum Leben erwecken kann. Zwei frühere der insgesamt acht Romane von Javier Marías, die beide mit noch weniger Lautstärke und noch viel weniger Trivialität auskommen als dieser spätere Bestseller, erschienen bereits vor Jahren beim Münchner Piper-Verlag. Die Kritiken waren spärlich und verhalten. Kaum einer erinnert sich noch daran. Jetzt aber - angesichts des grossen Erfolgs vom Vorjahr - darf einer der beiden die Wiederauferstehung auf dem Buchmarkt feiern, als wär's eine ganz neue Entdeckung. Oder ist es doch eher die Wiederkehr eines Untoten unter dem Fluch des Erfolges? Ein Lektor in Oxford In "Alle Seelen" verarbeitete Marías seinen zweijährigen Aufenthalt als Lektor in Oxford. Ausführlich schildert der Ich-Erzähler, ein leicht verstörter Spanier, Eigenheiten von Stadt und Leuten samt den traditionellen oxfordischen Umgangsformen und Gepflogenheiten. Das ist als Ausgangspunkt nicht gerade spektakulär. Aber die Stadt, "wie konserviert in Sirup", als Ort geschäftiger Langeweile, schludriger Heimlichkeiten und offiziöser und absurder Rituale empfiehlt sich rasch als durchaus geeigneter Schauplatz für irgendeine Art von Drama, zumindest für eine interessante Entgleisung. Da gibt es zum Beispiel eine Veranstaltung, die sich high table nennt und eine Art festliches Diner vorstellen soll. Vorgeschrieben ist Dienstkleidung und wer sich mit wem wie lange zu unterhalten hat. Eine derartig anschauliche Darstellung von der Qual gesellschaftlicher Rituale hat man selten und noch seltener mit so viel Vergnügen gelesen. Die um den erhabenen Tisch versammelten Figuren sind dabei nicht besonders ungewöhnlich, vielleicht ein wenig einseitig, vielleicht ein wenig schrullig. Aber welches Lehrer- oder Professorenkollegium wäre das nicht? Dass man unter dieser Versammlung schwarzer Talare doch eine gewisse Erregung, eine Art Geheimnis vermutet, liegt vor allem an der Gründlichkeit, mit der davon erzählt wird. Der Augenblick von grosser Feierlichkeit und (bildnerischer) Schönheit ereignet sich beim Verlassen des Refektoriums, denn dabei müssen die Tischgäste die bislang benutzte Serviette behalten und in der Hand tragen, so fleckig und zerknittert sie auch sein mag; und das Auf und Ab des kleinen weissen Tuchs (leicht soldatisch, wie immer, wenn man in einer Reihe geht) bildet einen sublimen Gegensatz zum langsamen, weiten Flug der endlosen schwarzen Talare. Diese Bedingung des Erzählens, nämlich das Sensorium für die Teufel und Dämonen im Detail, ist etwas, das Marías in reichem Mass erfüllt. Er ist ein talentierter Beobachter; und ein witziger und genauer Beschreiber ausserdem. Aber das allein trägt noch keinen Roman. Wir lesen eine Liebesgeschichte und eine Todesgeschichte. Auch in Oxford lieben sich Menschen hin und wieder oder für längere Zeit und sterben irgendwann. Wir lesen von zufälligen Begegnungen, darunter auch einigen recht merkwürdigen. Wir lesen - andeutungsweise - von dem bewegten Vorleben eines emeritierten Professors; von einem rätselhaften Schriftsteller, der vor langer Zeit als Alkoholiker in der Gosse versackte; und von einer obskuren Literaturgesellschaft, die sich mit der Beschaffung vergriffener Bücher eines längst vergessenen Autors befasst und die von dem Besitzer eines dreibeinigen Hundes repräsentiert wird. Aber nur über die Figur des Erzählers treffen die vielen kleinen Begebenheiten aus Literatur und Leben, die scheinbar parallel und ohne Bezug zueinander stattfinden oder stattgefunden haben, zusammen. Es ist also kein fertiges Konstrukt, keine dramaturgisch gerundete Erzählung, die Marías hier vorlegt. Die Dramatik liegt, wenn überhaupt - im verborgenen, in der Vergangenheit, schon fast Vergessenheit. Und nur die Neugier des Erzählers selbst fördert sie zutage, in Fragmenten und Bruchstücken, als