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Aus der Amazon.de-Redaktion Wenn Angela Merkel mit dem Rheingold-Express durch Deutschland düst, heftet sich Benjamin von Stuckrad-Barre an ihre Fersen. Neben weiteren Spitzenpolitikern wie Frank-Walter Steinmeier, Cem Özdemir oder Guido Westerwelle trifft Stuckrad-Barre Menschen vom Schlage eines Hans Magnus Enzensberger, Dieter Hildebrandt oder Christoph Schlingensief. Vor dem Reichstag in Berlin oder auf dem Marienplatz in München zeigt der Schriftsteller zudem ein berechtigtes Interesse an angenehm durchschnittlichen Landsmännern und Landsfrauen. Seine Beobachtungen verdichtet Stuckrad-Barre zu durchdachten und einprägsamen Statements wie: "Touristen verhalten sich wie Fernsehkorrespondenten, die ihren Aufenthaltsort am liebsten durch ein weltbekanntes Wahrzeichen im Hintergrund beglaubigen lassen." Angenehm unaufgeregt schreibt der Autor über die Kernkompetenzen von Wien, die Kreuzberger Uniformität des Andersaussehens ? oder, warum Fußball ohne Aberglauben nix wäre. Charlotte Roche reift zum "Flittchen der Saison", und Günter Grass bekommt sein Fett ab, weil er sich wie "das unverzichtbare Korrektiv des Weltenlaufs" aufführe. Wenn Stuckrad-Barre sowohl einmalige als auch archetypische Augenblicke der deutschen Geschichte festhält, spricht Filmemacher Helmut Dietl von einer "literarischen Reportage". Beim monatlichen Plattenkauf lässt sich der Berliner jedoch von der Ikone der zeitgenössischen Popliteratur, Nick Hornby, und dessen Büchern Leben als Leser sowie All you can read arg inspirieren. "Erkundungen in alle Richtungen" einziehen ? das hält Stuckrad-Barre für die einträgliche Masche des von ihm hoch verehrten Udo Lindenberg. Diese Methode liegt aber auch seinen Texten zugrunde, die in Auch Deutsche unter den Opfern übrigens von größtenteils selbst geschossenen Fotos begleitet werden. Zum kritischen wie fairen Stil des Autors gehört, Menschen an ihren selbst gesteckten Ansprüchen zu messen ? wie Sabine Christiansen, wenn sie von "Entschleunigung" spricht und gleichzeitig gehetzt wirkt. Und sollte die Hektik des Alltags den klaren Blick auf unsere Gesellschaft trüben wie eine Emulsion das Wasser, dann gehört Stuckrad-Barre zu den Ersten, die Konturen erkennen, wenn diese Emulsion zu brechen beginnt. ? Herwig Slezak
Leserbewertungen: Durchschnitt: 3.5 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 18 Bewertungen)
Lesermeinungen:* Stuckrad-Barre wählen! (5 von 5 Punkten) meint F. aus Bodensee Achtung, dies ist ein Buch mit möglichen Nebenwirkungen. So könnte man glatt zum Nichtwähler mutieren, nachdem man Stuckrad-Barres Momentaufnahmen aus dem letzten Wahlkampf gelesen hat. Egal, welcher Couleur, allzu gut kommen die Damen und Herren aus der Politik nicht weg. Denn Stuckrad-Barre ergreift bei seinen Beobachtungen keine Partei, außer seiner eigenen. Mit dem ihm ganz eigenen, originellen Stil wirft er brillante Schlaglichter auf die deutsche Gegenwart, die natürlich über Politik weit hinausreicht. Ein bunter Themenmix kommt so zusammen. Nicht jedem wird alles gefallen. Stuckrad-Barre scheint sich bei der Auswahl vor allem von seinen individuellen Interessen leiten zu lassen, und er macht keinen Hehl aus seinem eigenen Blickwinkel, ist persönlich involviert und zeigt das auch ganz deutlich. Das ist das Vorrecht der Kolumnisten und bei ihnen kann sich der Leser erholen von all der Schein-Objektivität vieler anderer journalistischen Beiträge, mit der die Autoren in Wahrheit oft genug krampfhaft ihre letzlich auch nur subjektive Sichtweise zu verschleiern suchen.
Stuckrad-Barre schert sich auch einen Teufel darum, was vielleicht in seiner eigenen Generation (er ist Jahrgang 1975) als cool oder uncool gilt, so wenn er Groenemeyer und Müller-Westernhagen vergleicht und zugibt, dass er Teilen des jeweiligen Werkes der beiden Erzkonkurrenten durchaus etwas abgewinnen kann.
Ebenfalls outet er sich als totaler Udo-Lindenberg-Anhänger, ja, als dessen Freund. Da mögen die Meinungen weit auseinander gehen. Da ich persönlich aber auch seit frühester Jugend ein großer Lindenberg-Fan bin, fand ich das natürlich super. Nun, die Geschmäcker sind verschieden, und manch einer wird sich vielleicht nur einige Beiträge aus dem Buch heraus picken. Ich jedenfalls, obwohl ich "eigentlich" kurze Texte nicht so gerne mag, habe das Buch mit großem Vergnügen von vorne bis hinten gelesen. Der Mann hat Witz, eine eigene Persönlichkeit und kann einfach schreiben. Und da solche Talente rar sind, ist es mir so ziemlich egal, worüber er schreibt. Hauptsache, er tut's und ich hoffe, er tut's auch weiterhin.
