Buch, Hörbücher, Filme, DVDs, Musik-CDs






Das geheimnisvolle Serum

ein Fantasy Abenteuer-Roman von Janis Purucker


Kapitel:   1   2   3   4   5   6   7   8   9  10  11  12  13  14  15  16  17  18

Kapitel 4

Das schrille Klingeln des Weckers reißt mich aus dem Schlaf. Ich setze mich auf und mache ihn aus. Hoffentlich hat ihn niemand gehört! Hätte ich ihn doch nur unter mein Kopfkissen gelegt! Ich horche. Nichts. Gottseidank! Ich schaue jetzt genauer auf den Wecker, und kann die Zeiger erkennen: Zehn Minuten vor Mitternacht! Ok, los! Ich stehe auf, ziehe meinen Mantel an und schleiche zur Tür. Langsam drücke ich die Türklinke nach unten, mache die Türe nur so weit auf, daß ich hindurchschlüpfen kann und als ich auf dem Gang stehe, mache ich sie auch ganz leise wieder zu. Leise humple ich den Gang entlang, zu Christian's Zimmer. Und ganz leise schlüpfe ich durch die Tür.
"Huch! Oh, Laura! Hast du mich jetzt erschreckt!" sagt Christian halblaut. Er sitzt auf seinem Bett. Wahrscheinlich wollte er gerade aufstehen. "Ich dachte schon, die Schwester käme."
"Komm, gehen wir zu den Rollstühlen." flüstere ich ihm zu. "
"Ok." Wir zwängen uns aus dem Zimmer. Die Taschenlampen haben wir in dem Netz am Rollstuhl versteckt. Wir nehmen sie heraus und verteilen sie. Dann rollen wir leise durch die Gänge.
"Chris, weißt du, wo der Ausgang ist?" frage ich flüsternd.
"Nein, aber ich denke, im Erdgeschoß. Wir fahren im Aufzug runter."
Also rollen wir in den Lift. Christian drückt den Knopf "Erdgeschoß" und schon schweben wir tiefer. Als wir unten angekommen sind, schwingen die Türen auf und wir rollen hinaus. Und richtig! Wir sind in einer kleinen Halle mit lauter Stühlen, zum Warten, aber gleich dahinter können wir die Ausgangstür erkennen. Bis
jetzt war es noch hell genug zum sehen, aber jetzt ist es so finster, daß wir unsere Taschenlampen einschalten müssen. Klick! Jetzt ist es gleich viel heller. Wir rollen zur Tür, Chris hält sie mir auf und danach rollt auch er schnell hindurch und hält sie auf, bevor sie so laut zuschlägt, daß jemand aufwacht. Wir rollen in die Nacht hinaus. Es ist sehr kalt. Überall um uns herum ist Finsternis. Nur dort hinten, am Ausgangstor nicht, denn da beginnt die Straße, die auch nachts befahren ist. Ständig fahren Autos vorbei. Wie sollen wir bloß über die Straße kommen! Wir rollen ein Stück den Gehweg entlang, bis zu einer Ampel, die im Moment noch DON'T WALK anzeigt. Wir warten so lange, bis die Ampel auf WALK umspringt. Dann rollen wir hinüber. Es geht immer weiter durch die dunklen Straßen Philadelphias. Endlich können wir die Universität, eher gesagt, die halbe Universität, im Schein unserer Taschenlampen erkennen. Der eine Teil ist ganz eingestürzt. Davor stehen Bagger und kleine Kräne, die auf das Tageslicht warten, damit die Arbeiter ihnen wieder Bewegung verschaffen. Wir rollen langsam zu dem Schutthaufen hin. Es sind lauter kleine, zerbröckelte Steine. Wir beginnen, sie mit den Taschenlampen genau abzuleuchten. Immer wieder lassen wir den Schein der Taschenlampen über die Trümmer schweifen. Doch erfolglos.
Plötzlich hat Christian eine Idee. "Laura," flüstert er mir zu. "Die Arbeiter haben ihre Straßenbesen zurückgelassen. Damit kann ich versuchen, die Trümmer wegzukehren." Also holt er die Besen und kehrt und kehrt. Plötzlich sagt er: "Laura, ich glaube, ich habe etwas gefunden!"