archäologisches Puzzlespiel - ein Spiel der Möglichkeiten. Ewige Gier Diese Neugier, die eher eine Gier nach Erzählbarem ist, führt die parallelen Handlungsfäden weiter ins Unendliche - wo sie sich, Wunder der Parallelität, dann treffen: im Terrain der Phantasie. So gerät die Vergangenheit der Geliebten in Zusammenhang mit dem Scheitern des Schriftstellers; oder mit dem Spleen des alten Professors. Aber vielleicht treffen sie sich auch nie, weder damals noch künftig. Marías erzählt so diskret, dass er die Rückschlüsse aus seinen Beobachtungen den Lesern überlässt. Nach der Lektüre bleibt der Eindruck, man habe sich einen interessanten Abend lang in etwas schrulliger, aber gebildeter und wohlerzogener Gesellschaft aufgehalten; bei teilweise brillanter, teilweise schleppender Konversation, wie es an solchen Abenden sein kann; inmitten geschmackvollen und gediegenen Mobiliars und bei gedämpfter Beleuchtung. Wenn es ein Geheimnis gab, so lag es ausserhalb des Lichtkreises, in den unbeleuchteten Ecken. Wenn es ein Drama gab, dann ein stilles, von dem nur die Eingeweihten wussten. Wenn das Beisammensein beendet ist, geht ein jeder seiner Wege. Einsichtig trennt sich das Liebespaar. Der Spanier erholt sich von seiner leichten Verstörung und gründet eine Familie. Zwei Männer sterben eines natürlichen und erwarteten Todes. War da noch etwas? Ach ja: jemand hat ein Buch darüber geschrieben. Katharina Döbler
Leserbewertungen: Durchschnitt: 4.0 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 8 Bewertungen)
Leserkommentare:* Unablässig denken (5 von 5 Punkten) meint B. Marías, Javier, Alle Seelen, 1989 (SZ-Bibliothek 2007)
Javier Marías nimmt Ereignisse aus seinem eigenen Leben als Material für sein Buch. Wie auch ein Blick in Wikipedia zeigt, ging er in den 80ern als Dozent für Spanisch nach Oxford und unterrichtete dort eine Zeitlang, bis er nach Madrid zurückkehrte. Dort schrieb er dann dieses Buch, weil er "andernfalls am Ende alles auslöschen würde. Auch die Toten, die die Hälfte unseres Lebens sind und gemeinsam mit den Lebenden das Leben ausmachen, wobei sich jedoch nicht leicht bestimmen lässt, was die einen von den anderen trennt und unterscheidet.."(63). Damit erklärt sich auch der Titel: eine Vergegenwärtigung aller Seelen, die sein Leben in der Zeit in Oxford beschäftigten und bildeten, oder, wie er immer wieder sagt, die seine "Verstörung" in Oxford begleiteten, "in dieser statischen und in Sirup konservierten Stadt" (106).
Diese Verstörung ergab sich offensichtlich aus Marías' Einsamkeit und Ungebundenheit in Oxford. Als er Oxford verlassen hat, konstatiert er: "Ich bin nicht mehr verstört, obwohl meine damalige Verstörung nichts Besonderes war, sie war leicht und vorübergehend und artikuliert und logisch..." (232). Die Angst, haltlos wie einer der geschilderten Bettler zu werden oder wie einer der als Säufer geendeten, weniger bekannten englischen Dichter, ein gewisser, Terence Armstrong, der sich dann John Gawsworth nannte und dessen Bücher Marías in den Antiquariaten sucht, treibt ihn um und er sucht von den wenigen Freunden, die er hat, (vergeblich) Antworten für seine existentiellen Entscheidungen zu bekommen. Im Verlauf des Buches schildert er verschiedene Charaktere und Rituale, auf die er in der Stadt und an der Universität stößt, ebenso Begegnungen mit einigen wenigen Frauen, von denen die zentrale die mit Clare Bayes ist, einer verheirateten Dozentin, die bereits einen etwa achtjährigen Sohn hat und sich am Ende gegen Marías' Bitten dafür entscheidet, bei ihrem Mann und ihrem Sohn zu bleiben. Im Grunde befreit dies den Erzähler aus seiner morbiden Verfassung und führt ihn dazu, einen eigenen Schwerpunkt in seinem Heimatland zu finden, indem er dort nämlich selbst eine Familie gründet.