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Das Verfahren ist bekannt und bewährt: Man nehme einen Denker aus der deutschen Geistesgeschichte und schlage literarischen Profit aus dessen Verschrobenheit. Ganz vorzüglich ist das beispielsweise Gert Hofmann mit Georg Christoph Lichtenberg in Die kleine Stechardin gelungen. Bernhard Setzwein hat mit Nicht kalt genug einen vorzüglichen Nietzsche-Roman vorgelegt, und Klaas Huizing widmete sich in Das Ding an sich auf hoch vergnügliche Weise dem Königsberger Philosophen und Kant-Vertrauten Johann Georg Hamann. Nun versucht sich auch Daniel Kehlmann erfolgreich an diesem Genre und porträtiert in seinem Roman gleich zwei deutsche Geistesgrößen: Das Mathematikgenie Carl Friedrich Gauß und den Universalgelehrten und großen Naturforscher Alexander von Humboldt. Im Zentrum steht ein Treffen der beiden 1828 in Berlin, auf einem Naturforscherkongress, für den Gauß nur sehr widerwillig sein Göttingen verlässt. Die zwei Großdenker haben sich beide auf ihre eigene Weise der Vermessung der Welt gewidmet, kommen sich aber nur zaghaft näher. Der Roman kann sich auf knapp 300 Seiten Leben und Werk der beiden allerdings nur schlaglichtartig widmen, eher skizzenhaft und sehr kurzweilig erleben wir wichtige Stationen ihres Schaffens in einer geschickten Mischung aus Fakten und Fiktion: Humboldt auf seinen strapaziösen Exkursionen nach Südamerika, Gauß dagegen eher zerrissen zwischen der hehren Welt der Zahlen und dem schnöden Alltag, denn auch ein Genie hat Zahnschmerzen und muss sich mit Frau und Kindern herumplagen. Die Komik des Romans speist sich dabei nicht nur aus den ironisch beleuchteten Charakteren von Gauß und Humboldt, sondern auch aus der Spannung zwischen Größe und Lächerlichkeit. Humboldts große Forschungsreise nach Russland etwa gerät zur Farce, weil er schon zu berühmt ist: die ganze Expedition gerät zur Massenveranstaltung mit über 100 Teilnehmern, und statt zu Forschen verbringt Humboldt die meiste Zeit auf Empfängen. Am Ende kann man Daniel Kehlmann gleich doppelt gratulieren: Zu diesem ebenso unterhaltsamen wie niveauvollen Roman - und zur Nominierung von Die Vermessung der Welt zum in diesem Jahr erstmals verliehenen Deutschen Buchpreis. -Christian Stahl In seinem fünften und bisher besten Roman widmet sich der junge Daniel Kehlmann gleich zwei großen Geistern der an deutschen Genies reichen Epoche des 19. Jahrhunderts. Abwechselnd lässt er Carl Friedrich Gauß und Alexander von Humboldt die Welt erforschen und vermessen, am Ende begegnen sich die beiden, inzwischen alt und berühmt geworden, in Berlin. So leicht, geistreich und zugleich witzig ist schon lange nicht mehr über deutsche Dichter und Denker erzählt worden, über die allzumenschliche Lächerlichkeit auch im Genial-Erhabenen. Ob das alles wirklich so war, fragt der glückliche Leser nicht, auch wenn die leicht karikaturhaften Züge nicht zu leugnen sind. Etwa wenn Humboldt mit seinem Begleiter Bonpland von Paris nach Madrid reitet, um dort am Hof um die Erlaubnis für seine erste Südamerikaexpedition anzusuchen, sie aber einfach nicht vorankommen, weil Humboldt nicht aufhören kann, nebenbei zu messen und zu forschen: "Ein Hügel, von dem man nicht wisse, wie hoch er sei, beleidige die Vernunft, mache ihn unruhig. Ohne stetig die eigene Position zu bestimmen, könne ein Mensch sich nicht fortbewegen. Ein Rätsel, wie klein auch immer, lasse man nicht am Wegesrand." Gäbe es einen Preis der prägnantesten Hörbuchstimmen, hätte Ulrich Matthes sicher gute Chancen. Es genügen wenige Worte, um ihn zweifelsfrei zu erkennen. Unverkennbarkeit einerseits, grandioser Schauspieler andererseits, wie Matthes in zahlreichen Stücken, Filmen und Hörbüchern bewiesen hat. Auch aus dem Kehlmann-Roman macht er ein akustisches Ereignis und vermag die Wirkung dieses glänzenden Stücks Literatur noch strahlender zu machen. Dringend zu empfehlen! Spieldauer: ca. 345 Minuten, 5 CDs, Hörbuchfassung des Autors -Christian Stahl
Leserbewertungen: Durchschnitt: 3.5 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 387 Bewertungen)
Lesermeinungen:* Mathematik vs. Naturwissenschaften (5 von 5 Punkten) meint S.B. Hmmm, irgendwie scheine ich ein anderes Buch gelesen zu haben - und das hat mir _wirklich_ gut gefallen. Meiner unbedeutenden Meinung nach gehts bei der Vermessung um zwei Dinge: Die schöpferische Vermessung der Welt (also nicht der Erde, sondern allem, was sein könnte) in der Mathematik, und der beschreibend-analytischen Vermessung der wirklich existierenden Welt in den Naturwissenschaften. Nebenbei darum, wie sich Genies mit den Niederungen des Lebens herumschlagen müssen. Alles wahnsinnig witzig beschrieben, ich habe viel gelacht. Ich fand es ein durch und durch gelungenes Buch, ich hatte eigentlich nichts erwartet, aber im Nachhinein nichts auszusetzen. Es gibt sicher noch 10 weitere Ebenen, eigentlich wollte ich nur meine +5 Punkte geben - lest das Buch und macht euch selbst ein Bild, es ist einen Versuch wert!