"Was denn?" frage ich ihn voller Hoffnung.
"Es ist... Ein Beutel und... Ich glaube es ist das Serum!"
"Was? Das haben wir aber schnell gefunden!" wundere ich mich."
"Oh! Oh... Nein!" sagt Chris mit Enttäuschung in seiner Stimme. "Es ist gar nicht das Serum! Es ist irgendein Plastikbeutel. Wahrscheinlich hatte ein Arbeiter seine Brotzeit darin und ihn dann einfach hierhergeschmissen."
"Schade." sage ich.
Nach einer Weile anstrengendem Kehren sagt Chris erschöpft: "Also, ich glaube, es ist doch bei der Explosion zerrissen worden. Ich kann nicht mehr. Laß uns umkehren."
"Chris, wir dürfen jetzt nicht aufgeben! Komm gib mir einen Besen, ich kehre weiter." ermutige ich ihn.
Also versuche ich mein Glück. Doch bald gebe entnervt auf. "Ich glaube auch, daß es nicht hier ist. Und wenn, dann würden wir es eh nicht finden."
"Komm, wir fahren zum Krankenhaus zurück." Und wir rollen los.
Plötzlich fahre ich über ein paar rutschige Steine und prompt kippe ich um, genau in den größten Dreck vom Trümmerhaufen hinein. Ich bin so erschrocken, daß ich erstmal laut losschreie: "AAAH! CHRIS! CHRIS, SCHNELL, HILF MIR!!! AAAUU!"
"Laura, ich helfe dir ja! Hör bitte das Schreien auf! Wie ist das denn bloß passiert?"
"AAh, Chris, ich muß zu schnell über ein paar Steine gefahren sein! Ach, es ging ja alles so schnell!" stöhne ich, vor Schmerzen schon der Ohnmacht nahe.
Christian versucht, mich trotz seiner vielen Wunden und Brüche, wieder in den Rollstuhl zu setzen. Doch als er mich langsam hochhebt, ruft er plötzlich: "Laura, mensch Laura, ich glaub ich spinne! Das Serum!" Er setzt mich, so schnell es geht, wieder in den Rollstuhl
und hebt den verdreckten Plastikbeutel auf.
" Wirklich?" frage ich ihn.
"Ja! Eine Flüssigkeit ist drin! Eine gelbrote Flüssigkeit! So sah auch das Serum aus! Das muß es sein!"
"Super." sage ich erfreut, doch plötzlich verdunkelt sich meine Miene. "Aber Chris, was ist, wenn uns jemand gehört hat? Ich habe geschrien, du hast geschrien! Das war doch nicht überhörbar!"
Sofort wird auch Christian unruhig. Er steckt den Plastikbeutel mit dem Serum in das Netz am Rollstuhl. Wir lauschen und beobachten, ob jemand schnell die Straße herunter kommt und, JA! Wir sehen eine Gestalt die Straße herunterlaufen, genau auf uns zu! Er hat uns bestimmt gehört! Aber erkennen kann er uns noch nicht, dafür ist es auf unserer Straßenseite zu dunkel.
"Schnell, wir müssen in den Park da drüben! Dort können wir uns in den Bäumen verstecken!" flüstert Christian mir zu.
Ich willige ein und folge Chris so schnell wie möglich. Als wir angelangt sind, verstecken wir uns schnell in dem kleinen Wäldchen. Wir können nichts erkennen, außer den Bäumen, die ihre dunklen Schatten über uns werfen. Die Taschenlampen haben wir ausgeschaltet, sonst findet uns unser Verfolger. Ich flüstere Christian besorgt zu: "Oh Gott, hilf uns! Wenn der uns findet, bringt er uns sicher zur Polizei. Und die bringt uns natürlich wieder ins Krankenhaus! Und was soll ich dann meiner Mutter erzählen!"
"Und ich erst! Meine Eltern mögen mich eh schon nicht mehr, sie sagen ich bin ein Versager. Wenn ich ihnen das erzähle, bringen sie mich um!" flüstert Chris zurück.
