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Das geheimnisvolle Serum

ein Fantasy Abenteuer-Roman von Janis Purucker


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Kapitel 13

Als ich nach geraumer Zeit die Augen wieder aufschlage, sehe ich über mir das Gestell des großen Himmelbettes, in dem ich liege. Ich setze mich auf und reibe mir die Augen. Ich weiß im Moment gar nicht wo ich bin.
Plötzlich fragt eine Stimme: "Soll ich Ihnen eine Schüssel mit Wasser bringen, Frau Königin Laura?"
Jetzt erwache ich erst richtig. "WWie Bitte? Könnten Sie das nochmal wiederholen?" frage ich ungläubig.
"Gerne, Frau Königin. Ich habe gesagt: "
Ich unterbreche sie jäh: "Danke, ja, ob Sie mir eine Schüssel mit Wasser bringen könnten."
Die Frau schaut mich verblüfft an. "Wenn Sie es wissen, warum fragen Sie dann? Sie sind wohl noch sehr verwirrt und noch nicht richtig wach! Deswegen fragte ich ja, ob Sie eine Schüssel mit Wasser wollen?"
Das dumme Gequatsche geht mir irgendwie auf die Nerven. "Nein, Danke!" sage ich etwas verstimmt. "Ich wollte doch nur wissen, ob ich mich nicht verhört habe, als Sie mich Frau Königin nannten!"
"Wieso verhört, Frau Königin? Sie sind doch die zukünftige, höchste Königin von Ramses dem Großen, unserem wunderbaren Herrscher! Sagen Sie bloß, Sie wissen es nicht, Frau Königin!?"
Ich seufze. "Doch, irgendwie erinnere ich mich, daß er so etwas gesagt hat."
Sie schaut mich wieder erstaunt an, sagt aber nichts.
"Und wenn Sie bitte mit diesem Frau Königin-Quatsch aufhören würden! Erstens möchte ich Laura genannt werden und zweitens bin ich es doch noch gar nicht!" Und in Gedanken füge ich noch hinzu: "Und werde es auch nie sein!!"
Die Frau, die wahrscheinlich meine Dienerin sein soll, holt tief Luft. "Na, wenn Sie es wünschen, Frau... Äh, Laura..."
Ich seufze abermals. Plötzlich fällt mir etwas ein, ich schrecke hoch und brause sie an: "Heh! Wo ist eigentlich Chris?"
Die Frau erschrickt. "Was? Wer? Ich kenne keinen Kris!"
"Ach ja?" fahre ich sie wieder an, "Sie kennen ihn nicht? Wenn Sie mir nicht sofort sagen, wo er ist und was sie mit ihm gemacht haben, dann werden Sie meine Kampfkünste in Judo kennenlernen!! Ich habe keine Angst vor Ihnen!"
Die Frau bekommt große Augen und schluckt trocken, bevor sie sagt: "Naja, also, äh, da wwo Sie es sagen, ihren Freund haben sie weggebracht!"
"Wohin?"
"Äh, ich weiß nicht!" beteuert die Frau.
Ich schaue sie mordrünstig an. Sofort redet sie wieder: "Äh, naja, äh, ich würde sagen: Entweder sie haben ihn rausgeworfen, oder..."
"Oder was?!"
"Naja, oder sie haben ihn... in den Kerker geworfen."
"Was?! In den Kerker? Wissen Sie das genau?"
"Nein, wie gesagt, sie könnten ihn auch hinausgeworfen haben..."
Ich knurre vor Wut. "Okay, jetzt sagen Sie endlich wohin sie ihn wirklich GEWORFEN haben!!"
Die Frau schluckt wieder. "Äh, naja, normalerweise werfen sie andere immer, wenigstens für eine Zeit lang, in den Kerker! Ich weiß aber nicht, wie es bei ihm..."
Ich unterbreche sie: "Gut! Wo ist dieser Kerker?"
"Äh, ddas ddarf ich nicht sagen!!" Ich packe sie am Schlawittchen.
"Doch, das dürfen Sie schon, weil ich, die liebe Frau Königin Laura es Ihnen befehle!!!" schreie ich sie an.
Die Frau zittert am ganzen Körper. "NNaja, aalso, wenn Ssie es sind, ddann...Er ist im Keller, sozusagen..."
Ich schnaufe wütend. "Okay, Sie führen mich da sofort hin! Und damit das klar ist: DAS IST EIN BEFEHL!" ordne ich strikt an.