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Aus der Amazon.de-Redaktion Seemannsgarn vom Feinsten: ein Feuerwerk bäriger Ideen Daß Walter Moers mehr als das Kleine Arschloch zeichnen kann, hat er längst bewiesen. Sogar in den Sprechblasen ist er hervorragend ohne Worte ausgekommen, als der Pinguin zweimal klopfte. Und nun sein erster Roman: Eine genial dicke Schwarte von 720 Seiten, in der ein Geistesblitz den nächsten jagt. Grün und gelb möchte man vor Neid werden: Wo hat der Mann bloß die vielen Ideen her? In seinen dreizehneinhalb Leben begegnet der Blaubär gehässigen Stollentrollen, unangenehmen Nattifftoffen, quasselnden Tratschwellen, durch die Wüste ziehenden Gimpeln, dem Wahnsinn, Fredda, der Berghutze ?- eine Figur skurriler als die andere. Ab und an illustriert der Zeichner Moers die Gestalten des Erzählers Moers, ein Glücksfall natürlich, aber im Vordergrund steht der Text, unerschütterlich. Und hier entfaltet sich in vollen Zügen, was der eine oder andere bereits geahnt haben mag: Moers ist ein begnadeter, ironischer Erzähler. Mit wieviel Sprachwitz er arbeitet, wie er an Ausdrücken feilt, Begegnungen verschachtelt komponiert, Satzrhythmen herstellt und wieder auflöst, das nötigt Respekt ab. Und man freut sich über die irrwitzigen Inhalte der Abenteuer. Ob er mit dem Rettungssaurier Mac als Navigator fliegt, eine Fata Morgana am Wüstenboden verklebt, durch Dimensionslöcher stürzt oder sich ein Duell mit dem Lügengladiator liefert: die Spannung bleibt ungebrochen (außer beim sechsten Kapitel), die unzähligen Geschichten sind unglaublich. Münchhausen entpuppt sich als blutiger Lehrling im Vergleich zu Moers. Auch wenn sich beim Lesen gelegentlich Assoziationen zu Texten von Michael Ende oder Janosch einstellen mögen: Der Roman ist kein Kinderbuch, sondern nachdenklich machende (haben Sie schon mal über eine Tornado-Haltestelle nachgedacht?) Literatur, die bestens unterhält. Das vielgesuchte Leichte, das so schwer zu machen ist: hier ist es. -Sophie Thoma 1
Leserbewertungen: Durchschnitt: 4.5 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 253 Bewertungen)
Lesermeinungen:* ich habs nie gelesen, aber.... (5 von 5 Punkten) meint G.M. aus Enzkreis ... mein Mann kichert jeden Abend neben mir rum und erzählt ständig "phantastische" Abenteuer von Tornados, Zwischenwelten und weißgottwas...
