Die Europafalle: Das Ende von Demokratie und Wohlstand
Autor:
Hans-Peter Martin, Ausgabe vom 1. April 2009, Gebunden, Verkaufsrang 363661
Buch:
Balkan-Mafia - Staaten in der Hand des Verbrechens eine Gefahr für Europa
Taschenbuch, Verkaufsrang 474795
Aus der Amazon.de-Redaktion Fast zur selben Stunde, als der Verlag diese aufrüttelnde wie deprimierende Bestandsaufnahme über die Macht der organisierten Kriminalität in den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien und anderer Balkanländern auslieferte, wurde mitten im Belgrader Regierungsviertel der serbische Ministerpräsident Zoran Djindjic erschossen. Der frei gewählte Regierungschef galt - vor allem im Westen - als Hoffnungsträger für eine Annäherung Serbiens an die Europäische Union. Der Kampf gegen das organisierte Verbrechen gehörte zu den erklärten Leitlinien seiner Politik. Dabei ist keineswegs ausgemacht, ob Djindjic selbst über jeden Zweifel erhaben ist. Denn hartnäckig halten sich Gerüchte, er habe Geld von Drogenhändlern erhalten. In jedem Fall aber hatte er sich notgedrungen in der einen oder anderen Weise mit den bestehenden Machtverhältnissen arrangiert. Unterm Strich muss man aus dem gut recherchierten Report des freien Südosteuropa-Korrespondenten Norbert Mappes-Niediek, der seit mehr als zehn Jahren für verschiedene deutsche Presseorgane - unter anderem für Die Zeit - aus der Region berichtet und 1994/1995 Berater des UNO-Sonderbeauftragten für das ehemalige Jugoslawien gewesen ist, das bedrückende Fazit ziehen: Die kriminellen Banden auf dem Balkan sitzen nach wie vor fest im Sattel sitzen, fester jedenfalls, als es nicht nur den Balkanstaaten selbst lieb sein kann. Mappes-Niediek plädiert mit überzeugenden Argumenten für ein tatkräftiges Engagement der EU auf dem Balkan, das im Übrigen nicht nur im Interesse Westeuropas liege, sondern von der überwiegenden Zahl der dortigen Bevölkerung begrüßt wird. Denn Westorientierung ist "auf dem westlichen Balkan eine stabile Grundstimmung": "Rechtstaatlichkeit, Demokratie und Marktwirtschaft stehen nur bei einer Minderheit in Frage." Über die weit gestreckten Aktivitäten dieser effektiv in Banden organisierten Minderheit gibt der vorliegende Band ebenso ausführlich Auskunft wie darüber, wie weit der lange Arm dieser Kriminellen in die Regierungsapparate hinein reicht. -Andreas Vierecke
Buch:
Die Rückkehr der Geschichte: Die Welt nach dem 11 - September und die Erneuerung des Westens: Die Welt nach dem 11 - September 2001und die Erneuerung des Westens
Autor:
Joschka Fischer, Ausgabe vom 1. Juli 2006, Taschenbuch, Verkaufsrang 525739
Aus der Amazon.de-Redaktion "Das Ende der Geschichte? proklamierte Francis Fukuyama 1992. Der Politikwissenschaftler geht davon aus, dass sich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion die liberale Demokratie weltweit durchsetzen werde. Damit seien alle Widersprüche endgültig überwunden und die Geschichte zu Ende. Im Gegensatz dazu betitelt Joschka Fischer sein Buch mit "Die Rückkehr der Geschichte". Denn allerspätestens seit der Terror-Attacke des 11. September 2001 ist nach seiner Auffassung klar, dass das Weltgeschehen dauerhaft aktiv gestaltet werden muss - und zwar primär durch die Politik, nicht durch die Wirtschaft. Detailliert thematisiert Fischer sowohl die aktuelle als auch mögliche künftige Rolle der einzigen Supermacht USA. Dabei sucht der Grünen-Politiker die Kontroverse zu konservativen Theoretikern wie Robert Kagan. Letztendlich seien USA und Europa aufeinander angewiesen und verfolgten wie in Nahost ohnehin gemeinsame Interessen. Der Außenminister geht zudem davon aus, dass China am ehesten zu den USA aufschließen können wird. Allerdings spricht auch Fischer nicht an, dass China aufgrund seiner Ein-Kind-Politik im Ergebnis ähnlich wie Europa vor einem dramatischen Überalterungsproblem