Wir starren wie gebannt in die Dunkelheit. Ich bete: "Oh, Gott, bitte laß ihn uns nicht finden! Jetzt wo wir das Serum haben!"
Der Wind rauscht in den Bäumen. Wir hören nur den Lärm von der nahen Straße. Nach ungefähr einer viertel Stunde frage ich Chris: "Meinst du, er ist wieder weggegangen, als er nichts gefunden hat?"
"Ich weiß es nicht. Aber auch wenn nicht, er weiß ja nicht, wer geschrien hat. Wenn wir jetzt über die Straße und heimfahren und er läuft uns nach und fragt uns, ob wir etwas gehört, oder selber geschrien haben, sagen wir einfach nein."
"Ja, du hast recht. Also, laß uns fahren."
Und wir rollen los, mitten durch den, jetzt zur nächtlichen Stunde unheimlich wirkenden, dunklen Park. Chris hat seine Taschenlampe wieder eingeschaltet, ich nicht, da ich ihm folge. Der Park ist groß. Er will überhaupt nicht aufhören. Ich frage Chris besorgt: "Kennst du dich überhaupt noch aus?"
"Nicht mehr so recht. Aber man kann sich doch nicht so einfach in einem Park verirren. Ich wollte eigentlich ans Ende des Parks fahren, weil dort meistens eine Ampel ist. Die, über die wir hergekommen sind, lag zu nah an der Universität, es ist besser, wenn uns der Mann nicht sieht. Denn er könnte uns z.B. ja fragen, was wir hier mit zwei Rollstühlen, mitten in der Nacht machen. Wenn ich mich wirklich nicht mehr auskenne, können wir einfach ans nördliche Ende fahren; wir werden irgendwo auf dem Gehweg herauskommen."
"Aber, wie willst du durch die dichten Nadelbäume, die dort stehen kommen?" frage ich ihn besorgt.
"Ach, das werden wir schon schaffen." macht Chris mir Mut.
Wir fahren also immer mehr nach Norden. Mir erscheint es, als werde der Park immer unheimlicher. Plötzlich wird es mir so, als ob ich Stimmen vernehmen kann. Doch ich verstehe sie nicht. "Chris, hörst du das?" frage ich ihn ängstlich.
"Was?"
"Na, die Stimmen!"
Chris lauscht. "Ja, du hast recht! Ich höre es auch." Wir sind beide still, damit wir mehr hören können.
"Komm, wir fahren näher ran." schlägt Chris vor.
Erst nach längerem Zögern willige ich ein. Trotz meiner Angst folge ich Chris in die Richtung, aus der die Stimmen kommen. Jetzt können wir ein paar Gestalten erkennen, die auf einer Parkbank sitzen. "Was sind das für welche, vielleicht drogensüchtige?" frage ich Chris.
"Nein. Das sind keine jungen Leute, das sind Alte!" erwidert er mir.
Jetzt kann man die Stimmen besser hören, und... Tatsächlich! Es sind Stimmen von alten Männern... Und ein paar Frauen! Vielleicht sind es Landstreicher, oder Zigeuner, oder sowas. Wir kommen immer näher ran. Bis Chris plötzlich anhält und mir zuflüstert: "Weiter dürfen wir nicht, sonst können sie uns sehen."
Wir lauschen angestrengt. Wir können die Stimmen teilweise schon verstehen. Ein alter Mann sagt gerade: "Ja, weißt du noch wie es damals war, als wir zur Schule gingen, Gerda? Immer wenn man ein paar Minuten nach acht Uhr angekommen ist, hat man Schläge auf die Finger bekommen! Tja, das waren noch Zeiten!"
"Ja, ja." stimmt ihm, wahrscheinlich Gerda, zu. "Heutzutage ist das ganz anders."
Plötzlich sage ich zu Chris: "Du, ich glaube, die spielen uns was vor!"
"Wie meinst du das?" fragt mich Chris verwundert.