Schön, dass man auch die Großen noch mit sowas begeistern kann - also Mädels... wenn ihr nen gut gelaunten Mann wollt, schenkt ihm dieses Buch :-)
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Aus der Amazon.de-Redaktion Der Schrecksenmeister ist das neue Meisterwerk von Hildegunst von Mythenmetz - und Walter Moers hat es auf sich genommen, es aus dem Zamonischen zu übersetzen. Es ist eine großartig fabelhafte Abenteuergeschichte, die ganz schnell zum modernen Klassiker werden könnte. Moers heißt uns willkommen in Sledwaya, dem krankesten Ort von ganz Zamonien. Hier sind sogar die Straßen nach Krankheiten benannt, man begrüßt sich mit "Ohwehohweh" und verabschiedet sich mit "Gute Besserung". Ein Husten, Röcheln und Schniefen liegt in der Luft, es riecht nach Eiter, Mundgeruch und Durchfall. Hoch über der Stadt thront in einem bizarren Schloss "Eißpin der sehr Schreckliche", der Schrecksenmeister, der die Bevölkerung und natürlich die Schrecksen mit immer neuen Gemeinheiten malträtiert. Derweilen schleppt sich verzweifelt die halbverhungerte Hauskratze Echo durch die Straßen von Sledwaya. Sie schließt mit dem schaurigen Eißpin einen Teufelspakt. Der Schrecksenmeister darf sie töten und ihr wertvolles Kratzenfett auskochen, wenn er sie zuvor einen Monat fürstlich bewirtet und unterhält. Im schwarzen Schloss des Schrecksenmeisters lernt Echo die geheime Welt der Alchimie kennen, erfährt, wie man "Schmerzenskerzen" oder "gekochte Gespenster" fabriziert, er lernt Fjodor F. Fjodor und die Schloss-Ledermäuse kennen und wird mit der Zeit fetter und fetter. Es wird höchste Zeit, aus dem Schloss zu fliehen... Die Atmosphäre mag düster sein, und dennoch geht einem schon nach den ersten Zeilen das Herz auf: Es ist diese hochkomische, ganz eigene Fabulierkunst und Fabulierlust, die man sonst vielleicht noch bei Michael Ende oder Cornelia Funke findet. Fast glaubt man, dass es ebenfalls mit Magie zu tun haben muss, wenn Leser um Leser sich in die überbordende Fantasiewelt aus grübelnden Eiern, einem Baum der Erkenntnuss, Knilschbrömen, metamorphosen Malzeiten oder Schrecksenquetschen hinabziehen lässt. Der aufwendig ausgestattete Band ist natürlich von Walter Moers selbst illustriert und hervorragend dazu geeignet, sich in ihn zu vertiefen, daraus vorzulesen oder sich vorlesen zu lassen. Ein großartig amüsantes Zamonien-Abentuer! - Henrik Flor, Literaturtest
Leserbewertungen: Durchschnitt: 4.0 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 130 Bewertungen)
Lesermeinungen:* liebevolle Leckereien (4 von 5 Punkten) meint H.F. Abenteuerliche Lebensgeschichte einer Kratze (nein, kein Schreibfehler).
Aus einer Notsituation heraus verkauft sich die kleine Kratze an einen Alchimisten, der sie nach Ablauf eines Monates als Zutat für seine alchimistische Suppe benötigt.
Bis dahin verwöhnt er sie dafür kulinarisch nach allen Regeln der Kochkunst. Nach dem sich das Krätzchen etwas erholt hat sinnt es darauf dem abgeschlossenen Handel zu entkommen.
Wortgewaltig und wie immer einfallsreich erzählt. Wunderbare zamonische Wesen werden liebevoll herausgearbeitet und jede mit ihren Eigenarten akribisch beschrieben. Eine Geschichte mit Tiefgang und Humor, mit Kuschelfaktor (Kratze) und Gruselfaktor (zamonische Ungeheuer). Eine Geschichte über Leben und Sterben, über Freundschaft und Liebe, Vorurteil und Realität. Durchaus für kleinere Kinder geeignet. Der Grusel hält sich in Grenzen :-)).
Es ist nicht so martialisch wie z.B.
Rumo und Die Wunder im Dunkeln. Ein Roman in zwei Büchern(seeeehr zu empfehlen)
und nicht so komplex wie
Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär (für Kinder doch zum Teil recht langatmige Beschreibung der Wesenheiten).
Eine schöne Ergänzung der "Zamonien Bibliothek"
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Aus der Amazon.de-Redaktion Urlaub mit den Eltern kann so langweilig sein. Die beiden Fhernhachen-Kinder Ensel und Krete erleben das am eigenen Leibe, als sie mit ihren Eltern den zamonischen Großen Wald bereisen. Dabei hatten sie gehofft, dort endlich einmal etwas zu erleben! Und so ziehen sie auf eigene Faust los, um das Abenteuer zu suchen, verlaufen sich jedoch nach kurzer Zeit. Damit nimmt ein rasantes Märchenabenteuer seinen Lauf, bei dem selbst den Gebrüdern Grimm bald die Puste ausgegangen wäre. Die beiden Zwergenkinder treffen auf zahlreiche gefährliche oder einfach nur sonderbare Geschöpef: einen Laubwolf, Erdgnömchen, Geheimbären, Fledertratten, Schuhus, Einhörnchen, einen sprechenden Meteor und allerlei andere Seltsamkeiten. Natürlich finden auch ein Hexenhaus, und der fantasievolle Showdown hat mehr mit dem Blair Witch Project als mit unseren alten Hausmärchen gemeinsam. Erzählt wird die Geschichte übrigens vom berüchtigsten Dichter Zamoniens, Hildegunst von Mythenmetz, einem tausend Jahre alten, aufrecht gehenden Zwergsaurier, der die Handlung - meist an ihren spannendsten Stellen - unterbricht, um weiterführende Erläuterungen zu geben, die sogar noch interessanter und witziger sind als die Handlung selbst. Diesem Stilmittel lieh der Dichter sogar seinen Namen: die "Mythenmetzsche Abschweifung". Und so erfährt man ganz nebenbei haarsträubende Details über zamonische Zahlensysteme, die sieben Grundtugenden des Dichters oder auch Insiderinformationen über den zamonischen Literaturbetrieb. Abgerundet wird das Buch durch die halbe Biografie des Hildegunst von Mythenmetz unter dem Titel "Von der Lindwurmfeste zum Bloxberg". Auf die Frage, wieso dieses Buch keine direkte Fortsetzung von Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär sei, antwortete Walter Moers: "Das hat verschiedene Gründe. Erstens glaube ich, dass ein Buch mit über 700 Seiten für eine Figur genügen sollte. Zweitens war für mich schon beim ersten Buch der eigentliche Held nicht der Blaubär, sondern der Kontinent Zamonien. Dessen Geschichte - und die seiner Bewohner - möchte ich weitererzählen, in alle möglichen Richtungen." Und so besteht die Hoffnung, dass es auch weitere Zamonien-Bücher geben wird, selbst wenn Walter Moers die zweiten 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär im Dunklen lässt. -Hardy Kettlitz 1
Leserbewertungen: Durchschnitt: 3.5 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 93 Bewertungen)
Lesermeinungen:* Leider zu kurzes Moersches Ideenfeuerwerk (4 von 5 Punkten) meint E. Inhalt: Man nehme Hänsel und Gretel und mische sie mit zahllosen Literaturbröckchen. Außerdem gebe man eine Extraportion Gesellschaftskritik zu der Mischung, garniere das Ganze mit einem durchgeknallten Buntbären und serviere es mit Bösewichten à la carte. Fertig ist ein psychedelisches Horror-Märchen zum totlachen.