steht. Weiter wirbt Fischer für die EU-Verfassung, eine erweiterte Union, eine EU-Perspektive der Türkei sowie eine strategische Partnerschaft mit Russland. Und der Außenminister warnt vor dem Islamismus, den er wie Kommunismus und Faschismus als totalitäre Gefahr brandmarkt. Globalisierung sieht der deutsche Vizekanzler als "objektive Notwendigkeit" und definiert sie als "alternativlose Durchsetzung des westlichen Wirtschafts- und Konsummodells". Amerikanisch-kühn bringt es Joschka Fischer sicher nicht auf den Punkt. Vielmehr prägt das Buch des Außenministers klassisch-deutsche Gründlichkeit. Vom alten Griechenland bis zur New Economy schweifen die weltumspannenden Gedanken des Grünen-Politikers. Den Status quo klopft Fischer wiederholt gründlich ab. Doch daraus entwickelte Szenarien bleiben oft vage. So fordert der Außenminister, dass die Vereinten Nationen reformiert werden müssen, um dem Frieden besser zu dienen. Viel konkreter wird seine Vision einer neuen Weltordnung jedoch nicht. Auf alle Fälle gerät Die Rückkehr der Geschichte aufgrund der vorgezogenen Bundestagswahlen zu einer Art Vermächtnis. Andererseits: Schnell geschlagen gab sich Joschka Fischer noch nie. -Herwig Slezak 1
Buch:
Macht und Ohnmacht - Amerika und Europa in der neuen Weltordnung.
Autor:
Robert Kagan, Ausgabe vom 4. Febr. 2003, Gebunden, Verkaufsrang 603796
Europäische Politiker, die von der globalen Strategie der USA zunehmend irritiert sind, glauben, dass die USA und Europa auf einen Moment der Wahrheit New York Times zusteuern. Nach Jahren wechselseitigen Ressentiments und zunehmender Spannung ist die Erkenntnis unausweichlich, dass die realen Interessen Amerikas und Europas längst nicht mehr identisch sind und dass die Beziehung zwischen den USA und den Staaten Europas, besonders Deutschland, sich verändert hat - vielleicht unwiderruflich. Europa sieht die Vereinigten Staaten als arrogant, kriegerisch, undiplomatisch; die Vereinigten Staaten betrachten Europa als erschöpft, unernst und schwach. Der Ärger und das Misstrauen auf beiden Seiten verhärten sich und führen zu Entfremdung und Unverständnis. Schon mit seinem Artikel in der Policy Review und nun mit seinem Buch unternimmt Robert Kagan den Versuch, die Standpunkte beider Seiten zu verstehen und darzulegen. Er verfolgt die unterschiedlichen historischen Entwicklungen von Amerika und Europa seit dem Zweiten Weltkrieg Für Europa stand die Notwendigkeit, der blutigen Vergangenheit zu entkommen und der Gewalt zu entsagen, im Vordergrund, während die USA sich zunehmend als einzige Garantiemacht einer demokratischen Weltordnung sehen. Diese bemerkenswerte Analyse wird in Washington und Berlin ebenso diskutiert wie in Tokio. Kagans Buch ist politische Pflichtlektüre. Ein Bär und zwei Männer streifen durch den Wald. Einer der Männer hat nur ein Messer. Damit greift er den Bären lieber nicht an. Dieser Mann heißt Europa. Der zweite Mann ist mit einem Gewehr bewaffnet und will den Bären töten. Sein Name: Amerika. Mittels dieses Vergleichs beschreibt Robert Kagan die weltpolitische Lage. In der Streitschrift Macht und Ohnmacht formuliert der Politiker-Berater und Kolumnist seine Meinung in US-Manier pragmatisch, plakativ und selbstbewusst. Ex-US-Außenminister Henry Kissinger glaubt, "Kagans Essay zeichnet die Diskussion der kommenden Jahre vor". Kagans Argumentationsstrang sieht wie folgt aus: Seit dem Ersten Weltkrieg ist die militärische Abhängigkeit Europas von den USA ständig gewachsen. Das Ende des Kalten Krieges hat dieses Ungleichgewicht vergrößert. Denn die (West-)Europäer haben ihre Verteidigungsarmeen nicht zu mobilen Eingreiftruppen umgebaut, geben zu wenig Geld für Rüstung aus und zu viel für den Sozialstaat. Zwar hat sich Europa als Folge der furchtbaren Weltkriege von Machtpolitik verabschiedet. Europas heute zur Schau gestellte Toleranz