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Das geheimnisvolle Serum

ein Fantasy Abenteuer-Roman von Janis Purucker


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Kapitel 6

Als ich (anscheinend aus einer langen Ohnmacht) aufwache, ist das erste was ich sehe, so etwas wie eine Kapelle! Es ist kalt. Ich friere in meinem dünnen Morgenmantel. Ich setze mich auf. Ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus! Neben mir liegt Chris, meine Flasche Orangensaft und die Tasse mit dem Serum steht auch da!
"Wo bin ich?" frage ich mich. "Was ist geschehn?" , "Was soll ich tun?"
Nach ein paar kurzen Überlegungen entschließe ich mich, zuerst Chris aufzuwecken. Vielleicht weiß er wo wir hier sind und was wir hier machen sollen. Doch trotzdem, ich habe wenig Hoffnung. "Chris?" frage ich. "Chris, bitte wach auf!"
"Hm, was ist denn los?" fragt er noch halb im Schlaf.
"Chris, ich habe Angst! Wir sind nicht da, äh, wo wir, äh, hergekommen sind, äh, ich glaube, bei so etwas wie einer, äh, einer Kapelle." stottere ich drauf los.
"Wie bitte? Wo sind wir?" fragt er benommen.
"Jetzt wach doch erst mal auf!" rufe ich. Chris richtet sich auf und schaut in unsere Umgebung. Seine Augen werden immer größer. "LLLaauurra! Was ist hier los? Wo bin ich? Was ist passiert?"
"Woher soll ich das wissen? Ich bin auch eben hier aufgewacht." antworte ich ihm.
"Äh, was? Jetzt verstehe ich gar nichts mehr. Wir waren doch eben noch im Krankenhaus, in Philadelphia! Und jetzt? Laura, Laura, ich glaube wir träumen! Wir sind einfach im Krankenhaus eingeschlafen! Ja, so muß es sein!" träumt Chris vor sich hin.
"Na, dann haben wir aber einen schönen Traum!" sage ich lachhaft, "Nein nein, Chris, jetzt komm mal wieder auf die Erde zurück!" sage ich und füge noch hinzu: "Oder was das hier sein soll!"
"Meinst du wirklich?"
"Ja, wirklich!" versichere ich ihm. Jetzt scheinen seine Gedanken endlich wachgeworden zu sein: "Hm, aber was wollen wir dann hier? Und wie sind wir hergekommen? Hm... Naja, ich glaube, wenn wir hier rumsitzen und blöd quatschen, werden wir es nie herausfinden! Also... Was steht denn hier neben mir? Die Tasse mit dem Serum? Und hier... Deine Flasche mit Orangensaft! Hm...Also ich verstehe die Welt, oder diesen Planeten, oder was das ist, nicht mehr!!"
"Naja, komm, schauen wir uns erstmal um!" schlage ich vor und Chris stimmt zu.
Also stehen wir auf. Was? "Chris, Chris wie sind wir eben aufgekommen, wir haben doch gar keine Kr...!" fange ich an.
"Laura, Lauraaa! Wir, wir sind..."
"Geheilt, wolltest du sagen, nicht?" vollende ich seinen Satz vor Freude strahlend. Und wir laufen aufeinander zu und umarmen uns stürmisch. Nachdem wir uns wieder ein bißchen beruhigt haben, beschließen wir, alles nach der Reihe durchzugehen. Alle unsere Fragen. Die erste Frage: "Wo sind wir?"
"Also," fange ich an, " ich kann mich noch an...Ah! Ich kann mich erinnern, daß ich mich, nachdem ich meinen Finger abgewischt hatte, wieder auf dein Bett setzte und das Wort "Deutschland" nachdenklich sagte - kombiniere: WIR SIND IN DEUTSCHLAND!"
"Hm, klingt sehr, äh... vernünftig."
"Tja, jetzt die nächste Frage: Wie sind wir hierhergekommen? Hm, nehmen wir einmal an, es ginge so: Jeder, der mit will, muß, ein bißchen Serum irgendwo an seinem Körper oder vielleicht auch an einem seiner Kleidungsstücke haben, dann, müsse man den Ort sagen, wo man hin wollte, tja und dann, dann ist man eben einfach dort. Doch - halt! Das kann nicht stimmen, denn du hattest zwar das Serum noch am Finger, doch ich habe es ja abgewischt. Hm..."
Doch da unterbricht mich plötzlich Chris: "Doch!!! Ich weiß!!! Es stimmt schon so wie du gesagt hast!"
"Aber Chris, ich habe dir doch eben zu erklären versucht..."
"ja," unterbricht mich Chris, "aber schau mal auf deinen Morgenmantel." sagt er und ich staune nicht schlecht: Auf meinem Morgenmantel sehe ich einen rot-gelben Fleck schimmern.