"Na, hör mal, z.B. im Fernsehen, in Büchern usw. ist es immer so, daß sich Alte Leute über so etwas unterhalten. In Echt kommt es schon auch manchmal vor, aber diese hier, machen es so, ich weiß nicht; so gespielt. Richtig wie im Fernsehen. Wie Schauspieler!"
"Meinst du?" fragt mich Christian ungläubig. "Sie wissen doch gar nicht daß wir hier sind. Alte können nicht mehr so gut hören und sehen wie wir!"
Wir lauschen wieder. Jetzt redet gerade ein anderer Mann: "Ja, und wie die Jugend sich auch heutzutage benimmt! Höchstens jeder fünfte begrüßt einen, wenn man spazieren geht. Wir hätten, wenn wir nicht zu jedem Grüß Gott gesagt hätten, Schläge bekommen, SCHLÄGE!"
Also, egal wer das auch war und falls die Alten das Schauspiel uns wirklich, durch irgendeinem Grund vorspielten, war der Herr, der jetzt gesprochen hatte, ganz tief in mir drin, fast schon ein Beweis für meinen Verdacht. Er spielte seine Rolle wirklich miserabel; in seiner Stimme klang deutlich ein gewisser Beschwerde- und gleichzeitig Schauspiel, Komödienton mit.
Ich sagte es Chris. Er hatte es auch schon bemerkt. "Aber trotzdem Laura, selbst wenn es so ist; was wollen sie damit erreichen? Es ist eben alles bloß dummer Zufall.
"Ich erwidere ihm den ZUFALL jedoch. Er glaubt es immer noch nicht so recht. Doch unser kleiner Streit wird unterbrochen, wir beobachten, wie sich, nach und nach, die Parkbank leert, da die Alten aufstehen und gehen.
Wir warten, bis sie außer Hörweite sind und dann rollen wir zu der Parkbank hin, in der Hoffnung, irgendetwas zu finden, daß die Alten hinterlassen haben und uns einen Anhaltspunkt darauf gibt, wer sie waren. Als wir angelangt sind, leuchten wir die
Parkbank ab. Plötzlich sehe ich einen Papierfetzen auf der Bank liegen und hebe ihn auf. Ich leuchte mit der Taschenlampe darauf und kann das Wort: "DEUTSCHLAND" erkennen.
"Chris, schau mal, was ich gefunden habe!"
"Wo war das? "
"Auf der Bank."
"Komisch...Naja, stecke es in das Netz an deinem Rollstuhl."
Als ich es getan habe, sagt Chris plötzlich : "Laura, weißt du was? Hast du schon jemals irgendwo eine wahre Geschichte gehört, die nur annähernd so war, wie unsere?"
"Nein. Nirgendwo. Aber wer weiß,... vielleicht träumen wir es auch alles nur?"
"Kann sein. Ich hab so was schon mal in einer von Mutters Klatschzeitschriften gelesen, aber ob es stimmt..."
"Naja, jedenfalls müssen wir jetzt wieder zurück, noch bevor die Sonne aufgeht! Außerdem hätte ich gerne noch ein bißchen geschlafen, bevor mich die Krankenschwester aufweckt, denn ich bin hundemüde."
"Ja, du hast recht, ich auch." sagt Chris gähnend.
Wir fahren weiter nach Norden, um auf dem Gehweg wieder herauszukommen. Doch alles geht nur langsam. Wir sind beide so müde und erschöpft, daß wir fast über dem Fahren einschlafen.
Plötzlich sehe ich einen Karton unter einem Baum stehen. Ich sage es Chris und wir halten an.
Als er ihn hochhebt, sagt er plötzlich zu mir in steigerndem, ängstlichem Tonfall: "Oh, oh! LLaurra! WWeißt du wwas? DDieses Ding tttickkt!"
Jetzt höre ich es auch. "EINE BOMBE!" schreie ich laut. "WIRF SIE WEG! SCHNEEELLL! SCHNEELL!"
Chris wirft sie nicht, sondern stellt sie blitzschnell wieder dorthin wo sie gestanden war, in der Sorge, sie ginge los.