Die Entwicklung dieser Beziehung ist das, was der Leser mit zunehmender Spannung verfolgt, besonders dramatisch wird die Situation, als Clare ihrem spanischen Liebhaber die Geschichte vom Selbstmord ihrer Mutter erzählt. Hier dürfte Marías allerdings von der autobiografischen Wahrheit abweichen, indem er einen Zusammenhang herstellt zwischen dem Liebhaber ihrer Mutter und dem vorher erwähnten Dichter John Gawsworth - nichtsdestoweniger wird dadurch die Dramatik der Geschichte erhöht.
Wie im ganzen Buch bringt sich auch in diesem dramatischen Moment der Schriftsteller Marías ins Spiel: "Aber selbst in diesem Augenblick achtete ich auf mein Denken.."(216). Und denken muss er unablässig, sein Blick durchdringt die gegenwärtige Situation. Einmal folgt er Clare, ihrem Vater und ihrem Sohn heimlich und empfindet Grauen, als er die Ähnlichkeit zwischen ihren Gesichtern bemerkt. Beim Gedanken daran, wie er Clare geküsst hat, wird er heimgesucht von der Anschauung der Vergänglichkeit: "Ich habe auch das Kind geküsst und wurde von ihm geküsst und auch von dem Alten, und das ist einer der Gedanken, die sich Alan Marriott zufolge verbinden lassen oder nicht, aber wenn man sie verbindet, dann flößen sie Grauen ein oder lösen Entsetzen aus: der Gedanke des Kusses und der Gedanke des Alten, der Gedanke des Kindes und der Gedanke des Alten. Die schaurige Ergänzung des Alten ist das Kind, die schaurige Ergänzung des Kindes ist der Alte, die des Kusses ist das Kind, und die des Kindes ist der Kuss, mein Kuss..."(188f.). Und so bekommen seine Äußerungen oft etwas Manisches oder Litaneihaftes, etwas gedanklich Gezwungenes, (was an Thomas Bernhard erinnert), man merkt auch, wie er sich gelegentlich am Klang der Wörter und Sätze berauscht. Erzielt wird damit auf jeden Fall eine enorme Distanz zum Geschehen, die auch dem geistig-seelischen Entwicklungsstand des Erzählers angemessen ist, denn er kreist ja noch nur um sich selbst, erst später passiert es, "dass das Leben sich auch seiner angenommen hat, dass es ihm einen Mittelpunkt und eine Bürde zuweist..."(221), woraufhin sich am Ende auch der Stil entspannt. Was dieser Stil aber verhindert, das ist so etwas wie Objektivität der Darstellung oder Plastizität und Eigenleben der Gestalten - Marias liebt es z.B. auch, die Schilderung einer Person an winzigen Details aufzuhängen oder sie erscheinen nur angelegentlich seiner (manchmal etwas abseitigen) Reflexionen.
Das ist, nichtsdestoweniger große Kunst, denke ich. Auf jeden Fall scheint mir dies ein Buch zu sein, das inhaltlich, gedanklich und stilistisch interessant ist und fasziniert.
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Die Erinnerungen des amerikanischen Autors Washington Irving nach seiner abenteuerlichen Reise durch Andalusien im 19. Jh. und die überlieferten Legenden und Erzählungen die er während seines Aufenthalts in der Alhambra von Granada zusammentrug, sind heute ein Kultbuch für jeden Andalusienreisenden.