"AAber, ddas geht nicht, wenn sie uns erwischen, dann bin ich dran! Die Wachen wissen nämlich, daß Sie nicht gerade einverstanden sind mit der Heirat! Deshalb stehen sie an jedem Gang! Da kommen wir nicht vorbei, ohne gesehen zu werden!"
Ich lasse sie ruckartig los. "Dann haben Sie also auch die ganze Zeit gewußt, wer ich bin und daß ich aus Phi... Äh, ich meine, aus Amerika komme?!"
"Ja, weil mir der Pharao befohlen hat, daß ich so tun soll, als ob ich von nichts weiß! Damit Sie sich besser umgewöhnen können, hat er gesagt!"
Ich nicke fast unmerklich. Dann sage ich: "Wenn ich den nur in meine Finger bekommen könnte und wenn ich ein bißchen stärker wäre, würde ich ihn so, SO, sage ich ihnen! Ich sage zwar nicht was ich mit ihm machen würde, aber ich versichere Ihnen: Danach könnte er sich nie mehr auf seinen kleinen Thron setzen! Das wäre aus!"
"Aber Sie müssen ihn verstehen, in seinem Land ist das eben nun mal so...!"
"Ja, ja, nehmen Sie ihn nur in Schutz!" sage ich jetzt ärgerlich, doch schon etwas besänftigter. "Aber ich muß zu Chris und ihn befreien! Haben Sie nicht irgendwo etwas zum Verkleiden?"
"Nein, da wüßte ich wirklich nichts!"
Ich seufze. "Dann besorgen Sie mir wenigstens so ein langes Ägyptergewand, wo man sein Gesicht darunter verstecken kann! So etwas wird es doch wohl hier geben?!"
"Ein Wüstengewand? Schon, aber..."
"LOS JETZT!" schreie ich. Dann später, etwas ruhiger: "Wo gibt es denn das überhaupt?"
"In den vielen Ankleidungszimmern! IIch gehe schnell eines holen!"
Die Frau will sofort gehen, doch ich halte sie zurück. "Ja, ja, damit Sie es dem Pharao melden, und er mich bestraft! So dumm bin ich nicht! Gibt es nicht gleich hier in der Nähe ein solches Ankleidungszimmer?"
"Naja, also..."
Ich seufze. "HABEN SIE DENN IMMER NOCH NICHT GESCHNALLT, DAß SIE MEINE FRAGEN BEANTWORTEN SOLLTEN?"
Die Frau sagt vorsichtig: "Naja, gut, es gibt gleich eines neben ihrem Zimmer!"
"Wunderbar! Da kann ich Sie ja durch die Tür beobachten! Und wehe, Sie machen irgendwelche Faxen, oder Anstalten, davonzulaufen! Ich kriege Sie, und wenn ich Sie habe, dann verprügele ich Sie so, daß Sie eine Woche lang nicht mehr sitzen können!!"
Die Frau sagt stotternd: "Ja, ja, iich gehe ja schon!" Und sie betätigt langsam die Türklinke. "Keine Wachen in diesem Saal! Wahrscheinlich, damit sie Sie durch ihre Gespräche nicht stören!"
Bevor ich hinaustrete, sehe ich mich erst noch einmal um, weil ich ihr nicht so richtig trauen kann. Dann trete ich beruhigt hinaus. Sie läuft voraus, zu einer einzelnen Tür, die wirklich nur ein kleines Stück von meinem Zimmer entfernt liegt! Dann geht sie leise hinein. Ich folge ihr und mache, als wir drin sind, die Tür leise hinter mir zu.
"Wow!" sage ich ich, "da sind ja echt viele Klamotten! Schauen Sie mal, meinen Sie, daß diese den Wächtern nicht besonders auffallen?" Ich halte ein Kleidungsstück hoch. Die Frau dreht sich um und sagt: "Ja, genau das ist das übliche Gewand für die normalen Bürger! Das fällt ihnen sicher nicht auf! Wenn es Sie nur richtig gut verhüllt!"
Ich versuche, es mir überzuziehen, doch beim ersten Mal klappt es nicht. Nach ungefähr zehn Minuten schaffe ich es, mit Hilfe der Frau, anzuziehen. Und - es sitzt wirklich perfekt, finde ich. Natürlich ist es ein bißchen zu groß, aber das ist ja gerade das Gute, weil man sich darunter super verstecken kann!