Ich gebe es zu: Ich bin ein Fan der Mythenmetzschen Abschweifungen und der mal mehr oder weniger subtilen Anspielungen auf alles, was mit Literatur zu tun hat. Manch anderer Leser würde wohl am liebsten Mythenmetz' Geschreibsel aus dem Buch reißen, für mich ist es aber erst das Salz in der Suppe.
"Ensel und Krete" ist leider für Moers' Verhältnisse fast eine Kurzgeschichte, aber dennoch gespickt mit den üblichen Verdächtigen. An das Meisterwerk "Die Stadt der träumenden Bücher" kommt die Geschichte nicht ganz heran, ist aber "dramaturgisch" klasse und das Ende ist der Brüller. Bei der darauffolgenden Mythenmetz-Biographie konnte ich mich vor Lachen kaum halten. Über Moers' wunderschöne Illustrationen brauche ich kein Wort verlieren, denke ich. Aber auch bei diesem Buch gilt wieder: Kenntnisse in europäischer Literatur(geschichte) sind Pflicht, sonst macht es nur halb so viel Spaß.
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Aus der Amazon.de-Redaktion Sicher, Wladimir Kaminer, der Deutsche russisch-jüdischer Abstammung, der mit dem Buch Russendisko und der gleichnamigen Partyreihe international bekannt wurde, ist weder in Berlin geschweige denn in Deutschland geboren noch besitzt er den typische Berliner Schnauze. Demnach ist er tatsächlich kein Berliner, auch wenn er seit 1990 dort lebt. Andererseits verkörpert er mit seinen kreativen Ideen, seinem Humor und seiner ganzen Lebenseinstellung das Berlinerische der Gegenwart so wie kein Anderer. Demnach ein echter Berliner also. Letzte Zweifel, ob Kaminer einer ist, der sich in Berlin auskennt, verfliegen, wenn man die 33 heiteren Kurzkapitel liest, denn die zeugen von einer echten Ortskenntnis. In jeder Episode erzählt er eine kleine Geschichte rund um ein Thema oder einen Ort, den man als Nicht-Berliner durchaus einmal besuchen sollte - als Berliner sowieso. Eine kurze Auswahl: Welchen Unterschied gibt es zwischen Ost- und Westberliner Steuerberatern? Wo kriegt man zehn Kilo Bananen für 50 Cent und mit etwas Glück noch einen Opel Kadett obendrauf? Und was machen eigentlich die Tschuktschen, Berlins kleinste Minderheit? Wie so meist bei Kaminer sind die Pointen sehr schön gesetzt, wer nicht zumindest schmunzelt, hat sich entweder am Kaminerschen Stil sattgelesen oder ist gerade einfach nicht in der Stimmung. Doch es geht nicht nur um spaßige Anekdoten. Denn bei "Ich bin kein Berliner" kommt noch der reisepraktische Aspekt dazu. Am Ende jeden Kapitels und hinten im Buch finden sich sämtliche Adressen zu den Orten sowie einige Informationen zu ihnen. Wer die beherzigt, kann wahrlich kein fauler Tourist sein, denn allein die Tippsammlung erstreckt sich über 35 Seiten. Fazit: Ein schönes Beispiel, wie es gelingt, einen Reiseführer einmal anders, als Geschichtenband, zu gestalten und dennoch einen konkreten Nutzwert zu schaffen. Ob dieses Konzept auch für andere Städte gelingen kann? Nur, wenn sich adäquate Autoren finden lassen - das wird nicht so einfach sein. - Christian Haas 1
Leserbewertungen: Durchschnitt: 4.5 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 23 Bewertungen)
Lesermeinungen:* Hörbuch (5 von 5 Punkten) meint V. Wladimir Kaminers Bücher darf man gar nicht lesen. Die muss man hören. Das hat mir dieses Hörbuch wieder einmal gezeigt. Sein starker und wirklich hinreißender Akzent verleiht seinen Worten erst den richtigen Ausdruck. Erst wenn man seine Stimme hört, scheint die tiefe Ironie, die hinter allem steckt, was er schreibt, richtig durch.