Leserbewertungen: Durchschnitt: 5.0 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 1 Bewertung)
Leserkommentare:* Ein Klassiker (5 von 5 Punkten) meint N.S. aus Süddeutschland Ein Klassiker der Reiseliteratur, absolut lesenswert. Ich habe das Buch vor einer Andalusien-Reise gekauft und gelesen. Der Autor schafft es, das Andalusien des 19. Jahrhundert wieder lebendig zu machen. Dank der lesenswerten Reisebeschreibung von seinem Aufenthalt in der Alhambra/Granada kamen zuerst Freunde von ihm, ihnen folgten zahlreiche andere Besucher. Das gab mit den Anstoß dazu, die vom Verfall bedrohte Alhambra zu retten und der Nachwelt zu erhalten. Heute ist sie Weltkulturerbe und das Buch von Washington Irving ein Klassiker der Reiseliteratur, an jeder Ecke in Granada wird das Buch verkauft. Lesenswert für Andalusien-Reisende, Freunde der arabischen Kultur (des Orients allgemein) und alle, die gerne Reiseberichte aus vergangener Zeit lesen. |
| | Buch: | Im Garten der Finca: Roman |
| Autor: | Maria de la Pau Janer, Ausgabe vom 1. Juli 2004, Taschenbuch, Verkaufsrang 88100 |
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Carlota Felin wächst bei ihrem Großvater in einer mallorquinischen Finca inmitten eines herrlichen Gartens auf. Im Salon des Hauses hängen die Porträts ihrer Großmutter Sofía und ihrer Mutter Elisa. Ein Geheimnis umgibt die beiden früh verstorbenen Frauen, und Carlota möchte es lüften. Als ihr Großvater stirbt, erfährt sie, dass Ramón, der ehemalige Gärtner, etwas über den Tod ihrer Mutter weiß. Als sie ihn besucht, fühlt sie sich magisch zu ihm hingezogen. Was sie nicht ahnt: Auch im Leben von Sofía und Elisa hat Ramón eine wichtige Rolle gespielt ... Ausgezeichnet mit dem renommierten Premio Planeta 2002. Der Kauf hat sich difinitiv gelohnt, "Im Garten der Finca" ist wunderschön geschrieben, einfühlsam und entführt einen in die eigene Welt der Autorin, das neben einer traumhaften Geschichte auch sympatsische Charaktere und eine tolle Kulisse zu bieten hat. Wer in den Urlaub in den Süden fährt, sollte dieses Buch mitnehmen, es lohnt sich definitiv!
Leserbewertungen: Durchschnitt: 5.0 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 3 Bewertungen)
Leserkommentare:* Ein wundervolles Buch (5 von 5 Punkten) meint L. Ein wunderbares Buch von der Mallorquinerin Maria de la Pau Janer. Es beschreibt drei Frauengenerationen die in einer Finc leben und lebten auf sehr gefühlvolle, mitreißende Weise. Man kann sich sehr gut in die Charaktere der Akteure hinein versetzen und es erblüht nebenher eine grüne, liebliche, mallorquinische Landschaft - alles in einem sehr feinen Stil und sehr ausführlich beschrieben. Ich kann das Buch nur uneingeschränkt empfehlen, gerade auch für Mallorca Liebhaber und Liebhaber tiefgründiger Liebesgeschichten ein Muss. Ich habe das Buch an einem Tag verschlungen.
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Ein farbenprächtiges Zeitbild des maurischen Andalusiens um 1500 entwirft dieser Roman. Eine Epoche des friedlichen Zusammenlebens von Moslems, Juden und Christen geht nach nahezu 800 Jahren zu Ende. Granada ist von den Spaniern erobert worden, und die Moslems müssen zum katholischen Glauben übertreten oder das Land als Bettler verlassen. Vor dieser Alternative steht auch der wohlhabende, gebildete Gutsbesitzer Umar. Er und seine Familienangehörigen sehen sich vor die schwerste Entscheidung ihres Lebens gestellt.
Leserbewertungen: Durchschnitt: 3.5 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 9 Bewertungen)
Leserkommentare:* SEGNUNGEN DES CHRISTENTUMS (5 von 5 Punkten) meint N. Dieses Buch enthält alles, was eine Familiensaga enthalten soll: gut beschriebene Personen in einem glaubwürdigen Familienverband, Spannung und die Zeichnung eines völlig anderen Zeitalters, das der Leserin nahe gebracht wird - ein sehr guter Erzähler ist Tariq Ali. Und so gelingt es ihm, den Wechsel der spanischen Halbinsel vom Islam zum Christentum nach 800 Jahren so darzustellen, daß mann versteht: per Kopf, per Herz und per Bauch.
Ein sehr gelungenes Buch, ein Lesevergnügen.
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