Auch die Frau meint: "Ja, man sieht wirklich nicht, ob es Sie sind, oder ob es nur ein ganz normaler Bürger (die oft hierherkommen, wegen einer Audienz beim König) ist! Manchmal fragen sie mich auch, wo zum Beispiel der Thronsaal ist, oder so! Dann muß ich sie auch immer herumführen! Das müßten die Wächter langsam gewöhnt sein!"
Ich sehe die Frau auf einmal erstaunt an. "Hey! Sie sind ja auf einmal so freundlich!?" Die Frau atmet tief durch. "Naja, weil ich ja ihre Geschichte kenne! Und wenn ich an ihrer Stelle wäre, hätte und würde ich mich wahrscheinlich auch so verhalten, wie Sie und auch das Gleiche tun!"
Ich lächle. Dann sage ich: "Danke!"
Die Frau lächelt zurück. "Und entschuldigen Sie, daß ich vorhin so aufgebracht war. Ich war eben total genervt..."
"Ich verstehe Sie. Sie brauchen sich nicht zu entschuldigen!"
Jetzt meine ich: "Also, ich würde vorschlagen, daß wir mit diesem dauernden Sie-Gerede aufhören! Wir sind doch jetzt so etwas wie Verbündete, da können wir uns doch duzen!"
"Gerne!" sagt sie. "Wie heißen, äh, ich meine, wie heißt du eigentlich?"
"Reni!"
"Reni? Das ist doch ein ausländischer Name!"
"Ja, das stimmt. Ich bin hier auch nicht geboren!"
"Wo denn?"
"In Sudanien!"
"Aber du bist doch gar nicht schwarz, nur etwas braun...!?"
"Ja, das kommt daher, weil mein Vater ein Ägypter war, meine Mutter aber Sudanierin!"
"Wirklich? Aber wie bist du dann hierhergekommen? Und warum bist du eine Dienerin?"
"Tja, das war so: Mein Vater starb, als ich fünf Jahre alt war. Und meine Mutter, die mußte ja zur Beerdigung kommen. Da mein Vater aber in Ägypten beerdigt werden sollte (weil er ja hier geboren worden war), mußte sie mit mir hierher reisen! Und das merkte natürlich der Pharao! Wir waren Sudanier, also Fremde in seinem Land! Und weil er gerade eine Pyramide erbauen wollte, brauchte er natürlich viele Sklaven! Da holte er uns einfach zu sich auf den Hof. Meine Mutter war groß und stärker als ich, sie mußte mit an der Pyramide arbeiten. Ich war natürlich noch zu klein, deshalb zog mich eine andere Frau auf. Als ich acht war, starb auch meine Mutter, wahrscheinlich an Erschöpfung. Und als dann die Zeit gekommen war, daß ich mitarbeiten müßte, da stellte ich mich so ungeschickt an beim Bauen, daß sie mich zur Dienerin machten! Tja, das ist meine Geschichte!"
Als sie geendet hat, sehe ich sie mitleidig an. Dann nicke ich leicht mit dem Kopf. "Es tut mir wirklich leid für dich! Es muß schrecklich sein, ohne Eltern, nur mit einer Ersatzmutter aufzuwachsen! Und schon gleich hier!"
Reni hebt die Schultern. Dann sagt sie: "Tja, aber jetzt müssen wir weitermachen, sonst kommt am Ende noch jemand herein!"
Also richte ich mein Gewand zurecht, so daß ich wirklich nicht mehr zu erkennen bin, wie Reni sagt. Dann öffnet sie langsam die Tür. Auch jetzt ist der Gang leer. Ab und zu hört man leise Gespräche aus den Türen. Wir huschen an den Türen vorbei, hinunter in den zweiten Stock. Da stehen Wachen! Ich gebe mir Mühe, nicht zu zittern anzufangen, als wir an ihnen vorbeimüssen.
Reni grüßt sie und sagt: "Das ist wieder einer, der eine Audienz haben will! Bald wird der Palast nur noch von Besuchern gefüllt sein."
Der Wächter nickt nur. Wir gehen in den nächsten Gang. Dort sagt Reni das Gleiche. Auch in den nächsten Gängen können wir die Wächter austricksen. Dann führt mich Reni durch eine Tür. Dann sagt sie erleichtert: "So, jetzt müssen wir nur noch die Treppen hinuntergehen!"
Ich folge ihr vorsichtig. Nach einiger Zeit wird das Licht vor uns heller, immer mehr Fackeln erleuchten die Gänge. Dann kommen wir endlich an eine Tür. Sie ist verschlossen! Ich jammere: "Oh nein! Jetzt haben wir alles umsonst gemacht! Oh, Mist!!"