"SCHNELL WEEG!!!" rufe ich ihm zu und in panischer Todesangst fahren wir nach Norden, zuerst Chris, dann ich. Ich habe solche Angst, daß ich alle meine letzten Kräfte zusammennehme, ohne Rücksicht auf meine Verletzungen und meine Müdigkeit. Wir fahren so schnell wir können, mitten durch die dichten Bäume, die den nördlichen Rand des Parks begrenzen. In meinem Kopf wirbeln alle Gedanken durcheinander, ich bin nur noch ein einziges Nervenbündel. Endlich sehen wir vor uns Licht und... Ja! Wir sind auf dem Gehweg. Wir sehen ( gottseidank!) keinen Menschen.Wenn uns jemand gesehen hätte! Zwei junge Leute in panischer Angst, in zwei Rollstühlen, mitten in der Nacht, durch die Stadt fahrend! Oh Gott! Wir suchen nach einer Ampel. Ich bete: "Bitte lieber Gott, laß uns so schnell wie möglich eine Ampel finden, durch die wir so weit wie möglich von der Bombe weg sind, daß wenn sie explodiert, uns nichts passiert!"
Und schon sehen wir eine! Sie zeigt gerade WALK an. Wir fahren, so schnell wie möglich hin und bevor wir hinüberfahren vergewissern wir uns, daß sie immer noch WALK anzeigt. Und schon sind wir auf der anderen Straßenseite. Wir fahren wieder zurück, kreuz und quer, durch Philadelphia. Zum einen ist es gut, daß das Krankenhaus so weit vom Park liegt, weil dadurch das Krankenhaus keinen Schaden nehmen kann, wenn die Bombe hochgeht, zum andern ist es aber nicht so gut, weil wir so weit zurück fahren müssen.
Endlich taucht es vor uns auf. Die meisten Zimmer sind dunkel, in ein paar brennt aber auch Licht. Als wir endlich unten in der Eingangshalle stehen, atmen wir erleichtert auf. Wir fahren in den Lift. Chris drückt den Knopf: " 2. Stock" und schon schweben wir hoch. Als wir oben sind, schwingen die Türen auf und wir fahren auf einen Gang, zwei Gänge vor unseren Zimmern. Wir rollen einen Gang weiter; stellen die Rollstühle dort ab und humpeln den Rest auf unseren Krücken. Wir drücken die Türklinke von Zimmer 265 so leise wie möglich hinunter und schlüpfen in Chris` Zimmer, weil ich noch etwas mit ihm besprechen muß und das geht ja auf dem Gang nicht; jemand könnte uns hören. Wir setzen uns auf Chris` Bett. Ein paar Minuten lang sagt keiner etwas, wir sind noch zu erschöpft. Endlich breche ich das Schweigen: "Ob uns im Krankenhaus jemand gehört hat?"
"Glaube ich nicht, denn sonst wäre er doch sofort aus seinem Zimmer herausgerannt, wenn es ein Patient war." antwortet Chris.
"Und wenn es kein Patient, sondern irgendeine Schwester, oder ein Arzt war?"
"Hm... Na ja, die sind aber doch auch daran gewöhnt, daß nachts Patienten aufs Klo gehen." sagt Chris in versuchtem, beruhigenden Ton.
"Na ja, da hast du wieder recht. Aber was ist mit der Nachtschwester? Hast du, vor Mitternacht gemerkt daß sie reingeschaut hat?"
"Nein, ich habe geschlafen."
"Hm, ich auch. Naja, vielleicht sind viele schwerkranke Patienten im Krankenhaus, zu denen sie oft reinschauen muß. Da hat sie dann nicht soviel Zeit, zu uns hereinzuschauen."
"Hm." antwortet Chris bloß.
"Jetzt aber noch etwas:" fange ich ein neues Thema an, "falls dich morgen irgendjemand fragt, was weiß ich; z.B. ob du nachts oft aufs Klo gemußt hast, oder ob du gut geschlafen hast, gibst du normale Antworten. Niemand soll auch nur den kleinsten Verdacht hegen, daß wir irgendwo anders waren, als in unseren Zimmern. Okay?"
"Ok."