"Ich bin kein Berliner", sagt Kaminer mit diesem Buch, und das ist wahr und doch falsch. Denn sobald er woanders ist, fühlt er sich natürlich als Berliner. Der Rest des Landes scheint ihm viel fremder. Trotzdem beschreibt er Berlin selbst mit einer gewissen Distanz, die die schon erwähnte Ironie hervorbringt. So ganz kann er eigentlich nichts ernst nehmen von dem, was er in Berlin beobachtet. Liebevoll geht er allemal mit seiner Stadt um, aber seine Untersuchungen zum Dialekt, zum Shoppen, zur Gastronomie, zur Bildung, dem Tourismus, der Wirschaft etc. bringen immer wieder dasselbe Ergebnis: alles ist anders, als erwartet und geplant. Trocken berichtet Kaminer darüber und das macht das ganze umso lustiger. Absolut hörenswert dieser kleine "Reiseführer".
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Eigentlich ist es ja immer andersrum: Ein Autor schreibt ein Buch, und irgendwann später kommt ein Illustrator und macht sich ans Bebildern. So hat es Zeit seines Lebens auch Gustave Doré gehalten, dem wir wundervolle Stiche zu Orlando Furioso, Don Quixote, Gargantua und Pantagruel oder der Bibel verdanken. Walter Moers macht immer alles anders. Und so ist er auch diesmal den umgekehrten Weg gegangen und hat Dorés Kupferstiche zu einem neuen erzählerischen Kabinettstück versammelt. Dabei schickt er den 12-jährigen Gustave in seine eigenen (Alb-)Traumbilder und lässt ihn nach klassischer Märchenmanier (sechs gelöste Aufgaben = Todesaufschub) auf dem Pferd Pancho Sansa im "Reich der Ungeheuer" allerlei Abenteuer mit Fabelwesen, Rittern und Jungfrauen bestehen. Hier hat Gustave gegen treulose Kumpanen und die erste (kurze) Liebe gleichermaßen anzukämpfen. Dazwischen bringen diverse Diener des Todes unseren Helden in immer neue Gefahren: "Wenn er aus den Fluten auftauchte, hatte Gustave die Wahl, gefressen, von Krallen zerfetzt, bei lebendigem Leibe verbrannt oder gekocht zu werden". Er hat also keine Chance - und die nutzt er gut. Früher war Moers ja für seine Lügengeschichten bekannt, die er Käpt'n Blaubär in die sympathische Schnauze legte. In Wilde Reise durch die Nacht nun erzählt er endlich die ganze Wahrheit über die Welt der Mythologie: Hierzu gehört die Erkenntnis, dass Drachen nur dressierte Kampfhunde und Jungfrauen so richtig böse sind. Da ist sehr viel geklaut von Italo Calvino und den Rittern der Kokosnuss. Aber schon Ensel und Krete war eine kongeniale Verballhornung Grimm'scher Volksmärchenkunst. Und dass Moers die Illustrationen von Doré stibitzte, um sie mit neuem fantastischem Erzählstoff zu umgarnen, dafür ist man ihm bei der vergnüglichen Lektüre Seite für Seite dankbar. -Thomas Köster Wenn ein einziger Schauspieler alle Rollen in einem Stück sprechen muss, ist das schon eine ziemliche Herausforderung. Bei einer ausufernden fantastischen Geschichte wie der von Walter Moers ist die Aufgabe noch schwieriger. Umso beeindruckender, mit welcher Energie, aber auch Präzision Dirk Bach diese Geschichte über vier CDs trägt, ohne dass man sich je langweilt. Erstaunlich auch, wie genau sich Bach über diese lange Strecke die verschiedenen Stimmlagen seiner Figuren merken kann. Ob als kauziger Greif - vielleicht am schönsten: Bach gelangweilt, genervt wie ein Berliner Hausmeister ("Ich müsste das jetzt nicht tun, aber ich werd's trotzdem machen...") -, als herablassend-bedrohlicher Tod oder als leicht hysterische Qualle: Dirk Bach zieht alle Register. Ihren eigentlichen Reiz bezieht Moers' Erzählung freilich aus der Gegenüberstellung mit den düsteren Kupferstichen von Gustav Doré. Und so ist es lobenswert, dass man auch die Hörbuch-Version anhand der beiliegenden 18 - auf vier Poster verteilten - Zeichnungen verfolgen kann. Prima für einen verregneten Sonntag auf dem Sofa. -Axel Henrici 4 CD-Box mit 4 Postern. Studioaufnahme. Gesamtspieldauer: 275:20 Minuten.
Leserbewertungen: Durchschnitt: 4.0 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 52 Bewertungen)
Lesermeinungen:* Schnell da ! (5 von 5 Punkten) meint L. Zum Buch kann ich noch nicht so viel sagen,da ich erst das erste Kapitel gelesen habe aber bis jetzt schon ganz gut!