"Tja, dann wäre diese Frage wohl auch gelöst." sage ich lächelnd. "Jetzt fehlt nur noch eine: Warum sind wir hier? Hm... Tja, ich glaube, da müssen wir noch ein bißchen forschen. Ich schlage vor: Wir schauen einfach mal in diese Kapelle."
Und Chris stimmt zu. Wir nehmen alles mit. Langsam drücke ich die Türklinke an dem rechten Torflügel der Kapelle auf. Drinnen scheint durch die bunt bemalten Fenster Tageslicht herein. Wir sehen uns ein bißchen um. Vor dem Altar sind fünf Bankreihen. Wir gehen den Gang zwischen den Bankreihen entlang, genau auf den Altar zu. Unter einem Standbild von Jesus am Kreuz, zwischen rechts und links zwei brennenden Kerzen, liegt ein Buch. Zunächst halte ich es für die Bibel und sage meine Vermutung Chris, doch nachdem er das Buch näher betrachtet hat, schreit er plötzlich auf: " Laura! Das ist das Buch, das ich von dem Bettler geschenkt bekommen habe! Aber... WAS? Was steht da?"
"Warte äh, auf dieser Seite steht: Hallo ihr beiden, Christian und Laura! Ihr fragt euch sicher, was ihr hier wollt, ich sage es euch: Wir, ein kleiner Verein, der nur aus alten Leuten besteht; helfen solchen, die mit dem Leben nicht mehr klarkommen. Und deshalb wollen wir euch auch helfen! Laura, du fragst dich jetzt sicher, was du dabei sollst. Das kann ich dir sagen: Du bist Christians Beschützerin. Du bist die vernünftigere, also führe ihn durch alle Gefahren, die ihr durchstehen müßt, aber verwöhne ihn nicht zu sehr, er soll ja trainiert werden!"
Da unterbricht mich Chris wieder: "GRRR! DER SPINNT WOHL! DU MEINE BESCHÜTZERIN, HA! DAS ICH NICHT LACHE, ICH KANN SELBST AUF MICH AUFPASSEN!" schreit er.
Ich denke: "Ich verzeihe es ihm, daß er so redet, denn ich hätte wahrscheinlich auch so reagiert, wenn ich Chris gewesen wäre.
Ich lese weiter: "Aber ich glaube, Christian sieht das auch noch ein, denn durch all die Gefahren hindurch, die euch erwarten, müßt ihr zusammenhalten. Es gibt kein Zurück! Ihr mußtet ja das Serum haben! Wenn ihr es nicht schaffen solltet... Naja, aber, wenn ihr alle Aufgaben gemeinsam bewältigt und alle Gefahren zusammen durchsteht, erwartet Christian mehr Vernünftigkeit, bessere Leistungen in der Schule, Gesundheit, Frieden mit seinen Eltern und Glück.
Dich, Laura, Gesundheit, Frieden mit deinem Vater, und Glück."
Ich sage beunruhigt dazwischen: "Aufgaben, Gefahren? Hört sich gefährlich an!"
Ich lese weiter: "Aber nun zu eurer ersten Aufgabe: Ihr seid doch hier in einer Kapelle, nicht? Also, eure erste Aufgabe wird sein, hier aus dieser Kapelle herauszukommen, denn in diesem Moment schließt sich die Tür."
"Was?" schreit Chris und rennt zur Tür. "Mist, zu!" ruft er.
"Oh, Gott hilf uns." stammele ich. Ich lese weiter: "Also, ich gebe euch ein paar Tips. Hier in dieser Kapelle sind ein paar Hinweise versteckt, auf denen draufsteht, wie und wo man rauskommt. Es müßten insgesamt zwei sein. Ach ja, eines noch: Da ich annehme, daß ihr es an einem Tag nicht schafft, hier herauszukommen, die Bankheizungen sind eingeschaltet. Viel Spaß! Und: nehmt dieses Buch mit, alle eure Aufgaben stehen drin."
"Jetzt ist die Seite zu Ende." sage ich. Ich sehe ein paar Seiten weiter, aber es steht nichts da. Komisch. Ich sehe mich nach Chris um; er sitzt in der ersten Bankreihe und hat mir aufmerksam zugehört.
"Hm," sagt er nachdenklich, "dann müssen wir wohl anfangen zu suchen."
"Ja, komm, sehen wir mal unter den Altartisch... Hm, da ist nichts."
"Laura, Laura, ich glaube da ist etwas!"
Ich schaue zu ihm hin. Er kramt unter dem Sitzkissen einer Bank. Ich laufe hin. "Da drunten soll was sein?" frage ich ihn ungläubig.
"Ja, ich hab's gleich... Ja! Ein Papierfetzen!
"Was steht drauf?" frage ich ihn.
"Lies du vor!"

Das war nur ein Scherz! Habt ein Herz!

