2 Madredeus, so lässt es auch der Titel ihres Albums verlauten, bleiben in Bewegung. Dem Fado ihrer portugiesischen Heimat, jedenfalls der modernisierten Idee des Genres, verhilft die Band mit jedem Werk zu neuen Facetten. Natürlich haben Madredeus die spärliche Instrumentierung des überkommenen Fado längst verworfen: Zu den zwei traditionellen Gitarren gesellen sich eine akustische Bassgitarre und ein Synthesizer. Die eigenen Texte aber sind klassisch geblieben. Entweder beschreiben sie den Sturm über der See, der eine große "saudade", den süßen Schmerz, hinterlässt; oder eine Frühlingsschwalbe, die hoch oben in den Wolken flattert, von Sehnsucht und Euphorie emporgetragen. Sängerin Teresa Salgueiro fasziniert dabei nicht nur mit ihrem glockenklaren Sopran, der manchmal bis zum Belcanto aufsteigt. Ihre Stimme dringt hier erstmals auch zum tiefgründigen Vibrato einer Amalia Rodrigues hinab. Und die Songtitel umschreiben die Stimmung von Naturereignissen, in denen sich eine wehmütige Seele spiegelt: Sonne, Lichtstrahlen, der weite Ozean, ein klarer Nachmittag. Dass der Synthesizer sich darin bruchlos einfügt, liegt an den ausgeklügelten Arrangements. Sparsam begleitet er den Gesang Salgueiros auf dessen harmonischer Reise und liefert sphärische Klangwolken im Hintergrund. Portugiesische Schwermut vor der aufregenden Klangkulisse des Meeres. -Roman Rhode
CD:
The Story of Fado
Various, Audio CD, Verkaufsrang 158383
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Aus der Amazon.de-Redaktion Der Fado ist für Portugal, was Tango für Argentinien, Flamenco für Spanien oder Rembetiko für Griechenland bedeutet: eine Art Nationalmusik. In den Kneipen der Metropolen des Landes aufgewachsen, stets verknüpft mit poetischem Anspruch, ist Fado keine Folklore, sondern äußerst urban und im übrigen alles andere als Touristenmusik. Wer nach Lissabon oder Coimbra geht, um Fado zu hören, muss sich auf Tipps der Einheimischen verlassen, um die kunstvolle Melancholie des Fado erleben zu können. In den Kneipen, die dem Reisenden lautstark diese Musik propagieren, gibt es die echte Kunst garantiert nicht. Inzwischen sorgt eine junge Generation von Fado-Sängerinnen auf den Bühnen der Welt für Furore: Misia, Dulce Pontes, Cristina Branco. Die Compilation The Story Of Fado stellt 22 klassische Fados der zweiten Hälfte des 20. Jahrunderts vor, klaubt dabei generös in den Archiven der Firma Valentim, die das Glück hatte, die Mutter der jungen Generation unter Vertrag zu haben: Amalia Rodrigues. Neben ihr treten viele andere Repräsentanten der portugiesischen Melancholie - Fado bedeutet so viel wie Schicksal und das in allen möglichen Facetten - in Erscheinung. Den Teppich legen Gitarren und Kontrabässe. Was die singenden Männer und Frauen vereint, ist der gefühlvolle Ausdruck, ein Schmelz, der nie in Kitsch abgleitet. Soulful eben. Auch wenn The Story Of Fado nicht alle bedeutenden klassischen Vertreter des Genres vorstellt, gilt das Album als exzellente Einführung ins Thema, wie der Rough Guide World Music urteilte. -Uli Lemke