Als ich schon zum Gehen aufstehen will, hören wir draußen auf dem Gang leise Schritte, die immer näherzukommen scheinen. "DIE NACHTSCHWESTER!" schießt es mir durch den Kopf. "Chris, ich muß mich irgendwo verstecken!" flüstere ich ihm zu.
"Oh Gott, wo denn bloß?" fragt er ratlos.
Wir sehen uns um, wir sehen nichts, hinter dem, oder in dem ich mich verstecken könnte. Die Schränke sind gerammelt voll.
"Ich glaube, dir bleibt nichts anderes übrig, als dich unter meiner Bettdecke zu verstecken." schlägt Chris vor.
Die Schritte sind inzwischen so nahe gekommen, daß es mir schwindlig wird. Ich sage nichts, sondern krieche schnell unter die Bettdecke und mache mich so flach wie möglich. Ich flüstere Chris noch schnell zu, er solle sich schnell ganz ruhig ins Bett legen und so tun, als ob er schlafe, doch ich merke, daß mein Rat überflüssig war, er rührt sich nicht mehr und versucht ruhig zu atmen.
Nicht zu früh, ein paar Bruchteile später, höre ich, wie sich langsam die Tür öffnet und nach ein paar Sekunden wieder schließt. "Puh, das war knapp!" stöhne ich. "Aber wenn sie jetzt bei deinem Zimmer war, muß sie bald zu meinem Zimmer kommen! Aber ich bin ja nicht da!" sage ich besorgt. "Ich kann ja nicht einfach zurückgehen, sie wird mich fragen, warum ich aus deinem Zimmer herauskomme und nicht schlafe!" füge ich hinzu. Jetzt konnte uns nur noch ein Wunder helfen!
Und das Wunder geschieht tatsächlich! In dem Moment, als ich glaube, sie muß jetzt schon bald an meinem Zimmer sein, hören wir leise, wie jemand nach der Nachtschwester klingelt. Dann hören wir leise Schritte, die sich immer weiter von uns, an das Ende des Ganges, entfernen. "Gottseidank!" murmle ich leise. "Jetzt muß ich schnell in mein Zimmer, damit sie mich 'schlafend' vorfinden kann."
Also rapple ich mich unter ein paar Schmerzen vom Bett auf, sage Chris schnell "Gute Nacht und... Ich komme morgen mit meiner Mutter wieder zu dir, damit wir uns das Serum und den Schnipsel mit dem Wort "DEUTSCHLAND" darauf, (das Chris alles zwei in seinem Schrank versteckt hatte) näher anschauen können." und schlüpfe aus dem Zimmer.
Schnell bin ich in meinem Zimmer und lege mich so schnell wie möglich, allerdings wieder unter ein paar Schmerzen, in mein Bett und stelle mich schlafend. Als ich nach ein paar Minuten höre, wie die Krankenschwester hereinschaut und dann wieder weggeht, atme ich erleichtert auf, lege schnell noch meinen Roman "Schreckensnacht auf Schloß Dark Castle" den mir Mutter mitgebracht hat, auf meinen Nachttisch, als sähe es so aus, als hätte ich vor dem Schlafen noch etwas gelesen und lege mein Lesezeichen in irgendeine der ersten Seiten.
Plötzlich, als ich schon fast eingeschlafen bin, schrecke ich durch einen Knall hoch. "KABOMMM!!!!!"
Im ersten Moment habe ich Angst, aber dann glaube ich zu wissen, was passiert ist. DIE BOMBE IM PARK! WENN WIR JETZT NOCH DORT GEWESEN WÄREN! Ich habe auch so viele Fragen über die Bombe, die ich mir nicht beantworten kann, z.B. Sind Menschen der Bombe zum Opfer gefallen? Wer war der
Bombenleger? Warum machte er das? usw.
Langsam beruhige ich mich wieder, weil der Schlaf mich übermannt. Kurz bevor ich einschlafe, denke ich noch über alles nach. ES IST ALLES SCHON SEHR SELTSAM! Und schon bin ich eingeschlafen.


 Kapitel 5
© 2008 by Janis Purucker



 Über mich, Janis Purucker