Zum Verkäufer: Das Buch war in 3 Tagen da und gut verpackt! Was will man mehr.
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Es ist schon sehr perfekt, was Friedrich Ani auf schlanken 192 Seiten in seinem München-Thriller bietet. Express
Leserbewertungen: Durchschnitt: 4.0 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 6 Bewertungen)
Lesermeinungen:* "In dieser Geschichte, so scheint mir, bin ich der Welt, von der ich glaube erzählen zu müssen, so nah wie selten." (Ani) (5 von 5 Punkten) meint W.S. aus Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland In seinem neuen Roman, dem dritten der Serie um den blinden Kommissar Max Vogel geht ein Serientäter in München um. Er erdrosselte bereits zwei blonde Frauen. Sein jüngstes Opfer ist die 38-jährige Sonja Piers. Kommissar Max Vogel und sein Vater, der blinde Ex-Kommissar Jonas Vogel, beginnen mit ihren Ermittlungen. Schnell stellen sie fest, dass sie von allen Familienmitgliedern belogen werden. Sie wollen die Wahrheit über diese Familie herausfinden.
Wie so oft in den Kriminalromanen von Friedrich Ani stehen nicht die zielgerichteten Ermittlungen der Kommissare und ihrer Teams im Mittelpunkt. Es geht Ani, niemals nur um herkömmliche Krimispannung, sondern um das Erkunden und Darstellen des Milieus der kleinen Leute.
In einer kurzen Vorbemerkung zu "Die Tat" stellt er befriedigt fest, dass ihm das immer mehr gelingt, und er seinem Anspruch näher kommt:"In dieser Geschichte, so scheint mir, bin ich der Welt, von der ich glaube erzählen zu müssen, so nah wie selten. Die durch das Verbrechen aus ihrer Unscheinbarkeit gerissenen Figuren - Opfer, Hinterbliebene, Täter, Polizisten - sind ganz bei sich und bei mir."
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| | Buch: | Ein Buch namens Zimbo: Sie werden kaum ertragen, was Ihnen mitgeteilt wird - Texte 2007-2008, einer von 2006, vier von 2009 |
| Autor: | Max Goldt, Ausgabe vom 18. Sept. 2009, Gebunden, Verkaufsrang 21317 |
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Zitiere nie Max Goldt zum Scherz, denn er fühlt wie du den Schmerz. Karlo Tobler
Leserbewertungen: Durchschnitt: 5.0 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 6 Bewertungen)
Lesermeinungen:* ein Genuss (5 von 5 Punkten) meint T.W. aus Berlin Die Geschichten von Max Goldt gehören sprachlich nach wie vor zum Elegantesten, was unsere moderne Literatur zu bieten hat, die Texte sind wie gewohnt klug und treffend formuliert. Mein Eindruck ist, dass Goldt in den letzten Jahren zunehmend eine gewisse Moral sowie etwas Kulturpessimismus in seine Geschichten einflechtet - ohne aber zum Oberlehrer zu werden. Ganz im Gegenteil - man fühlt sich in diesen Geschichten geborgen, verstanden und manchmal auch ertappt und am Ende des wie immer zu kurzen Vergnügens erfrischt wie nach einem Schaumbad. Was gibt es Besseres?
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Als sich im Sommer 1990 die Ära Gorbatschow ihrem Ende zuneigt, Putin noch lange nicht Präsident, sondern KGB-Schlapphut ist und Helmut Kohl nach dem Mantel der Geschichte langt, beschließt der 23-jährige Moskauer Wladimir Kaminer, sein Leben zu ändern. "Go west", lautet die Parole - doch warum in die Ferne schweifen, wenn das Ticket nach Ost-Berlin schlappe 96 Rubel kostet und man kein Visum benötigt? So schlüpft Kaminer in den himmelblauen Sonntagsanzug und setzt sich mit seinem Freund Mischa, einer Stange russischer Zigaretten sowie einer Flasche Wodka der Marke "Lebewohl" in den Zug. Do swidanija! Nur 48 Stunden später treffen die beiden mit Brummschädel in Berlin-Lichtenberg ein: "Die ersten Berliner, die wir kennen lernten, waren Zigeuner und Vietnamesen. Wir wurden schnell Freunde." Die Tage im Plattenbau-Ausländerheim von Marzahn sind längst vorbei. Heute gehört der DJ, Autor und Theatermann Wladimir Kaminer zu den Szene-Stars des neuen Multi-Kulti-Berlin: Die "Berliner Seiten" der FAZ drucken seine Texte ebenso gern wie die untergangsbedrohte taz, beim SFB moderiert er eine eigene Sendung (Wladimirs Welt). Im Kaffee Burger, das sich nach der Übernahme durch den Prenzlauer-Berg-Poeten Bert Papenfuß zur kuschligen Party-Location wandelte, zelebriert Kaminer einmal im Monat seine berüchtigte "Russendisko" - Völkerverständigung und proletarischer Internationalismus, einst von Wladimir Iljitsch Lenin gepredigt, werden auf der engen Tanzfläche geübt, dazu wirft ein