Derweil hat Reni einen Schlüssel aus ihrer Schürze geholt und ihn seelenruhig in das Türschloß gesteckt. Jetzt dreht sie ihn. Die Tür springt auf! Ich habe all das mit großen Augen beobachtet. Jetzt frage ich sie verwirrt: "Was, woher hast du..."
Sie unterbricht mich: "Oh Laura! Denkst du, daß ich das nicht gewußt habe, daß diese Tür verschlossen ist!? Ich habe natürlich den Schlüssel, weil ich ja den Gefangenen jeden Tag ihr Essen und ihr Wasser bringen muß!"
"Ach so! Ja, aber, warum hast du dann nicht genau gewußt, ob Chris hier ist?" frage ich sie.
"Naja, weil ich heute auf dich aufpassen mußte, ob du aufwachst! Derweil hat mich ein anderer vertreten!"
"Jetzt ist es mir endlich klar. "Ach, jetzt versteh ich`s!" sage ich nur.
Reni erwidert nichts. Jetzt führt sie mich an den vielen Zellen vorbei. Überall sitzen oder liegen hagere Gestalten herum. Ich frage Reni: "Wer ist das alles?"
Lauter hethitische Gefangene, die morgen wieder an ihre Arbeit müssen, und die nur den halben Tag hier verbringen." antwortet sie. "Aber, an welche Arbeit denn?"
Na, zum Tempelbau! Unser Herrscher vollendet gerade einen Tempel, den sein Vater, Sethos I. , nur nicht vollenden konnte, weil er vorher gestorben ist!"
"Aha!" Jetzt kommen wir ans Ende des langen Saales. Und - tatsächlich! In der letzten Zelle hockt eine Gestalt, natürlich auch im Sträflings-Anzug, die so aussieht wie Chris! "Chris!" rufe ich laut. Sofort Gemurmel in der Halle.
Doch die Gestalt reißt ihren Kopf, der die ganze Zeit nur herab gehangen war, schlagartig hoch und ruft: "Laura! Oh Gott, bin ich froh, daß ich dich sehe, ich habe mir solche Sorgen gemacht! Aber wie kommst du..."
Ich unterbreche ihn: "Das erzähle ich dir alles später! Jetzt müssen wir erstmal hier heraus!"
"Aber wer ist das neben dir? Und wie willst du mich befreien? Du hast doch keinen Schlü..."
In dem Moment sperrt Reni die Tür auf.
Chris blickt sie verdutzt an. Ich sage: "Keine Angst, das ist Reni, meine Freundin! Sie weiß, daß wir aus...äh, Amerika kommen und daß wir von unserem König, na, du weißt schon...!"
Chris hebt verständnisvoll den Kopf, sagt aber nichts. Dann sage ich zu Reni: "Gut, gibt es hier irgendwo einen Hinterausgang?"
"Natürlich! Hier in der Wand ist eine Geheimtür! Warte...!" Und Reni drückt auf einen versteckten Knopf. Sofort ist ein Geräusch in der Wand zu hören und kurze Zeit später geht tatsächlich vor uns ein versteckter Ausgang auf.
Ich denke an unsere mitgebrachten Gegenstände. Das Serum, das habe ich die ganze Zeit in meiner Hose gehabt. Ich befühle die Tasche. JA! Es ist noch darin! Doch wo ist das Buch? Und die Brechstange? Ich frage Reni danach. Sie antwortet: "Ja, ein Buch habe ich gesehen! Der Pharao hat es in seine geheime Bibliothek!"
"Weißt du, wo die ist?" frage ich sie.
"Ja, schon...aber"
"Nichts aber!"
"Doch! Ich meine, den Schlüssel kann ich auftreiben. Aber sag mir mal bitte, wie ich das mit dem Buch machen soll? In der Bibliothek stehen bestimmt Wächter! Wie soll ich denn da unbemerkt so einfach ein Buch (erstmal) suchen können?! Und wenn ich es gefunden habe, kann ich es auch nicht so einfach mitnehmen!"
"Wieso überhaupt unbemerkt? Du sagst einfach, wenn die Wächter fragen, daß du ein Buch für den Pharao holen mußt!"
"Wenn der Pharao nicht selbst da ist!" erwidert sie mir.