Aus der Amazon.de-Redaktion Ein kalkweiß geschminktes Gesicht mit dunklen ausdrucksvollen Augen, den Körper in schwarze Kleidungsstücke gehüllt, die schummrige Beleuchtung portugiesischer Kneipen und vor allem diese Stimme voll Traurigkeit und Schwere. Das ist die portugiesische Sängerin Misia. Mit der außergewöhnlichen Aura in ihrer Stimme verhilft sie dem portugiesischen Fado, der Anfang des Jahrhunderts in portugiesischen Kneipen aufkam, zu einem Siegeszug um die Welt. Fado ist portugiesisches Lebensgefühl. Fatalistisch werden Themen wie Eifersucht, unglückliche Liebe und Einsamkeit besungen. Während der ursprüngliche Fado meist nur mit verschiedenen Gitarren begleitet wird, erklingen auf Tanto menos, tanto mais auch Geige, Klavier, Akkordeon, doch selbst diese Instrumente haben diesen seltsam fremdartigen und doch wunderschönen Klang, den die Mauren vor vielen Jahren in dieses kleine, vom Meer umspülte Land brachten. Misia arbeitet bei diesem Album mit den berühmtesten Künstlern Portugals zusammen, wie dem Schriftsteller Joao Monge oder dem Komponisten Manuel Paulo, der bei Tanto menos, tanto mais auch Akkordeon spielt. Das Highlight der CD ist und bleibt jedoch Misias einfühlsame, ausdrucksvolle Stimme, deren Ausstrahlung an die Qualitäten von Misias Vorbildern Amalia Rodriguez und Maria Bethania herankommen. Bewundernswert an den wehmütigen Liedern ist, dass man nicht in Depression versinkt, sondern in dieser dunklen traurigen Stimmung an sich wiederum Trost findet. - Erika Habenicht
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Aus der Amazon.de-Redaktion Ende des 20. Jahrhunderts war die 200 Jahre alte Liedform des Fado dabei, in Routine zu erstarren und zum billigen, abgeschmackten Touristenspektakel zu verkommen. Doch dann erschienen plötzlich ein paar junge Sängerinnen auf der Bildfläche, die das einst von Amália Rodrigues zur Perfektion gebrachte Genre erneuerten und mit überraschenden Aktualisierungen wieder glaubwürdig machten. Dulce Pontes und Mafalda wären in dem Zusammenhang zu nennen. Und Mísia muss natürlich ebenfalls erwähnt werden. Sie gab dem Fado (abgeleitet vom lateinischen "fatum" für Schicksal, Verhängnis) neue Inhalte, verband ihn mit poetischen Texten der Gegenwart und befreite ihn vom sentimentalen Kitsch der Reiseprospekte. Auf Ritual feiert die portugiesische Sängerin mit der Ausnahmestimme ihr zehnjähriges Jubiläum als Fadista und setzt ihre Mission unbeirrt fort. Nach dem 1999er-Werk Paixões Diagonais ("Diagonale Leidenschaften"), das behutsam Einflüsse der modernen populären Musik aufgriff, gibt sie sich diesmal stilistisch eher traditionell. Mit ihrem langjährigen Weggefährten Carlos Manuel Proença sowie Carlos Gonçalves und Joel Pina, die lange Zeit Amália Rodrigues begleiteten, trägt sie den "iberischen Blues" hier in einer geradezu klassischen Form vor. Mísia - stets in schwarz gewandet, mit kalkweiß geschminktem Gesicht und streng gescheiteltem Haar auftretend - singt auf dieser traumhaft schönen CD mit herzzerreißender Klagestimme vom Lebensgefühl ihrer Landsleute. Wenn die begnadete Künstlerin aufgewühlt vom Dasein der Menschen in dem kleinen Land im Westen Europas berichtet, wenn sie von der Saudade-Sehnsucht ihres Volkes, von verlorener Liebe, Eifersucht und Einsamkeit, Verzweiflung und Niedergeschlagenheit erzählt, schießen selbst harten Männern Tränen in die Augen. Zum Heulen schön! -Harald Kepler 1
CD:
Flor Do Mar
Quatro Ventos, Audio CD, Verkaufsrang 286753
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