Videobeamer alte sowjetische Zeichentrick- und Kriegsfilme an die Blümchentapete. Russendisko hat Kaminer auch seine erste Buchveröffentlichung genannt: 50 Erzählungen aus einem Berliner Alltag, den die üblichen Verdächtigen aus der "Paris Bar" nur vom Hörensagen kennen. Wer hier überleben will, muss wandlungsfähig sein: Die Türken im Imbiss nebenan erweisen sich als Bulgaren, den biederen Beamten vom Arbeitsamt trifft man abends in der Schwulenbar - und selbst die vietnamesischen Zigarettenhändler sind nicht viel mehr als ein medial erzeugtes Klischee: Sie kommen mehrheitlich aus der inneren Mongolei. Kaminers Helden haben alle Hände voll zu tun, sich zwischen den Fallstricken des Asylrechts, Liebeshändeln und obskuren Jobs durch den Großstadtdschungel zu hangeln. Da ist der Slawistikstudent Sascha, der als Tellerwäscher im australischen Krokodilsteakhaus jobbt; da ist der "Radiodoktor" aus der Ukraine, der den Berliner Russen erklärt, was man gegen Pickel tun kann: "Die sagen Clerasil, aber ich kann mich noch gut erinnern, Benzin tut es auch." Die Damen vom russischen Telefonsex ("Mach deine Hose auf, wir nostalgieren zusammen!") dürfen ebensowenig fehlen wie der namenlose Asylbewerber, der sich, von der Polizei verfolgt, beim rettenden Sprung aus dem Fenster an einem REP-Plakat ("Mut zur Wahl - wähle national!") abseilt. Wer Kaminer bei all dem für einen plumpen Possenreißer und Zyniker hält, hat nichts begriffen. Der Mann kann nicht nur genau beobachten - er liebt sie, seine skurrilen Großstadtindianer, die wohl vom Leben gebeutelt, aber nie ohne Hoffnung sind. Und, mal ehrlich: Wer, wie Kaminer, nicht nur deutsch schreibt, sondern unsere komplizierte Sprache mit der sowjetischen Fibel Deutsches Deutsch zum Selberlernen gepaukt hat - der kann kein schlechter Schriftsteller, ach was: Der kann kein schlechter Mensch sein. Also: Kaufen Sie Kaminer! Und tun Sie, was ein russischer Berlin-Reiseführer seinen Lesern als ultimativen Kick empfiehlt: "Hissen Sie Ihre ganz persönliche Flagge auf dem neuen Reichstag - Berlin erleben und erobern!" -Niklas Feldtkamp Wladimir Kaminer ist ein Russe am Prenzlauer Berg. Nach Berlin gekommen ist er 1990 in den Freudezeiten der Perestroika und auch nur, weil er mal den Westen sehen wollte, keine Bekannten in San Francisco hatte (wie Michail Gorbatschow) und sich ohne Reisepass auch einfach nichts anderes anbot. Nun ja, "zum Spaß" und "aus Neugier" ist er dann einfach da geblieben - zum Glück, denn der studierte Moskauer Dramaturg und sich nicht immer allzu ernst nehmende "russische Intellektuelle" ist heute eine dieser Kulturpersönlichkeiten, die den frischen Wind in die Stadt gebracht haben, der dort heute an allen Ecken heftigst weht. Russendisko ist Kaminers erster Erzählungsband und er liest selbst mit wunderbar russisch-gebrochener Zunge daraus vor: Von unmotivierten Wohnungsbesetzungen, jugoslawischen Hexen (mit horrenden Honoraren), verrückten Sinti und Roma aus Marzahn, die gern mit Autos gegen Bäume fahren, und dann war da auch noch dieser Künstlerfreund, aus dessen Meißel fast das Holocaust-Mahnmal entstanden wäre (und dann auf einer Erotik-Messe in Hamburg ein großer Erfolg wurde). Wladimir Kaminer erzählt vom ganz normalen Blues und Alltag vor seiner Haustür. Die kleinsten Geschichten sind dabei die größten und so richtig ernst wird es noch nicht einmal dann, wenn der Autor seinem herrlich urrussischen, fatalistischen Schwermut freien Lauf lässt. Berlin ist im Aufbruch, sagt man. Wenn man Kaminer liest, erahnt man, was damit wohl eigentlich gemeint sein sollte: Der Aufbruch führt ins Chaos und hat viele schöne Begleiterscheinungen. Willkommen in Absurdistan... die nächste Tram fährt direkt dorthin. Berliner, lest dieses Buch, so kennt Ihr Eure Stadt noch nicht! Und Nicht-Berliner, packt vorher schon mal Eure Koffer! Darauf einen Wodka, "meine kleinen Freunde"! Russendisko ist auch als Audiobuch auf 1 Kassette erhältlich. -Wolfgang Tress
Leserbewertungen: Durchschnitt: 3.0 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 104 Bewertungen)
Lesermeinungen:* Super Buch! (5 von 5 Punkten) meint M. Ich habe wirklich sehr viel Spaß beim lesen dieses Buches gehabt! Wladimir hat wirklich hier die 5 ***** verdient für seinen beobachtenden und unterschwelligen Humor, der mich persönlich wirklich begeistert.
Weitere Lesermeinungen |
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