sei jedoch kein Ergebnis der Geschichte, sondern ein Zeichen der Schwäche, wozu Kagan auch das multilateralistische Engagement für Völkerrecht und Vereinte Nationen zählt. Der US-Unilateralismus verkörpere hingegen faktische Stärke, eine lange Ära amerikanischer Hegemonie stehe bevor. Sicher: Die Freundschaft zu den mächtigen USA stärkt Europa. Deshalb kann Amerika aber keinen Freibrief für militärische Interventionen erwarten. Es darf niemand ausschließen, dass Frieden durch Verhandlungen erreicht und Stabilität durch behutsame Annäherung geschaffen werden kann. Auch nicht alle politischen Beschwichtigungsversuche waren historische Fehlschläge, wie Kagan zu glauben scheint. Zudem ist es fraglich, ob islamische Länder demokratisiert werden können wie einst das nationalsozialistische Deutschland nach 1945. Genauso könnte massiver militärischer Druck weltweit israelische Verhältnisse hervorrufen. Und wo die einen an europäische Schwäche glauben, sehen andere übertriebene US-amerikanische Furcht. Robert Kagan schreibt in seiner Streitschrift über die USA: "Insofern die Amerikaner an Macht glauben, sehen sie darin ein Mittel zur Förderung der Prinzipien einer freiheitlichen Gesellschafts- und Weltordnung. Sie nehmen für sich nicht das Recht des Stärkeren in Anspruch." Mal sehen. Und hoffentlich entpuppen sich vermeintlich erlegte Bären nicht als zahnlose Wölfe. -Herwig Slezak
Buch:
Europa leidenschaftlich gesucht
Autor:
Valery Giscard d'Estaing, Ralf Dahrendorf, Jacques Le Goff, Jacques le Goff, Ausgabe vom April 2003, Gebunden, Verkaufsrang 1346698
Aus der Amazon.de-Redaktion Auch wenn die Wiege der Menschheit andernorts stand: Europa und seine Kultur ist - im Guten wie im Schlechten - das Schicksal der Welt. Und auch wenn sich die USA erfolgreich von der Mutter Europa emanzipiert haben, so bleibt die US-amerikanische Kultur in ihrem Ursprung wesentlich europäisch. Unübersehbar ist dabei, dass sich die politische Kultur der USA gegenwärtig von der europäischen in zentralen Punkten fort entwickelt. Nicht zuletzt angestoßen durch die von der US-Regierung erzeugten Irritationen in einzelnen ("alt"-)europäischen Staaten - insbesondere Frankreich und Deutschland - hat die Frage nach der kulturellen Identität Europas neue Aktualität erlangt. Hinzu kommt: 2004 wird die Europäische Union zehn neue Mitglieder aufnehmen und dann 25 Staaten umfassen - Anlass genug, sich über die Gegenwart und Zukunft Europas Gedanken zu machen. Und genau dies haben die 37 Autoren dieses von der Alfred-Herrhausen-Gesellschaft für internationalen Dialog herausgegebenen Bandes getan. Es fällt schwer, einzelne Beiträge hervorzuheben. Vor dem Hintergrund der gegenwärtig angespannten transatlantischen Beziehungen besonders interessant sind der "Undankbare Europäer" überschriebene Beitrag von Richard Perle, einem der einflussreichsten sicherheitspolitischen Berater in Washington, sowie die Essays der beiden amerikanischen Soziologen Michael Walzer ("Europa und die September-Lizenz der USA") und Joseph S. Nye ("Das europäische Experiment"). Aus einer dezidiert europäischen Perspektive werden die kulturelle Identität und die politisch-kulturelle Zukunft der Alten Welt besonders aufschlussreich von Jacques Le Goff ("Grundlagen europäischer Identität"), Ulrich Beck ("Kosmopolitisches Europa") und dem Vorsitzenden des europäischen Verfassungskonvents, Valéry Giscard d'Estaing ("Die Kalligraphie der Geschichte"), zum Thema gemacht. Doch auch die weiteren Beiträge lohnen für Europa-Kritiker wie -Befürworter die aufmerksame Lektüre! -Andreas Vierecke
Buch:
Friedensmacht Europa - Sternstunden und Finsternis
Autor:
Otto von Habsburg, Ausgabe vom 1995, Gebunden, Verkaufsrang 1630648
Buch:
Zivilisation und Barbarei: Europa im 20 - Jahrhundert
Autor:
Gabriel Jackson, Ausgabe vom 3. Mai 1999, Gebunden, Verkaufsrang 730274