Ich sage verärgert: " HA, HA, HA, IST WIRKLICH SEHR LUSTIG!"
Auch Chris ist enttäuscht. Aber es hilft alles nichts, wir müssen weiter suchen! Wir suchen alle Bankreihen durch; fassen drunter, schauen drunter, aber... Nichts! "Irgendwie glaube ich auch, daß wir hier heute nicht mehr rauskommen!" sage ich seufzend, als ich auch die letzte Bank untersucht habe und nichts gefunden habe.
Plötzlich ruft Chris von irgendeiner Richtung her: "Laura, Laura, komm schnell, ich glaube, ich habe was!"
Ich sehe mich um. Chris steht vor dem Altar und greift mit einem Arm dauernd wieder hinter das große Jesuskreuz. Ich laufe hin. Doch als ich bei ihm angekommen bin, schreit er plötzlich: "AUUUUUU!" Er zieht seine Hand blitzschnell hinter dem Kreuz hervor. Ich sehe, daß seine Hand stark blutet. Schnell renne ich zu einer Bank und reiße mit einer gewaltigen Kraft das Sitzkissen herunter. Ich zerreiße es noch ein paar Mal, so daß ein Stück daraus entsteht, das ich Chris um die Hand wickle.
Als wir uns vom ersten Schrecken erholt haben, sagt Chris: "Danke Laura, aber schau!" Und er macht seine Faust auf : Darin ist ein zerknitterter Zettel. "Hoffentlich nicht wieder ein Scherz!" denke ich und nehme ihn. Ich lese:

Erster Hinweis: Der Knopf

"Hm," sagt Chris, "der Knopf... Ja, aber wo?!"
"Tja, wenn wir das wüßten!" seufze ich. Obwohl es mich sehr wundert: Es muß mittlerweile schon 6 Uhr abends sein, denn nur noch wenig Licht dringt durch die bunten Fenster der Kapelle. "Komisch," sage ich zu Chris, "es war im Krankenhaus doch erst Nachmittag und jetzt wird es schon dämmerig."
"Ja, das ist mir auch schon aufgefallen." sagt Chris, der sich auf eine Bank gesetzt hat.
Ich denke scharf über alles nach. Plötzlich rufe ich: "Aber, halt, halt, halt, da stimmt doch was nicht! Ich weiß nicht, aber irgendwas ist da faul... JA! Als ich hier neben dir aufgewacht bin, da stand die Sonne noch hoch am Himmel! Und jetzt...jetzt dämmert es schon! Also ich werde heute noch verrückt! Wo sind wir
hier bloß gelandet! Ich glaube kaum, daß das Deutschland ist!"
"Tja, ich kenne mich auch nicht mehr aus. Aber eines steht fest: Wenn wir hier raus wollen, dann schaffen wir das auf keinem Fall, wenn wir nur rumsitzen! Wir müssen herausfinden, was es mit diesem Knopf auf sich hat!"
Ich stimme ihm zu und wir suchen weiter. Als wir nach ca. 2 Stunden immer noch nichts gefunden haben, setzen wir uns erschöpft.
Ich fange an: "Irgendwie habe ich ein komisches Gefühl im Magen! Was ist das bloß... Oh! Ich glaube ich habe Hunger! Und vor allem Durst! Ich kann doch nicht das Weihwassergefäß austrinken!"
Doch plötzlich unterbricht mich Chris: "Hey, wir haben doch den Orangensaft mitgebracht!"
"Ach ja! Wo haben wir den denn hingestellt..."
Ich stehe auf und sehe mich um. "Ah! Dort hinten! Auf der letzten Bank! Gottseidank haben wir alles mit hereingebracht!"
Wir trinken die halbe Flasche aus, - das heißt, wir hätten die ganze Flasche ausgetrunken, wenn ich nicht dazwischen gesagt hätte: "Ich glaube, wir werden uns hier in diesem 'LAND' ( ich spreche das Wort spitz aus) länger aufhalten müssen. Wer weiß, ob es da was zu trinken gibt! Ohne Essen hält man es lange aus, aber ohne etwas zu Trinken?! Wir hätten schon nicht mal so viel trinken dürfen!"
Chris stimmt mir seufzend zu und hört auf. Es ist mittlerweile ganz dunkel geworden. Wir sehen fast nichts mehr. Also blasen wir die Kerzen auf dem Altar aus und legen uns auf zwei Bänke. Gottseidank gibt es eine Sitzbankheizung! Ich sage zu Chris: "Gute Nacht und... wir werden es schon irgendwie schaffen."
"Ja. Gute Nacht Laura." antwortet mir Chris.
Und obwohl wir auf den Bänken recht hart liegen, schlafen wir nach einiger Zeit ein.


 Kapitel 7
© 2008 by Janis Purucker



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