"Tja, das ist das Risiko. Aber wenn er drin ist, kannst du trotzdem noch sagen, daß du in das falsche Zimmer gelaufen bist, weil du einfach heute etwas aufgeregt bist, äh, wegen der Zeremonie morgen! Und dann kannst du es vielleicht
nachts holen, oder so!"
"Na, ich weiß nicht..." sagt sie nachdenklich.
"Ach bitte, Reni! Oder" ich lächle, "soll ich dir meine Karatekunst zeigen?" frage ich schelmisch.
Chris schaut verdutzt. "Aber wieso?"
Ich und Reni schauen uns an und lachen gleichzeitig. Dann sagt Reni: "Naja, ich werde es versuchen. Ach, und übrigens, der Wanderstecken oder was das sein soll, den habe ich in die nächste Besenkammer gestellt. Weil ich zuerst dachte, daß es ein Gerät zum Saubermachen ist. Das ist kein Problem. Jedenfalls gehe ich jetzt zuerst in die Bibliothek. Ich werde es schon irgendwie schaffen."
"Ich drücke dir die Daumen!" sage ich.
"Und ich auch!" sagt Chris.
"Ha, bei so vielen Daumen muß es ja gut gehen! Das ist wohl wieder so ein Brauch bei euch?"
Diesmal schauen ich und Chris uns an und lachen. Dann macht sich Reni auf den Weg. Chris sperre ich wieder ein, falls ein Wächter kommt. Und ich gehe durch das Loch nach draußen und schließe es hinter mir. Nach ungefähr einer halben Stunde höre ich von außen leise Geräusche. Dann das abgemachte Zeichen, daß Reni wieder da ist und damit ich erkenne, daß es kein Wächter ist, der da durch den Geheimgang will. Kurze Zeit später geht das Loch vor mir auf. Und - tatsächlich! Vor mir steht Reni mit dem Buch und der Brechstange in der Hand. Ich frage sie natürlich wie es geklappt hat und sie erzählt: "Also, als ich in die Bibliothek gegangen bin, war der Pharao, `Ra sei Dank` nicht in der Bibliothek. Also habe ich das Suchen angefangen. Als es die Wächter bemerkt haben, haben sie mich gefragt, was ich hier will und was ich suche. Da sagte ich:
Der Pharao möchte das Buch von seiner zukünftigen Königin! Sie haben mir tatsächlich geglaubt und mir auch noch suchen geholfen! Innerhalb einer viertel Stunde haben wir das Buch gefunden! Jaja, schau nicht so, so groß ist die Bibliothek schon! Und dann habe ich noch die Brechstange geholt. Aber ich konnte sie ja nicht unter meinem Mantel verstecken! Als ich also an den Wachen draußen am Flur vorbei ging, habe ich einfach gesagt: Die Frau Königin wünscht ihren Wanderstecken!"
Ich und Chris unterbrechen sie mit schallendem Lachen: "Hahaha, die Frau Königin wünscht ihren Wander...Hahaha!"
"Ja," sagt Reni lächelnd, "irgendwie haben sie mir's auch nicht geglaubt. Aber da sie ja wissen, aus welch komischem Volk ihr stammt, haben sie nichts weiter gesagt!"
"Haha, naja, Intelligenzbolzen sind sie ja nicht gerade, aber..."
Reni unterbricht mich: "Was sind sie nicht gerade?! Inteligänz..."
"Ha, nur wieder so ein Sprichwort! Jedenfalls müssen wir jetzt los! Bald wird deine Vertretung mit dem Essen für die Gefangenen kommen!" sage ich zu Reni.
Dann gehe ich zu Chris` Zelle, lasse ihn heraus und will gerade den geheimen Knopf betätigen, als mir noch einfällt: "Aber, sag mal, Reni, was wirst du jetzt machen? Ich meine, der Pharao wird sehr bald herausfinden, daß du gelogen hast!" sage ich sorgenvoll.
"Ach, ich komme da schon irgendwie durch! Den Kopf werden sie mir schon nicht gleich abreißen!"
Ich lächle. "Naja, dann... Danke, für alles, Reni. Und viel Glück noch!"
"Ja, euch auch!"
Auch Chris bedankt sich herzlich. Dann betätige ich den geheimen Knopf und sofort geht vor uns die Geheimtür auf. Wir drehen uns nochmal nach Reni um und winken zum Abschied. Dann laufen wir schnell und leise davon, in Richtung Sphinx.


 Kapitel 14
© 2008 by Janis Purucker



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